Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Der kalendarische Herbstanfang liegt noch nicht einmal eine Woche zurück und doch stellt sich die Frage, ob man überhaupt von einem Jahreszeitenwechsel sprechen kann? Klar, die Natur geht immer ihren Vorgängen nach. Die Neigung der Erdachse verursacht die Jahreszeiten, aber ich frage mich eher, ob wir heuer überhaupt einen vernünftigen Sommer hatten, oder ob es einfach nur eine langgezogene Übergangszeit war. So quasi vom Frühling sprunghaft in den Herbst. 

Ich muss zugeben: ich mag den Herbst nicht! Ich friere ständig, überall hängen fette Kreuzspinnen, die sich an Hässlichkeit stets gegenseitig übertreffen und es wird viel zu früh dunkel. Generell mag ich keine kalten Jahreszeiten! Ich weiß, dass viele anderer Meinung sind, aber der Herbst zählt eindeutig zu den kalten Jahreszeiten. Und doch hat der Herbst immer eine ganz besondere Bedeutung, denn mit jedem Herbstanbruch beginnt gewissermaßen wieder etwas Neues. Ich würde nicht zwangsläufig sagen, dass es immer ein neuer Lebensabschnitt ist, denn dazu gehört viel mehr als nur ein Jahreszeitenwechsel, aber gerade im Herbst ändern sich immer die meisten Dinge. Ein neues Semester beginnt, ich werde wieder ein Jahr älter und man geht nun schon mit größeren Schritten auf ein neues Jahr zu.
Dennoch ist in diesem Herbst 2014 das „viel mehr“ gegeben, sodass ich davon sprechen kann, dass wirklich ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Natürlich habe ich mein Studium noch nicht abgeschlossen, denn das dauert noch ein bisschen, aber als ich zu studieren begonnen habe, war ich immer der festen Überzeugung, dass erst mit meiner Graduierung ein neuer Abschnitt beginnen wird. Das dem nicht so ist, wurde mir schon im letzten Sommer gezeigt. Umso weniger hätte ich es mir erwartet, dass nur ein Jahr später im Herbst der nächste Lebensabschnitt beginnt.
Dieses Jahr komme ich in ein neues Semester und das Studium zeigt nun bereits komplett andere, neue Facetten. Ich lerne erstmals kennen, wie mein zukünftiger Beruf aussehen wird. Momentan mach ich mein Praktikum an zwei Schulen. Jeweils für Psychologie und Philosophie und für Geographie und Wirtschaftskunde. Angst habe ich eigentlich nicht davor und auch keine Zweifel, dass ich doch nicht als Lehrerin geeignet bin. Das ist total untypisch für mich, denn ich zweifle wirklich oft, ob ich überhaupt den richtigen Weg gehe. Augenscheinlich mag das positiv klingen, aber ich selbst weiß gar nicht, ob ich das so positiv sehen soll. Natürlich ist es gut, dass ich nicht an mir zweifle, trotzdem bleibt immer die Ungewissheit, ob ich nicht kurz vor einer bösen Überraschung stehe. Davon gehe ich nicht aus. Ich werde mit einer gesunden Mischung aus Optimismus und Realismus meine ersten vier Unterrichtsstunden halten und zur Not kann ich immer noch auf Geographie Bachelor wechseln ;). Da zeigt sich wieder einmal die typische Lisa. Immer einen Plan B im Hinterkopf!

Zugegebenermaßen hatte ich keinen Plan B im Hinterkopf, als ich vor kurzem meinen Nebenjob gekündigt habe. Ich habe beschlossen, dass ich mich fortan nur mehr um mein Studium kümmern werde und nur mehr in den Ferien arbeiten möchte. Es war nicht einfach, mir selbst einzugestehen, dass Studium und Arbeit auf einmal viel zu viel für mich wurde, denn ich vertrat immer eine kritische Meinung gegenüber Studenten, die „nur“ studieren. Mit der Zeit und fortschreitenden Semestern merkt man allerdings, dass man Prioritäten setzen muss und diese Priorität habe ich mir nun gesetzt. Mir ist wichtig, dass ich aus meiner Zukunft etwas mache. Manchmal zählt einfach nicht das Hier und Jetzt, auch wenn man jeden Moment in der Gegenwart leben sollte. Nur weil ich mich jetzt ausschließlich um mein Studium, also meine Zukunft kümmere, heißt das noch lange nicht, dass ich ausnahmslos zukunftsorientiert bin. Ich werde mein Leben jetzt immer noch in der Gegenwart leben.

Die Kündigung ist mir nicht leicht gefallen, da ich mich mit dem gesamten Team gut verstanden habe, aber jetzt fühle ich mich befreit, denn ich weiß, dass ich jetzt an der Uni nicht mehr die Arbeit im Kopf haben werde und umgekehrt ist es genauso. Ich kann mich auf eine Sache voll und ganz konzentrieren. Manchmal ist man eben selbst als Frau nicht multitaskingfähig. Mittlerweile habe ich kein Problem mehr damit, das zuzugeben, egal wie schwer es mir am Anfang gefallen ist.

Aber der schönste Beginn eines neuen Abschnitts wird bestimmt der Moment sein, an dem ich Tante werde. Diese Woche darf ich mich nun schon zur zweiten Generation zählen, aber das ist noch lange kein Grund, dass ich mich jetzt als „alt“ betrachte. Komisch ist es trotzdem irgendwie, dass meine Schwester nun ihre eigene kleine Familie haben wird. Ich freue mich wirklich wahnsinnig auf das kleine Würmchen. Selbst wenn ich nur die Tante bin, habe ich dieses Kind von Anfang an in mein Herz geschlossen, aber ich frage mich, welche Auswirkungen das auf die Geschwisterbeziehung zwischen mir und S. haben wird. Werden wir keine Zeit mehr füreinander haben, die ja ohnehin schon etwas spärlich ist, wird sich vieles ändern oder bringt uns das noch näher zusammen? Ich hoffe, dass letzteres der Fall sein wird, denn auch wenn wir es uns nicht oft zeigen und uns manchmal immer noch anzicken, aber so weiß ich doch, dass uns zwei ein starkes Band verbindet und wir uns wahnsinnig gerne haben.

Ich kann es kaum erwarten, das Kleine endlich in den Armen zu halten und doch wird ein glücklicher Moment mit ein klein bisschen Wehmut verbunden sein, weil ein so toller Mensch diesen Moment nicht mehr mit uns teilen kann. Aber wenn jemand tief im Herzen verankert ist, so ist dieser liebe Mensch immer da. Das sollte man nie vergessen!

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5 Comments

  1. Liebe Lisa,

    auf jeden Fall wünsche ich dir ganz viel Kraft und Glück bei deinem Studium. Wem kommen nicht etwaige Zweifel? Das ist normal. Geht mir momentan auch so 😉 Wenn ich meine Lernheft durchblättere, denke ich mir: 'Was hast du dir bloß bei deiner Wahl gedacht? Das packst du doch nie! So viel Zeugs, von dem du noch nie gehört hast..'

    Ich drücke dir die Daumen 🙂

  2. ganz, ganz lieben dank für dein kommentar. ich habe mich sehr gefreut. deine bilder sind übrigens toll und dein design vom blog auch, ich wünschte ich könnte meinen auch so toll gestalten, aber ich bin da gäzlich untalentiert mit technik XD

  3. Tante zu werden ist ganz, ganz großartig 🙂 OBwohl sie einem mancmal auch die Nerven stehlen 😉

    Also ich studiere ja "nur" aber ich könnte mir auch nicht vorstellen, daneben zu arbeiten. Bin dazu einfach zu unbegabt, glaub ich. Und ich brauche einfach auch länger, damit ich was lerne (bzw nehme ich mir gerne die Zeit) und da würde ein Job daneben ja genau das Gegenteil bewirken 🙂
    Aber gegen Ende des Studiums, wenn ich nurmehr "leichte" Prüfungen habe (ja, ihc hebe mir die fürs Ende auf :D) mag ich auch einen Nebenjob in einer Kanzlei haben 🙂

    Liebst
    Svetlana

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