Mein erstes Jahr als Lehrerin

„Guten Morgen! Klassenordner, bitte Tafel löschen!“ Es war wahrscheinlich dieser Satz, den ich in meinem ersten Unterrichtsjahr am häufigsten ausgesprochen habe. Kaum betrat Frau Professor Reiter (und ich spreche hier von mir in der dritten Person) das Klassenzimmer, schweifte der Blick sofort an die vollgekritzelte Tafel. Es war quasi mein Ritual als Lehrerin, wenn meine Stunde begann, dass zuerst immer die Tafel gelöscht wurde. Ihr müsst wissen, ich bin, was Notizen betrifft, trotz meines jungen Alters noch etwas Old School. Wenn etwas ins Heft musste, dann kam es meistens nicht an die Beamerwall, sondern an die Tafel. Damals habe ich übrigens noch „auf die Tafel“ gesagt. Nicht nur sprachliche Barrieren habe ich im Zuge meines ersten Jahres aus dem Weg geräumt. Ich machte auch eine enorme Persönlichkeitsentwicklung durch.

In diesem Beitrag lasse ich mein erstes Jahr als Lehrerin Revue passieren. Dabei gehe ich auch auf eure Fragen ein, die ihr mir auf Instagram gestellt habt.

Lehrerin

Warum ich Lehrerin geworden bin und welche Fächer ich unterrichte

Warum ich Lehrerin geworden bin bzw. Lehramt studiert habe, ist ein alt eingesungenes Lied, welches ich schon während meiner Studienzeit des öfteren am Blog geträllert habe. Lehramt war nicht Plan A, geschweige dem Plan B oder C. Auf meiner Liste der potentiellen Berufe, die mir gefallen würden, stand Lehramt eigentlich ganz unten. Journalismus, Meteorologie und Rechtswissenschaften waren Studienrichtungen, die ich zuerst angepeilt hatte. Für das Journalismusstudium wurde ich leider nicht angenommen (trotz erfolgreicher schriftlicher Bewerbungsverfahren), Meteorologie gibt es nur in Wien und mit Rechtswissenschaften habe ich zum Schluss stark gehadert. Letztendlich entschied ich mich vor allem aus demographischen Gründen für das Lehramtsstudium.

Meine Fächer hingegen ergaben sich aus reinem Interesse. Psychologie faszinierte mich bereits in Jugendtagen. Geographie fand ich einfach cool und korreliert zumindest etwas (in physiogeographischer Hinsicht) mit Meteorologie.

Meine Bewerbung an den Schulen

Oft wurde ich gefragt, ob ich lange nach einer Stelle für mein Unterrichtspraktikum (im folgenden UP genannt) gesucht habe. Die Antwort ist nein. Aber das liegt auch daran, weil ich mich bereits im Oktober 2017 für das Schuljahr 2018/2019 beworben habe. Ich war relativ früh dran und hatte einen Vorsprung, weil ich das UP ein Jahr nach meinem Uniabschluss (gewollt) gemacht habe. Natürlich bekam ich Absagen, aber auch Zusagen an zwei anderen Schulen. Heute weiß ich, dass ich mich für die richtige Schule entschieden habe.

Eine UP-Stelle zu bekommen ist je nach Zeitpunkt relativ leicht. Hingegen ist es jetzt schwierig, eine Stelle als Lehrerin zu bekommen. Vor allem mit meinen Fächern habe ich mir Steine in den Weg gelegt. Psychologie und Philosophie wird nur in zwei Schulstufen und darüber hinaus auch nur an der AHS, an der BAFEP und HLW als Fach unterrichtet. Darüber hinaus ist mir auch der Arbeitsort wichtig. Natürlich verlangt der Lehrberuf heutzutage eine gewisse Flexibilität und „Reisebereitschaft“, aber das ist bei mir momentan nicht gegeben. Mitunter einer der Gründe, warum ich nun eine Zeit lang andere berufliche Wege einschlagen werde. Jedoch ist das nicht der einzige Grund. Darauf werde ich allerdings noch eingehen.

Lehrerin

Die Schüler und das Kollegium

In der Hinsicht muss ich mich einerseits aus Datenschutzgründen, andererseits aber auch aus Respekt gegenüber meiner Schule, meinem Kollegium und auch meinen SchülerInnen etwas bedeckt halten. Allerdings wurde mir folgende Frage auf Instagram gestellt:

Hast du das Gefühl, dass man sich den Respekt der Schüler und Kollegen erarbeiten muss?

Instagram

In der Hinsicht kann ich sagen: es kommt drauf an. Ich persönlich hatte wirklich Glück. Alle Unterrichtspraktikanten wurden vom Kollegium herzlich aufgenommen und von Tag 1 an wie vollwertige Kollegen behandelt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich nun anders behandelt wurde, nur weil es mein erstes Unterrichtsjahr war. Vielleicht hatte ich als Unterrichtspraktikantin auch noch Welpenschutz. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es von den einzelnen Schulen abhängt, was das Kollegium betrifft. Ich habe da auch viele andere Geschichten gehört. Bei mir war es so, dass ich meinen festen Platz im Lehrerzimmer hatte und mich gut mit den anderen verstand. Auch meine Mentorinnen begegneten mir auf Augenhöhe und gaben mir wertvolle Tipps. Ich wurde immer aufgeklärt, woran ich (an mir oder meinen Methoden) arbeiten musste und wurde unterstützt. Trotzdem bekam ich genug Freiheiten, den Unterricht so zu gestalten, wie ich es wollte.

Bei den Schülern ist das natürlich eine andere Sache. Selbstverständlich machte ich mir einen Kopf, ob ich von meinen beiden Klassen respektiert werden würde. Vor allem als junge Lehrerin macht man sich diesbezüglich viele Gedanken. Meine älteren Schüler waren maximal zehn Jahre jünger als ich. Ich ging jedoch immer mit der Einstellung in die Klasse, dass ich nichts besseres bin, nur weil ich studiert habe und nun die Lehrerin bin. Von Anfang an habe ich versucht, meinen Schülern das Gefühl zu geben, dass ich sie ernst nehme, dass ich auch ihre Schwächen ernst nehme und es mir vor allem darum geht, sie weiterzubringen und ihnen nichts schlechtes zu wollen.

Ich bin generell kein allzu strenger Typ, was mir natürlich zum Verhängnis hätte werden können. Letztendlich denke ich jedoch, dass mir gerade das zugute kam. Ich wollte meinen Schülern immer das Gefühl vermitteln, dass ich sie genauso respektiere und ernst nehme. Ich schätze, dass das bei ihnen angekommen ist. Natürlich war es auch einmal lauter in der Klasse und nicht immer war die Konzentration zu 100 Prozent gegeben. Aber das ist doch normal, schließlich sitzen Kinder und Jugendliche vor dir. Nur weil ich jetzt die Lehrerin bin, heißt das noch lange nicht, dass ich meine eigene Schulzeit und mein Verhalten vergessen habe. Ich war damals ähnlich.

Dass mich meine Schüler mögen, haben sie mir vor allem bei den Unterrichtsbesuchen der Direktion bewiesen. Das wäre für sie nämlich die perfekte Gelegenheit gewesen, mir Steine in meine beruflichen Wege zu legen und mir eines auszuwischen. Doch gerade in der Situation zeigte sich eine hohe Kooperationsbereitschaft und tolle Zusammenarbeit.

Lehrer

Meine Doppelrolle: Lehrerin vs. Influencer

Hast du Angst, dass deine Schüler dich auf Social Media entdecken oder wäre es schlimm?

Instagram

Mir war von Anfang an bewusst, dass meine Bloggeridentität nicht lange geheim bleiben würde. Im Zeitalter von Google und Co. muss man sich im Klaren sein, dass man auch im Netz entdeckt wird. Für mich war es somit nur eine Frage der Zeit, bis sie „mycafeaulait“ kennenlernen würden. Neulich traf ich zufällig auf eine Schülerin meiner Oberstufenklasse. Ich fragte sie, wann sie mich eigentlich auf Instagram entdeckt hätten. Innerhalb von zwei Wochen war ich somit nicht mehr inkognito. Jedoch hielt sich meine Oberstufenklasse immer sehr bedeckt, was das Thema betrifft.

Meine Unterstufenklasse hingegen blieb nicht ganz so diskret. Jedoch war es mir immer wichtig, dass ich in der Schule zu 100% Frau Professor Reiter bin. Meine Bloggeridentität hatte in den schulischen Räumlichkeiten nichts zu suchen. Darum ging ich auch nie näher auf Fragen ein. Problematisch war mein Nebenberuf eigentlich nicht wirklich.

Lehrerin

Wie ist es mir ergangen?

Es kam oft die Frage, ob ich nervös war, ob etwas schiefgegangen ist, ob ich Angst hatte, etc.

Selbstverständlich war ich vor meinen ersten Malen nervös. Am meisten Sorgen machte ich mir um meine Fachkompetenz. Für mich war das plötzlich so unvorstellbar, meine Fächer zu unterrichten. Am meisten Angst hatte ich vor Fragen, die ich eventuell nicht beantworten könnte. Das kam natürlich auch vor, aber erstaunlich selten. Mir selbst war gar nicht so klar, dass mein Studium meine Fachkompetenz sehr gut geschult hatte. Außerdem machte ich mir Sorgen, was die Zeit betrifft. Ich hatte höllische Angst davor, dass ich lange vor Schluss mit meinem Unterricht fertig sein würde und ich dann nicht mehr wüsste, was ich tun sollte. Letztendlich war es allerdings immer so, dass ich zu viel geplant hatte.

Mit der Zeit kommt man allerdings rein. Man lernt die Schüler kennen und weiß, wie lange man für eine Aufgabe einberechnen muss, wie viel Zeit sie für das Mitschreiben brauchen und welche Unterrichtsmethoden sich für welche Klasse eignen. Man muss absolut keine Angst vor dem Job haben. Irgendwann verfliegt die Nervosität und es wird zur Routine. Aber im positiven Sinne. Durch diese Routine wird man nämlich lockerer, ist auch mal für ein Späßchen zu haben und man kann adäquat planen.

Schiefgegangen ist bei mir bestimmt mehr als genug. Aber dafür war das UP da (großer Fehler, dass es das nicht mehr gibt). Das hat Missgeschicke erlaubt, denn dafür gibt es auch Mentoren. Diese haben mich auf Fehler aufmerksam gemacht und ich konnte daran arbeiten. Mein erster Psychologietest war beispielsweise viel zu schwer und mein Fragensystem für Schüler vielleicht etwas zu verwirrend (ich bezog mich nämlich auf die Methode eines Uniprofessors, ganz großer Fehler). Manchmal hat auch die Technik gehapert und für Stationenbetriebe bin ich nicht gemacht (da sind beide in die Hose gegangen). Kleine Fehler kommen immer mal wieder vor. Solche Hoppalas passieren eben. Solange es nichts gravierendes (mit Schülerschaden) ist, ist es auch nicht allzu schlimm. Und etwas gravierendes ist mir Gott sei Dank nicht passiert.

Niemand reißt dir den Kopf ab, wenn eine Unterrichtsmethode vielleicht doch nicht so gut funktioniert. Wichtig ist, dass du aus dem Fehler lernst und es beim nächsten Mal einfach besser machst. Auch Lehrer sind nicht perfekt. Wir werden plötzlich nicht als unfehlbare und allwissende Götter angesehen. Wir müssen auch nicht zur absoluten Perfektion mutierten. Ganz im Gegenteil. Gerade die menschliche Seite schafft eine gute Basis für eine funktionierende Lehrer-Schüler-Beziehung.

Warum ich nicht mehr im Lehramt bleibe

Diese Frage kam sehr häufig – gerade von vielen Lehramtlern, deren Leidenschaft in diesem Beruf steckt. Ich muss zugeben: mir hat das Lehramt immer Spaß gemacht. Ich bin gerne in meine Klassen gegangen und unterrichtete mit Freuden. ABER – ich persönlich sehe mich mit 27 Jahren noch nicht im Klassenzimmer. Es gibt so viele berufliche Richtungen, die mich interessieren und ich bin nicht mit vollem Herzen dabei. Und gerade das macht für mich einen guten Lehrer aus. Es wäre unfair gegenüber den Schülern, wenn ich für diesen Beruf nicht brennen würde. Ich weiß zwar, dass ich trotzdem guten Unterricht mit Mehrwert machen würde, aber ich spüre, dass es mich jetzt noch nicht erfüllen würde. -HIER- habe ich auch schon einmal darüber geschrieben.

Durch den Blog und meinen kreativen Arbeiten habe ich gemerkt, dass ich eine noch größere Leidenschaft habe. Darum gehe ich nun ins Online Marketing und sammle andere berufliche Erfahrungen. Aber ich kann mir vorstellen, irgendwann in die Schule zurückzukehren. Der Job hat mir schließlich Spaß gemacht, aber ich sehe mich erst frühestens in zehn Jahren im Klassenzimmer. Gerade für Fächer wie Geographie und Wirtschaftskunde ist es von großer Bedeutung, auch andere berufliche Perspektiven und Jobs kennenzulernen. Es ist Teil meines Faches, dass ich Wirtschaft unterrichte. Ich kenne mich zwar recht gut aus und mag Wirtschaft, aber wenn ich aus dem echten Berufsalltag in der Privatwirtschaft erzählen kann, bringt das meinen Schülern bestimmt einen höheren Mehrwert. So lerne ich auch etwas anderes außerhalb der Schule kennen, was nicht nur mir, sondern auch meinen zukünftigen Schülern zugute kommen wird. Plus: ich erweitere meinen Horizont.

Ansonsten muss ich auch noch mit dem Ammenmärchen aufräumen, es herrsche Lehrermangel. Das stimmt, zumindest im AHS und BHS Bereich, nicht. Wenn keine Jobs verfügbar sind, dann werde ich auch keinen im Lehramt bekommen. Es war damit so oder so von vornherein klar, dass ich eine Zeit lang etwas anderes machen muss, selbst wenn ich jetzt schon gerne im Lehramt geblieben wäre. Dass ich sowieso andere berufliche Perspektiven kennenlernen möchte, machte es einfacher, mich damit abzufinden. Obwohl mir in den letzten beiden Schulwochen schon etwas das Herz blutete. Vor allem, weil ich meine Klassen, die ich in dem Schuljahr doch sehr lieb gewonnen habe, wieder abgeben musste.

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Fazit meines ersten Jahres als Lehrerin

Ich ging mit Nervosität in die Schule hinein und kam als gewachsene Persönlichkeit wieder heraus. Ich habe mich in diesem Jahr stark verändert, aber in eine positive Richtung. Meine Persönlichkeit ist gewachsen, sie hat sich verfestigt und ich wurde durch diesen Beruf auch etwas geerdet. Ich habe zudem völlig neue Weltanschauungen gewonnen. Mich bringt so schnell nichts mehr aus der Fassung. Die Routine in diesem Beruf kommt schneller, als man denkt. Ich hatte viele erfüllende Momente, habe viel dazugelernt und sehe mich inzwischen als richtige Lehrerin an. Ich bereue es keineswegs, Lehramt studiert zu haben, denn dieser Abschluss ist eine gute Basis für mein späteres Leben.


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Bilder via unsplash.com

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3 Comments

  1. Ein schöner Einblick, ich lese solche Erfahrungen total gerne. Auch spannend war für mich, wie du deine Influencer Dasein mit dem Lehrberuf vereinbaren könntest und offen damit umgegangen bist.

    Ich wünsche dir für die nächste Starion alles Liebe! 🌸

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