Der Zauber der Fotografie

Der Zauber der Fotografie

Vor gut 20 Jahren, ich habe damals die Sternstunden meiner Kindheit erlebt, gab es noch keine digitale Fotografie. Wir besaßen eine schwarze Filmkamera, unzählige Filme und ein Auge für Momente, die wirklich mehr als magisch waren. Wir gingen sparsam mit den teuren Filmen um, fotografierten nicht alles, was uns ins Auge sprang, sondern warteten die Besonderheiten ab. Besonderheiten, die wir festhalten wollten. Analoge Fotografie war mit Warterei verbunden. Viel warten. Ich kann mich noch zu gut daran erinnern, wie gespannt wir Kinder immer auf die Abholung hingefiebert haben, als der Film bei der Entwicklung lag. Wie würden die Abzüge wohl aussehen? Oftmals konnten wir uns gar nicht mehr erinnern, was wir alles fotografiert hatten. Wir waren neugierig, ob wir etwas wiederentdecken würden – etwas, das in Vergessenheit geraten ist und uns ein Lächeln des Wiedererinnerns bescheren würde. Doch das Beste – und das kann wirklich nichts von damals ersetzen – wir hielten danach etwas in den Händen. Momente für die Ewigkeit, die uns nichts und niemand so leicht nehmen konnte.

 

Die Fotografie im Wandel der Zeit

Machen wir einen groben Zeitsprung. Das Zeitalter der Digitalfotografie ist angebrochen. Plötzlich konnte man fotografieren, was einem vor die Linse sprang. Es gab keine teuren Filme mehr, sondern nur noch Speicherkarten. Gefiel uns ein Foto nicht, konnten wir es bequem und sofort löschen, schließlich konnten wir es auf einem kleinen Bildschirm begutachten. Auf einmal wurde nicht mehr auf die besonderen Momente geachtet, es wurde vieles wahllos fotografiert – man hatte ja die Möglichkeit, die Bilder wieder zu entfernen. Ein schlechtes Foto mehr oder weniger wäre nicht schlimm. Innerhalb von Sekunden kann man es in der Versenkung verschwinden lassen und ein neues machen.

 

Erkennen wir noch die Zaubermomente?

Vielleicht haben wir durch das „wahllose Knipsen“ verlernt, die magischen Momente zu erkennen. Jene Momente, die wir wirklich festhalten wollen. Im Urlaub wurde plötzlich jedes noch so irrelevante Motiv fotografiert: von leergeputzten Tellern bis hin zu der süßen Katze, die sich am Frühstückstisch immer an unser Bein geschmiegt hat. Sicherlich schöne Urlaubserinnerungen, denn das Essen scheint geschmeckt zu haben und die Katze war unglaublich süß. Aber ist das ein magischer Moment, den man wirklich auf Bilder bringen möchte? Was ist überhaupt magisch?

„Magie“ – ein Wort, das gar nicht so leicht zu beschreiben ist. Für mich ist ein „Magic Moment“, wenn er mein Herz erwärmt. Etwas, das mich rührt, glücklich macht. Etwas, das ich nicht so schnell vergessen möchte. Ich möchte die magischen Momente bildhaft vor mir haben. Das spüre ich und genau das ist der Moment, wo ich die Kamera raushole und ein Foto mache. Ich möchte die digitale Fotografie nicht schlechtreden. Ich bin froh, dass es sie gibt, denn mal ehrlich, mir als Bloggerin ist es auch lieber, dass ich schlechte Fotos gleich wieder löschen kann. Aber ich beziehe mich vielmehr darauf, dass es schade ist, den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Vielleicht versäumt man den magischen Moment gerade dann, während man augenblicklich dabei ist, das hundertste Bild von Omas Schwarzwälderkirschtorte zu knipsen, nur um es später auf der Speicherkarte neben den 99 anderen verstauben zu lassen.

 

Holen wir uns die Zaubermomente wieder zurück!

Ich habe gemerkt, dass ich vor gar nicht so langer Zeit zu so einem Verhalten tendiert habe. Als es mir aufgefallen ist, habe ich mich im Sommer dazu entschlossen, mich wieder viel mehr der „echten Fotografie“ zu widmen. Mich intensiver mit der Kamera und den Bildern zu beschäftigen. Und ich habe gesammelt. Viele magische Momente – Momente, die ich tatsächlich als solche titulieren kann. Besonders von meinem Neffen tummelten sich viele Bilder auf meinem MacBook. Seine ersten Schritte, als er zum ersten Mal seine besondere Art, sich über etwas köstlich zu amüsieren, zeigte, den Tag, als er das Wort „Kühe“ erlernte und zuckersüß als „Bühe“ aussprach. Ja, all das war auf meiner Festplatte.

 

Wenn die digitale Fotografie zur Gefahr wird!

Digitale Fotografie und Gefahren – das mag beim ersten Hinlesen überdramatisiert klingen, aber es gibt sie tatsächlich. Ich musste es am eigenen Leib spüren. Das, was die analoge Fotografie immer noch zu etwas Besonderem gemacht hat, war der Aspekt, dass man danach immer etwas in den Händen hielt. Das fiel bei der digitalen Fotografie oft weg. Natürlich bestand immer die simple Möglichkeit, die Bilder auszudrucken bzw. ausdrucken zu lassen. Nur mal ehrlich? Wie oft kümmern wir uns darum? Es ist der bequemste Weg, die Fotos einfach auf den Laptop zu laden und dort zu speichern – so lange bis sich ein großes Repertoire an Bildern angesammelt hat. Womöglich ordnen wir sie oder haben bereits auf der Festplatte ein übergroßes Chaos an privaten Bildern. Und dann vergessen wir diese Momente, weil sie einfach in einer Überzahl da sind, bis sie irgendwann vielleicht weg sind. Das ist mir passiert! Vorgestern hat mein MacBook seinen Geist aufgegeben bzw. die Festplatte. All diese schönen, einzigartigen Momente von meinem Neffen sind weg! Ob sie noch gerettet werden können, wird sich am Montag zeigen, aber jetzt sind sie erstmals futsch. Dieser Vorfall hat auch den Snapshot Sunday für morgen lahmgelegt. Ausgelöschte Momente! Klar, es gibt externe Festplatten zum Zwischenspeichern, aber auch externe Festplatten sind nicht davor sicher, kaputt zu gehen! Glaubt mir!

 

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Bilder in den Händen halten!

Holen wir uns das Zeitalter zurück, in dem wir die Fotos wirklich in den Händen hielten und nicht vor uns am Bildschirm sahen. Die Momente, als die Fotos entwickelt und anschließend sorgfältig ins Familienalbum geklebt wurden. Machen wir es nur auf eine 2.0 Weise. Abzüge waren damals etwas Besonderes, das stimmt, aber wir können Fotos noch besonderer machen. Indem wir zum Beispiel unser eigenes Fotobuch (z.B. CEWE) gestalten. Wem das Fotobuch mittlerweile auch schon zu langweilig geworden ist, hat noch unzählige andere Möglichkeiten. Tassen, Poster, ja sogar Schneekugeln, Taschen und Schreibwaren kann man mittlerweile ganz persönlich mit eigenen magischen Momenten gestalten. Unter anderem gibt es im Bipa Fotoshop tolle Möglichkeiten für kreative Köpfe. Beim Durchstöbern ist mir auch aufgefallen, dass ich tolle Weihnachtsgeschenke für meine Lieben gestalten kann. Eine Fotoschürze für die stolze Oma mit dem Bild meines Neffen. Darüber freut sich meine Mama garantiert, wenn dieses Geschenk unter dem Weihnachtsbaum liegt. Eines weiß ich auf jeden Fall: Sobald ich wieder (m)einen eigenen Laptop habe, werde ich mir viel mehr Gedanken um meine Fotos machen und mich darum kümmern, dass sie ewig währen.

 

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*Danke an Bipa

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4 Comments

  1. Unglaublich toll geschrieben! Ich hab mir auch schon oft Gedanken darüber gemacht und mir dieses Jahr sogar auf meine Todo-Liste geschrieben, Momente festzuhalten. Früher haben wir auch immer fleißig Bilder eingeklebt, aber irgendwann hat das aufgehört, als sich weder meine Schwester noch ich fotografieren lassen wollten. Meine Kinder werden sich auf jeden Fall nie davor drücken können, später werden sie mir dann dankbar sein 😀
    Ich möchte mir auf jeden Fall eine Sofortbildkamera kaufen, um dieses Gefühl wieder etwas zurück zu holen. Auf die besonderen Momente zu warten und diese festzuhalten und auch gleich in den Händen zu halten.

    Ich hoffe, dass man die Bilder auf deinem Laptop noch retten kann. Und ich werd mich jetzt mal mit meiner externen Festplatte auf die Couch setzen und mir Fotos zusammen suchen, die demnächst auf Papier gerettet werden 😀

    Alles Liebe, Jacky
    vapausblog.wordpress.com

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