How I grew on my experiences

 

Mittlerweile bin ich 24 ½ Jahre alt. Einerseits bereits eine halbe alte Schachtel, andererseits noch kein Alter, in dem man sagen kann, dass man schon viel Lebenserfahrung besitzt. Trotzdem habe ich wie jeder andere auch im Laufe meines Lebens ein kleines Repertoire an Erfahrungen angesammelt. Viele wissen, dass diese Erfahrungen nicht immer durch schöne Ereignisse entstanden sind, doch ich ziehe aus jeder Lebenssituation, so schmerzlich sie auch sein mag, jedes Mal aufs Neue etwas Positives. Dadurch wächst mein Schatz an Erfahrungen und diese bringen mich immer einen Schritt weiter. Dank diesen Erlebnissen bleibe ich nicht stehen, sondern schreite voran; Schritt für Schritt. Ich selbst würde nicht behaupten, dass ich ein Urgestein an Lebensweisheiten bin und ich muss bestimmt noch einiges lernen, aber ich weiß, dass mich negative Dinge nicht so einfach runterziehen. Ich weiß, wie ich meine Stärken aus diesen ganzen Situationen ziehen kann, denn auch wenn ich noch nicht in einem Alter bin, in dem man vor Lebenserfahrungen strotzt, so habe ich schon viel gelernt.

 

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Mein Weg mit Erfahrungen umzugehen

Erfahrungen entstehen nicht nur durch positive Momente im Leben, sondern auch durch Tiefschläge. Jeder von uns ist schon einmal auf die Schnauze gefallen. Die einen nur ganz leicht, die anderen jedoch mit schmerzlichen Folgen. Oft werde ich gefragt, wie ich mit all den negativen Dingen umgehe, die ich bereits erleben musste. Dabei wird meistens auf meine Krankheit angespielt, oder auf den Tod meines Vaters vor drei Jahren. Manche bewundern mich für meine Stärke, sehen mich als eine junge, belastungsfähige Frau an. Für mich selbst ist es schwierig, das auch zu sehen. Für mich ist es nichts Besonderes, dass ich eine Essstörung einst überwunden habe, sie jetzt zwar wieder in einer anderen Form habe, damit aber umgehen kann und dass ich mit dem Tod meines Vaters zurechtkommen muss. Viele andere müssen das auch oder tragen sogar noch größere Lasten mit sich, als ich es tue. Ich bin eine normale Frau, die einfach versucht, ihr Leben zu leben und sich nicht leicht unterkriegen lassen möchte, doch in meinem Leben gibt es so viel Schönes, für das ich dankbar bin. Glück, über das ich froh bin, dass ich es habe.

Sicher, es ist nicht leicht, eine Essstörung zu haben. Es ist auch nicht leicht, den geliebten Papa von heute auf morgen zu verlieren. Ohne Vorwarnung, ohne nichts. Es ist nicht schön, mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen zu werden, um zu erfahren, dass ein geliebter Mensch nicht mehr zurückkommt. Ein Mensch, mit dem man noch wenige Stunden zuvor über den nächsten Tag geplaudert hat. Jetzt wo ich darüber schreibe, drückt es mir immer noch die Tränen in die Augen, denn ich vermisse meinen Papi genauso wie vor drei Jahren, als ich ihn endgültig verabschieden musste. Alleine der bloße Gedanke an ihn versetzt mir einen schier unbeschreiblichen Stich in mein Herz, doch ich habe gelernt weiterzuleben und ich habe aus diesem Schicksalsschlag, aus dieser einen Nacht damals, meine Erfahrungen gesammelt und sie zu etwas Positiven umgewandelt. Auch wenn es schwierig war, auch wenn es makaber klingt, aber nur so konnte ich Kraft schöpfen, nun ohne meinen Vater durchs Leben zu gehen.

 

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Wie ich anhand meiner Erfahrungen gewachsen bin

Das Negative scheint nur am Anfang negativ. In Wirklichkeit ist es positiv!

Ich habe gelernt, dass das Negative nicht negativ bleiben muss. Ich habe gelernt, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit denselben Erlebnissen konfrontiert wird – neben den individuellen Erfahrungen, die jeder einzelne für sich selbst macht. Ein Verlust gehört zum Leben dazu. Das ist eine der Erfahrungen, die jeder in seinem Leben einmal mitbekommen wird oder hat. Ich bin nicht die Einzige, die mit so etwas umgehen muss. Die einen müssen diesen Weg früher gehen, die anderen erst später. Auch wenn ich gerne noch mehr Zeit mit meinem Papa gehabt hätte, so ist es heute für mich okay, dass ich bereits im Alter von 21 mit so einem schmerzlichen Verlust umgehen musste. Die Zeit nach seinem Tod war kein Zuckerschlecken. An der Uni habe ich total versagt, ich habe mich selbst aus den Augen verloren, bis ich gemerkt habe, dass es so nicht weitergehen kann. Ich habe angefangen, mich an die Zeit mit meinem Vater zu erinnern. An alles, was er mir in meinem Leben mitgegeben hat. Was ich von ihm gelernt habe, was ich eventuell anders machen würde, als er. Und ich habe mich daran erinnert, wie lieb er mich hatte, wie gut er mich immer behandelt hat und dass er mir stets das Gefühl gegeben hat, dass ich ein wertvoller Mensch bin. Ich habe mir ins Bewusstsein gerufen, dass ich dankbar sein kann. Dankbar, dass ich einen Vater hatte, der für mich da war. Andere Kinder haben nicht das Glück, eine schöne Kindheit zu erleben. Wiederrum andere verlieren ihren Vater früher als ich oder lernen ihn gar nicht kennen. Ich musste zwar früh Lebewohl sagen, nur kann ich heute mit einem Lächeln an ihn zurückdenken.

Dasselbe Prinzip wende ich auch bei meiner Essstörung an. Natürlich ist es mit dem schönen Andenken eines geliebten Menschen nicht vergleichbar, denn es ist schwierig, eine angenehme Erinnerung aus dieser Zeit zu finden, doch in solchen Fällen kann man das Prinzip einfach umwandeln. Ich hinterfrage es nicht mehr, warum es mich getroffen hat, sondern sehe es einerseits als Schicksal an, andererseits als Teil meiner Persönlichkeit. Die Persönlichkeit ist das, was mich ausmacht. Sie ist das, was ich bin und würde ich meine Essstörung ständig verurteilen, so würde ich mich selbst genauso verfluchen. Die Essstörung hat mich durch die Hölle gehen lassen, gleichzeitig durfte ich dank ihr wundervolle Menschen kennenlernen. Dadurch habe ich gelernt, was wahre Freundschaft bedeutet und dass nicht jeder dazu in der Lage ist, gemeinsam mit dir durch Tiefen zu gehen. Zwar wird man dadurch misstrauischer, nichtsdestotrotz erfährt man dadurch auch Bereicherungen. Man wächst an Stärke, wird belastungsfähiger und lässt sich von kleineren Übeln nicht mehr so schnell aus der Bahn werfen, wie früher. Ich wüsste nicht, ob ich heute genauso wäre, wenn ich diese Zeit nicht durchgemacht hätte bzw. durchmache. Wahrscheinlich wäre ich anders geworden. Rückblickend will ich jedoch (fast) genauso sein, wie ich bin.

 

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Warum Rückhalt so wichtig ist

Du musst nicht alleine durchs Leben gehen

Wahrscheinlich hätte ich die steinigen Wege ohne meine Familie und Freunde nicht so gemeistert, wie ich es getan habe. Rückhalt ist wichtig. Eine wichtige Lektion fürs Leben war, dass ich alleine schwach bin, doch mit Freunden, die mir den Rücken stärken und eine Familie, die mich liebt, stark werde. Nicht stark im Sinne von: Alle gegen einen. Stark im Sinne von positiver Kraft und positivem Mut. Ich habe die Zeit hinter mir, in der ich alles alleine schaffen wollte, nur damit ich es den anderen zeigen konnte. Ich wollte veranschaulichen, dass ich alles alleine packen kann, dass ich keine Unterstützung brauchte, um meine Ziele zu erreichen. Ich wollte dafür bewundert werden, dass ich alles selbstständig und ohne Hilfe erreiche. Doch alleine geht es nicht. Auch das haben mir meine Erfahrungen gezeigt. Vor allem im Studium ist das eine oder andere Mal Zusammenarbeit gefragt. Ich glaube, die Erfahrung, dass Rückhalt das A und O für ein schönes, zufriedenstellendes Leben ist, ist die Wichtigste die ich gemacht habe und die Erfahrung, an der ich schlussendlich gewachsen bin.

 

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20 Comments

  1. Das hast du so wundervoll geschrieben. Du hast so Recht. Ich weiß zB auch nicht, wie ich heute wäre, wenn ich meinen Vater kennen würde. Ich wüsste nicht, was aus mir geworden wäre, wenn ich bei meiner Mutter aufgewachsen wäre. Ich bin heute aber meiner Oma so dankbar, denn bei ihr bin ich aufgewachsen, und meine 2 Tanten und mein Onkel sind mehr als das, sie sind wie meine Geschwister. Das mit deinem Vater tut mir so unheimlich Leid, ich wüsste nicht, wie ich mit so einem Verlust umgehen würde. Du kannst so stolz auf dich sein! Es ist so wichtig, positiv durchs Leben zu gehen, und die Erfahrungen, die man durchmacht auch zu akzeptieren, und aus ihnen zu lernen. Rückhalt ist wirklich so wichtig – du sprichst mir aus der Seele! Wir können so froh sein, Menschen zu haben, die zu uns und auch hinter uns stehen. Ich wüsste nicht, was ich ohne meinen Freunden machen würde. Ich glaube ich wäre aufgeschmissen, aber so richtig.

    Tamara

    • Hi Tamara!
      Es ist wirklich schön, dass du so eine tolle Oma hast, die dich großgezogen hat und dass du glücklich darüber bist :). Es ist schön zu lesen, dass du so ein tolles Umfeld hast 🙂
      Danke für dein Mitgefühl. Mittlerweile ist es schon drei Jahre her. Verrückt, wie die Zeit vergangen ist. Es kommt mir aber auch schon ewig vor. Ich denke zwar noch oft an ihn und er fehlt mir sehr, aber der Tod bedeutet nicht zwangsläufig, dass man einen Menschen aus seinem Leben streichen muss. Also ist er immer noch da, auch wenn ich ihn nicht sehen kann. In unserer Familie ist er auf jeden Fall immer noch sehr präsent. Sogar mein Neffe mit fast 19 Monaten kennt seinen Opa und weiß genau, wer er ist 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

  2. Die Fotos, das sagte ich ja bereits auf Instagram, sind der Wahnsinn! Sehr, sehr hübsch. Und toll geschrieben! Aufbauend und optimistisch. Das braucht es!

    Neri

    • Danke, danke, danke Neri 🙂
      Es freut mich so sehr, dass dir der Beitrag gefällt 🙂
      Ich weiß, ich schreibe zwar immer das gleiche, aber ich freue mich immer sehr darüber, wenn du mir schreibst 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

  3. Dein Artikel macht mich sprachlos, Lisa.
    Ich finde es wirklich super, dass du versuchst, so positiv mit diesen beiden Tatsachen umzugehen.
    Ich versuche auch immer, das Positive zu sehen, wenn ich etwas blödes nicht ändern kann. Somit freue ich mich beispielsweise, dass ich viel mehr Zeit habe, seit mein Freund Schluss gemacht hat… und ich freue mich, dass er mich nicht mehr ständig damit konfrontiert, dass ich mich ändern soll.
    Ich wünsche dir auch weiterhin ganz viel Stärke und den nötigen Rückhalt bei deinen Freunden und deiner Familie!
    Liebe Grüße

    • Hallo, meine Liebe 🙂
      Vielen herzlichen Dank für die ganz, ganz, ganz lieben Worte 🙂
      Ich finde es schön, dass du genauso tickst und dich nicht unterkriegen lässt. Genau darauf kommt es im Leben an. Immer das positive aus den ganzen Dingen ziehen, auch wenn sie negativ sind und anfangs wehtun. Es tut mir wirklich sehr Leid für dich, dass dein Freund mit dir Schluss gemacht hat, aber schön dass du daraus das Positive ziehst. Ändern musst du dich wirklich NICHT. Du hast es verdient, dass dich jemand so liebt und nimmt, wie du bist 🙂 und irgendwann kommt der richtige, der das auch so sieht 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

  4. Was für ein rührender Text! Ich finde du bist eine tapfere und wunderschöne Frau. Ich bewundere es wirklich wie du gelernt hast mit dem Tod von deinem Vater umzugehen. Der Vater ist eine der wichtigen Personen und so einen Menschen plötzlich zu verlieren ist einer der schlimmsten Dinge die einem wiederfahren können. Und trotzdem schaust du nach vorne! Ich finde es so toll und auch überaus wichtig, dass du uns dran teilhaben lässt und auch anderen damit hilfst nach vorne zu schauen!

    Liebe Grüße Kristina von KDSecret

    PS: Momentan gibt es auf meinem Blog einen 100,-€ Gutschein von my attitude zu gewinnen!

    • Danke, liebe Kristina. Ich freue mich immer sehr über deine lieben Worte 🙂
      Das stimmt. Mein Vater war in meinem Leben sogar der wichtigste Mensch, aber umso mehr freue ich mich darüber, dass ich trotzdem damit umgehen und es akzeptieren kann. Ich glaube, das hätte er auch gewollt 🙂

      Liebste Grüße und ein schönes Wochenende
      Lisa

  5. Entschuldige Die Info, dass ich umgezogen bin. Wir hatten über meinen neuen Blog ja bereits miteinander kommuniziert =) kam da etwas durcheinander. Danke für Deine lieben Worte!

    Neri

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