Author Archives: lisa-reiter

Die besten veganen Iced Coffee Rezepte

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Die besten veganen Iced Coffee Rezepte

Sommer Zeit ist Iced Coffee Zeit. Heute teile ich die besten veganen Rezepte mit euch. 

*Disclaimer: Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit De’Longhi. Die Meinung, die ich hier vertrete, ist zu 100% meine eigene! 

Gibt es etwas schöneres, als im Sommer den Feierabend bei einem Iced Coffee ausklingen zu lassen? Wahrscheinlich nicht. Für mich gibt es nichts besseres, als nach einem langen Arbeitszeit die Füße hochzulegen und einen Iced Coffee zu trinken. Da Abwechslung bei mir sehr willkommen ist und ich mich schnell mit einem Rezept langweile, tüftle ich gerne herum und kreiere immer wieder neue Drinks. Eh klar, Vielfalt im Geschmackserlebnis muss sein. 

In Zusammenarbeit mit De’Longhi durfte ich etwas ganz Besonderes für euch erstellen. Ein Booklet mit den besten veganen Iced Coffee Rezepten zum Download. Alle Rezepte, die ich für euch kredenzt habe, findet ihr darin. Aber nicht nur das. Das Booklet enthält noch wesentlich mehr für euch.  

Iced Coffee Beans
Iced Coffee and Summertime

Das Iced Coffee Booklet

Vor wenigen Wochen hatte ich das Vergnügen, meine neue Kaffeemaschine von De’Longhi in Empfang zu nehmen. Bei dem Schmuckstück handelt es sich um die De’Longhi EC 850M Espressomaschine. Für mich ein kleines Zeitersparnis, da diese Espressomaschine dazu in der Lage ist, die Milch automatisch aufzuschäumen. Früher habe ich die Milch noch manuell aufgeschäumt – mit der Dampfdüse. Obwohl ich das natürlich nach wie vor sehr schätze und es gerade bei Latte Art notwendig ist, die Milch selbst im Milchkännchen aufzuschäumen, bin ich froh, dass ich durch meine neue Espressomaschine morgens wesentlich weniger Zeitaufwand habe und trotzdem meinen Cappuccino genießen kann.  

Mit diesem Baby als neue Verstärkung in der Küche, habe ich mich gleich ans Werk gemacht und an Iced Coffee Rezepten getüftelt. So entstand auch das Iced Coffee Booklet. Da ein reines Rezept Booklet viel zu langweilig ist und ich mehr aus diesem Projekt herausholen wollte, findet ihr in meinem Iced Coffee Booklet zusätzlich nützliche Informationen zur De’Longhi EC 850 M Espressomaschine sowie Wissenswertes über Robusta und Arabicabohnen. Vielleicht habt ihr euch selbst schon einmal gefragt, worin der Unterschied liegt. 

Last but not least stelle ich euch Meine Favoriten vor, wenn es um vegane Milchalternativen geht. Wie ihr wisst, versuche ich Milch so gut es geht zu vermeiden, da ich eine Milcheiweißunverträglichkeit habe. Da es jedoch nicht so einfach ist, die perfekte vegane Alternative zu finden, die sich auch noch gut aufschäumen lässt, habe ich mir gedacht, ich teile meine Empfehlungen mit euch. So habt ihr eine größere Auswahl und müsst euch nicht auf Sojamilch beschränken, die sich -wie wir ja ohnehin alle wissen- immer problemlos aufschäumen lässt. ABER: da geht noch mehr. 

Kaffeemaschine um Iced Coffee zuzubereiten
3 Shades of Iced Coffee

Diese Iced Coffee Rezepte

findet ihr in meinem Booklet

Cashew Frappuccino

Cashew | Crushed Ice | Vanilla 

Coco-Oat-Iced-Coffee

Coconut | Oat | Ice cream

Almond Coffee Shake

Almond milk | almond butter | ice cubes 

Viel Spaß beim Schmökern

Life Update #22: Die Zeit nach Corona

Life Update #22

Die Zeit nach Corona

Nach Corona ist viel passiert. Da mein letztes Life Update schon ein Weilchen her ist, gibt es heute nach langer Zeit wieder einmal Neuigkeiten aus meinem Leben. 

Endlich ist er da! SOMMER! Und dieses Jahr scheint er -den Umständen zu Trotz- vielversprechend zu werden. Ich kann es immer wieder aufs Neue betonen: Sommer ist ein ganz anderes Lebensgefühl. Alles, was ich erlebe, spüre ich intensiver, sodass ich gegen Ende des Sommers meistens wehmütig werde und mich über den bevorstehenden Herbst beklage. Dieses Jahr ist es anders. Zwar will ich natürlich nicht, dass der Sommer wieder so schnell vorübergehen wird, aber ich freue mich absolut auf das, was das restliche Jahr und darüber hinaus noch für mich bereithalten wird. Aber erstmals wird der Sommer genossen. 

Das bringt mich auch dazu, euch nach langer Zeit mal wieder mit einem Life Update zu beglücken. Es ist ja doch relativ viel passiert. Reflektiert habe ich das immer in meinen Postings, aber in ein Life Update habe ich all das schon lange nicht mehr zusammengefasst. Höchste Zeit für mein Life Update „Hashtag ich habe die Zahl, das wievielte Update das nun ist, schon längst vergessen.“ Nachtrag: ich bin draufgekommen, dass es nun das 22. Life Update ist und ich schon seit über anderthalb Jahren nicht mehr geupdatet habe. Oops! 

PS: Ich mache das Life Update auch deswegen, weil ich diese Fotos so schön finde und mir partout nichts einfallen wollte, zu welchen anderen Texten sie passen könnten. Wie ihr wisst, schreibe ich ja eher immer melancholischere Texte – meine Bilder passen da selten dazu. Zurzeit bin ich einfach nur megahappy und so happy, wie ich auf diesen Bildern erst bin, war ich schon lange nicht mehr. 

Life Update: Die Zeit nach Corona
Life Update: Die Zeit nach Corona

So Lisa, nun erzähl mal...

Gut, wo soll ich beginnen? Ich muss sagen, dass mir das Life Update überhaupt nicht leicht von der Hand geht, weil sich in meinem Kopf eine Masse an Hirngatsch angesammelt hat. Ich bin gerade dabei, die Zeit, die ich durchlebe, zu sortieren, reflektieren und auch irgendwie einen klaren Gedanken zu fassen. Ich könnte Bäume ausreißen. Ich bin einfach überglücklich, gleichzeitig auch so dankbar, wie bergauf es momentan in meinem Leben geht. Dadurch leidet zwar meine Kreativität, weil ich irgendwie sehr fokussiert auf all das bin, was sich gerade in meinem Leben so abspielt, aber ganz ehrlich: ich kann damit leben. Denn dieses Lebensgefühl, das ich gerade durchlebe, ist es allemal wert. 

Diesmal behandle ich auch nicht meine gewohnten Themen auf Social Media. Texte mit ernsten Hintergrund fallen mir schwer. Vielleicht weil ich mich damit momentan weniger auseinandersetzen mag und einfach nur den Moment genießen will. Ich gebe es sogar ehrlich zu, dass meine Captions ein bisserl flach geworden sind, aber momentan kann ich mich einfach schlecht auf Texte fokussieren, die zum Nachdenken anregen sollen. 

Natürlich will ich weiterhin meine Themen behandeln, die vor allem einen ernsteren und tiefgründigeren Hintergrund haben. Die von Selbstliebe, Selbstzweifel und Körperbewusstsein handeln. Von meiner Magersucht und der Recovery. Von meinen Höhen und Tiefen. Doch die Wahrheit ist: ich laufe wie ein dauergrinsender Vollhonk durch Die Welt und könnte bei all dem, was gerade so passiert, noch breiter grinsen.

Was macht mich denn nun so glücklich? Hmm…. 

Life Update: Die Zeit nach Corona
Life Update: Die Zeit nach Corona

Mein Leben!!!

Im Endeffekt beantwortet das alles. Mein Leben, so wie es gerade ist, macht mich glücklich. Nach Corona und der damit verbundenen Quarantänezeit, hätte ich mir nicht gedacht, dass es wieder so bergauf gehen würde. Es war keine leichte Zeit, die ich in der sozialen Isolation erlebte. Sieben Woche ohne menschliche Nähe haben Spuren hinterlassen und mich wieder ein bisschen in meinem Schneckenhaus eingeschlossen. Und ich beschönige nichts: mir ging es mies. Richtig mies. Nicht weil ich Angst vor Corona hatte, ganz im Gegenteil. Aber diese Isoliertheit tat weh und war schwer erträglich.

Trotzdem habe ich versucht, mein Gesicht insbesondere auf Social Media etwas zu wahren und wenig zu zeigen, wie es mir wirklich ging. Nur durch meine Texte habe ich anklingen lassen, dass nicht alles in bester Ordnung ist. Ich kann wirklich gut alleine sein. Was ich jedoch nicht kann: einsam sein. Und mit Corona kam die Einsamkeit. Doch irgendwann brauche ich meine zwischenmenschlichen Kontakte. Und zwar mit Menschen, die Teil meines Lebens sind. Da reicht ein kurzes „Hallo“ zur Supermarktkassiererin auch nicht aus, um mein Bedürfnis an sozialer Interaktion zu decken. 

Durch die Corona Krise verlor ich auch meinen Job. Ich habe geweint. Die Welt nicht mehr verstanden. Warum? Was mache ich jetzt? Finde ich inmitten einer Pandemie und der daraus hervorgehenden Krise überhaupt noch einen Job? Letztendlich hat sich herausgestellt, dass das das Beste war, was mir in beruflicher Hinsicht passieren hätte können. Ich mochte meine alte Firma, insbesondere meine Kollegen. Auch mein Chef war sehr nett. Mir fehlte es an nichts! DOCH: es war zwar die Position in der ich mich sehe (Online Marketing Managerin), aber die Branche (Industrie) hat nicht zu mir gepasst. Und dann fand ich mich plötzlich in einer Werbeagentur wieder. Seitdem ich meine Leidenschaft für Markt- und Werbekommunikation entdeckt habe, wollte ich immer in einer Agentur arbeiten. And HERE I AM!

Life Update: Die Zeit nach Corona
Life Update: Die Zeit nach Corona

Zwischen Agentur Lifestyle und dem totalen Chaos

Natürlich möchte ich euch nicht vorenthalten, wie mein Arbeitsalltag in der Agentur ist. Es ist ein Job ganz nach meinem Geschmack. Ich habe von Tag 1 die perfekte Ausstattung bekommen, eben alles was ich brauche. Ich darf Home Office machen (und das nicht nur wegen Corona, sondern es steht generell in meinem Dienstvertrag), habe Meetings, darf mich kreativ austoben und meine Meinung wird wertgeschätzt. Ich fühle mich in dieser Firma gut aufgehoben, nicht nur wegen all den Vorteilen oder unseren Office Dogs, sondern vor allem weil ich mich wirklich ernstgenommen fühle. Ich bin ein Teil davon und bekomme jeden Tag aufs Neue die Bestätigung, warum ich eingestellt wurde.  

Mein Privatleben hingegen ist ein bisschen chaotisch und von einem umfangreichen Freizeitangebot geprägt. Die Herausforderung dabei ist, mir natürlich so wenig Freizeitstress wie möglich zu machen. Bis jetzt gelingt es ganz gut. Generell fühle ich mich echt ausgeglichen und freue mich irrsinnig auf den Sommer. Es steht viel in Planung. Am meisten freue ich mich natürlich auf den Besuch meiner Freundin Vanessa, die geplante Yogastunde und auf die Geburtstagsfeier meiner Nichte. Und all das ist bestimmt noch nicht das Ende vom Lied.  

Wenn Sexismus einfach nicht aufhören will

Storytime

Wenn Sexismus einfach nicht aufhören will

Unsere Gesellschaft hat ein generelles Diskriminierungsproblem. Sexismus ist eines davon. 

„Würdest du Schuhe tragen, wenn du keine Füße hättest?“ Es war weit über Mitternacht. Die Stimmung in dem viel zu engen Lokal gelangte zum Höhepunkt. Die stickig heiße Luft fühlte sich unangenehm in meinen Lungen an. Vor mir stand ein Typ, einen Kopf größer als ich, mit einem Plastikbecher in der Hand. Der billig gestreckte Himbeerspritzer leuchtete rot hindurch. Seine durch den Alkohol glasigen Augen taxierten mich. Ich konnte nicht so schnell schalten, sodass ich ihn nicht ignorierte. Es wäre wahrscheinlich die bessere Reaktion gewesen. Stattdessen antworte ich wie automatisiert. „Nein“, entgegnete ich damals im Alter von circa 17-18 Jahren. Er grinste dreckig. „Warum trägst DU dann einen BH?“

Es sind Aussagen, wie diese, warum ich meine kleinen Brüste hasste. Diese Aussage hat mich ausschließlich darauf reduziert, was sich unter meinem Oberteil versteckte. So wurde meine Unsicherheit gegenüber mir nur weiter verstärkt. Plötzlich hatte ich neben meinem Bauch eine weitere „Problemzone“. Diese „Problemzone“ hatte sogar mehr mit mir als Frau zu tun, als mein Bauch. Wegen ihrer kleinen Größe fühlte ich mich plötzlich weniger weiblich. Heute weiß ich, dass er mich genau deswegen reduziert hat. Nicht weil ich kleine Brüste habe, sondern weil ich eine Frau bin. Und das brachte er damit zum Ausdruck, indem er mein wahrscheinlich (in seinen Augen) weiblichstes Merkmal ins Spiel brachte. Er hätte mich auch auf meine Brüste reduziert, wenn sie groß gewesen wären oder asymmetrisch. Ihm wäre sicherlich ein passender Spruch eingefallen. Die Form meiner Oberweite spielte keine Rolle, als er mich beleidigend angriff. Es ging ihm nur darum, seine patriarchale Macht auszuspielen. Zu zeigen, dass er der große, tolle Mann ist und ich ihm als Frau untergeordnet bin.

Wenn ich heute darüber nachdenke, dann wird mir klar: DAS WAR SEXISMUS! Sexismus in seiner puren Form. Sexismus, wie ich ihn regelmäßig, nein, fast schon täglich erlebe. Auch wenn ich mich damals weniger weiblich fühlte und sich das lange mitgezogen hat, so hat er eigentlich genau das angegriffen: meine Weiblichkeit. Er hat mir gezeigt, dass er keinen Respekt vor mir als Frau hatte. Dass er in mir nichts anderes gesehen hat, als einen weiblichen Körper, den er als Mann bewerten „darf“ – denn das ist seine Freiheit und sein gutes Recht als Mann, gab er mir zu spüren.  

Sexismus an Frauen
Frauen, die Sexismus erleben mussten

Sexismus JEDEN TAG!

Als ich vorhin geschrieben habe, dass ich Sexismus so gut wie jeden Tag erlebe, dann war das nicht übertrieben. Wenn ich sage, dass ich ihn fast jeden Tag an mir selbst erlebe, dann übertreibe ich damit genauso wenig. Es beginnt mit anzüglichen Kommentaren auf meiner Instagram Story. Zeige ich mein Gesicht oder irgendetwas von meinem Körper, kann ich mir sicher sein, dass ich dafür einen sexistischen Kommentar bekomme. Darauf gehe ich nicht ein, obwohl es mich wütend macht. Selbst Flammen, Auberginen, Pfirsich und Wasserspritzer Emojis von fremden Männern machen mich wütend, denn die Message ist klar. Nein, ich bin keine männerhassende Feministin, die sich über die kleinste Kleinigkeit aufregt, aber sobald ich mich durch Handlungen von außen unwohl fühle, weiß ich, dass etwas nicht stimmt und rechtens ist. Natürlich kann man jetzt den Finger auf mich zeigen, mich auslachen und mir vorwerfen, dass ich übertreibe, denn es ist schwierig. Es ist schwierig, herauszufinden, wo Sexismus überhaupt beginnt, wo die Grenze verschwimmt und wie klar man Sexismus überhaupt definieren kann. Und das möchte ich an dieser Stelle gar nicht thematisieren, aber ich finde solche Emojis von fremden Leuten unangebracht. 

Durch Social Media ist die Wahrscheinlichkeit, Sexismus jeden Tag zu erleben, extrem hoch. Aber nicht nur Social Media ist das Epizentrum für Sexismus. Denn ich erlebe Sexismus auch auf der Straße mehrmals die Woche. Durch Corona hat der Street-Sexism für mich zwar tendenziell abgenommen, aber seitdem ich wieder unter Leuten bin, häufen sie sich. Erst diese Woche passierte es, was mir tief unter die Haut ging. Ich bin blöde Sprüche gewöhnt, ich bin es gewöhnt, wenn Autos langsamer an mir vorbei fahren, ich angehupt oder angegafft werde. Aber noch nie hat jemand zu mir gesagt: „Eeeh Bitch, deine Lippen sind zum *das Verb möchte ich zensiert halten* gemacht.“ – Und das auf offener Straße am helllichten Tag. 

...es passiert immer wieder - auch von Frauen

Sexismus ist ein großes Problem unserer Gesellschaft. Erst vor wenigen Wochen machten Joko und Klaas in ihrer „Ausstellung“ namens „Männerwelten“ darauf aufmerksam. Sexismus zu erleben, ist jedes Mal aufs Neue unangenehm. 

Vielleicht fragt man sich als Mann an dieser Stelle: „Ja, was darf ich denn jetzt noch, wenn sich Frauen über jede Annäherung aufregen?“ Ich glaube, zu der angemessenen Antwort gelangt jeder, der imstande ist, zu denken und nachzudenken. Es heißt nicht, dass es Männern nicht mehr erlaubt sei, Frauen anzusprechen oder sie auf einen Drink einzuladen, aber es gibt ein Adjektiv, welches sich „respektvoll“ nennt. Ein respektvolles Kennenlernen ist keine „Angriff“ aus dem Auto heraus, sondern ein nettes Ansprechen ohne eine Frau auf ihr Äußeres zu reduzieren. Ohne Berührung, ohne dreckiges Grinsen, ohne Spitznamen, wie „Puppi“, „Weibi“ oder „Baby.“ Wildfremde Frauen vom Auto heraus anzuhupen, sodass ihr das Smartphone fast aus den Händen gleitet, ist genauso daneben, wie langsamer vorbeizufahren und auf die Frau zu stieren. 

Und wie ich oben gesagt habe: ich bin keine männerhassende Emanze, aber ich lebe emanzipiert und vertrete feministische Werte. In der Hinsicht ist es wichtig, reflektiert zu denken und den Tatsachen ins Auge zu blicken. Nicht nur Männer sind die Übeltäter, auch Frauen können durch sexistischen Äußerungen Negativität hervorrufen. Mir selbst wurde nicht nur von Männern Sexismus gegenüber gebracht, sondern auch von Frauen. Sogar eine Frau, die Pädagogin ist und als Lehrerin die Aufgabe hat, Kindern und Jugendliche tolerante Werte zu vermitteln, hat mich sexistisch degradiert. Frauen können genauso sexistisch gegenüber Männern sein, was sich unter anderem auch durch vollkommen unangebrachte Anmachsprüche oder durch das ungefragte antasten des Sixpacks äußern kann. Das waren jetzt natürlich nur Beispiele, die mir auf die Schnelle eingefallen sind. 

Ich denke, beim Thema Sexismus dürfen wir kein Geschlecht ausnehmen. Mir selbst fällt natürlich der Sexismus gegenüber Frauen verstärkter auf, weil ich selbst eine Frau bin und diesen auch als Frau zu spüren bekomme. 

Stop the sexism and stop discriminate people

Ich bin immer noch der Überzeugung, dass wir mit Aufklärung, Erziehung und Bildung einen wesentlichen Beitrag dazu leisten können, um Sexismus zu minimieren. Dass er ganz weggeht, bezweifle ich, aber in eine richtige Richtung können wir durchaus gehen. Niemand muss es einfach so hinnehmen, wenn sie/er Sexismus erfährt und ich spreche dabei bewusst von allen Geschlechtern. Es erfordert Mut, diese unangenehmen Themen zur Sprache zu bringen, doch nur wenn Stimmen erhoben werden, können wir auf das Problem aufmerksam machen und zum Umdenken anregen. 

Sexismus ist natürlich nur ein Teilbereich der ganzen Diskriminierungsschiene. Unsere Gesellschaft hat ein generelles Diskrimierungsproblem. Doch es fühlt sich so an, als wäre 2020 ein Jahr der Aufklärung, wo Diskriminierung in allen Facetten endlich zur Sprache gebracht wird. Das wollte ich als Abschlusswort zu diesem Beitrag unbedingt noch erwähnen. 

Bucket Listen

Stressfreier Sommer: von Bucket Listen und Entschleunigung

Stressfreier Sommer

Von Bucket Listen und Entschleunigung

Good-Bye, Bucket Listen! In diesem Sommer mache ich kaum Pläne und lasse alles auf mich zukommen. Und trotzdem scheint es, ein vielversprechender Sommer zu werden! 

Ein bisschen schmunzeln muss ich schon, wenn ich daran denke, dass der heurige Sommer komplett anders werden wird, als der letztjährige. Und das liegt gar nicht an die ganzen Einschränkungen, die wir dieses Jahr über uns ergehen lassen müssen, sondern an meinem veränderten Mindset. Normalerweise ist Sommer die Jahreszeit, in der ich richtig „gschafftig“ werde, wie man bei uns in Österreich so schön sagt. Gleichzeitig ist es auch die Jahreszeit, in der die Gefühle von FOMO unglaublich stark werden und sich kaum noch bändigen lassen. Sommer ist meine Lieblingsjahreszeit – und die, die am schnellsten vergeht. Dabei hat Sommer auf der Nordhemisphäre sogar mehr Tage, als alle anderen Jahreszeiten. Doch es ist dieses Lebensgefühl, diese Leichtigkeit, welche die Jahreszeit mit sich bringt. Kein Wunder also, dass wir in ein positives Zeitgefühl verfallen und Sommer in Windeseile an uns vorbeizieht. Zumindest geht es mir so. Menschen, die Sommer ganz und gar nicht mögen, werden das vielleicht anders empfinden. 

Wie dem nun sei: bei FOMO sind wir stehen geblieben – THE FEAR OF MISSING OUT! Es ist die neumodische, chronische Krankheit von uns Millenials. Tagtäglich werden wir mit den neuesten Erlebnissen unserer Mitmenschen konfrontiert. Sei es durch Social Media, Plaudereien, die man in der Bim mitbekommt oder durch die eigenen Freunde. Eh klar, das Leben der anderen erscheint immer spannender, als das eigene. Und noch logischer: da wollen wir mitziehen, denn es gilt die Devise: „Um jeden Preis so viel erleben, wie möglich und bloß nichts verpassen!“

The Fear of Missing Out

FOMO ist ein richtig übler Parasit. Denn er motiviert uns nicht nur, spannende Momente einzusammeln. Er bringt uns auch dazu, dass wir diese gar nicht wirklich schätzen oder genießen können, denn an jedem Ende und in jeder Ecke könnte uns vielleicht doch noch etwas besseres erwarten. Und wir drängen uns dazu, uns gegenseitig zu übertrumpfen, denn keiner will dem anderen in etwas nachstehen. So werden unsere Bucket Listen immer länger – meine natürlich auch. Besonders im Sommer erreichten sie immer eine exorbitante Länge. Ob das nun wirklich an FOMO lag oder weil ich nach anstrengenden Prüfungsphasen endlich etwas Spannung erleben wollte, I DON’T KNOW! Ich schätze jedoch, dass FOMO eine große Rolle spielt, denn mein Drang, den Sommer voll und ganz auszukosten, blieb auch nach meiner Studienzeit erhalten und seit meinem Abschluss sind nun doch schon drei Jahre vergangen. 

Neulich bin ich mit meiner Freundin Vanessa meine Sommer Bucket Liste von 2015 durchgegangen. Wenn ich sie mir heute durchlese, keimt in mir ein ungutes Stressgefühl auf und ich frage mich, warum ich mir so viel für einen einzigen Sommer vorgenommen habe. Um die Punkte auf dieser Liste abzuhaken, hätte ich tagtäglich mindestens drei aufgeschriebene Wünsche erfüllen müssen. Habe ich es geschafft? Nein! War die Enttäuschung nach den Sommerferien groß? Oh ja! Und entschleunigt habe ich mich auch nicht. Ganz im Gegenteil. In das neue Semester bzw. in den Herbst startete ich eher angespannt. 

Sommer Bucket Listen
Stressfreier Sommer: Über Bucket Listen und Entschleunigung

Der Fluch der Bucket Listen

Manchmal sind Bucket Listen mehr Fluch als Segen. Zwar habe ich mir viele aufgeschriebene Wünsche von 2015 erfüllen können, allerdings auf all die Jahre verteilt. Sich zwanghaft Sommerromanzen, Wettererscheinungen („Im Sommerregen tanzen“ *hust*) oder Ausdauer für zig Sommerfestivals zu wünschen, ist sowieso alles andere als gesund. Kein Wunder, dass man danach enttäuscht sein wird. Deswegen habe ich beschlossen: ich schreibe KEINE Bucket Listen mehr. Zumindest keine mehr in diesen exorbitanten Umfängen. Ich habe nichts dagegen, Ziele festzuhalten und Wünsche auszuformulieren, aber man muss nicht zwanghaft seine FOMO nähren! Darum steht das Motto dieses Sommers voll und ganz im Zeichen der Entschleunigung. Oder besser gesagt: „Ich lass es auf mich zukommen und schau‘, was der Sommer so für mich bringt.“ Irgendwie macht genau das den Reiz von Sommer 2020 aus, auch wenn er vollkommen anders sein wird, als geplant. Ein paar wenige Dinge habe ich mir natürlich auch vorgenommen, denn so ganz lassen kann man es bekanntlich nie, aber im Fokus steht diesmal mein Wohlbefinden. Und es fruchtet schon jetzt. 

Ich habe keine Bucket Listen geschrieben und doch sieht dieser Sommer bis jetzt sehr vielversprechend aus. Darum muss mir jetzt nur noch eines gelingen: die Entschleunigung nicht aus den Augen verlieren. 

Sommer Bucket Listen
Meine Trauerbewältigung nach dem Tod meines Vaters anhand von Erinnerungen

Trauerbewältigung: So habe ich den Tod meines Vaters überwunden

Trauerbewältigung

So habe ich den Tod meines Vaters überwunden

Trauerbewältigung heißt nicht, dass die Trauer verschwunden ist. Momente der Trauer wird es immer geben. Aber man kann damit umgehen. 

Am 18. Juni 2013 habe ich meinen Vater verloren. Es war einer der einschneidendsten Momente in meinem Leben. Meine letzten Worte zu ihm waren: „Tschüss, Papa. Bis morgen.“ Keinen einzigen Gedanken verschwendete ich beim Aussprechen dieser Worte an die Tatsache, dass es kein „bis morgen“ geben würde. Mitten in der Nacht wurde ich geweckt. In unserem Haus stand die Polizei, die uns die Nachricht überbrachte, dass mein Vater im Wald zusammengebrochen und an einem Herzinfarkt verstorben sei.  

Meine erste Reaktion

Es war ein heißer Sommertag. In der Nacht hatte es nicht stark abgekühlt, darum ging ich sehr leicht bekleidet schlafen. Mit einer knappen Schlafshorts und einem BH. Und genau das war auch mein erster Gedanke. Ich fühlte Scham. Scham, wie leicht bekleidet ich vor der Polizei stand. Das waren meine ersten Gedanken und Sorgen. Nicht die Tatsache, dass mir gerade gesagt wurde, dass ich meinen Vater verloren hätte. Ohne zu weinen stürmte ich in mein Zimmer, um mich umzuziehen. Sonst fühlte ich nichts. Nur Scham. Aber keine Trauer. Kein Verlangen zu weinen. 

Heute weiß ich: ich war in einem Schockzustand. Eine vollkommen natürliche Reaktion laut diversen Modellen des Trauerprozesses unterschiedlicher Psychologen, Psychiater oder Theologen. Natürlich verläuft Trauer nicht immer anhand eines Modells, aber diese Modelle (wie z.B. nach Kübler-Ross oder Spiegel) beschreiben einen Trauerweg ziemlich realitätsgetreu. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich diese Wege ähnlich gegangen bin. 

Das typische erste Verhalten ist nun einmal der Schock, aber auch das Verleugnen. Das Nicht-Wahr-Haben-Wollen. Und genau das versuchte ich auch: der Realität nicht ins Auge zu blicken. Dass die Polizei mit dieser Nachricht im Gepäck nicht zum Spaß in unserem Wohnzimmer stand, war mir von Anfang an klar. Dennoch fühlte ich mich wie in einem schlechten Traum gefangen. In mir war Leere, alles war taub und irgendwann weinte ich doch. Aber nicht aus der Trauer heraus, sondern weil ich mich von der Trauer und den Tränen der anderen mitreißen ließ.  

 

Das Leben nach dem Tod
Meine Trauerbewältigung nach dem Tod meines Vaters anhand von Erinnerungen

Verleugnung und Nicht-Wahr-Haben-Wollen

Ganz zu Beginn hatte ich nicht den Kopf, in die Trauer hineinzukommen. Zuerst mussten organisatorische Dinge erledigt werden. Ich rief meine damalige Chefin an, um ihr Bescheid zu geben und fuhr mit meiner Mutter zum Bestattungsinstitut, um die Trauerfeier zu organisieren. Ich wollte ihr unbedingt beistehen und aktiv an dem Begräbnis beteiligt sein. Ich wählte den Trauerspruch aus, gab genau vor, was auf dem Partenzettel zu stehen hatte, welches Bild drauf sein musste und dirigierte die Bestatter streng, wie der Ablauf zu sein hatte. Ich bestimmte die Farben des Trauergestecks: rote Rosen und weiße Orchideen, weil mein Vater meiner Mutter jedes Jahr zum Valentinstag einen Orchideenstock geschenkt hat. Dazu dunkelgrüne Schleifen als Symbol für den Wald und als Abschiedslied bestand ich auf ein Lied, zu dem ich mit meinem Papa als kleines Kind bei jedem Fest tanzte, wenn es gespielt wurde. Auch wenn ich mich dabei aktiv zum ersten Mal mit dem Tod meines Vaters beschäftigte, im Grunde genommen wollte ich mich nur von dem Gedanken distanzieren, dass er nie wiederkommen würde und mich ablenken. 

Danach mussten die Partenzettel ausgeteilt werden, um Verwandte, Bekannte und Freunde zu informieren. Ich wurde überschüttet mit Beileidsbekundungen und Umarmungen. Alle weinten, nur ich nicht. Hin und wieder kamen mir Tränen, doch eher wegen der Überforderung. Als ich für einen kurzen Moment alleine im Haus war, lief ich wie eine Verrückte auf und ab. Ich griff mir an den Kopf, atmete schwer, stützte mich vor dem Spiegel ab und redete mir selbst ein, dass das alles nur ein schlechter Traum sei. Ich war überfordert und weinte.   

Verzweiflung und "als ich es begriffen habe"

Die Zeit vor dem Begräbnis war weiterhin überfordernd. Ständig kamen irgendwelche Leute vorbei, um ihr Beileid zu bekunden. Ich fühlte mich wie ein Stein. Manchmal kamen mir sogar abstruse Gedanken, ich sei herzlos. Darum wollte ich mich zum Weinen zwingen, doch genau dann ging es nicht. Nur in klaren Momenten, als Menschen in meiner Nähe waren, die ich wirklich um mich haben wollte, konnte ich hin und wieder weinen. Zu dieser Zeit zeigte sich auch, WER meine wirklichen Freunde waren. Damals gingen nämlich auch Freundschaften zu Brüche, weil sie mich im Stich gelassen haben und es mich -auch wenn ich noch nicht bereit dazu war, den Tod meines Vaters zu begreifen- unfassbar enttäuscht hat. Aber auf die meisten konnte ich mich verlassen. 

Und dann stand eine wichtige Frage im Raum, mit der ich mich früher oder später befassen musste: möchte ich meinen Vater noch ein letztes Mal sehen? Ich entschied mich dafür, denn ich war langsam verzweifelt, dass ich es immer noch nicht in meinen Kopf reinbekam. Meine Mutter redete sicherheitshalber noch auf mich ein. Sie fragte, ob ich ihn nicht lieber so in Erinnerung behalten möchte, wie er zu Lebzeiten war. Sie machte sich Sorgen, dass der Anblick seines leblosen Körpers die letzte Erinnerung sein würde, die mir an ihm bleibt und diese all die anderen Erinnerungen überschatten könnte. Allerdings drängte sich mich nicht dazu, es sein zu lassen. Sie überließ die Entscheidung ganz mir. Ich blieb dabei. 

Eine Woche nachdem er verstorben war, durften wir ihn zu Gesicht bekommen. Ich spürte die Anspannung in der Luft, gleichzeitig die Angst, dass ich nun vor vollendeten Tatsachen stehen werde und es akzeptieren muss. Aber ich hielt immer noch an meinem Entschluss fest. Im ersten Moment sollte meine Mutter mit ihren Sorgen recht behalten. Als ich den Raum betrat, in dem er aufgebahrt war und ich einen ersten verstohlenen Blick in den Sarg riskierte, war das wie ein Stich mitten ins Herz. „DAS IST NICHT MEIN VATER!“, war mein erster Gedanke. Der leblose Körper, der da lag, das versteinerte Gesicht – dieser Mensch sah nicht aus, wie mein Vater. Vor mir lag ein vollkommen Fremder. An der Stelle möchte ich erwähnen, dass Verstorbene nach Eintritt der Leichenstarre immer „ein bisschen anders“ aussehen können. 

Tapfer fasste ich mich und wollte „durchhalten“. Also riskierte ich einen zweiten Blick. Ich legte meine Hand auf seine und erschauderte. Er war eiskalt. So kalt, dass die Kälte sogar noch durch seinen Anzug, den er trug, durchsickerte. Diese Kälte fühlte sich so fremd an. So anders. Nicht wie kalte Winterhände. Nicht wie durch Wasser abgekühlte Hände. Und diese Kälte passte nicht zu ihm. Papa war ein Mensch, der zu Lebzeiten voller Wärme war, auch wenn er das nicht immer zeigte. Nun war von dieser Wärme nichts mehr da. Es machte mir Angst. Ich kniff die Augen zusammen und beschloss, ihn nun ins Gesicht zu schauen, drängte mich selbst dazu, es endlich verstehen zu können und dann passierte etwas. Etwas, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte und all die Angst wich. Die Angst, dass das nun wirklich das letzte Bild von ihm sein würde, was in meinem Kopf existiert. 

Ich sah ihn an, in sein Gesicht und plötzlich erkannte ich ihn wieder. Seine Züge. Langsam dämmerte es mir, dass das nun wirklich die Realität ist. Dass er von uns gegangen ist. Ich richtete einzelne Worte an ihn. Endlich stiegen mir die Tränen der echten Trauer in die Augen. Und ich weinte. Und ich sah ihn an. Ganz lange. Es war befreiend. 

Dann erkannte ich seinen friedlichen Gesichtsausdruck. Ich weiß nicht, ob ich es mir eingebildet habe, aber in seinen Zügen spiegelte sich ein kleines Lächeln wieder. Papa lächelte. Und dann wusste ich, dass er nicht leiden musste. Dass es schnell ging. Ich wusste, dass er glücklich war, als er gehen musste. Er durfte dort sterben, wo er am liebsten war. Im Wald. 

Auch wenn das ein eigentlich trauriger Moment war, in diesem Moment hing für mich Frieden und Glück in der Luft. Ich freute mich für ihn, dass er so würdevoll gehen durfte. Auch wenn ich ihn gerne noch „hierbehalten“ hätte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch noch gerne geblieben wäre. Aber leiden musste er nicht. Er durfte, so komisch das auch klingen mag, einen angenehmen Tod sterben. Da wusste ich: ich habe es verstanden. Und ich werde es akzeptieren und weitermachen können. Auch wenn ich noch nicht wusste, wie und auch wenn nicht wusste, wann das sein würde, aber es würde passieren. 

Meine Trauerbewältigung nach dem Tod meines Vaters anhand von Erinnerungen
Das Leben nach dem Tod

Das Begräbnis

Als ich den Tod meines Vaters näher an mich heranließ, konnte ich auch mit der Trauerarbeit beginnen. In dem Moment fand ich es gut, dass ich damit schon vor dem Begräbnis beginnen konnte. Doch bei dem Begräbnis war alles wieder wie vor dem Moment, als ich mich von meinem Vater verabschiedet habe. Insgesamt kamen über 700 Menschen zum Begräbnis. Ich war überfordert mit der Masse an Menschen, den vielen Beleidsbekundungen und wieder konnte ich nicht weinen. Manche Menschen schmissen sich mir sogar um den Hals, obwohl ich nur Menschen, die mir wirklich nahestanden, umarmen wollte. Ich ließ es zu. Erstarrte dabei aber mehr und konnte einfach nicht weinen. Deswegen fühlte ich mich schlecht und hatte Schuldgefühle. Ich sagte meiner Mutter, wie schlecht und schuldig ich mich fühle, dass ich nicht weinen konnte. Ich machte mir Gedanken, was die Leute über mich denken würden. Ob sie mich als herzlose Tochter verurteilen würden. Doch meine Mutter war in diesem Moment der Fels in meiner Brandung und versicherte mir, dass ich keine Schuldgefühle zu haben bräuchte. 

Um ehrlich zu sein: am Begräbnistag hätte ich eigentlich nur meine Familie und meine Freunde um mich haben wollen. Aber mein Vater war sehr beliebt und ich konnte es auch niemanden verbieten, zum Begräbnis zu kommen. Schließlich haben wir es nicht im engsten Familienkreis geplant. An der Stelle kann ich euch aber nur ans Herz legen: wenn ihr die Entscheidungsfreiheit habt und euch eine Verabschiedung im engsten Familienkreis lieber wäre, dann macht das, solange ihr den Wunsch des Verstorbenen akzeptiert. Es ist egal, was die anderen darüber sagen oder ob sie sich aufregen, aber ein Verstorbener ist mehrere Tage aufgebahrt, sodass jeder die Möglichkeit hat, auch davor Abschied zu nehmen. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich auf eine kleinere Trauerfeier bestehen. Wenn ich zurückdenke, war das für mich ein traumatischer Tag. Andererseits war ich trotzdem gerührt zu sehen, wie viele Menschen meinen Vater wertschätzten. Darum versuche ich diesem Gedanken mehr Raum zu geben, denn das hat durchaus auch etwas Positives für mich. 

Trotzdem bin ich froh, dass es für uns Familienmitglieder noch eine privatere Verabschiedung gab. Mein Vater wurde eingeäschert und die Urnenbeisetzung fand dann wirklich im engsten Familienkreis statt. Das war für mich unfassbar wichtig, denn erst da hatte ich das Gefühl, dass ich meinen Vater endgültig verabschieden konnte.  

Wie sich die Trauer auf mich ausgewirkt hat

Wie ihr wisst, habe ich mit einer Essstörung zu kämpfen. Essen spielte auch in dieser Zeit eine große Rolle für mich. Wer denkt, ich wäre wieder in die Magersucht zurückgerutscht, der irrt allerdings. Ich habe mich nach dem Tod von meinem Vater sehr leer gefühlt. Im Grunde genommen konnte ich gar nichts mehr fühlen, selbst den Hunger nicht. Das hat mich in den Wahnsinn getrieben, weil ich um jeden Preis wieder irgendetwas fühlen wollte. Das Sättigungsgefühl war quasi das einzige, das ich spürte. So entwickelte sich meine Essstörung erstmalig, aber auch einmalig in die andere Richtung. In diese Phase bin ich übrigens nie wieder zurückgekommen und war somit eine Ausnahme. Zu der Zeit nahm ich sogar viel zu und erreichte später auch mein Höchstgewicht damit, nachdem ich kurzzeitig wieder in die Hungerphase zurückgerutscht bin. Grundsätzlich war die Essstörung verbunden mit der Trauer ein ganzes Jahr lang sehr komplex und generell hat mein gesamtes Essverhalten verrückt gespielt. 

Ansonsten war ich verschlossener als sonst. Hatte manchmal auch richtige emotionale Ausbrüche und war wahnsinnig empfindlich. Nur ein falsches Wort hätte eine Explosion der Gefühle in mir auslösen können, die aber mehr automatisiert stattgefunden hat, als gewollt. Mein Verhalten zu dieser Zeit ist für mich wirklich sehr schwer zu beschreiben. Prinzipiell nahm ich mir vieles viel zu schnell und zu leicht zu Herzen und interpretierte die kleinste Kleinigkeit oft als Ablehnung. Oft hatte ich ein schlechtes Gewissen – vor allem dann, wenn ich wieder am „normalen“ Leben teilnahm. Irgendwie wollte ich es mir auch verbieten, dass ich wieder Glücksmomente hatte oder generell Spaß. Dabei stellte ich mir sehr oft die Fragen, ob ich das auch darf. Ob das okay ist. 

Wie ich die Trauer überwunden habe

Nachdem ich einmal meine Trauer stark unterdrückte (nach dem Tod meines Großvaters), wusste ich jedoch, dass ich diesen Fehler kein zweites Mal wiederholen durfte. Darum sammelte ich mich und versuchte, mich mit meiner Trauer intensiv auseinanderzusetzen. 

In erster Linie hatte ich starken familiären Halt und Freunde, die mich auffingen. Wann immer ich jemanden zum Reden brauchte, war wer da. Meine Freunde unterstützten mich zu dieser Zeit, so gut sie konnten. Wir haben viel über meinen Vater geredet und in alten Zeiten geschwelgt. Lustige Geschichten oder über ihn als Menschen geredet. Dabei erkannte ich, wie viele schöne Erinnerungen übrig geblieben sind. Ich habe gelacht, aber auch geweint und meine Freunde akzeptierten jegliche Emotion, die ich nach außen trug. Sie lachten mit mir, als ich über eine lustige Geschichte lachte und sie trösteten mich, wenn ich weinte. Rückhalt ist in dieser Zeit extrem wichtig, aber auch Rückzug. Manchmal musste ich alleine sein und das haben sie genauso akzeptiert. Sie haben versucht, mich abzulenken, aber mich nicht dazu genötigt. Das gab mir oft das Gefühl, dass ich trotz eines Verlustes nicht alleine dastehe und es genügend Menschen gibt, die mich auffangen. 

Ich verbrachte auch viel Zeit in der Natur und ging wandern. Auch das viele draußen sein half mir. 

Außerdem habe ich mir bewusst Zeit geschaffen, in der ich an meinen Vater denken konnte. Und diese Zeit brauchte ich für mich. Ich habe damit angefangen, Fotos zu sortieren und ein Fotoalbum erstellt. Das Album besteht nicht nur aus Bildern, sondern auch aus Texten und Gefühlen, die ich auf Papier gebracht habe. Ich habe versucht, zu malen und das Album schön zu gestalten. Es gab mir das Gefühl, dass ich immer noch etwas für meinen Vater tun konnte. Ich schrieb Briefe an ihn und als die Urne beigesetzt wurde, besuchte ich oft sein Grab. Irgendwann habe ich dann auch damit angefangen, am Grab „mit ihm zu reden.“ Ich habe erzählt, wie es mir im Studium geht, welche Sorgen ich habe – das gab mir das Gefühl, dass er immer noch irgendwie an meinem Leben teilhaben konnte. 

Da mein Vater Mitte/Ende Juni verstorben ist, habe ich die Uni zu diesem Zeitpunkt auf Eis gelegt. Für eine Prüfung habe ich mich aufgerafft, die ich allerdings nicht bestand. Ich hatte somit den ganzen Sommer Zeit, mit der Situation zurechtzukommen. Natürlich ist mir bewusst, dass diesen „Luxus“ nicht jeder hat, vor allem Berufstätige. Nebenbei habe ich jedoch in einem Café gejobbt. Auch wenn mir die ersten Schichten nach dem Tod meines Vater schwerfielen, so war ich mit der Zeit froh über die Ablenkung, die ich hatte. Ich finde es wichtig, dass man den Alltag nicht aufgibt. Natürlich braucht man anfangs etwas Zeit und Ruhe, aber nach zwei Wochen versuchte ich langsam wieder in den Arbeitsalltag zu kommen. Im Herbst war ich dann auch wieder bereit für die Uni und ich konnte weitermachen.

Nachdem ich immer mehr Akzeptanz gespürt habe, habe ich versucht, neue Perspektiven zu finden. Mir neue Ziele zu formulieren, weil ich wusste, dass es auch im Sinne meines Vaters gewesen wäre, mein Leben wieder aufzunehmen. Er hat das Leben geliebt und ich weiß, dass er sich für mich das gleiche wünscht. Viele solcher Gedanken waren unfassbar wichtig für mich. Ich merkte, dass ich in einer glücklichen Position war. Ich hatte einen Vater, der sich immer für mich interessiert hat. Einen Vater, der mich von Anfang an wollte, obwohl ich nicht so ganz geplant war. Mein Vater hat mich von Tag eins geliebt und sich um mich gekümmert. Viele andere da draußen erleben das nicht und ich durfte es. Für mich war es wichtig, Gedanken neu zu formulieren. Und es war mir wichtig, dankbar anstatt undankbar zu sein. Sicher hätte ich mir immer wieder einreden können, wie unfair es ist, dass ich mit 21 meinen Vater verloren habe. ABER ich durfte 21 Jahre einen Vater haben, der da war. Und genau das zählt.   

 

Was ich euch mitgeben möchte

Vielleicht habt ihr hier Strategien erwartet, wie man Trauer gezielt überwinden kann und seid jetzt ein bisschen enttäuscht, dass ich euch „nichts“ effektiveres erzählen konnte. Doch Trauer ist individuell. Jeder von uns erlebt Trauer anders und daher sollte man sich auch nicht nach einem Leitfaden richten, der dir erzählt, wie DU deine Trauer los wirst. Vielleicht ist das eine düstere Prognose, aber die Trauer geht nie ganz weg. Man lernt, damit umzugehen. Bei mir gibt es heute noch Momente, an denen ich meinen Vater vermisse und ich immer noch Phasen durchlebe, die ich kurz nach seinem Tod hatte. Besonders Momente, die eigentlich glücklich sind, sind für mich bittersüß und mit Schmerz verbunden. Ich wünschte mir so sehr, dass mein Vater seine beiden Enkelkinder kennenlernen hätte können. Bei meiner Sponsion musste ich wegschauen, als andere Absolventen von ihren Vätern umarmt wurden. Oder die Hochzeit meiner Schwester. Das sind die typischen Momente und Tage, an denen die Gedanken an Papa sehr präsent sind. 

Doch meine Kernaussage aus diesem ganzen Wortgefecht ist eine ganz klare: nur wer Trauer annimmt, kann auch den Umgang mit ihr lernen. Und dieser wichtige, oder besser gesagt wichtigste Schritt ist ebenso der schwerste. Die erste Phase, nämlich die der Verleugnung und des „Nicht-Wahr-Haben-Wollens“ ist im Großen und Ganzen eine Sicherheitsbubble. Man hat Angst, diese Blase verlassen zu müssen. Denn der Gedanke, dass man sich danach wirklich mit dem Tod auseinandersetzen muss, ist intrinsisch. Das heißt, sie steckt in uns drin und ist von Anfang an da, auch wenn wir sie vielleicht nicht mitbekommen. Aber wenn diese Phase überwunden wurde, dann ist man bereit, die Trauer anzunehmen. Man kann den Trauerprozess auf sich wirken lassen. Dabei kann ich euch nur ans Herz legen: hört auf eure innere Stimme. Lasst die Emotionen raus, wenn sie rausmüssen, aber zwingt euch nicht dazu zu weinen, nur weil ihr denkt, es wird von euch erwartet. In einer Trauerzeit sollte der gesellschaftliche Druck keine Rolle spielen. Trauer kann auch ohne ein Heulkonzert stattfinden. Wie gesagt, wir alle reagieren anders auf Trauer und du darfst deinen individuellen Weg auch zulassen. 

Ich habe für mich nämlich gemerkt: verlässt man die erste Phase der Trauer und nimmt diese an, dann ist die Wahrscheinlichkeit, mit der Trauer irgendwann umgehen zu können, extrem hoch. Wenn man nicht weiterkommt, spricht auch nichts gegen eine Trauerbegleitung oder professionelle Hilfe. Eines darf man dabei nicht vergessen: MAN DARF WEITERMACHEN. MAN DARF WEITERLEBEN. 

Alltag mit Magersucht

Wie ist es, Anorexie zu haben? Der Alltag mit Magersucht.

Der Alltag mit Magersucht!

Wie ist es, Anorexie zu haben?

Ein etwas melodramatisch verfasster Kurzroman über meinen Alltag mit Anorexie. Nichtsdestotrotz offen und ehrlich, wenn auch sehr literarisch geschrieben: so war mein Leben mit Magersucht! 

TRIGGER WARNING!!

Es ist 21 Uhr. Mein Magen knurrt. Ich fühle mich schwach und wie in Watte gepackt. Es tut weh. Der Hunger tut weh. Gleichzeitig fühlt es sich so gut an. Obwohl mein Körper kaum noch Energie hat, fühlt sich mein Wille stark an. Stärker denn je. Und genau das ist der Nährboden. Mein Nährboden weiterhin Stärke & Kraft aus dieser ganzen Situation zu ziehen. Mein Nährboden, um durchzuhalten, obwohl ich mich tagein tagaus weiterhin tiefer in einen Trug hineinreite. 

Um 21 Uhr war Schluss. Nicht Schluss mit dem Aushalten oder meinen perfiden Regeln. Schluss, mir auch nur noch irgendetwas zuzuführen. Ich hatte meine Regeln. Meine ganz eigenen Regeln, die ich mir aber gleichzeitig aus den Internetforen abgeschaut hatte. In Pro Ana Foren war ich nie unterwegs, aber durchaus in Mädchenforen, wo ich mir einige Verhaltensweisen abgeschaut hatte. Versteckt unter dem Deckmantel, sich gegenseitig aus der Essstörung herauszuhelfen, ritten wir uns mit den Schilderungen aus unserem Anorexie-Alltag noch weiter in die Misere, indem wir die jeweils andere nachahmten oder eine falsche Motivation daraus zogen. Die Mädchen schwärmten von Schokoriegeln, Milchshakes und dem Wunsch, dass einfach alles vorbei sein würde. Dass das Leben wieder normal sein würde. Ohne Essstörung. Aber wollten wir das? Wollten wir nicht viel lieber verschwinden? Wir ließen uns mitreißen in einer Welle, die sich immer weiter auftürmte und an einer Brandung des Scheiterns zerbrach. Das Scheitern, die Krankheit aufzugeben. Genau das begleitete auch mich in meinem Alltag der Magersucht. 

Das Essen verbot ich mir schon früher am Tag. Meine Deadline möchte ich nicht genau benennen, doch aus den anfänglich frühen Abendstunden, war die Deadline ganz zum Schluss bereits der frühe Nachmittag. Meinen Kalorienbedarf habe ich bis dahin natürlich noch nicht gedeckt. Im Grunde genommen habe ich den schon lange zuvor nicht mehr gedeckt. Wie wäre ich sonst auch so krankhaft dünn geworden? 

Auch wenn jede Episode meiner Magersucht anders verlaufen ist, möchte ich euch heute einen Einblick in die Zeit meiner Magersucht geben und wie der Alltag wirklich aussieht. Wenn du das Gefühl hast, es könnte dich triggern, dann vermeide diesen Beitrag, auch wenn ich alles geben werde, um diesen Beitrag so wenig triggernd zu schreiben, wie möglich. Vielmehr möchte ich euch vor Augen führen, dass im Magersuchtsalltag alles verborgen bleibt. Dein Glück, deine Selbstliebe, deine Zufriedenheit – ALLES! Du lebst in deiner Hülle, in deiner ganz eigenen Blase und merkst dabei nicht, wie du immer mehr verschwindest. Wie dein Leben verschwindet, wie es an dir vorbeizieht und wie viele schöne, kostbare Momente du dabei verspielst. Du gehst zugrunde. An einer Krankheit, die es nicht wert ist, dass man an ihr zugrunde geht. 

So war mein Alltag in der Magersucht

Meine Magersucht begann harmlos. Zumindest redete ich mir ein, dass sie harmlos begann. Doch schnell fand ich mich in einem sich täglich wiederkehrenden Hamsterrad wieder, das immer wieder in dieselbe Richtung rotierte. Von Tag zu Tag wurde es schneller, dass eine Flucht praktisch unmöglich schien. Und so zehrte ich meinen Körper in diesem Hamsterrad aus. Kraftlos, aber irgendwie doch willensstark. 

Ganz klassisch drehte sich bei mir alles ums Essen. DEN GANZEN TAG. Es drehte sich ums Kalorienzählen, die Waage und ich konnte sogar eine Woche später noch auswendig aufsagen, was ich die letzten sieben Tage gegessen hatte. Nährwertangaben inklusive. Aus einer Matheniete wurde ein Mathegenie, zumindest was all die Zahlen betraf, die sich mit meiner Essstörung korrelieren ließen. Und daraus ergibt sich eben eine wichtige Zahl, oder besser gesagt Uhrzeit. 21 Uhr. Zu dem Zeitpunkt durfte NICHTS, wirklich gar nichts mehr in meinen Körper. Meine Zähne putzte ich davor, wenn ich Durst hatte, gab es trotzdem kein Wasser mehr. Denn durch meine Magersucht konnte ich nie lange schlafen und es musste ein mindestens 10-stündiges Zeitfenster vor dem Wiegen sein. 

Nach dem Aufstehen führte mich mein erster Weg auf die Waage. Weil ich ungeduldig war – es morgens fast nicht mehr aushielt, nichts zu essen. Manchmal jedoch musste ich warten. Oft schlief ich nur bis fünf oder halb sechs Uhr morgens und das Zeitfenster war mir wichtig. Obwohl ich ungeduldig war. Aber ich hatte Angst, mehr zu wiegen, wenn ich die 10 Stunden nicht abwarten würde. Die Gedanken waren blödsinnig. Dumm. Alles drehte sich nur darum und ich konnte mir diesen Gedanken nicht abschwören. Viel zu oft, viel zu lange habe ich ihn mir eingeredet und irgendwann selbst daran geglaubt.

Es interessierte mich nicht, was stimmte und was nicht. Ich habe mir meine eigenen Regeln aufgestellt, meine eigene „Wissenschaft“ entwickelt und in meiner eigenen kleinen Anorexiewelt stimmte nur das. Das Frühstück war die größte Mahlzeit am Tag, da mein Körper hier noch die längste Zeit hatte, um zu verdauen, bevor ich mich wieder wiegen konnte. In der Realität war sie trotzdem mickrig klein. Und gewogen wurde sich täglich. Danach schrumpften die Mahlzeiten und die Frequenz. Das Hungergefühl war mein bester Freund, aber gleichzeitig auch mein größter Feind. Manchmal hielt ich ihn aus, manchmal gar nicht und manchmal wurde ich zu Essattacken getriggert. Danach stellte sie ein größeres Gefühl der Scham ein. Der Wertlosigkeit. Ich stand Ängste aus, große Ängste, die sich fast wie Panikgefühle anfühlten.

Rückzug, Veränderung, falsche Motivation

Von dem lebensfrohen Mädchen, das ich einst war, war nichts mehr übrig. Als Kind ging ich unbeschwert und manchmal mit der rosaroten Brille durchs Leben. In mir steckte ein kleiner Freigeist, oft mit dem Gefühl inne, die Welt stünde mir als kleines Abenteuer offen. Mein Lachen war ansteckend, meine Unbeschwertheit beneidenswert. Ich ließ mich nicht aufhalten, obwohl ich schon damals ab und zu gemeine Kommentare einstecken musste. Manche waren auch körperbezogen. Aber ich hatte eine stabile Familie, tolle Freunde und ich tat vor allem eines: ich lebte. 

Und genau von dem Leben blieb wenig übrig. Zwar war ich physisch noch da, meine Existenz gab es noch, doch das Leben in mir war ausgehaucht. Innerlich ist mein altes Ich gestorben. Oder um es weniger melodramatisch zu sagen: es wurde in einen Dornröschenschlaf versetzt. 

Ich verbrachte meine Zeit bevorzugt zu Hause. Verkrochen in meinen vier Wänden, die mir Schutz boten. Gleichzeitig fiel mir die Decke auf den Kopf, doch ich wagte nur noch wenige Schritte aus meinem eigenen Schneckenhaus. Die Lustlosigkeit, irgendetwas zu machen, stieg von Tag zu Tag. Während ich gerade in der Anfangszeit noch unternehmungslustig war, mich in meinem Körper irgendwie willensstark und diszipliniert fühlte, verkroch ich mich insbesondere zu Beginn meiner Studienzeit immer mehr in meinem Schneckenhaus. Die Krankheit war vorangeschritten. Die Stärke aus den ersten Abnehmerfolgen mussten einer Unsicherheit weichen. Die Anerkennung von meiner Umgebung verwandelte sich in Getuschele, wenn ich vorbeiging. Jeder wusste, dass etwas nicht stimmte. Ich stritt es ab, wurde scheu und misstrauisch Menschen gegenüber. Es fiel mir schwer, auf neue Leute zuzugehen. Ich schloss nur wenige Freundschaften auf der Uni und widmete mich sonst lieber meinen strengen Berechnungen und Planungen, was die Nahrungsmittelaufnahme betraf. Sogar in den Vorlesungen. Während mein Professor irgendetwas von der elementaren Logik schwafelte, versuchte ich, meine eigene Logik akribisch herauszufiltern, indem ich Tabellen führte. Aber keine Wahrheitstafeln (Anm.: eine Methode der Elementaren Logik), sondern Ernährungstafeln.  

Am Wochenende fortgehen stand für mich nur noch selten zur Debatte. Und wenn, dann wurde es zu einem Spießrutenlauf, in welchem ich wie während eines Marathons zum Sprint ansetzte, mit falscher Motivation in den Augen. Ich ging nicht weg, um Spaß zu haben. Ich ging weg, um Kalorien zu verbrennen. Tatsächlich konnte ich auch an einem scheinbar ausgelassenen Abend mit meinen Freunden nicht von meinen Gedanken ablassen. Man fand mich oft auf der Tanzfläche, immer mit einer Flasche Mineralwasser in der Hand, an der ich den ganzen Abend nuckelte. Alkohol war tabu, rumstehen auch. Ich war nicht auf der Tanzfläche, um ausgelassen mit meinen Freunden zu feiern. Für mich war es eine Art Bestrafung und ein Zeitpunkt, Cardiotraining zu machen. Und eine Bestrafung, weil ich plötzlich niemanden mehr für einen Flirt auf mich aufmerksam machte. Die Männerwelt hatte das Interesse an mir verloren, je dünner ich wurde. Und um ehrlich zu sein: auch wenn es an meinem Ego kratzte, ich mir dachte, ich wäre immer noch zu dick (was nicht stimmte, denn kurz nach meinen ersten Abnehmerfolgen genoss ich viel männliche Aufmerksamkeit, je magerer ich wurde, desto weniger wurde auch die Aufmerksamkeit) – hatte ich auch keine Lust mehr auf Sex. Und wenn es den gab, dann dachte ich auch nur an eines: es ist eine körperliche Aktivität, die Kalorien verbrannte. 

Kontrollverlust

Und irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich die Kontrolle vollkommen verlor. Kontrolle, ein starkes Wort, denn Kontrolle war das, von dem ich immer dachte, ich hätte sie voll und ganz in meinem fest Griff umschlungen. Dabei habe ich genau diese schon an Tag X verloren. An dem Tag, als ich vor dem Spiegel stand und mir einredete, zu dick zu sein. Als ich den Entschluss fasste, abzunehmen. Gegen das Vorhaben, abzunehmen, ist im Grunde genommen nichts einzuwenden. Wenn man sich nicht mehr wohl in seiner Haut fühlt, gerne etwas ändern möchte und es gesundheitlich auch vollkommen in Ordnung ist, an Gewicht zu verlieren, spricht nichts dagegen. Aber ich wählte den vollkommen falschen Weg. Anstatt zu einem Arzt zu gehen oder eine Ernährungsberaterin zu konsultieren, um langfristig meine Ernährung umzustellen, entschied ich mich vom ersten Tag an für den radikalen Schritt. War es die Angst, nicht an Gewicht zu verlieren? Der Frust? Der Unglaube, es sonst nicht durchzuhalten? Ich weiß es nicht. 

Dann stand ich da. Mein Gewicht stand im höchst anorektischen Bereich (Anm.: Severe Anorexia Nervosa) und schlitterte langsam ins extreme Stadium, also der Bereich, in dem Zwangsernährung durchgesetzt werden kann. Ich begann, regelmäßig Abführtabletten zu schlucken, passte meinen kompletten Tagesablauf, nein, meine komplette Lebensplanung danach an. Ich hungerte, aß zu wenig, dann in einer Essattacke wieder zu viel und so drehte sich das Hamsterrad. Darum kann ich euch genau sagen, wie das Leben mit Anorexie ist: es ist ein absoluter Freiheitsverlust. Hervorgerufen durch grob fahrlässige oder vorsätzliche Taten, die man sich selbst gegenüber begeht. Nicht glücklich zu sein, sondern sich in depressiven Phasen zu befinden, ist das Urteil gegen die Unrechtmäßigkeit, die du deinem Körper antust. Oder die etwas in dir deinem Körper antut. Es ist quasi deine Freiheitsstrafe. Wie lange du in dieser „Haft“ sitzt? Ungewiss. Und doch fühlst du dich nur in deiner Zelle sicher und willst im Grunde genommen gar nicht ausbrechen, obwohl du etwas aufgibst, was jedem Menschen wichtig ist: Deine Freiheit. Dein Glück. Die Fähigkeit, ein normales Leben zu führen, denn das tust du mit dieser Krankheit nicht.  

Mein Freiheitsdrang jedoch kam zurück. Und ich wurde entlassen. Entlassen aus meiner Gefangenschaft. Neun Jahre habe ich bekommen, für das, was ich meinem Körper angetan habe und dann irgendwann durfte ich gehen und bekam meine Freiheit zurück. 

Stadt oder Land: wo ist mein Kraftort?

Stadt oder Land

Wo ist mein Kraftort?

Am Land aufgewachsen, hat es mich in die Stadt gezogen. Doch wo ist nun mein Kraftort? 

In meinem Bauch kribbelt es. Ein Traum, den ich mir schon so lange in meinem Kopf ausgemalt habe, wird wahr. Ich spüre die Aufregung in mir, die sich in mir ausbreitet und merke, dass ich immer ungeduldiger werde. Am liebsten würde ich meine sieben Sachen schon jetzt einpacken und diesen neuen Lebensabschnitt, der mich erwartet, beginnen. Ich zähle die Tage. Die Stunden. Die Sekunden. Mache mir Gedanken, wie ich mein neues Nest einrichten werde. Wann werde ich wohl die Wohnungsschlüssel bekommen? Wie wird es sein? Die erste eigene Wohnung. Eine neue Stadt. Die Stadt, in der ich immer leben wollte.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich dieses Gefühl wahrgenommen habe. Wie aufgeregt ich war, wenn ich an mein neues Leben in einer anderen Stadt nachdachte. Gut, Graz ist von meiner Heimatstadt nur 30 km entfernt und irgendwie hat es sich nie wirklich wie eine Distanz zu meiner Heimatstadt angefühlt, andererseits fühlte es sich doch so weit weg an. So weit weg von meinem alten Leben. Von all den Erinnerungen, die ich in den 26 Jahren in meiner Heimatstadt gesammelt habe. So weit weg von der alten Lisa. Von der Studentin, die ich noch vor wenigen Monaten war und nun würde ich in das Berufsleben einsteigen. So richtig. Nicht mehr nur mein eigener Boss sein, sondern eine neue Verpflichtung beginnen. 

Aufregend! Spannend! Wild! Genauso malte ich mir mein Leben in der Stadt aus. Ich wurde am Land groß. In meiner Jugend habe ich mich in meinem „Kaff“ gelangweilt, träumte immer schon von der großen Stadt. Auch wenn Graz gar nicht so groß ist. Zumindest wirkt es nicht groß. Aber für ein Landei wie mich war es das. Ich träumte von neuen Erfahrungen, Erlebnissen und wusste gleichzeitig, dass ich mir wahrscheinlich zu viel erwartete. Ich versuchte, meine Erwartungen zurückzuschrauben und doch ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich in meinen hohen Erwartungen schwelgte.  

Dass sich nicht alle Erwartungen erfüllen werden, war mir von Anfang an klar. So war es auch. Womit ich jedoch nicht gerechnet habe: dass ich öfters Heimweh nach dem Land haben würde, als ich es je für möglich gehalten habe. 

Land
Land

Nicht ganz Landmädchen! Nicht ganz Stadtmädchen!

Und jetzt, wenn mich jemand fragen würde, ob ich eher ein Stadt- oder Landmensch bin, könnte ich die Frage nicht eindeutig beantworten. Trotzdem weiß ich: das Dorfkind wird man wohl nie aus mir herausbekommen. Nicht einmal die größte und futuristische Metropole würde das je ändern können. Und ich merke immer mehr, wie sehr ich mich nach Rückzug sehne. Nach Vogelgezwitscher. Und dass mich der Stadtlärm öfters aus der Ruhe bringt, als gedacht. 

Als ich noch in Graz studiert habe, blendete ich all das aus. Den Lärm. Die vielen Autos. Das wenige Grün. Und trotzdem ist das Bauchkribbeln immer noch da, wenn ich durch „mein“ Graz schlendere. Ich genieße all die Vorzüge, die eine Stadt zu bieten hat. Die räumliche Nähe zu meinen Freunden. Die spontanen Coffee Dates. Eine große Auswahl an Nightlife Aktivitäten (wenn es auch momentan sehr beschränkt ist). Und all diese Annehmlichkeiten möchte ich nicht missen. Ich habe mich gut in Graz eingelebt. Mich an die Stadt gewöhnt, sie noch mehr lieben und schätzen gelernt. Ich will noch bleiben. Auch wenn für mich klar ist, dass ich nicht mein ganzes Leben hier (zumindest wohnhaft) verbringen möchte. 

Land
Land

Mein Kraftort bleibt das Land

Eine Sache habe ich jedoch gelernt: die Stadt ist nicht mein Kraftort und ich habe einfach viel zu wenig Zeit für Heimatbesuche oder Wanderungen hergegeben. Wirklich Energie sammle ich nur dort, wo es ruhig ist. Wo noch unberührte Natur zu finden ist. Egal, ob das nun der Wald ist, der Strand, der See oder die Wüste. Die Stadt ist dazu da, um mein Leben aufregend zu gestalten. Und es ist leicht, sich in diesen Puls der Stadt hineinziehen zu lassen. Die Spannung, der Reiz, das ist die Stadt. Doch die Ruhe und die Kraft, das ist die Natur. 

Von dieser Spannung, dem Reiz der Stadt – davon habe ich noch nicht genug. Ich fühle mich immer noch jung genug, um ein aufregendes Leben in der Stadt zu verbringen. Diesmal jedoch mit einer gelernten Lektion: mehr Natur, mehr Dorf, mehr Ruhe in mein Leben zu lassen. Öfters Heimatbesuche anzutreten. Häufiger Wanderungen zu unternehmen. Kraft zu tanken – für die Stadt. Und die Aufregung der Stadt genießen, bis ich bereit bin, wieder aufs Land zu ziehen. 

My Body Counts

My Body Counts

Magazin

My Body Counts

"My Body Counts" ist ein Magazin über Selbstliebe, Körperakzeptanz und Positivity. 

Auch wenn es nur ein kleines, spontan entstandenes Eigenprojekt ist, so bin ich heute doch ein bisschen aufgeregt, euch davon zu erzählen und euch mein Magazin „MY BODY COUNTS“ vorzustellen. Wie einige von euch vielleicht bereits wissen, trete ich bald meinen Job in einer Agentur an. Deswegen arbeite ich gerade an ein paar wichtige Skills für eine Agentur. InDesign steht dabei ganz hoch im Kurs. Mit diesem Hintergedanken habe ich angefangen, ein Magazin zu layouten, bis mir der spontane Gedanke kam, auch etwas mit Mehrwert für euch zu kreieren.  

My Body Counts
My Body Counts

Problemzone Frauenzeitschriften

Mit Anfang 20 war ich besessen von Frauenzeitschriften. Wöchentlich holte ich mir die neusten Ausgaben der Klatschblätter nach Hause. Rückblickend fällt mir auf, dass viele Frauenzeitschriften einem typischen Muster folgen. Da ich inzwischen jahrelang keine Zeitschrift mehr gekauft habe, weiß ich nicht, ob sich mittlerweile etwas geändert hat oder nicht. Ich erinnere mich an reißerische Schlagzeilen über Promifrauen, die für ihre Figur kritisiert wurden. Frauenkörper, die laut Meinung dieser Zeitschriften nicht strandtauglich waren, die über die Feiertage ordentlich zugenommen haben oder plötzlich zu dünn seien. Im Blattinneren wurden die Frauenkörper auseinandergenommen. Dabei waren es wunderschöne, normale, menschliche Körper, die kritisiert wurden. Auf der nächsten Seite folgte ein Beitrag darüber, dass man sich selbst so akzeptieren sollte, wie man ist. Next Page: Die Victoria’s Secret Show oder irgendetwas anderes mit Models. Danach wurden Essstörungen bedauert, gefolgt von Kuchenrezepten, welche die 1000 Kaloriengrenze bei weitem knackten. Zum Schluss wurde die neueste Diät vorgestellt und fragwürdige Tipps von „Ernährungsexperten“ geteilt. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an eine Seite einer Frauenzeitschrift, auf welcher eine Ernährungsexpertin das Essverhalten von Frauen beurteilte. Selbst bei der gesündesten Ernährung hatte diese immer noch etwas auszusetzen bzw. was man NOCH besser machen könnte.  

Eigentlich liegt es klar auf der Hand, dass solche Zeitschriften extrem irritierend und widersprüchlich sind. Als Anfang 20-Jährige habe ich das vielleicht noch nicht reflektiert genug betrachtet, doch je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auf, dass solche Magazine alles andere, als bestärkend sind. Was ist schon lustig daran, über Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, ebenso öffentlich zu spotten, nur weil sie ihr eisernes Sport- und Diätprogramm einmal nicht so eisern und streng durchhalten? Das Leben besteht nicht nur darin, immer in Topform zu sein. Es spricht nichts dagegen, Sport zu treiben und sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Ebenso wenig spricht dagegen, wenn man einfach einmal weniger auf sein Ernährungs- und Sportprogramm achtet, Soulfood, das Leben genießt und nicht nach einem 10 Stunden Arbeitstag ins Gym hetzt oder sich die Laufschuhe anzieht.   

My Body Counts

Let me introduce you: My Body Counts

Mit diesen entmutigen Hochglanzseiten muss Schluss sein. Ich weiß, dass ich als kleine Bloggerin wenig bewirken kann und durch diesen Blogbeitrag solche Magazine nicht aussterben werden. Doch was ich tun kann, ist dagegen steuern und zumindest für meine Community ein Magazin schreiben und layouten, dass das Ziel verfolgt, bestärkend und ermutigend zu sein. 

Der Titel

Warum habe ich den Titel „My Body Counts“ gewählt? Für mich ist der Name selbsterklärend, denn jeder Körper auf dieser Welt zählt. Egal, ob man große oder kleine Brüste, Abs oder keine Abs hab. Egal, ob man schmale oder volle Lippen hat. Grüne, braune, graue oder blaue Augen. Egal, ob man blond, brünett, rot-, bunt- oder grauhaarig ist. Egal, welche Hautfarbe man hat, ob man eine Brille trägt oder nicht. Den Wert eines Körpers kann man nicht an seinen Muttermalen abzählen. Jeder Körper auf dieser Welt besitzt den gleichen Wert und ist in seiner Erscheinung trotzdem einzigartig und schön. 

Der Inhalt

Obwohl der Titel „My Body Counts“ lautet, beschäftigt sich das Magazin nicht nur mit dem Thema Körper, sondern auch mit allem, was dazugehört: Selbstliebe, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Ich verrate euch, wie ich Kraft tanke, positive Affirmationen und ihr findet auch einen Gastbeitrag meiner Freundin Vanessa, die auf Instagram einen eigenen Yoga Account betreibt und sich selbst intensiv mit den Themen Selbstliebe und Body Positivität beschäftigt. Natürlich steht aber auch der menschliche Körper besonders im Fokus. Ich habe meinen öffentlichen Entschuldigungsbrief an meinem Körper in dieses Magazin gegeben, spreche aber genauso über die Körperstelle an mir, die ich lange Zeit am wenigsten an mir akzeptieren und lieben konnte. 

Der Inhalt per se ist vielleicht nicht ganz so ausgeklügelt und gut geplant, aber die Idee ist spontan entstanden und folgte demnach auch keinem Contentplan. Weder konnte ich die meisten Bilder speziell für das Magazin shooten und habe fast ausschließlich jene genutzt, die ich im Archiv hatte.  

Mein Hintergedanke

Schon lange merkte ich, dass ich für euch etwas mit Mehrwert machen möchte. Mit den Jahren und all den Erfahrungen, die ich als Bloggerin gesammelt habe, habe ich gemerkt, dass ich einfach nicht die Person bin, die euch ständig mit neuen Produkten und Rabattcodes bombardieren möchte. Auch wenn ich euch gerne Produkte vorstelle, von denen ich überzeugt bin und gerne Rabattcodes teile, wenn ich einen habe, aber vor allem möchte ich euch Content geben, von dem wirklich jede/r etwas hat. Und es ist eine Art Gegenbewegung zu all den Magazinen da draußen, die Ausgabe für Ausgabe an den Figuren weiblicher Prominenz meckern und uns stets ein schlechtes Gefühl vermitteln. „My Body Counts“ soll kein Magazin sein, dass an der Oberfläche kratzt, sondern euch ein Gefühl der Wertschätzung euch selbst gegenüber mitgeben. Ob es eine weitere Ausgabe geben wird, weiß ich noch nicht. Geplant ist es jedoch vorerst als eine einzige Ausgabe. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich weiterhin kleinere Projekte umsetze, wie Editorials und Fotostrecken zu diesen Themen und diese später ebenfalls layouten und veröffentlichen werde. 

Nun möchte ich euch nicht länger auf die Folter spannen: Viel Spaß mit „My Body Counts“.  

Es tut mir Leid

Es tut mir Leid! A Love Letter to my Body…

A Love Letter to my Body

Es tut mir Leid

In letzter Zeit teile ich auf Instagram in meinen Captions viele persönliche Wort. Natürlich. Für mich ist es eine intensive Zeit des Nachdenkens. Ich mache mir viele Gedanken. Viel Altes ist wieder präsent und gerade auf körperbezogene Themen spezialisiere ich mich mehr denn je. Aber auch Entschleunigung findet bei mir wieder Gehör. Mir tut es gut, diese persönlichen Texte und Gedanken zu teilen. Dabei schwingt immer die Hoffnung mit, Menschen damit zu erreichen. Ihnen zu helfen und aufzuzeigen, dass man in vielen Belangen des Lebens einfach nicht alleine ist. 

Warum mein eigener Körper momentan wieder so präsent ist, liegt vor allem an den Schwierigkeiten meiner Recovery, die ich wieder aufnehmen musste. Die Coronazeit und all ihre Folgen haben mir auf den Magen geschlagen. Für mich waren es sieben intensive Wochen, in denen ich komplett alleine war. Manchmal habe ich es da gar nicht zugelassen, mich zu sehr mit mir und meinen Gedanken zu beschäftigen. Aber irgendwann holt einem die Vergangenheit vielleicht doch ein. Ich habe jedenfalls erkannt, dass es noch einige Baustellen gibt, an denen ich arbeiten muss. Gerade was körperbezogene Themen betrifft. Diese habe ich in meiner Recovery nicht mehr allzu viel Beachtung geschenkt. Denn es ging mir gut. Wozu noch daran arbeiten? 

Das Wozu kann ich euch heute beantworten. Wozu? Weil das Leben nicht immer eitler Sonnenschein ist. Weil Herausforderungen auf uns warten, die auch auf uns zukommen. Gerade in solchen Zeiten muss man emotional gefestigt sein, damit einem die Vergangenheit wirklich nicht einholt. Ich habe gemerkt, dass ich das noch nicht war. Gefestigt! Deshalb muss ich mich jetzt vermehrt darum kümmern, mein Gedankenchaos zu ordnen, die Spirale anzuhalten und endlich einen Abschluss finden, der es mir ermöglicht, auch solche Zeiten emotional gefestigt durchzuhalten. 

Mein Körper ist nach wie vor die Baustelle. Bzw. nicht mein Körper in seiner physischen Form, sondern meine Beziehung zu meinem Körper. Die spielt sehr wohl noch eine Rolle, unabhängig von all den Erfolgen, die ich bereits verbuchen konnte. Aber ich habe mir zu wenig Zeit gelassen, die Beziehung zu meinem Körper zu festigen. Denn – es ging mir ja gut. Nur darf ich nicht vergessen, dass ich mich inmitten einer Stabilität befand. Ich hatte einen Job, meine erste eigene Wohnung, Freunde und Familie, die ich immer sehen konnte. Während der Corona Krise ist erstmals das soziale Gefüge in seiner physischen Form zusammengebrochen. Ich war alleine. Urplötzlich. Dann war mein Job weg. Natürlich blieben Freunde und Familie sowie meine Wohnung. Aber eben keine finanzielle Sicherheit. Es kamen Ängste hinzu, wie es nun weitergehen sollte. 

Nun habe ich alles wieder, das ich in den letzten Wochen so vermisste. Ich darf meine Familie sehen, meine Freunde, ich habe einen Job gefunden, der mir neue Möglichkeiten eröffnen kann und meine Wohnung ist nach wie vor mein Zentrum, auch wenn mir der Gedanke auf die Rückkehr momentan sehr, sehr schwer fällt. Was dennoch wiedergekommen und auch nach all der Stabilität, die ich zurückgewonnen habe, geblieben ist: die Unsicherheit mir gegenüber. Die Unsicherheit meinem Körper gegenüber. Es ist leichter, wieder in den Strudel der Essstörung hineingezogen zu werden, als sofort wieder rauszukommen. Ja, ich habe Stabilität. Trotzdem muss ich jetzt an mir weiterarbeiten und an all den Baustellen, die trotz Recovery übrig geblieben sind. 

Es tut mir Leid
Es tut mir Leid

Dear Body...

Es tut mir Leid

Ich habe nachgedacht. Sehr viel. Über mich und insbesondere über meinen Körper. Wie habe ich meinen Körper in all den letzten Jahren behandelt? Und dabei habe ich ganz persönliche Zeilen verfasst, die ich auf meinem Instagram Account bereits geteilt habe und nun auch hier auf dem Blog noch einmal festhalten möchte. Falls ihr euch fragt, was meine Überschrift nun wirklich mit dem oben geschrieben Text zu tun hat, hier kommt die Antwort! Ein Brief an meinen Körper:

Es tut mir Leid, wie ich dich behandelt habe. Es tut mir Leid, dass ich dich anschrie, dich als „fett und hässlich“ beschimpfte und gemein zu dir war. Es tut mir Leid, dass ich dich grob berührte, dass ich dir in den Bauch boxte und das Essen verboten habe. Es tut mir Leid, dass ich dir viel kostbare Zeit gestohlen habe. Es tut mir Leid, dass ich dich zum Sport zwang, obwohl du keine Kraft mehr hattest. Es tut mir Leid, dass ich dich auf die Waage zerrte und dich für das Ergebnis fertig machte. Es tut mir Leid. Meine kritischen Blicke, mein Hass dir gegenüber. Es tut mir Leid, dass ich dir nicht erlaubte, zu leben. Und ich danke dir, dass du mir verziehen hast. Dass du UNS immer wieder eine Chance gegeben hast. Ich werde dich nie mehr fertig machen, dir nie mehr in den Bauch boxen, dir nie mehr das Essen verbieten, dich nie mehr zum Sport zwingen, dich nie wieder auf die Waage zerren und deine Maße überprüfen. Ich werde für dich da sein und mich so um dich kümmern, wie du es verdient hast. Denn du bist mein Körper und wir werden ewig zusammengehören. 

Instagram @mycafeaulait am  28. April 2020

Travel Throwback: eine kleine Hommage an meine Reiseerinnerungen

Travel Throwback

Eine kleine Hommage an meine Reiseerinnerungen

Auch wenn wir momentan nicht reisen können: die Reiseerinnerungen von vorherigen Trips bleiben! 

The world is big and I want to have a good look at it before it gets dark.
John Muir

Die Welt ist ein Buch und all jene, die nicht gereist sind, haben nur eine Seite gelesen. Das sagt man zumindest. Und ja, dem stimme ich zu. Die Reiselust hat mich erst in meinem Studium so richtig gepackt. Fasziniert hat mich die Welt schon davor. Mit all ihren Eigenheiten, Charakteristiken, Schönheiten, aber auch Makeln. Ich habe gelernt, dass die Welt in ihrem natürlichsten Kleid am schönsten ist. Aber auch, dass sie eine spannende Kultur besitzt, durch die sie geprägt wurde. Es zieht mich in einen Bann, wenn ich all das, was ich in meinem Geographiestudium gelernt habe, mit eigenen Augen sehen kann. Jedes Mal ist es ein Erlebnis voller Einzigartigkeit. Eine Magie, die mich festhält und mir durch den Körper fährt. Magie, die es schafft, für Orte zu brennen, für die ich vorher vielleicht nicht gebrannt hätte. Wenn sie mich umgibt, ich das Fremde zulasse, dann merke ich erst, wie besser ich mich selbst kennenlerne. Dass es immer wieder neue Wege und Möglichkeiten gibt, mehr zu sich zu finden. Was mir das Reisen gibt, kann ich nur schwer beschreiben. Doch ich weiß, dass es mich verändert. Jedes Mal. Jedes Mal eine neue Erkenntnis. Ein neues Gefühl. Neue Träume und Ziele. Es macht etwas mit mir. 

Heute wäre ich nach Tel Aviv geflogen. Jetzt bleibt die Welt verschlossen. Aber vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht hat sie das gebraucht. So schön das reisen ist, es belastet unsere Erde. Das dürfen wir nicht schönreden. Ich selbst bin keine Weltenbummlerin. Ich reise gezielt und wenige Male im Jahr, doch vielleicht hält genau das den Reiz aufrecht. Wenn ich könnte, würde ich mehr reisen. Das stimmt und muss ich nicht abstreiten. Aber es ist schön zu sehen, wie sich die Welt erholt. Wie glasklar das Wasser im Canal de Grande ist. Wie glücklich die Delphine in der Adria schwimmen. Und ich atme nun eine Luft, die sich viel reiner in meinen Lungen anfühlt. Das ist schön und zeigt mir auch, dass ich mein Reisverhalten vielleicht nicht ändern und mir weiterhin gezielt nur wenige Destinationen im Jahr aussuche soll. Dass ich nicht jedes Land mit dem Flugzeug bereisen muss.

Trotzdem bin ich dankbar für all die wunderbaren Momente. Für all die Magie, die mir geschenkt wurde, selbst wenn mein Travel Diary nicht so gut gefüllt ist, wie das der anderen. Aber für mich sind es Erlebnisse, auf die ich mit Dankbarkeit zurückblicke und ich weiß, dass ich in einer absolut glücklichen Lage befinde, doch schon etliches gesehen zu haben. 

Jetzt, wo das Reisen erstmals aus der To Do Liste gestrichen wurde, möchte ich diese Augenblicke nutzen, um sie Revue passieren zu lassen. Gemeinsam mit euch. Noch einmal alle Gefühle hervorholen. Sie spüren und gemeinsam in Erinnerungen schwelgen. 

Bella Italia, Bella Roma

Der Duft einer frischen Pizza – direkt aus dem Steinofen. Der eisgekühlte, sahnige Geschmack von Gelato. La Dolce Vita! Wenn ich nur noch in ein Land reisen dürfte, würde ich mir Italien aussuchen – mein absolutes Lieblingsland. Roma Amore Mio. Ich weiß noch ganz genau, wie sich die Wärme angefühlt hat, als die Abendsonne hinter dem Colosseo verschwand. Wie die Stadt durch sonnengetauchtes Orange noch antiker und anmutiger wirkte. Das mulmige Gefühl, als ich die ganzen Menschenmassen an dem Fontana di Trevi erblickte. Wie wir wegen der sengenden Stadthitze nach Lido di Ostia geflüchtet sind. Und dort hat mich sofort wieder der Herzschmerz nach Rom gepackt. Die Traurigkeit, als ich Rom „Arrividerci“ sagen musste und die Vorfreude, die Stadt irgendwann wiederzusehen. 

Eivissa

Eivissa – der katalanische Name für Ibiza. Diese Reise werde ich nie vergessen. Sie war meine erste richtige Pressereise in ein anderes Land. Ich spüre heute noch die kalten Fliesen unserer Finca. Das frische Wasser des Pools nach einer 24-stündigen Anreise (fragt nicht, wieso) und wie es mich wieder mit neuer Energie belebt hat. Ich fühle heute noch den frühlingsfrischen Sand, das kalte Meerwasser, das nur warm genug fürs „Füße reinhalten“ war. Immer noch habe ich den salzigen Geruch in der Nase, als wir am Hafen saßen und Eis in Rosenform schleckten. Das Kribbeln im Bauch, als wir durch die Altstadt schlenderten. Ich höre immer noch die Drums der Sundownparty, irgendwo in einer einsamen Bucht, die dann doch nicht mehr ganz so einsam war. 

Desert in Marrakech

The Beautiful Desert of Marrakech

Buntes Treiben. Ohrenbetäubende Musik. Kulturschock. Hingegen 40 km vom Stadtzentrum entfernt ein Ort des Nichts. Nur kleine Camps ragen empor in den scheinbar ewig wirkenden Breiten der Agafay Steinwüste. Stille. Nur leichte Windböen erzeugen eine Geräuschkulisse. Das Gefühl der harten Steine auf den nackten Füßen. Die Hitze, die durch einen zarten, wiederkehrenden Lufthauch erträglich gemacht wird. Marrakech war anders, als ich es mir vorgestellt habe. Aber genau richtig wie es war. 

Amour Côte d'Azur

Ein bisschen Leichtigkeit hat mich umgeben, als ich das erste Mal in meinem Leben nach Frankreich gereist bin. Nizza, eine Stadt voller Leben. Umgeben von Düften der Provence und Retro-Postkarten. Das Meer – so klar, so türkis, dem Namen Côte d’Azur alle Ehre gemacht. Der Versuch, ein bisschen Gemütlichkeit am Steinstrand zu finden und dann das Pendant dazu: Cannes. Sandstrand und noch mehr Luxus. Und dann war da noch Monaco. Ein Ort, an dem ich mich nicht ganz so wohlgefühlt habe. Vielleicht sogar ein bisschen fehl am Platz. Aber es war spannend, in eine Welt einzutauchen, die ich sonst nur aus Glamourzeitschriften und -reportagen kenne. 

Croatia - Always

Eine ganz besondere Reise. Die erste gemeinsam mit meiner Familie nach langer, langer Zeit. Die erste gemeinsame Reise mit meinem Neffen. Und die erste Reise nach meinem Uniabschluss. Es war ein Zeitpunkt voller gemischter Gefühle. So vieles hat sich verändert. Ein neuer Lebensabschnitt stand mir bevor und von dieser Zeit an sollten so viele neue Abschnitte folgen. Das war nur der Beginn. Ich weiß noch genau, wie ich mich gefühlt habe. Die Erleichterung nach einer anstrengenden Studienzeit. Aufkeimende Gefühle des Verliebtseins, aber auch Unsicherheit. In Kroatien habe ich viel losgelassen und viel neues begonnen. 

Traveling around Europe

Schon so viel von Europa gesehen und irgendwie das Gefühl, es ist noch nicht genug. Dabei spüre ich trotzdem die Dankbarkeit, dass ich doch schon so viel sehen durfte. Die Reise nach Prag, die mir durch mein Studium ermöglicht wurde. Zwei Reisen nach Deutschland, die ich dank meinem Blog erleben durfte. Gemeinsame Trips mit meiner Mama nach Portorose und Trieste. Und nicht zu vergessen: die vielen Reisen, die ich schon vor meiner Tätigkeit als Bloggerin gemacht habe und deswegen hier nicht präsent sind. London, Tunesien, die Türkei… und mein Arbeitsaufenthalt im schweizerischen Zermatt. Das erste Mal war ich auf mich alleine gestellt und musste mich selbst versorgen. Ich musste erwachsen werden und das in einem anderen Land. Oder eine Reise, die ich während meiner Tätigkeit als Bloggerin gemacht habe, die ich aber für mich erleben wollte. Eine Zeit, die ich quasi als „Nicht-Bloggerin“ genoss – ohne den Drang, sie auf Instagram oder meinem Blog zu teilen. Das Kribbeln im Bauch während dieser Zeit in Bratislava. Ich gestehe es mir nicht gerne ein, aber ich denke noch ziemlich oft dran. Ziemlich gerne sogar. 

Die Welt stand für mich weit offen und ich habe viele Chancen genutzt. Jetzt hat sich all das verändert, aber eines Tages wird die Welt wieder für uns offen stehen. Ich hoffe, dass wir unsere Welt danach achtsam behandeln, mit Maß und Ziel unsere Reisen bewusst konsumieren. So verliert Reisen nie seinen Reiz.