Mein aktuelles Ernährungsverhalten

Mein aktuelles Ernährungsverhalten

Über neue Erkenntnisse und den Weg, eine Routine zu finden

Vielleicht ist es euch aufgefallen, dass ich in diesem Monat noch keine „Fear Food Wins“ vom letzten Monat online gestellt habe. Diese Kapazitäten meines Blogs möchte ich lieber für etwas anderes nutzen, denn mir ist aufgefallen, dass der März doch ganz gut funktioniert hat. Ich habe wenig über Ängste vor Kalorien und bestimmten Nahrungsmittel nachgedacht, sondern zum ersten Mal seit langem bezüglich der Ernährung auch wieder zu leben begonnen. Zudem bin ich wieder um eine Erkenntnis reicher. Eine Erkenntnis, die mir wahrlich die Augen geöffnet hat. Eine Erkenntnis, die notwendig war. Ich schätze, ich kann von einem gut gesetzten Schritt in die richtige Richtung sprechen.

Die wichtigste Erkenntnis meinerseits war, dass ich langsam eine Regelmäßigkeit in mein Ernährungsverhalten bringen muss. Es ist nicht normal, einige Tage lang zu hungern und dann wieder eine Essattacke zu erleiden. Jeder Mensch mit einem gesunden Essverhalten isst täglich. Nicht einmal die Woche und auch nicht nur vier Mal im Monat. Schlanke Menschen essen täglich. Man muss essen, um gesund, fit und schlank zu bleiben. Dabei geht es nicht um abgemagert dünn, sondern um gesund schlank. Zwar geht mir dieser Fitnesswahn zum Teil doch ziemlich auf die Nerven, aber ich glaube, an dem Slogan „fit is the new skinny“ ist etwas dran. Sicher, ich kann mich nicht mit den Federn schmücken, ich wäre eine ehrgeizige Sportskanone. Das bin ich (noch) nicht. Aber ich kann mir über diese Erkenntnis auf die Schultern klopfen, denn für mich war es sehr schwierig, mir das einzugestehen. Ohne Routine im Essen wird es nichts mit dem sportlichen, gesunden und fitten Leben. Ich muss essen. Täglich. Routiniert.

 

Gib deinem Körper das zurück, was er ist!

Eigentlich muss ich mich gar nicht wundern, warum ich in letzter Zeit ziemlich viel zugenommen habe. Die BP-Phase war gravierend. Sie hat sichtliche Spuren hinterlassen und der Ausgang dieser Phase war vorhersehbar. Hier könnt ihr übrigens noch einmal nachlesen, was es mit den unterschiedlichen Phasen einer Anorexie auf sich hat. Nichtsdestotrotz möchte ich mich nicht durch diese Zunahme unterkriegen lassen. Klar, die Gefahr bestand (und besteht womöglich immer noch), dass mich diese Ängste und die schlechten Gefühle, die ich durch die Zunahme hatte, wieder zum Hungern verleiten. Aber ich frage mich: Ist es das überhaupt wert? Nein! Viel zu oft habe ich es schon erlebt. Hungern, radikal und extrem abmagern, in die BP-Phase rutschen, zunehmen und sich schlecht fühlen. Quasi nach dem Motto: Starving-Losing-Binging-Gaining and Repeat. Ich habe mir viele Gedanken gemacht. Mich gefragt, wie ich leben möchte. Dabei kam ich zu folgendem Conclusio: Ich will aus diesem Strudel ausbrechen. Ein gesundes und normales Leben führen. Doch das wichtigste unter all diesen Wünschen: Ich möchte mich selbst lieben. Mich selbst akzeptieren, wie ich bin. Ich möchte das sein, was ich bin. Ich möchte meinem Körper die Form geben, für die er bestimmt ist. Die mit einer normalen Ernährung zu meiner Ursprungsform führt. In die Form, für die mein Körper geschaffen ist. Sport ist dabei noch gar nicht miteinbezogen. Man sieht immer besser aus, wenn man definierter ist. Das hat mit Schlanksein gar nichts zu tun.

 

Meine ersten Schritte in die richtigen Richtung

Ja, die Zunahme hat mir im Herzen wehgetan. Ich konnte es nicht steuern und ich wünschte mir, ich hätte es niemals passieren lassen. Aber es musste so kommen, denn in einer Essstörung steuert man nicht mehr. Man wird gesteuert. Leider ist das die bittere Wahrheit, mit der ich klarkommen muss. Jede/r Betroffene hat die Kontrolle verloren. Auch diejenige, denen es gelingt, immer spindeldürr zu bleiben. Auswirkungen sind -wie ich es bereits des Öfteren erklärt habe- unterschiedlich. Mich hat es eben auf diese Art und Weise getroffen. Wichtig war, dass ich meine Muster erkenne. Ich weiß, dass ich zwar lange ohne Nahrung auskomme. Dass ich wirklich länger hungern kann, als meine beiden Hände Finger haben. Aber genauso weiß ich, dass es Phasen gibt, an denen ich schwach bin. Egal, ob es das Hungern oder eine Essattacke ist, es passiert MIT mir. Nicht ich steuere es. Ich muss es zwangsläufig mit mir geschehen lassen. Schlussendlich führt all das zu Selbstzweifel, über die ich vor kurzem in diesem Post gesprochen habe. 

Was muss ich also tun, um dem entgegenzuwirken? Ganz genau! Ich darf nicht mehr hungern. Auch wenn mich das Hungern episodisch megadünn macht, es führt auch dazu, dass ich wieder Attacken bekomme. Attacken, in denen alles außer Kontrolle gerät. Die mich wieder zunehmen und noch schlechter fühlen lassen. Fakt ist: Ich war nie glücklich mit meiner Figur. Weder in den spindeldürren Phasen, noch in den Phasen, in denen ich richtig „chubby“ wurde. Weil ich das nicht mehr durchmachen möchte, brauche ich diese Routine. Darum versuche ich täglich, zu essen. Immer mit der Angst im Hinterkopf, es könnte ausarten oder ich könnte mich davor fürchten, noch mehr zuzunehmen. Ich weiß, dass ich da durch muss. Dass ich eine Routine finden muss. Dass meine Ernährung nur dann gesund ist, wenn sie regelmäßig ist. Dass ich nicht dick werde, wenn ich meinem Körper das zuführe, was er braucht. Sondern dass er in seine Ursprungsform, die Form, für die er geschaffen ist, zurückkehrt. Ich muss mir klar werden: Kein Mensch ist von Natur aus dick, wenn er sich gesund und richtig ernährt.

 

Was bisher geschah

Ich kann mich an meine letzte Essattacke nicht mehr erinnern. Sie muss somit schon etwas länger her sein.  Trotzdem habe ich mich in letzter Zeit nicht durch eine besonders gesunde Ernährung ausgezeichnet. Ich bin dem verfallen, was ich mir so lange verboten habe. Habe es nicht mehr kontrolliert. Es geriet sozusagen noch mehr außer Kontrolle. Ich sah mich im Spiegel an und war nicht mehr glücklich. Kurzzeitig dachte ich ans Hungern. Doch dann fasste ich mich an der Nase und fragte mich ernsthaft, ob dadurch alles gut werden würde. Nein, es ist nicht der richtige Weg. Es ist wie ein Durchlauf, der sich immer wiederholt. Ich wollte mein Schicksal nicht besiegeln. Ich will ausbrechen. Die Repeattaste endlich ausschalten. Vor etwa zwei Wochen habe ich nun angefangen, sehr auf meine Ernährung zu achten. Ich habe mir geschworen, es gibt keine Verbote. Verbote führen nur zu einer Ausartung der Extraklasse. Nur esse ich Dinge, von denen ich fürchte, es könnte eine Essattacke geben, nur dann, wenn ich mit jemanden zusammen bin.

Ich esse nun sehr viel Gemüse und andere gesunde Lebensmittel. Meine einseitige Milchschaumernährung gehört fast der Vergangenheit an. Ich pumpe meinen Magen nicht mehr mit Luft auf. Noch vor zwei Wochen bekam ich mein Dirndl fast nicht mehr zu. Heute habe ich es wieder probiert. Es geht problemlos zu. Klar, wenn der Körper mit solchen Mengen auf einmal kämpfen muss, bläht er sich auf (auch wenn das Hungern ein paar Tage gedauert hat). Das hält sehr lange an und man nimmt zu. Langsam geht auch mein Mondgesicht zurück – in seine Ursprungsform. Ich werde wieder aktiver, bin motivierter und nicht mehr so antriebslos. Meine Haare gehen mir zwar nach wie vor aus und es sind weiterhin dickere Strähnen, aber ich muss mir dessen klar sein, dass mein Körper Zeit braucht.

Langsam bekomme ich wieder ein Gefühl für meinen Hunger und das Sättigungsgefühl. Ich merke, wann mein Körper wirklich etwas braucht und wann er nur einen Gusto hat. Wenn ich im Cravingzustand bin, denke ich an Lebensmittel, auf die ich aktuell nicht gerade Lust habe. So mache ich mir bewusst, dass mein Körper momentan keine Nahrung möchte und er nichts braucht.

 

Bin ich nun geheilt? Oder auf dem besten Wege geheilt zu werden?

Ich würde nicht davon sprechen, dass ich geheilt bin. Ich werde immer damit zu kämpfen haben. Aber ich glaube, dass ich langsam den Umgang damit finde, nach dem ich schon so lange gesucht habe. Ich distanziere mich vor Behauptungen, dass ich nie wieder ins Hungern gerate. Das kann schneller passieren, als man denkt. Vor allem weiß ich, wie ich auf Liebeskummer oder Verluste, sowie Stress reagiere. Aber ich lasse es nicht mehr darauf ankommen. Ich bleibe stark! Denn Mädels und Jungs: Wir verdienen nur das Beste. Wir verdienen es, glücklich zu sein. Wir verdienen es unseren Körper zu schätzen und zu lieben. Wir brauchen Mut und Kampfgeist. Und diese zwei Dinge stecken in allen von uns! Nur nicht aufgeben.

 

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6 Comments

  1. Ich finde es wirklich bewundernswert, dass du so offen und sachlich über das Thema berichten kannst, ohne den Eindruck zu erwecken, Mitleid zu wollen, sondern wirklich aufzuklären und deine Fortschritte festzuhalten. Ich wünsch dir auf jeden Fall ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen 🙂

    Alles Liebe, Jacky N.
    vapausblog.wordpress.com

    • Danke, liebe Jacky. Mitleid ist in der Tat das Letzte, das ich erwecken möchte. Ich glaube, wenn mir jemand Mitleid entgegenbringen würde, würde ich mich alles andere als gut fühlen. Schließlich möchte ich zu keinem Häufchen Elend werden. Ich habe mich dazu entschieden, die Sache nach Außen zu tragen, weil ich anderen Mut machen und ihnen helfen möchte. Schön, dass das auch so ankommt. Das freut mich wirklich ungemein 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

    • Oh ja, ich bin wirklich dankbar für die Menschen, die in mein Leben getreten sind. Ich glaube, ohne sie hätte ich es nicht geschafft, bis zu diesem Schritt zu kommen 🙂

      Liebste Grüße und ganz viele Umarmungen zurück 🙂
      Lisa

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