Du bist nicht das, was du studierst

Neue Wege

Du bist nicht das, was du studierst

Du bist nicht das, was du studierst. Ich bin der beste Beweis dafür. 2017 habe ich mein Lehramtsstudium abgeschlossen. In die Schule hat es mich jedoch nicht gezogen. 

Pssst… ich verrate dir ein bislang streng gehütetes Geheimnis. Mit 25 hatte ich eine Sinnkrise. Eine Krise auf beruflicher Ebene. Frisch das Studium abgeschlossen, stand ich vor scheinbar verschlossenen Toren. Oder das, was sich dahinter befand. Die verschlossenen Toren des Ernst des Lebens. Okay, wir halten fest: erwachsen werden gehört zum Leben dazu. Irgendwann zu arbeiten auch. Und hey, ich bin ein typischer Millenial. Mit Zielen vor den Augen und Vorstellungen, wie meine berufliche Zukunft aussehen soll. 

Die Vorstellungen, wie meine berufliche Zukunft aussehen soll, waren bereits in jungen Jahren in meinen Visionen verankert. Doch dann wurde ich 19, machte die Matura und bekam nicht meinen Traumstudienplatz. Plan B existierte in meinen Hirnwindungen nicht. Wahrscheinlich irgendeine Fehlschaltung meiner Synapsen oder geschuldet der festen Überzeugung, dass Plan A schon irgendwie aufgehen wird. 

Nun, Plan A ging nicht auf und da ich mit 19 rückblickend recht unselbstständig war (damals war ich natürlich nicht der Meinung), musste das Studienangebot in unmittelbarer Nähe herhalten. Die Zeit drängte und ich entschied mich für ein Lehramtsstudium. Das war keine weise Wahl, aber eine solide Basis. 

Du bist nicht, was du studierst
Du bist nicht, was du studierst

Wenn du das falsche studierst

Oft ist es so, dass man im jungen Alter noch nicht wirklich weiß, was man möchte. Dass der Weg die lehrreichen Erkenntnisse bringen wird und es unglaublich häufig vorkommt, dass die erste Studienwahl nicht die richtige ist. Dass man sich unwissentlich für etwas inskribiert hat, was eigentlich gar nicht so die gewünschte Erfüllung bringt. Um ehrlich zu sein, ich wusste das schon am Tag meiner Inskribierung, dass ich KEINE Lehrerin werden möchte. Ich wusste nur, dass mir der Job Spaß machen könnte, aber dass ich das Studium eigentlich nur auswählte, weil sonst nichts anderes da war. Und ja, im Nachhinein traue ich mir auch das Eingeständnis, dass ich mich zu wenig informiert habe. 

Die Jahre vergingen und irgendwie siegte immer die Faulheit. Die Faulheit, mich über neue Studienrichtungen zu informieren und die Angebote zu durchforsten. Schließlich war ich schon inskribiert und das war bequem. Zusätzlich hatte ich durch meine Magersuchtserkrankung auch nicht mehr wirklich die Energie oder den Antrieb dafür, die Sache in die Hand zu nehmen. Plus: mein Abschluss schien in weiter Ferne zu sein und war für mich einfach nicht greifbar. 

Du bist nicht, was du studierst
Du bist nicht was du studierst

...dann kommt der Abschluss

Und ja, was passiert, wenn man studiert, brav die Seminare, Kurse und Vorlesungen besucht? Alle Prüfungen erledigt? Die Diplomarbeit schreibt und zur Diplomprüfung antritt? Richtig! Man wird fertig und hat den Abschluss in der Tasche. Bei mir hat es insgesamt sechs Jahre gedauert. Tja und dann stand ich da, 25 Jahre alt, mit einem Abschluss, der mir eigentlich gar nichts bringt. 

Ich habe dem Lehrerding wirklich eine Chance gegeben, habe unterrichtet, hatte Spaß, aber keine Erfüllung. Plus: meine Fächerkombination war eine noch -entschuldigt den Ausdruck- beschissenere Wahl, als mein Lehramtsstudium. No Jobs available. Super! ABER: meine Studienwahl hatte dennoch einen positiven Aspekt. Durch das trockene Lehramtsstudium fehlte mir der kreative Ausgleich. Et voila: My Café Au Lait war geboren. Ich bloggte, tippte mir die Finger wund und fotografierte. Ich machte hobbymäßig das, was ich eigentlich beruflich machen wollte. Irgendwann kam Instagram dazu, Social Media Marketing wurde schon während meines Studiums relevant und ich baute mir eine kleine Community auf. 

Nach meinem Unterrichtsjahr versuchte ich es einfach mit dieser Referenz. Ich wollte nichts unversucht lassen, also machte ich mir mein Blogger/Mikro-Influencer Portfolio zu eigen und siehe da, es hagelte Zusagen zum Bewerbungsgespräch und auch einige Jobzusagen. Ich fasste Fuß im Marketing, arbeite heute in einer Werbeagentur, werde fürs Kreativsein bezahlt und das ist sogar noch besser, als mein ursprünglicher Berufswunsch. Ich wollte nämlich Journalistin werden. Doch mein Blog hat mir auch gezeigt, dass der Weg eben die Erkenntnis bringt. Und so war die Leidenschaft für Fotografie, Storytelling und Layouten doch ein bisschen größer, als nur zu Schreiben. 

Du bist nicht, was du studierst

Warum es keine Sackgasse ist, wenn du das falsche studierst.

Ich weiß noch ganz genau, als ich die Einführungslehrveranstaltungen für das Unterrichtspraktikum absolviert habe. Eine oberschlaue Juristin vermittelte ganz charmant durch die Blume, dass man mit einem Lehramtsstudium nur Lehrer werden kann. Ergo: finden wir keinen Job an einer Schule, bleiben wir arbeitslos. Und das ist Bullshit. Oft glauben wir, dass uns durch unser Studium nur gewisse Berufsfelder offen stehen. In meinem Fall: Lehrerin.

Nun, arbeitslos bin ich heute nicht, aber ich arbeite auch nicht als Lehrerin. Der 27. März 2012 war mein Stichtag. Die Geburtstunde meines Blogs und die Weiterentwicklung in einer komplett neuen Berufssparte waren mein Schlüssel für einen Job außerhalb der Schule. Ich stand mit 25 also doch nicht mit nichts da, sondern habe mir ein Standbein während meines Studiums aufgebaut, wenn auch unbewusst. Darum mein Rat: probiere dich während des Studiums fleißig aus, mache Nebenjobs, schnuppere in verschiedene Berufe hinein, mache dir deine Talente zu eigen und vielleicht kannst du dir währenddessen auch ein kleines Nebengewerbe aufbauen. Nur weil du versehentlich das falsche studierst, ist deine berufliche Laufbahn noch nicht besiegelt. 

Ganz zum Schluss möchte ich noch eine Sache betonen: das Lehramtsstudium hat mir auch für meine jetzige Laufbahn einen Mehrwert gebracht. Vielleicht arbeite ich nicht an einer Schule, aber ich konnte mir nützliches Wissen in meinen Fächern aufbauen, die ich mir zu eigen machen kann. Ganz besonders liegen mir daher die Bereiche Tourismus, Reisen, Philosophie und Psychologie. Durch meine Schullaufbahn habe ich auch noch Kenntnisse im Bereich Gastronomie und Hotellerie. All das brauche ich auch in der Werbeagentur – denn für bestimmte KlientInnen kann dieses Wissen unglaublich relevant und wichtig sein. Das heißt, auch wenn du vermeintlich das falsche studierst, theoretisch kannst du dein Studium für andere Berufsfelder genauso brauchen. Darum, never give up und gib dich erst mit dem zufrieden, was dein Herz erfüllt. 

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