Adopt – Don’t Shop: Mein Leben mit einer Findelkatze

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Mein Leben mit einer Findelkatze

Vor acht Jahren wurde mein Leben von einer Findelkatze ganz schön auf den Kopf gestellt. Und auch nach knapp 17 Jahren Erfahrung, würde ich immer wieder ein Tier adoptieren, anstatt zum Züchter zu gehen. 

Tiere sind die besseren Menschen. Schon von Geburt an bin ich mit Haustieren aufgewachsen. Seit meinem Umzug nach Graz habe ich zeitbedingt leider kein Haustier mehr. Doch ich weiß, wie es ist, familienlose Tiere aufzunehmen. Darum vorab: mein Leben mit meiner Findelkatze hat zwar vor anderthalb Jahren geendet, aber nach all der Zeit, die ich mit einer Findelkatze verbracht habe, würde ich mich immer wieder dafür entscheiden, ein Tier von der Straße oder aus dem Tierheim aufzunehmen.  

Findelkatze

Jede tierische Seele hat ein Zuhause verdient

Sommer 2012. Ich fuhr über das Wochenende heim zur Familie. Nach einer anstrengenden Klinikwoche freute ich mich auf meinen Kater Maxi, den wir zehn Jahre zuvor aus dem Tierheim adoptiert haben. Während der Fahrt erzählte mir mein Vater von einem Babykätzchen, das unter mysteriösen Umständen bei uns aufgetaucht und anscheinend herrenlos war. Zuhause angekommen entdeckte ich die Katze sofort im Garten. Meine Mutter verbot mir, sie ins Haus zu lassen oder im Haus zu füttern. „Sonst denkt sie, sie gehört hier her.“ Mama hatte Angst, dass wir die Katze nicht mehr loswerden, da sie keine zweite wollte. Nicht aus Platzgründen, sondern wegen Maxi, der andere Tiere scheute. 

Als alle schliefen, brachte ich es nicht übers Herz, das kleine Wesen draußen zu lassen. Es war zwar Sommer, aber sie tat mir Leid. Ich holte sie ins Haus, gab ihr etwas zu fressen und nahm sie heimlich in mein Zimmer mit. Frühmorgens ließ ich sie wieder nach draußen. Ich tat es das ganze Wochenende. Meine Familie hat nichts gemerkt. Als ich am Montag wieder in der Klinik war, rief mich meine Mutter an. Sie erzählte mir, dass die Katze nicht weggehen will und überlegte, sie ins Tierheim zu bringen. Ich bat sie, zu warten. Inzwischen versuchte meine Schwester, den Besitzer der Katze über Facebook ausfindig zu machen. Nachdem sich niemand meldete, wollte sie die Katze über selbige Plattform vermitteln. Ich hätte sie am liebsten behalten und ihr bereits den Namen „London“ gegeben. 

Als ich am Freitag wieder heim fuhr, war die Katze noch immer da. Ich ließ sie wieder ins Haus und kümmerte mich um sie. Diesmal wurde ich von meiner Mutter erwischt, die überhaupt nicht glücklich darüber war. Doch hat nicht jede tierische Seele ein Zuhause verdient? Mama wollte um keinen Preis eine weitere Katze aufnehmen. Allerdings ging der Plan nicht auf, denn die Katze eroberte auch ihr Herz im Sturm. Und so kam London zu uns – die ich später umbenennen musste: LEXI! 

Findelkatze
Findelkatze

Warum ich immer wieder eine Findelkatze aufnehmen würde

Natürlich – Rassekatzen oder -hunde sind wunderschöne Tiere. Man kann sich quasi eine Fellnase frei nach den eigenen Wünschen und Vorlieben aussuchen. Dennoch würde ich nie zum Züchter gehen, um mir ein Tier nach Hause zu holen. Auch wenn es mir selbst schwerfällt, ins Tierheim zu gehen, um dort eine kleine Fellseele zu adoptieren (wegen dem schlechten Gewissen der anderen Tiere gegenüber, denen ich kein Zuhause bieten kann), bin ich froh, wenn ich dort einem „nichtgewollten“ Tier die Chance auf ein neues Leben geben kann. 

Ich kenne mich mit Zucht nicht aus und weiß somit auch nicht, ob es per se etwas schlechtes ist. Selbstverständlich hört man immer von schwarzen Schafen, aber ich denke, man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Trotzdem habe ich immer im Hinterkopf, dass es für Tiere im Tierheim schwerer ist, einen Platz bei einer liebevollen Familie zu bekommen. Außerdem sind Tierheime gemeinnützige Organisationen, wo es die eine oder andere Problemzone gibt, wie beispielsweise räumliche und finanzielle Überbelegung. Auch Tiere im Tierheim müssen versorgt werden. Das ist mit Kosten verbunden. Futter, Tierarzt und nicht zuletzt Betreuung und Zuwendung. Ich habe selbst einmal sechs ausgesetzte Kätzchen auf einem Müllplatz gefunden und musste dafür kämpfen, dass sie im örtlichen Katzenheim aufgenommen werden. Platztechnisch wurde es eng. Weil kleine Babykätzchen jedoch leichter zu vermitteln sind, konnte ich die Tierpfleger letztendlich doch noch überzeugen, die Kätzchen aufzunehmen.

Tiere im Tierheim zu sehen, tut mir im Herzen weh. Ich habe das Gefühl, ich leiste einen wertvolleren Beitrag, wenn ich eine Findelkatze aufnehme. Ich würde es auch sofort wieder tun, aber die Umstände erlauben es mir momentan nicht. Ich möchte kein Tier in eine 50m2 Wohnung einsperren. Ich kann auch nicht die zeitliche Zuwendung geben, die ich gerne geben möchte. Sollte sich das ändern, wird natürlich wieder ein Platz für eine Findelkatze frei. 

Problemfall: Findelkatze

Entscheidet man sich für Tiere aus dem Tierheim, weiß man oft nicht, welche Vergangenheit das Tier hatte. Durch spezifische Verhaltensweisen kann man erahnen, ob ein Tier ein „Problemfall“ oder leichter zu betreuen ist. Lexi scheint keine schwere Vergangenheit zu haben. Wir gehen davon aus, dass sie einfach „nur“ ausgesetzt wurde, da sie auch noch sehr klein und bestimmt noch keine acht Wochen alt war. Maxi hingegen war damals ein schwieriger Fall, da er anscheinend traumatisiert war. Trotzdem wollte ich ihn damals haben, selbst wenn im Katzenheim eine wunderschöne Britisch Kurzhaar Katze war, die aussah, als wäre sie aus einer Sheba Werbung entsprungen. Ich wusste, dass die Sheba Katze schnell einen neuen Besitzer finden, mein kleiner Tiger Maxi es hingegen schwerer haben würde. Es war sowieso Liebe auf den ersten Blick. Ich bin froh, dass ich ihm fast 14 Jahre lang ein Zuhause geben konnte. Ihn an sein neues Zuhause zu gewöhnen, war schwer. Letztendlich hat er auch nur den engen Familienmitgliedern nach langer Zeit sein Vertrauen geschenkt. Auch an Lexi konnte er sich nach einem halben Jahr gewöhnen. 

Ich kann euch nur raten: wenn ihr euch ein Haustier anschaffen möchtet, überlegt wirklich genau, warum ihr eines möchtet. Wollt ihr einer kleinen Fellnase ein Zuhause schenken? Oder wollt ihr ein Rassetier aus Prestigegründen oder weil es „einfach cool ist.“ Ich denke, wenn man unbedingt ein Haustier haben möchte, um ihm ein Zuhause zu geben, ist es wirklich nicht verkehrt, das Tierheim in Erwägung zu ziehen. Ein Mischling ist genauso süß und liebenswürdig, wie eine Rassekatze oder ein Rassehund. Und gerade Tierheim-Tiere haben es schwer, ein Zuhause zu finden. Nicht zuletzt deswegen schlägt mein Herz für diese kleinen Seelen. 

Noch ein kleiner Tipp an Rande: Oftmals gibt es auch die Überlegung zwischen Bauernhofkatzen und Tierheimkatzen. Falls ihr eure Katze in der Wohnung halten möchtet, würde ich euch davon abraten, Bauernhofkätzchen zu nehmen, da sie den Freigang gewohnt sind. Einmal Freigänger, immer Freigänger 🙂 

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