Heute vor genau fünf Jahren…

Heute vor genau fünf Jahren wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen, in welchem ich fast ein halbes Jahr lang gegen meine Magersucht angekämpft habe. Heute vor genau fünf Jahren, am 5.10.2012. Unglaublich, wie viel Zeit vergangen ist und dabei kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen. Ich stand mit zwei vollen Koffern vor der Station, verabschiedete mich von meinen Leidensgenossinnen und es fühlte sich ein bisschen nach Wehmut an. Wehmut, weil ich gehen musste und weil ich einen wichtigen Teil von mir gehen lassen musste. Und es fühlte sich gar nicht so toll an. Ich wusste, dass ich nicht geheilt war, dass mein Rückfallsrisiko bei 90% lag und dass ich immer noch Untergewicht hatte. Es machte mir Angst, wieder in die große weite Welt hinausgehen zu müssen, weiterzustudieren, den Alltag wieder aufzunehmen. Das war heute vor genau fünf Jahren. 

 

Heute vor genau fünf Jahren

 

Meine Magersucht und die Zahl 5

Die Zahl Fünf steht anscheinend in einem großen Zusammenhang mit meiner Krankheitsgeschichte. Am 5.2.2009 begann ich mit meiner ersten Diät, die wohl den Grundstein für diese Krankheit gelegt hat. Ich nahm jedoch wieder zu. Allerdings – fast genau zwei Jahre später, am 5.3.2011 begann ich erneut mit einer Diät, die mich in die schlimmste Krankheitsphase meines Lebens rutschen ließ. Am 5.5.2012 hatte ich den schlimmsten Magersuchtstag meines Lebens und exakt fünf Tage später war ich so schwach, dass ich mein Dasein nur noch in einem abgedunkelten Zimmer fristete. Wenige Wochen später, am 25.5.2012, hatte ich meinen Zusammenbruch und ich wurde in die Klinik eingeliefert. Am 5.6. kam ich in eine spezialisierte Klinik und nahm meine Therapie gegen die Magersucht auf. Und am 5.9. wurde ich von meiner damaligen Liebe verlassen und musste einen weiteren Monat in der Klinik bleiben. Doch dann, am 5.10. konnte ich endlich gehen. 

Ich glaube nicht an Schicksal, Karma oder anderen Hokus Pokus, aber es ist verrückt, wie diese Zahl mit meiner Krankheit einhergeht. Ich begann langsam, die Zahl Fünf als meine Unglückszahl zu betrachten, doch den Bann, an den ich eigentlich gar nicht glaube, habe ich wohl am 5.7.2017 gebrochen, als ich mein Studium erfolgreich abgeschlossen habe. Und heute, am 5.10. stehe ich da und blicke auf eine schier unglaubliche Zeit zurück. Ich frage mich noch heute, wie ich das geschafft habe. Meine Therapeutin sah mich wiederkommen, doch ich blieb von der Klinik fern. Bis heute. Bis heute bin ich nicht zurück, habe nie wieder eine Therapie aufgenommen, obwohl ich in diesen fünf Jahren drei Rückfälle hatte. Doch aus jedem Rückfall konnte ich mich selbst wieder herausziehen, hatte immer einen Anker, der es möglich gemacht hat. Irgendwie.

 

Heute vor genau fünf Jahren

 

Die Ups and Downs in diesen fünf Jahren

Ich bin dankbar, dass ich in diesen fünf Jahren ein halbwegs normales Leben führen konnte. Dass ich in dieser Zeit gelernt habe, mich selbst zu lieben. Es hat fünf Jahre gedauert. Jetzt bin ich 25 und im Einklang mit mir selbst, trotz kleiner Problemchen, die immer noch mein Gewicht betreffen. Rückfälle gehören zu meinem Leben mit einer unheilbaren Krankheit wohl dazu. Das habe ich gelernt, wobei ich es jetzt nicht mehr darauf ankommen lassen will. Die Magersucht war eine harte Zeit, der Kampf, wieder rauszukommen, noch härter.

Heute habe ich mehr Vertrauen in mich selbst. Downs rufen immer noch Appetitlosigkeit in mir hervor, aber wie gesagt, ich lasse es nicht mehr darauf ankommen. Auch wenn ich jetzt immer noch Gewichtsprobleme habe. Dafür ganz andere, als damals in der Zeit meiner Anorexie. Aber auch hier gibt es gute Nachrichten. Seit drei Wochen habe ich nicht mehr wirklich etwas abgenommen. Ein Anfang. Und mein Körper scheint in seine Balance zurückzufinden. Das ist okay für mich. Hauptsache keine Magersucht mehr. Denn die habe ich vor fünf Jahren im Krankenhaus gelassen. Heute vor genau fünf Jahren habe ich das getan. Nicht für immer, denn sie kam ab und zu auf Besuch, aber ich habe sie hinter mir gelassen. Heute vor genau fünf Jahren.

 

Heute vor genau fünf Jahren Heute vor genau fünf Jahren

Outfitdetails

Hoodie: Levi’s
White Basic: Zalando Essentials
Overknee Tights: H&M
Ankle Boots: Deichmann (Similar)

Red Lipstick: Catrice Long Lasting Lip Pencil „170 Plumplona Olé“

Picture Credits: Miss Getway

 

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16 Comments

  1. Wow, was für ein Post. Ich finde es super mutig und großartig, dass du so offen und ehrlich schreibst. Du kannst sehr stolz auf dich sein.
    Ganz viele liebe Grüße
    Julia

  2. Hallo liebe Lisa!
    Dein Post hat mich gerade wirklich sehr bewegt. Zwischen den Zeilen kann man so viel Gefühl lesen, so viel Stärke, so viel Willen. Du bist so mutig! Danke, dass du deine Gedanken so ehrlich und aufrichtig mit uns teilst. Das gibt Kraft, auch wenn man selbst nicht von dieser Krankheit betroffen ist. EInfach viel du zeigst, dass sich kämpfen immer lohnt! Bleib weiter so stark!! Und wer weiß für was für gute Sachen die Zahl fünf noch stehen wird, manche Dinge sind eben nicht einfach erklärbar.

    Ich wünsche Dir einen wunderbaren Freitag und einen ruhigen Start ins Wochenenende!
    Liebste Grüße an Dich! ♥ Saskia von Dem Wind entgegen

    • Liebe Saskia,

      ich danke dir herzlich für diese lieben Worte, die mir gerade den Tag versüßt haben. Es tut gut, so etwas zu lesen und bestärkt mich auch in dem, was ich tue und dass es sich alleine dafür lohnt 🙂

      Ich wünsche dir eine schöne Wochenmitte. Genieße die restliche Woche.

      Liebste Grüße
      Lisa

  3. Hut ab vor diesem Post! Mir lief es gerade wirklich eiskalt den Rücken rauf und wieder runter. Eine gute Freundin von mir ist gerade in derselben Situation und das ist einfach nur schrecklich.
    Vielleicht ist auch 5 einfach deine Zahl. Im Positiven natürlich.

    Fühl dich gedrückt und hab einen schönen Sonntag
    Ena von Just a swabian girl

    • Dankeschön fürs Bestärken <3

      Es tut mir wirklich wahnsinnig Leid, dass es deiner Freundin nun auch so geht und sie sich mit dieser Krankheit rumschlagen muss. Ich wünsche ihr und natürlich auch dir nur das Beste, viel Kraft und Durchhaltevermögen. Ich hoffe wirklich, dass sie wieder einen Weg aus dieser Krankheit raus findet.

      Das wäre schön, wenn die fünf meine positive Zahl ist, aber ich bleib bei meiner 13 als Glückszahl 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

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