Eine Woche komplett plastikfrei leben

Seitdem ich in Casa Lillywood eingezogen bin und nun wirklich zu 100% für mich und meine Versorgung selbst verantwortlich bin, hat sich meine Denkweise verändert. Es war ein Lernprozess. Je intensiver ich mich damit auseinandersetzte, desto stärker wurde mein Bewusstsein geschärft. Die Tatsache, nun kompletter Selbstversorger für mich zu sein, hat mich auch viel über meine Ernährung und mein Konsumverhalten nachdenken lassen. Dabei wurde mir bewusst, dass meine Ernährungsweise zwar gesunde Lebensmitteln beinhaltet, aber unter Stresssituationen tendiere ich zur Einseitigkeit. Doch es gab ein weiteres Problem: diese Ernährungsweise brachte viel Verpackungsmüll mit sich. Verpackungsmüll in Form von Plastik.

Das Projekt „plastikfrei“ wollte ich schon länger angehen, doch ich fand immer wieder neue Ausreden, es aufzuschieben. Stress und viel Arbeit standen dabei ganz oben auf der Liste. Zwar ist mein Leben hektisch, doch letztendlich hat auch eine große Portion Faulheit eine Rolle gespielt. Genauso wie die Kostenfrage. Wie ich bereits einmal in diesem Post erwähnt habe, möchte ich nicht nur für Miete und Essen arbeiten gehen.

Vorweg: ein plastikfreier Einkauf muss nicht immer Unsummen kosten. Aber wer eine abwechslungsreiche Ernährungsweise in den Alltag integrieren möchte, wird mit 30 Euro pro Woche nicht auskommen. Zumindest wenn man satt werden möchte.

plastikfrei leben

So konnte es nicht mehr weitergehen

Irgendwann war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich keine Ausreden mehr gelten lassen wollte. Wenn sich der Gang zum Müllraum abnormal häuft, muss etwas falsch laufen und verändert werden. Ich war schockiert, wie rasant sich meine Mülltonnen füllten. Doch nicht nur das. Durch meinen Grocery Monday fotografiere ich auch meinen Einkauf. Im Supermarkt war es mir gar nicht so bewusst, wie viel Plastikverpackungen in meinem Einkaufswagen landeten. Erst zu Hause, als ich meine Ausbeute fotografierte und den Einkauf visuell auf meinem Kamerabildschirm vor mir sah, kam das schlechte Gewissen auf. Ich ärgerte mich im Nachhinein, dass ich wieder nachlässig eingekauft hatte. Nachlässig nicht im Sinne von ungesund, sondern nachlässig im Sinne von viel zu viel Plastik.

Ich wollte einen Cut setzen und nun wirklich mehr Bewusstsein in mein Konsumverhalten schaffen. Darum entschied ich mich dazu, eine Woche plastikfrei zu leben. Oder zumindest so plastikfrei, wie möglich. Ich kaufte mein Joghurt und auch meinen Topfen im Glas. Zwar kosteten mich die Produkte nun das doppelte (der Topfen sogar das dreifache), aber ich wollte es durchziehen.

plastikfrei leben

Ist Glas nun die nachhaltigere Alternative?

Als ich stolz meine Joghurtgläser (nicht alle waren Pfand) auf Instagram präsentierte, erntete ich dafür nicht nur Lob. Es kam auch konstruktive Kritik, aber immer unter Einhaltung der Netiquette. Danke dafür.

Ein Faktum stimmt dabei: Glas ist nicht immer die nachhaltigere Alternative. Aber -und das dürfen wir nicht vergessen- es kommt immer darauf an, wie man Glas nutzt. Glas benötigt in der Produktion viel Energie. Es ist schwerer, was beim Transport einen hohen Energieausstoß verursacht. Darum sollte man selbst bei Glas nicht immer wahllos zugreifen. Glas ist zum Beispiel ein ideales Verpackungsmaterial für Joghurt, Topfen, Milch und Co., wenn man die Produkte direkt vom Nahversorger bezieht. Oft sind die Gläser mit Pfand, allerdings nicht immer. Der große Pluspunkt ist jedoch immer noch der, dass die Produkte aus der Region kommen und keine langen Transportwege hinter sich haben.

Im Supermarkt hat man immer noch die Wahl zwischen Pfand- und Einweggläser. Aber auch Pfandgläser benötigen für die Reinigung viel Energie, werden aber zumindest wiederverwendet. Bei Einwegglas wird die ganze Sache schon schwieriger. Doch – und das sollte man nicht vergessen: Glas kann super (up)(re)cycelt und wiederverwendet werden. Wir nutzen die Gläser für Marmeladen und Säfte, aber auch als Aufbewahrung. Was wir nicht benötigen, geben wir weiter. Das Gramm in Graz ist dabei zum Beispiel eine gute Anlaufstelle. Dort wird (gewaschenes) Glas gesammelt und gratis weiterverschenkt.

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Wie es mir erging, eine Woche plastikfrei zu leben

Vorweg: zu 100% habe ich nicht auf Plastik verzichtet, aber zu 99%. Meinem heiß geliebten Cola light konnte ich einmal nicht widerstehen, aber ansonsten war mein Konsumverhalten plastikfrei. Es war nicht schwer, denn inzwischen gibt es wirklich genügend Auswahl und Alternativen. Schwierig wurde es jedoch bei veganen Joghurtalternativen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich im Gramm gar nicht bewusst danach gesucht habe. Im Supermarkt war nichts auffindbar.

Im Grunde genommen musste ich eigentlich nur bei den Milchprodukten genauer hinschauen und darauf achten. Das ist meine Hauptquelle für Plastikmüll und davon konsumiere ich nicht wenig. Einfach war es jedoch bei Obst und Gemüse. Hier kaufe ich schon länger nichts mehr, was in Plastik verpackt ist. Obst und Gemüse ist sozusagen die einfachste Quelle, wenn es darum geht, Müll zu vermeiden. Ich bin ja auch ein Fan von Bauernmärkten, aber ich schaffe es oft zeitlich nicht. Gut, dass es auch schon in dem einen oder anderen Supermarkt regionale Produkte gibt und die sind meistens unverpackt/plastikfrei.

Gekostet hat mich mein Einkauf natürlich dieses Mal mehr, aber das ist schon okay.

Wie soll es weitergehen

Durch dieses Projekt habe ich nicht nur meinen Plastikkonsum reflektiert, sondern gleichzeitig mein Ernährungsverhalten. Ich sage es vorweg: Ich werde nicht zu 100 plastikfrei leben (können). Das ist vor allem eine Kostenfrage. Mal ehrlich, auch wenn es die Optionen gibt, Glas sinnvoll zu nutzen, so würde sich irgendwann trotzdem zu viel anhäufen. Doch ich glaube, es geht vor allem darum, gute Alternativen zu finden und Abwechslung hineinzubringen.

Wie gesagt, ich habe dadurch mein Ernährungsverhalten reflektiert. Dieses war einfach nicht gut in den letzten zwei bis drei Wochen. Ich habe mich einseitig ernährt und viel zu wenige Kalorien zu mir genommen. Um ehrlich zu sein, hatte ich auch ein paar Struggles, die auf meine Essstörung zurückzuführen sind. Plötzlich hatte ich mit Sättigungsgefühlen und dem schlechten Gewissen nach dem Essen wieder ein paar Probleme. Darum griff ich eher zu Safe Food. Produkte, die viel Plastikmüll anhäuften.

Ich glaube, wenn es mir gelingt, an meiner Ernährung zu arbeiten, dann kann ich auch meinen Plastikkonsum runterschrauben. Ich brauche keine fünfzehn Becher Joghurt und Magerquark pro Woche oder jeden Tag eine Flasche Cola light.

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Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen

Das ist mein Motto, wenn es darum geht, nachhaltig zu agieren. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass wir schon mit kleinen Schritten wesentlich mehr Nachhaltigkeit in unseren Alltag bringen können. Beim Einkaufen bewusst die Augen offen zu halten, ist unter anderem ein wichtiger Aspekt. Wenn wir darauf achten, was wir in unseren Einkaufswagen laden, setzen wir uns nicht nur intensiver mit unserer Ernährung auseinander, wir tun auch der Umwelt etwas gutes.

Es gibt viele Wege, nachhaltiger zu Leben. Plastikvermeidung ist dabei ein großer Schritt, aber auch (Urban) Gardening und darauf achten, wo es herkommt leisten schon einen wertvollen Beitrag. Wir sind alle nicht perfekt und oftmals ist es auch eine Kostenfrage, doch es ist wichtig, dass wir umdenken und Plastik dort vermeiden, wo wir es vermeiden können.

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