Manchmal wär ich gern ein Magnolienbaum…

Manchmal wär ich gern ein Magnolienbaum. Dann müsste ich keine Angst davor haben, in welchem Licht mich die anderen sehen. Ich wüsste, wie sie mich sehen. Sie würden mich bewundern. Ich könnte mir meiner Schönheit sicher sein. Muss mir keine Gedanken machen. Bin nicht unsichtbar. Für niemanden! Ich würde all die anderen Bäume des Frühlings in den Schatten stellen. Oh, wäre ich doch nur ein Magnolienbaum. Ich wäre befreit. Von all den Komplexen, der Unsicherheit und den Selbstzweifeln, die mich manchmal quälen. Jeder, wirklich jeder der mich ansieht, tut dies mit einer unendlichen Bewunderung. Ich würde die Menschen in einen magischen Bann ziehen. Sie mit meiner weiß-rosanen Blütenpracht festhalten. Mein Anblick würde sie nur schwer loslassen. Und ich weiß, dass jeder alles dafür tun würde, mich im besten Licht zu fotografieren. Ich würde die Menschen inspirieren. Sie in Frühlingsgefühle versetzen. Ich würde endlich den Sinn herausfinden, warum ich existiere. Einfach, um die Menschen um mich herum glücklich zu machen. Um ihnen Freude zu schenken. Um ihnen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Und ich würde wahrgenommen werden. Überall! Jeder Blick würde mich treffen, denn ich bin nicht unsichtbar. In der vollsten Blüte wäre ich präsenter den je. Denn ich falle auf – positiv. Es würde mir nichts ausmachen, angestarrt zu werden. Denn ich weiß, warum die Menschen das tun. Sie tun es aus einem schönen Grund. Aus dem Grund, weil sie mich bewundern. Weil ich makellos bin. Weil es für jeden Baum in meiner Umgebung erstrebenswert wäre, so zu sein, wie ich. Nur kann es nicht jeder.

 

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Manchmal wäre ich gern ein Magnolienbaum. Dabei muss ich mir die Frage stellen, warum es so erstrebenswert ist, wie ein Magnolienbaum zu sein. Magnolienblüten sind die Schönheit des Frühlings. Es stellt keinen Zweifel dar, warum sie das sind. Sie sind wie kleine Sterne. Genauso magisch. Genauso schön. Genauso fesselnd wie ein tiefschwarzer Nachthimmel, dessen Antlitz von strahlenden, leuchtenden Sternen erfüllt wird. Aber Magnolienbäume sind nicht beständig. Ihre Blüten leben nur kurz. Die Schönheit des Magnolienbaums stirbt. Binnen kürzester Zeit ist sein Glanz weg. Die Blüten sinken zu Boden. Fallen herab, bleiben liegen und verschwinden irgendwann. Dann ist nicht mehr viel übrig von all dem, was die Menschen so magisch finden. So fesselnd. So besonders. All das, was mich einzigartig machen würde, ist weg. Verschwunden. Für eine sehr lange Zeit. Bis der nächste Frühling wiederkommt. Doch dann bin ich unsichtbar. Viel, viel länger, als ich sichtbar war. Der Magnolienbaum ist nicht gestorben. Nur das, was ihn so wunderschön macht, ist gestorben. Für viele Menschen. Dabei sollten wir unseren Fokus auf andere Dinge legen. Nicht nur auf die jungfräulich erscheinenden Blüten. Denn der Magnolienbaum ist auch im Sommer schön. Vielleicht mag er nicht mehr diese Magie besitzen, weil er nicht mehr so unschuldig weiß erscheint. Mit den rosaroten, in sich verschmelzenden Farbverläufen. Er ist grün. Aber der Magnolienbaum lebt. Und er lebt in Schönheit. Auch wenn die Blüten längst vergangen sind. Sie kommen wieder.

 

Magnolienblüte Magnolienbaum2

 

Was ich damit sagen möchte: DU BIST SCHÖN! Immer! Jeden Tag. Jede Stunde. Jede Minute und auch jede Sekunde. Du musst nicht immer strahlen, wie ein Magnolienbaum in seiner vollsten Blüte. Du musst einfach du sein. Es muss dir egal sein, was die anderen Menschen von dir denken. Diejenigen, die es wert sind, sehen deine Schönheit immer. Denn sie wissen genau, dass du sie aus deinem tiefsten Inneren – aus deinem Herzen – ausstrahlst. Wir müssen uns nicht wünschen, wie ein Magnolienbaum zu sein, denn wir sind genauso, wie er. Schön – zu jeder Jahreszeit! 

 

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12 Comments

  1. Erstmal tolle Bilder, der Magnolienbaum ist auch eines meiner liebsten Fotomotiv. Ich finde es aber wunderschön, wie du mit ihm die Verbindung zu uns hergestellt hast. Habe ja vor Kurzem auch darüber gebloggt, dass ich es Schade finde, wie oberflächlich die Welt geworden ist und wie sehr die Schönheitsideale der Massenmedien reproduziert werden und als perfekt gelten. Ich finde nämlich, dass Schönheit etwas mit Vielfalt zu tun hat und nicht nur einem Ideal entspricht, bestehend aus Dünn. Schönheit kommt in vielen Facetten und jeder Mensch besitzt sie. Ich mag vor allem immer Makel, Dinge die einen unperfekt machen, aber genau das finde ich dann besonders und das macht einen auch einzigartig und schön. Dazu zählt innere Schönheit auch viel mehr, denn letztenendes muss der Charakter stimmen.

    Danke auch für dein liebes Kommentar zu meinen Kino Neustarts :).
    Dankeschön für das liebe Kompliment, das muss ich jedoch an Cora von Coralinart weitergeben, denn sie hat das für mich gebastelt und damit komplett meinen Geschmack getroffen.

    Das freut mich zu hören, der ist wie gesagt auch einer derjenigen, die ich auch sehr interessant finde, weil es ein sehr aktuelles Thema ist mit diesen ganzen Dating Apps, der Frage, ob man auch ohne Partner ein Kind groß zieht etc. Das wird ja im Moment alles heiß diskutiert.

    • Vielen Dank :-*
      Oh, den Post muss ich mir unbedingt durchlesen. Das hast du schön gesagt. Schönheit hat in der Tat etwas mit Vielfalt zu tun 🙂
      Makel finde ich persönlich auch sehr spannend. Sie machen einen Menschen doch erst interessant. Fehlerfrei und makellos zu sein, ist langweilig 🙂

      Sehr gerne. Da hast du vollkommen Recht, das Thema ist wirklich sehr aktuell 🙂

  2. Wundervolle Bilder und wirklich eine toller Text. Eine schöne Idee. … und eins: Du machst die Menschen glücklich. Dafür muss man nicht äußerlich besonders oder ausgezeichnet schön im herkömmlichen Sinne sein. Das würde ich vielleicht noch ergänzen zum ersten Abschnitt 🙂 Ich hoffe du verstehst was ich meine!

    Liebe Grüße
    Hella von http://www.advance-your-style.de

    • Vielen, vielen Dank, liebe Hella! Deine Worte zaubern mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Und ich verstehe vollkommen, was du meinst. Du hast vollkommen Recht damit 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

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