Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Wehmütig starre ich nun schon seit einer gefühlten halben Stunde auf ein Foto, welches nun bereits fünf Jahre alt ist. Nahezu taxierend kleben meine Augen auf einem einzigen Bauwerk. Das blonde Mädchen davor? Unwichtig! Es macht mich traurig, dass es schon so lange her ist und alleine der bloße Gedanke, dass das mein letzter richtiger Städtetrip war, lässt mich zittern. Wo ist nur die Zeit geblieben? Das Bild zeigt mich, wie ich überglücklich vor der Tower Bridge in London stehe. Ich weiß noch ganz genau, wie schön dieses Gefühl war, als ich mir einen langjährigen Traum erfüllt habe. Einmal in meinem Leben London sehen. Der tränenreiche Flug war sofort vergessen, die Flugangst einfach hinter ein Placebo geschoben, bei welchem mir meine Mutter weis machen wollte, dass es gegen Flugangst hilft. Tat es eigentlich nicht. Ich glaubte daran, also erfüllte es seinen Zweck. Meine Flugangst nehme ich in Kauf. Einfach weil ich in meinem Herzen eine Geographin bin, die viele Ecken und Kanten auf der Welt entdecken möchte. Fünf Jahre sind seit London vergangen. Ich habe es schon erwähnt. Nur – warum habe ich so viel Zeit verstreichen lassen? Fünf Jahre? Warum? Warum bin ich seit London in keiner Stadt außerhalb von Österreich mehr gewesen?

Fakt ist -und das habe ich ziemlich zum Anfang meines Blogs gesagt- ich will einmal alle Hauptstädte in Europa sehen. Seit über einem Jahr ist das allerdings nicht mehr genug. Ich will mehr. Ich will etwas Außergewöhnliches erleben. Ein Abenteuer. Amerika klingt verlockend. Aber nach Amerika will jeder. Das ist nichts Besonderes mehr. Natürlich träume ich weiterhin von einem Trip in die Staaten, aber es besitzt nicht mehr eine solche Relevanz, wie damals, als ich 14 Jahre alt war. Neben den ganzen europäischen Hauptstädten steht Tokio ganz oben auf meiner Liste. Dass es als Studentin noch unerfüllbar bleiben wird, ist klar – jedenfalls für mich. Aber irgendwann, ja, irgendwann stehe auch ich vor dem Tokyo Tower, lächle in die Kamera, voller Glück und Freude und ich bin mir sicher, ich werde noch glücklicher aussehen, als auf dem Foto vor der Tower Bridge. Irgendwann shoppe ich in Shibuya, esse Sushi in einem echten japanischen Sushirestaurant, stehe am Fuße des atemberaubenden Fuji und versuche mich mit schlechtem Japanisch in der Metropole zurechtzufinden. Irgendwann werde ich vor Ort Hanami erleben und Sake trinken. Und vorher werde ich noch brav Japanisch pauken, damit ich das schlechte Japanisch in Japan auch anwenden kann. Noch vor kurzem hätte ich alles dafür getan, ein Auslandssemester dort zu machen. Diesen Wunsch habe ich aber gar nicht mehr. Viel lieber möchte ich nach meinem Studium dort hinreisen, sozusagen als Belohnung, dass ich es wirklich durchgezogen habe, obwohl anfangs keiner wirklich daran glaubte.

Was jedoch bleibt ist die Reiselust, die sich immer mehr in mir ausbreitet. Die Sehnsucht nach der Ferne tut weh, richtig weh. Ständig sehe ich Urlaubsfotos auf Instagram und Facebook und dann muss ich mich selbst fragen: „Hey Lisa, warum fährst du nicht einfach auch irgendwohin?“ Die letzten Jahre ließen kaum Raum, eine Reise zu planen, obwohl mein Traum schon so lange feststeht. Ich möchte über die Ponte 25 de Abril fahren, egal wie mulmig mir dabei zumute sein wird, in dem Wissen, dass sich unter mir das tosende Meer befindet, ich möchte in einer heißen Quelle in Island baden und vor dem Eiffelturm ein Outfit shooten. Und fernab von Europa – ich will die Zhongyuan Buddha Statue, die höchste der Welt, live sehen.

Irgendwie muss ich mir selbst an den Kopf greifen. Wie blöd bin ich eigentlich? Neulich hat mir ein guter Freund meines Vaters das gesagt, was ich endlich hören musste, um aufzuwachen. „Jetzt hast du noch die Chance, die Welt zu sehen. Tu es einfach!“ Er hat Recht. Er hat so etwas von Recht. Die letzten Jahre habe ich mit Ausreden verschwendet, gemeint, ich hätte keine Zeit und dass es finanziell nicht drin ist. Bullshit! An dieser Stelle verzeiht mir die Ausdrucksweise. Zeit kann man sich nehmen. Man muss nicht immer der pflichtbewusste Mensch sein. Was bringt mir das auch, wenn ich dadurch vergesse, mein Leben einfach mal zu genießen? Und Reisen können sich auch Studenten leisten. Es gibt so viele, die von den Eltern keine Finanzspritze bekommen und trotzdem viel herumkommen. Dann muss ich halt sparen und viel neben der Uni arbeiten. Dann geht das schon. Irgendwie. Ich schaffe es auch, wenn es andere schaffen.

Vielleicht nehme ich mir auch zu viel vor. Ich neige immer dazu, mir viele Pläne zu machen, mir unzählige Dinge aufzubrummen und im Endeffekt kann ich dann gar nichts von meiner To-Do-Liste erfüllen. Warum sage ich mir immer: „Du willst alle Hauptstädte Europas zumindest einmal sehen!“ anstatt: „Fangen wir doch klein an. Budapest ist zum Beispiel sehr schön.“ oder „Egal was, wir nehmen das, was Hoferreisen hergibt.“ Abgesehen davon ist nicht nur das relevant. Einfach mal spontan sein. Spontanität? Habe ich anscheinend verlernt. Ich weiß noch, wie spontan ich mit 18 war. Kann man Spontanität überhaupt verlernen? Vielleicht ist es wie Fahrradfahren. Man muss nur wieder damit anfangen, dann wird man bestimmt sofort wieder die richtige Balance finden.

Daran glaube ich jetzt. Immer, wenn ich realistisch, aber positiv angehaucht denke, funktionieren die Dinge, so wie ich will. Darum – nicht mehr Ausreden finden, einmal etwas für mich tun und dann kann ich auch das Fernweh heilen! Ganz bestimmt. Wenn es diesmal keine europäische Hauptstadt ist, auch nicht schlimm. Hauptsache ich sehe einmal etwas anderes, als Balkonien 🙂

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6 Comments

  1. Oh, ein bisschen kenne ich das. Ich war zwar im letzten Jahr z.B. in Prag, Brüssel und Frankfurt, aber leider nur jeweils ein Wochenende und das hat nicht gereicht. Richtig Urlaub habe ich ewig nicht mehr gemacht. Aus den selben gründen wie du: Keine Zeit, kein Geld usw. Ich hoffe, dass sich das dieses Jahr ändert, mal wieder länger als nur ein Wochenende weg, wäre schon schön. Es gibt so viele Orte zu entdecken, also auf, auf. 😀

    LG
    Aillbe

  2. Ich habe letztes Jahr auch viele kleine Trips gemacht, weil größere Ausflüge nicht drin waren! Natürlich wünsche ich mir auch nach Amerika oder Japan zu verreisen, aber jetzt freue ich mich erstmal wieder auf Berlin nächste Woche 🙂 Wie du schon sagst, Hauptsache mal raus! Hast du schon etwas geplant für dieses Jahr?

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