Life Update #2: Danke, das war’s

 

Da ich dem aktuellen Bloggertrend nicht folgen und zeitbedingt keinen Christmaspost nach dem anderen raushauen kann, habe ich mir gedacht, ich nutze meine virtuelle Schreibfläche für ein kleines Life Update. Vielleicht ist es auch in eurem Interesse, denn ich bekomme hin und wieder zuckersüße Nachrichten, in welchen sich nach meinen Diplomarbeitsfortschritten erkundigt wird. Ein großes Danke dafür. Deswegen gibt es heute wieder eine kleine Anekdote aus meinem Studentenleben. Lange ist es her und die Uni habe ich als Thema weit beiseite geschoben. Zumindest ist es mir nicht mehr aufgefallen, es angesprochen zu haben. Im Unterbewusstsein mache ich es wahrscheinlich doch immer wieder. Aber seit gestern kann ich endlich sagen:

Danke, das war’s!

 

An dieser Stelle: Nein, ich habe noch nicht bei meiner Diplomprüfung brilliert, so wie ich es vorhabe. Vom Magister bin ich noch meilenweit entfernt. Aber gestern habe ich endlich meine letzte Psychologieprüfung geschrieben. Zum dritten Mal. Seit dem Sommer kämpfe ich mich durch dieses Labyrinth der psychischen Störungen und genau bei dem Thema, in welchem ich mich selbst als Expertin gesehen habe, habe ich gnadenlos versagt. Keine Angst – meine Postings über Anorexie besitzen trotzdem ihre Vertrauenswürdigkeit, spreche ich doch viel über eigene Erfahrungen. Hey, ich kenne mich in dem Gebiet aus. Das ist Fakt und daran lässt mich nicht mal diese Prüfung zweifeln. Trotzdem scheiterte ich. Multiple Choice sei Dank. Und es hat mich entmutigt. Seit Wochen zerfressen mich meine Gedanken, wie das nur passieren konnte. Gestern also schrieb ich die Prüfung. Zum dritten Mal. Und ich habe kein gutes Gefühl. Aber trotzdem sage ich: Danke, das war’s.

Anfangs wusste ich gar nicht, ob ich darüber ein Wort verlieren und es auf meinem Blog publik machen sollte. Ich, die einiges über Anorexie schreibt. Ich, die jeden Menschen am Liebsten analysieren und therapieren will. Ausgerechnet ich scheitere bei einer Prüfung, in der es primär um psychische Krankheiten geht! Es ist nicht so, dass ich mich dafür schäme. Ich weiß, dass ich es kann, aber was ich nicht kann ist Multiple Choice. Trotzdem erzähle ich euch davon. Und das ist gut so, denn es hat eine Message.

Was ich damit sagen will: Scheitern ist okay. Es ist vollkommen in Ordnung. Selbst in einem Gebiet, in dem man ansonsten sattelfest ist. Niemand ist perfekt und das verlangt auch keiner von dir. Selbst wenn einem manchmal das Gefühl vermittelt wird. Wir leben in einer Social Media Welt und werden jeden Tag überflutet von Perfektion. Sei es auf optischer, aber auch auf intellektueller Ebene. Reizüberflutung Deluxe. Doch es gibt einen wichtigen Punkt an dieser Sache. Ein Punkt, der das Scheitern vollkommen legitim macht: Man darf sich nicht aufgeben!

 

 

Fünf Minuten heulen und dann weitermachen!

Die Prüfung ist noch keine 24 Stunden her. Vielleicht habe ich sie wieder vermasselt. Vielleicht auch nicht. Trotzdem nehme ich mir jetzt schon das Recht heraus, darüber zu schreiben. Ich nehme mir das Recht heraus, sie als meine letzte Prüfung zu titulieren. Als etwas Endgültiges. Ich kann sagen: Danke, das war’s. Und sollte ich trotzdem wieder gescheitert sein, heule ich fünf Minuten, mache weiter und sage eben später noch einmal: Danke, das war’s!

PS: Wegen der Diplomarbeit: Es geht voran. Schleppend, aber es geht voran 😉 

 

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13 Comments

  1. Ui! Ich drück dir ganz fest die Daumen, aber ich bin mir sicher dass du sie geschafft hast! So wie du immer die „random facts“ rausgehaut hast 😛 vielleicht hast du ja jetzt mal Zeit für einen Kaffee?? 🙂
    Sag auf jeden Fall bescheid, ob dus geschafft hast! <3
    Alles Liebe, Christina
    christinawaitforit.com

    • Werd ich machen. Haha ja, ich kann ja auch den ganzen Stoff in- und auswendig. Aber halt diese Multiple Choice Prüfungen. Nur ich habe jetzt schon die ganzen Daten von „Klinische Psychologie“ vom PC gelöscht. Eine Studienkollegin hat 5 Antworten gleich wie ich und auch eine andere hat ziemlich viel ähnlich. Also ist mein Gefühl momentan schon etwas besser. Aber mir kam es einfach so vor, als wäre es mir bei der letzten und vorletzten besser ergangen 😀

  2. Meine liebe Lisa,
    du hast grundsätzlich schon meinen höchsten Respekt, dass du so offen über dein Leben schreibst und ich finde es großartig, dass du deine Gedanken und Gefühle mit uns teilst. Und ich glaube fest daran, dass du es dieses Mal geschafft hast! Falls doch nicht, dann ist das wirklich kein Grund des Scheiterns, sondern einfach nur eine F***ing Multiple-Choice Klausur – solche sollten eh verboten sein! Nämlich! 🙂
    Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir ein schönes Wochenende!
    Liebst Kathi
    http://www.meetthehappygirl.com

    • Zumindest ist man nicht alleine. Dass ich ein zweites Mal antanzen musste, ist mir auch ein paar Mal passiert, aber wie bei dir auch nicht allzu oft. Ich bin eben so eine, die immer alles auf einmal machen will und dann habe ich mich eben auch immer für alle angebotenen Prüfungen, die mir noch fehlten, angemeldet. Das ging sich hinten und vorne nicht aus (ich habe mir dann immer eingeredet, dass ich es zumindest mal probieren und mir die Prüfung anschauen kann). Wenn ich allerdings immer viel Zeit zum lernen hatte, hatte ich immer sehr gute Noten. Darum ist es mir ein Rätsel, warum es bei dieser schief gegangen ist.

      Ja, Multiple Choice ist zum kotzen. Und auch total ungerecht. Weil da können Leute durchfliegen, die wahnsinnig viel gelernt haben und Leute durchkommen, die fast nix gelernt, aber wahnsinniges Glück hatten.

      Genau so ist es, liebe Katy 🙂

  3. Ahhh du sprichst mir grad voll aus der Seele. Kack Multiple Choice: hab meine erste Steop um 2 Punkte verhaut:( Ich war so böse, 1 1/2 Monate habe ich durchgelernt und dann schaff ichs nicht, ich bins auch gar nicht gewohnt eine Prüfung, die so wichtig ist, nicht zu schaffen. Jetzt schlag ich mich mit zwei Fächern parallel rum, aber egal, wie du sagst: scheitern ist okay, mittlerweile habe ich mich auch damit abgefunden und werd wohl weiter lernen. Das lustige: Die Steop in Ernährungslehre habe ich beinhart nicht geschafft, und ich dachte ich kenn mich aus. Ich kenn mich schon aus, aber wenn Frau dann alle Aminosäuren und Neurotransmitter lernen muss, nicht zu vergessen die Nährstoffe die mit Hilfe von Pankreasenzymen verdaut werden – ja, dann scheitere ich auch.
    Ich glaub an dich, du bist schon so weit gekommen, eine Prüfung soll dir nicht so die Laune vermiesen(: Und schön dass es mit deiner Diplomarbeit voran kommt, ich wünsch dir auf jeden Fall viel Kraft!

    Und es war grad soso angenehm wieder mal den Satz „Anekdoten aus dem Studentenleben“ zu lesen, schon ewig ist es her (sicher mindestens 2 Jahre?) habe ich schon diese Posts von dir gelesen, da hatte ich noch meinen ganz alten Blog und war eine stille Leserin:))

    Liebe Grüße,
    Tamara

    • Multiple Choice ist einfach der größte Mist. Meine Professorin hat mir gesagt: Bei der Menge geht es allerdings nicht anders und sie hasst es auch. Einerseits kann ich sie verstehen, andererseits aber auch nicht. Sie kann ja auch Doktoranden mit ins Boot holen, die mit ihr korrigieren. Ich meine, die kriegen für ihr Doktorat ja auch bezahlt. Und vor allem: Wenn sie Multiple Choice hasst, WARUM gibt sie dann so wenig Fragen mit Minuspunkten? Ist für mich widersprüchlich. Zwei Punkte sind wirklich ärgerlich. Bei mir war es ein Punkt und in Geo damals bei der Steop sogar nur ein halber Punkt. Ich kann ja auch irgendwie verstehen, dass dir die Profs keine Note schenken können, aber grad bei einem halben Punkt find ich es ein bisschen lächerlich. Die STEOP hat mich somit auch sehr gequält, in Philo nicht, die hab ich gleich geschafft, aber eben in Geo. Da habe ich mir die Zähne ausgebissen. Und das Lernpensum, das du hattest, hatte ich auch. Für meine letzte Psychologieprüfung habe ich sogar 2 Monate gelernt. Den ganzen Sommer durch und trotzdem durchgefallen. Bei der ersten war es ein Monat und jetzt auch wieder ein Monat. Also insgesamt 4 Monate. Vorwiegend gehts mir eh darum, durch zu sein, aber ehrlich gesagt würde mich auch eine 4 total ankotzen, weil ich eben so viel Zeit aufgewendet habe und mich einfach sehr gut in diesem Gebiet auskenne. Ich habe oft das Gefühl, als ob ich die Menschen selbst schon therapieren könnte mit meinem Wissen. Man braucht mir nur die Symptome sagen und ich weiß, was den Menschen fehlt 😀 😀 😀

      Auweia, zwei Prüfungen auf einmal sind echt happig. Mir fällt es auch immer total schwer, für zwei Prüfungen am Stück zu lernen. Ich kann mich meistens nur auf ein Fach konzentrieren und frage mich, wie ich in früheren Semestern sieben Prüfungen in einer Woche schreiben konnte.

      Ach ja, die Unirealität. Da merkt man mal, dass man echt ALLES können muss. Ich kann mich noch an meine erste Prüfung in Pwysiogeographie erinnern. Da hab ich die Wolkengattungen nicht gelernt, weil ich mir eingebildet habe, dass er das eh nicht fragen würde – der wird schon human sein. Dreimal darfst du raten, was gekommen ist. Also, das ist wirklich mein größter Prüfungstipp für die Uni: Alles kann kommen. Lerne lieber ALLES genau. Und wenn es nur die Kodierung für den Neurotransmitter Serotonin ist (5-HT übrigens 😉 ). Du wirst den nächsten Antritt bestimmt meistern und wer weiß, vielleicht hast du dann sogar eine richtig gute Note. Ich habs von Physiogeographie von ner 5 auf ne 1 gebracht :D. Ich will nicht angeben, sondern dir einfach Mut machen, dass es nur besser werden kann 🙂 und ich bin mir sicher, dass du es schaffen wirst. Und beim nächsten mal kannst du alle Aminosäuren und Neurotransmitter und das Dings mit den Pankreasenzymen (da steig ich mal aus :D) – und dann wirst du sie alle vom Hocker hauen 😉

      Vielen lieben Dank für deine lieben Worte, liebe Tamara. Mein Gefühl hat sich schon ein bisschen verbessert. Ich habe mit Kollegen verglichen und 5 Fragen habe ich mit vielen gleich (von 7). Und alle haben ein gutes Gefühl. Darum habe ich alle Dateien von Klinischer Psychologie heute vom PC gelöscht. Vielleicht ein gutes Zeichen 😉

      Hihi ach ja, die Anekdoten. Ich weiß gar nicht, warum ich sie nicht mehr schreibe, aber ich denke, es liegt daran, weil ich einfach mehr Personal Posts im Monat schreiben möchte und ich sie nicht immer als „Anekdoten aus den Studentenleben“ titulieren kann. 😀
      Oh, aber das freut mich wahnsinnig zu hören, dass du damals schon mitgelesen hast 🙂

      Ich wünsche dir ein zauberhaftes Wochenende, meine Liebe. Vergiss nicht: Gib niemals auf. Wann hast du denn die Prüfung? Damit ich weiß, wann ich die Daumen drücken muss 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

  4. Liebe Lisa,
    ich finde deine Texte werden immer besser, deine Worte immer sicherer, mit immer mehr Schärfe und gleichzeitig Witz. Wirklich wunderbar!
    Für deine Prüfung drücke ich dir ganz fest die Daumen! Und deine Message würde ich am liebsten in die ganze Welt hinausschreien damit sie bei allen, eingeschlossen mir selbst, endlich mal im Herzen ankommt: Man kann nicht überall perfekt sein!
    Liebe Grüße
    Anne
    http://trustyourgut1.blogspot.de/

    • Vielen herzlichen Dank für diese superlieben Worte, Anne. Das Daumen drücken hat geholfen, ich habe bestanden und das sogar noch mit einer guten Note 🙂
      Das stimmt, wichtig ist nur, dass man immer wieder aufsteht und weitermacht 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

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