Fear Food Wins: January #1

Fear Food Wins

January #1

In einen meiner Anorexieposts habe ich euch etwas über Fear Food und Fear Food Wins erzählt. Obwohl der Januar kein leichter Monat war und ich mich in der BP-Phase befunden habe, gab es auch Tage, die ganz gut funktioniert haben. Mit Sicherheit kann ich mich nicht mit Ruhm bekleckern, aber es gab durchaus Tage, die nicht in einem reinen Desaster geendet haben oder vollkommen restriktiv waren. Ich habe mich auch bewusst für „Fear Food“ entschieden, weil ich mir selbst beweisen wollte, dass es auch anders geht und dass der Konsum von Fear Food nicht zwangsläufig zu einer Essattacke führen muss. Meine großen Ziele: Essen nicht mehr als Fear Food zu sehen und Essen keinen so großen Stellenwert in meinem Leben mehr geben! Essen soll normal sein und nichts, was mich stolz machen soll. 

Ich weiß, dass ich etwas ganz Normales im Leben momentan stark glorifiziere. Essen besitzt in meinem Leben einen großen Stellenwert. Es ist nicht so, dass man mit einer Essstörung Essen verabscheut. Ich persönlich liebe ästhetische Foodbilder & Foodstyling. Ich fotografiere es gerne, richte es mit Vorlieben an und koche mit Freuden. Nur mit dem selber essen hapert es. In einer Essstörung setzt man sich sehr stark mit Lebensmittel auseinander. Man analysiert, vergleicht und man spricht positiv davon. Man könnte sich wirklich den ganzen Tag damit beschäftigen. Man zählt auf, was man mag und was einem gut schmeckt. Die Umsetzung in der Praxis ist jedoch oftmals problematisch. Doch Essen soll nicht nur da sein, um es anzusehen, es zu kochen und zu fotografieren.

Mit den Fear Food Wins habe ich eine Möglichkeit gefunden, wieder zu einen meiner Wurzeln zurückzukehren. Der Foodfotografie und das Teilen von Rezepten. Ich möchte schließlich nichts auf diesem Blog zeigen, was ich nicht selbst gegessen habe und wovon ich nicht überzeugt bin. Jetzt würde es mir so heuchlerisch vorkommen, wenn ich so tun würde, als ob. Das ist nicht Sinn der Sache. Für die meisten von euch mögen dies ganz normale Portionen sein. Ein ganz normales, simples Mittagessen. Für mich waren es teilweise Dinge, mit denen ich gehadert habe. Bei denen ich lange darüber nachgedacht habe (besonders bei der Schokolade). Dinge, die mir ein schlechtes Gewissen beschert haben. Aber Dinge, die sein mussten, um wieder zu einer Normalität zurückzukehren.

Ich erkläre euch auch, was an den bestimmten Gerichten für mich ein Fear Food ist und wie ich mich danach gefühlt habe. Es waren im Übrigen auch deswegen Fear Food Wins, weil es zu keinem BP-Verhalten geführt hat. Nicht nur das Essen alleine ist der Win, sondern die Tatsache, dass es in keinem Desaster geendet hat. Ich brauche kein Lob dafür, das ich was gegessen habe. Ich habe es zum Beispiel immer gehasst, wenn meine Mutter mich gelobt hat oder mir jemand damals im Krankenhaus gesagt hat, wie „gut ich das gemacht habe“. Trotzdem will ich kleine Erfolge dokumentieren, festhalten und mit euch teilen. Um zu zeigen, das man kämpfen kann. Das es möglich ist. Und für mich. Um meine kleinen Erfolge zu visualisieren.

 

Schlemmerfilet3 - 1

 

Fischfilet

mit Macadamiakruste, sautiertem Gemüse und Süßkartoffelsticks

Fear Food weil: Macadamia, Butter und Brösel (Paniermehl)

Gewissensbarometer: Mittel. Ich habe einfach versucht, alles auszublenden und mich nicht zu sehr auf diese Mahlzeit zu fokussieren.

 

Pralinen1 - 1

 

Pralinen

Fear Food weil: Schokolade, buttrige Füllungen

Gewissensbarometer: Das schlechte Gewissen war „over the stars“. Vielleicht war es keine gute Idee, direkt nach dem Mittagessen noch etwas Süßes zu essen, weil ich ohnehin ein bisschen gehadert habe. Aber warum soll ich mir von der Krankheit alles verderben lassen?

 

Toasti

 

Avocado Toast

mit Feigen-Ziegenkäse, Käse, Spiegelei und Wedges

Fear Food weil: (weißes) Toastbroat, Avocados, Käse und Kartoffeln.

Dazu wird es auch das Rezept geben.

Gewissensbarometer: Ich fühlte mich danach ganz okay und habe versucht, mich anschließend auf das Lernen zu konzentrieren.

 

January Fear Food Wins

 

Sushi

Fear Food weil: weißer Reis, Sesam

Zugegeben, die Portion ist nicht wirklich groß. Ich saß lange vor dem Teller, habe ihn angestarrt, mir dann aber gedacht, das es wohl nicht wahr sein kann, dass ich gerade am Überlegen bin, ob ich mein Lieblingsessen essen soll/darf/kann. No chance to Anorexia! Letztendlich hat es doch funktioniert und es war wirklich gut. Mein letztes Sushi hatte ich irgendwann gegen Ende Oktober. Remember the big Sushi Plate auf Instagram? Da habe ich weniger geschafft, als auf diesem Teller drauf ist. Den Rest durfte ein Freund von mir verputzen. Wenn ich so daran zurückdenke, macht mich das ein bisschen traurig und ich merke, wie sehr mich diese Krankheit einnimmt. Die alte Lisa hätte sich wahrscheinlich ein Sushiröllchen nach dem anderen reingeschaufelt, sodass meine Freunde vielleicht ein oder zwei Röllchen erwischt hätten.

Gewissensbarometer: Ein schlechtes Gewissen war kaum vorhanden. Die Portion war schließlich mehr als Mini und mehr Snack als eine vernünftige Mahlzeit.

 

Unpictured

Ansonsten war ich noch zweimal mit meinem besten Freund einen Burger essen. Irgendwie geschieht es mir leichter, wenn ich mit jemanden zusammen esse, den ich vertraue. Da geht es meistens auch ziemlich unproblematisch. Ich denke nicht lange nach, sondern esse einfach. Bei fremden Menschen fällt es mir immer ein bisschen schwerer. Das sollte nicht mein Leben bestimmen.

 

Habt ihr noch Fragen?

Wollt ihr noch mehr zu dem Thema „Essstörungen“ erfahren. Habt ihr konkrete Fragen? Dann könnt ihr das gerne HIER tun. Wollt ihr über etwas bestimmtes Bescheid wissen? Lasst es mich wissen. Ich richte diese Posts gerne nach euren Interessen aus.

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8 Comments

  1. Hallo Lisa,

    wieder einmal ein wahnsinnig spannender Beitrag! Seitdem ich angefangen habe, etwas mehr auf meine Ernährung zu achten, kommt mir das Gefühl etwas bekannt vor. Wenn es wahrscheinlich nicht so ausgeprägt ist, wie bei dir.
    Wenn ich etwas esse, dann habe ich immer die Kalorien vor meinem inneren Auge und fühle mich schlecht, wenn ich beispielsweise Schokolade gegessen habe. Das mit der gesunden Ernährung ist eben alles andere als einfach.

    Liebe Grüße,
    Julia von Juliary

    • Hallo, meine Liebe!

      Das habe ich oft von Leuten gehört, die die Ernährung umstellen. Aber ich kann dir sagen, du brauchst dir darüber absolut keinen Kopf machen. Okay, das aus meinem Mund :/ ich kann da absolut keine Ratschläge oder so dazu geben, weil ich mich auch nicht wirklich dazu „ermächtigt“ fühle. Aber du ernährst dich sonst so brav und gesund. Da darf man sich auch etwas gönnen. Etwas, das ich mir auch hinter die Ohren schreiben muss. Schokolade ist ein Genuss, den man sich gönnen darf 🙂 und mal etwas für die Seele zu tun, ist nicht verkehrt und sollte hinterher auch nicht bereut werden 🙂 Darum halte ich beispielsweise auch nichts von Cheatdays 🙂

      Bitte pass auf auf dich, meine Liebe

      Fühl dich geknuddelt
      Liebste Grüße
      Lisa

  2. Ich muss wirklich ein großes Lob aussprechen, du bist ein sehr mutiger Mensch, der es super schafft, ein kritisches Thema in ansprechende, intereressante Beiträge zu packen. Und sei dir immer darüber im Klaren: Du bist wahnsinnig toll so wie du bist, da ändert auch ein Stück Schokolade zu viel nach dem Mittagessen nichts daran. Alles Liebe und viel Glück und Gesundheit!

    http://www.thesophisticatedsisters.com/

    • Liebe Eva Maria

      Danke für deine lieben Worte. Ich finde zwar nicht, dass ich so mutig bin, aber trotzdem bedeutet es mir sehr, dass du mir solche lieben Zeilen da lässt 🙂 Du hast Recht, Schokolade ändert keinen Menschen, sondern ist dazu da, um glücklich zu machen 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

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