Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Ich muss gestehen, ich mag Klischees. Bevor ihr euch an den Kopf greift, ihn verständnislos gegen die Tischplatte hämmert, lasst mich kurz erklären, warum. Ich mag Klischees dann, wenn jemand diese eingefahrene Vorstellung über mich in seinen Gedanken mit sich schleppt und ich ihm dann das Gegenteil beweisen kann. Wenn ich zeigen kann, dass ich nicht so bin, wie man mich anfangs eingeschätzt hat. Dass ich überraschen, verblüffen, erstaunen kann. Okay, okay, bevor ich weiterhin abstreite und große Reden schwinge, ja, die Blumenfotos sind „so much cliche“. Aber ich fotografiere sie gerne. Sie strahlen immer etwas Magisches für mich aus, unabhängig davon, dass es schon genügend und wesentlich bessere Fotografien von Blumen gibt. Dieses Klischee schleppe ich gerne mit mir herum und ich streite auch nicht ab, dass ich manchmal nicht einem Klischee entspreche und es erfülle. Klischees in dieser Art und Weise sind mir nicht zuwider. Niemals. Welche Klischees mir allerdings zuwider sind, sind jene, die ich laut den Meinungen anderen Menschen unbedingt zu erfüllen hätte. Ähm, warum sollte ich?

Der Frühling ist hereingebrochen und es liegt da dieser Geruch in der Luft. Dieser penetrante (okay, das Wort übertreibt nun maßlos) Geruch von Liebe. Im Volksmund spricht man gerne von Frühlingsgefühle. Es gibt keine bessere Zeit, sich zu verlieben, als jetzt. I know, I know. Manchmal hat man sogar das Gefühl, als ob sich auch die Vögelchen alle ganz doll lieb haben würden und sich „Vogeline“ in den hübschesten „Vogerich“ verliebt. Schön, schön. Und nun steigen sie, die Erwartungen. „Lisa, jetzt ist die Zeit da, um eine Beziehung einzugehen. Jetzt ist die Zeit, um sich zu verlieben. Love is in the Air.“ Ja, diesen Satz habe ich tatsächlich zu hören bekommen. Ähm, ja schön, okay, fragt sich nur: Mit/in WEN?  

Warum wollen sich alle so zwingen? Es ist schön, wenn man sich verliebt, aber es ist auch nur dann schön, wenn es von sich aus passiert. Von selbst! Wenn es von Herzen kommt! Wenn es sich entwickelt und nicht, weil gerade Frühling auf dem Kalender steht. Ich kenne tatsächlich Menschen, die in der Frühlingszeit (im Übrigen genauso wie in der Weihnachtszeit) eine gewisse Torschlusspanik bekommen, wenn sie noch alleine sind und keinen Partner an ihrer Seite haben. Die suchen dann akribisch nach der „Love of my Life“, auch wenn es nur vorübergangsweise ist. (Das sollte ein kleines Wortspiel für die Übergangszeit sein)

Bestimmt ist es schön, wenn diese Schmetterlinge genau zur Frühlingszeit ins Bäuchlein flattern, dem will ich sicher nicht widersprechen, aber warum bekomme ich so einen Satz an den Kopf geknallt? Bang! Soll ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn gerade die ultimative Lovetime Saison hat und ich alleine bin? Verpasse ich irgendetwas? Das heißt doch nicht automatisch, dass ich jetzt als alte Schachtel alleine in irgendeiner heruntergekommenen Bude mit zigtausend Katzen ende. Obwohl die Vorstellung mit zerzausten grauen Haaren, schlechten Zähnen und fetzigen Lumpen schon sehr ansprechend ist. Keine Angst, ich mache nur Spaß! 

Momentan befinde ich mich wieder stark in einer Nachdenkphase. Oft ertappe ich mich dabei, wie einfach nur so dasitze, egal wo, auf meinem Bett, draußen auf der Terrasse mit einem Kaffee in der Hand oder bei uns in der Nähe, wo sich eine schnucklige Teichanlage befindet, dass ich so abwesend bin und nur nachdenke. Wenn ich aus diesem tranceartigen Zustand aufwache, weiß ich oftmals gar nicht, an was oder vielleicht sogar an wen ich gedacht habe, obwohl meine Abschweifungen in die Gedankenwelt in letzter Zeit viel bewusster und klarer erlebt wurden. Selbstverständlich mache ich mir Gedanken darüber, dafür habe ich mir heute einen bewussten Moment Zeit genommen. Aber nicht darüber, warum ich ausgerechnet JETZT zur Frühlingszeit oder generell schon eine ganze Weile alleine bin, sondern warum es Menschen gibt, die sich in solchen Dingen tatsächlich stressen. Die meinen, dass man jetzt MUSS! Weil es eben ein Klischee ist. Warum? Ich finde es schöner, wenn man es einfach passieren lässt. Wer weiß, vielleicht kennt man den Menschen, mit dem man (irgendwann) gerne zusammen ist, bereits schon, nur man hat noch keinen blassen Schimmer davon. Soll heißen, dass ich an die „Liebe auf den ersten Blick“ schon lange nicht mehr glaube, sondern einfach, dass es passiert. Es passiert, während man sich immer besser kennenlernt. Während man einen tieferen Einblick in den Charakter eines Menschen bekommt und nicht, weil man dem Klischee entsprechen muss, im Frühling in einer Beziehung zu sein. Und dabei finde ich es wundervoll, wie der EINE Mensch immer schöner für einen wird, nur weil man den Charakter so schön/toll findet. Unabhängig davon, ob dieser Mensch im inneren Gedankenbild dem „Mr. Right“ (im Falle der Männer der „Mrs. Right“) entspricht, den/die man sich eigentlich schon immer (wenn auch unbewusst) an seine Seite gewünscht hat.

Außerdem -und das finde ich megawichtig- man ist auch als Single nie allein. Und auch als Single liebt man. Man liebt seine Familie, seine Freunde und ja sogar die verzogene Katze, an deren Divagehabe man im Endeffekt selbst Schuld hat. Man liebt die Momente, die uns ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Man liebt sein Lieblingslied, sein Lieblingsessen, sein Lieblingskleidungsstück. Natürlich ist mir klar, dass all diese Dinge in eine verschiedene Kategorie des Überbegriffs Liebe gehören, aber man liebt, selbst wenn man die Liebe zu einem Partner, zu seinen Freunden, seiner Familie und zum Lieblingskleidungsstück nicht vergleichen kann. ABER MAN LIEBT! 

Und weil der Frühling doch so seine Spuren bei mir hinterlassen hat und ich einfach nur wegen dieser schönen Zeit, den hübschen Cherryblossoms und dem Blümchenduft ein paar Schmetterlinge im Bauch flattern habe, möchte ich euch ein (Liebes)lied „zitieren“, welches ich momentan mit Vorlieben höre. Und wenn man keinen Partner hat, dann kann man dieses Lied auf einen anderen Menschen beziehen (in meinem Fall auf meinen wundervollen Neffen S.) und fertig! Denn dann hat man das Klischee automatisch wieder gebrochen!

Don’t you know you stop the room! And all that I can see is you! I’m standing where the lightning strikes! I know this doesn’t happen twice! You must be my once in a lifetime, in a lifetime!

 

Hört euch das Lied an. Ich muss fast immer ein paar Tränchen vergießen, weil es so schön ist. Das Original ist übrigens von Austin Landon, aber ich träume gerade bei dieser Version vor mich hin. Ich habe es übrigens auch in Dauerschleife gehört, wie ich diesen Post hier verfasst habe.

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3 Comments

  1. Hallo Lisa,

    wie schön ist denn dieser Blogeintrag bitte geworden? (Übrigens habe ich vor genau 5 Minuten ebenfalls Kirschblüten fotografiert, es sieht aber auch traumhaft schön aus). Sei bitte so lieb und mach dir wegen solchen Sätzen keine Gedanken. Es ist doch albern, sich darauf zu versteifen, sich jetzt unbedingt sofort zu verlieben, nach so etwas sucht man doch nicht. Die Liebe findet man einfach. Oder sie findet einen. Und nur weil jetzt Frühling ist heißt das nicht, dass single sein doof ist. Allgemein, wieso denkt die Gesellschaft so oft, dass man nur ein vollwertiges Mitglied ist, wenn man einen Partner hat? Wie abern ist das denn. Du hast das so passend gesagt, nur weil man single ist, ist man nicht alleine. PUNKT. Mal davon abgesehen bist du so eine Liebe, du wirst sicher keine einsame alte Katzenlady! 🙂 Hach, vermutlich könnte ich gerade noch stundenlang so weiter schreiben, aber ich glaube, es ist auch so klar, dass ich dir vollkommen zustimme und ich von deinem Text (und von deinen wunderschönen Bildern) komplett begeistert bin.

    Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende 🙂
    Julia

  2. Ein schöner Text. Ich versuche mal darauf einzugehen, auch wenn ich mittlerweile seit 5 1/2 Jahren mit meinem Freund zusammen bin:
    1. Ich finde nicht, dass man als Single alleine ist und dnek auch nicht so über Leute ohne festen Partner. Man hat doch seine Eltern, Familie und vor allem auch die Freunde. Es gibt mehr Menschen in deinem Leben, als nur den Einen.
    2. Stimme ich dir zu, dass man sich nicht verlieben muss, nur weil jetzt gerade Fürhling ist. Die Liebe ist nicht an eine Jahreszeit gebunden. Mein Freund und ich sind damals im Herbst zusammen gekommen. Angefangen hat es mit einer Sommerromanze, während wir uns im Frühling noch nicht mal richtig gekannt haben. Auch ohne diese "Frühlingsgefühle" war und bin ich verliebt. Das daran festzumachen ist also vollkommener Quatsch. Und du hast absolut Recht. Wenn es passier, dann passiert es. Es erwischt dich einfach. Das kann man nicht planen und schon gar nicht an der Jahreszeit festmachen. Meist passier es ja auch genau dann, wenn man eben nicht mehr darüber nachdenkt 😉
    Liebst Irina

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