Schnäppchenfalle: Die Black Friday Lüge

It’s Black Friday. Hand aufs Herz: Wer hat die Tage rückwärts gezählt, um endlich ins Schnäppchenparadies eintauchen zu dürfen? Black Friday – wenn Rabatte zu Drogen werden und uns in einen wahren Kaufrausch treiben. Prozente hier, Prozente da. Wir sind so fixiert auf die vermeintlichen Schnäppchen, sodass unsere Geldbörse auf Radikaldiät gesetzt wird. Etliche Euros leichter fühlt sich das Börserl ziemlich ausgelaugt, während wir fix und fertig von den ganzen Menschenmassen im Shoppingcenter die Tüten nach oben in die Wohnung schleppen. Ob so ein Radikalkonsum glücklich macht, ist die eine Frage, ob wir mit den Black Friday Angeboten wirklich gespart haben, die andere.

 

 

Was ist der Black Friday überhaupt?

Im Grunde genommen hat sich der Black Friday in unser imaginäres Vokabular etabliert, wie „Hallo, i bims – hab heute gespart vong Geld her.“, sodass eine Begriffserklärung wohl hinfällig ist. All jene, die Black Friday nur in Einzelteilen verstehen und nun glauben, es handle sich um einen Freitag, der besonders schwarz werden wird, möchte ich trotzdem noch die Möglichkeit einer Aufklärung geben. Der Black Friday kommt aus Amerika. Dass wir Europäer die Traditionen aus Übersee mitzelebrieren, ist seit Halloween nichts neues mehr. So ist auch der Black Friday inzwischen zu einer Schnäppchen-Selbstverständlichkeit unserer europäischen Breiten geworden.

Vereinfacht gesagt ist der Black Friday der Freitag nach Thanksgiving und der Beginn der Weihnachtseinkaufsaison. Die Weihnachtseinkaufsaison ist generell insofern bitter, weil die Preise zu dieser Zeit deutlich steigen. So weit, so bekannt. Um das Geschäft anzukurbeln und die Weihnachtseinkaufsaison schmackhaft zu machen, winken Händler mit unwiderstehlichen Schnäppchen, Rabatten und Prozenten, die auf uns EndverbraucherInnen lockend wirken. So sind wir -die KonsumentInnen- der festen Überzeugung, beim Einkauf viel Geld zu sparen.

 

Warum die Schnäppchen keine Schnäppchen sind

Leider ist der Black Friday in Realität nicht ganz so paradiesisch, wie es klingt. Natürlich gibt es durchaus Ausnahmen, wo wir wirklich sparen können. Die sind allerdings schwer erkennbar. Kein Wunder, denn die meisten Top-Angebote sind in Wahrheit keine Topangebote. Die Erkenntnis: der Black Friday ist eine klug ausgetüftelte Marketingstrategie, die funktioniert. In Wahrheit werden die Preise vor dem Black Friday angehoben und am Aktionstag selbst wieder auf das ursprüngliche Niveau gesenkt. Das wirkt auf den ersten Blick zwar so, als gebe es wirklich eine enorme Differenz zum „herkömmlichen“ Preis, aber diese Differenz ist nicht echt, weil wir durch die Rabatte und Prozente wieder beim Ursprungspreis angelangt sind. Einige Produkte können mit dieser Methode sogar teurer werden. Clever, nicht wahr? Illegal? Nein. Jeder Händler hat die Freiheit, seine eigene Preispolitik, zu betreiben.

 

 

Kritischer Konsum

Wie wir uns selbst durch unser Kaufverhalten definieren und profilieren

Shopping war meine Leidenschaft. Als Jugendliche war es mir wichtig, mein Geld stets in die neueste Mode zu investieren. Ein Monat ohne Shopping? Undenkbar für mich. Mein Kleiderschrank füllte und füllte sich. Der Platz wurde immer weniger, die neue Kleidung immer mehr und ich musste das arme Ding so vollstopfen, sodass ich viele Klamotten einfach vergaß, weil sie ganz hinten landeten. Was passierte damit? Bingo! Ich habe sie nie oder nur selten getragen. Konsum scheint in unserer Welt einen immer höher werdenden Stellenwert einzunehmen. Je mehr wir haben, desto mehr Prestige bekommen wir von der Gesellschaft. Es ist uns wichtig, unseren Wohlstand durch Konsum auszudrücken. In der Gesellschaft sind wir nur wer, wenn wir ständig die neuesten Trends am Leib tragen. Bloß nicht das selbe Outfit zu oft anziehen. Stattdessen investieren wir in immer mehr. Mehr Klamotten, mehr Taschen, mehr Schuhe. Ich war genauso. Nach jeder Prüfung an der Uni habe ich mich mit einem neuen Kleidungsstück belohnt. Und ich schrieb viele Prüfungen – zwischen fünf bis zehn Prüfungen in der Prüfungszeit. Man kann sich ausrechnen, wie viel Geld ich aus dem Fenster geworfen habe.

Manchmal wünschte ich mir, ich wäre damals als Schülerin und später als junge Studentin reflektierter gewesen. Zwar arbeitete ich immer für mein Geld, trotzdem ging ich ziemlich sorglos damit um. Ich kann von Glück reden, dass meine Eltern damals einen Bausparvertrag und ein neues Sparbuch für mich angelegt haben, sonst hätte ich jetzt bestimmt nichts auf der hohen Kante. Wie wichtig reflektierter Konsum und Vorsorge für die Zukunft sind, ist mir erst später bewusst geworden. Je älter ich wurde, desto kritischer betrachtete ich mein Kauverhalten. Die je zehn neuen Oberteile aus der Prüfungszeit liegen zum Teil schon längst in der Altkleidersammlung. Das Geld bringt mir niemand mehr zurück. Jetzt weiß ich, dass ich das alles nicht gebraucht hätte. Ein Gutes hatte die Sache jedoch trotzdem: die Klamotten, die ganz hinten im Kasten in der Versenkung verschwunden sind, sind immer noch einwandfrei und modisch, sodass ich sie jetzt tragen kann.

 

Die Shopping-Danger-Zone

Ohne Mich!!!

Der Black Friday ist eine Sache, die ich inzwischen bewusst vermeide. Generell war ich schon lange nicht mehr ausgiebig shoppen. Fehlt mir dadurch etwas? Nein! Mittlerweile weiß ich, dass ich damals etwas kompensieren wollte. Ich war zu der Zeit schwerst anorektisch. Neue Kleidung gab mir immer ein gutes Gefühl. Shoppingsüchtig war ich bestimmt nicht, denn wenn das Geld alle war, war es nun einmal alle. Ich kann gar nicht sagen, worum es mir ging. Ich brauchte nicht das tägliche Shopping, aber was ich brauchte, war immer eine perfekt inszenierte äußerliche Erscheinung. Inzwischen ist diese Leidenschaft abgeflaut. Ich denke anders und frage mich nun vor jedem Kauf, ob ich das wirklich brauche oder nicht. Das schont nicht nur mein Geldbörserl, sondern ist auch nachhaltiger und man kann sich mit dem gesparten Geld andere Wünsche erfüllen, wie beispielsweise tolle Reisen. Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem mir Erlebnisse, Momente und Zeit wichtiger geworden sind, als materielle Dinge.

 


 

Empfehlung

Alina und Kerstin haben erst letzten Sonntag eine spannende Podcastfolge zum Thema „Shopaholic“ auf ihrem Podcast Coffee Blend online gestellt.

 


(c) Bildquelle: Unsplash

 


 

 

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2 Comments

  1. Es gibt Portale wie Geizhalz oder Idealo, da kann man den Preisverlauf einzelner Produkte bis zu einem Jahr rückwirkend nachvollziehen. Damit kann man gut checken, ob ein Angebot wirklich ein Angebot ist. Vor allem bei großen Anschaffungen eine gute Sache! 🙂

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