Meine ersten Monate als Unternehmerin

Meine ersten Monate als Unternehmerin

Das erste Fazit

Mein erstes Zwischenfazit als Unternehmerin. Hier erfährst du alles über meine ersten Herausforderungen & Hürden. 

„Bevor du dich selbstständig machst, weißt du, dass es ein oder zwei Dinge gibt, an denen du arbeiten musst. Wenn du selbstständig bist, siehst du die 50 weiteren Baustellen!“ Mit diesen Satz beglückte mich mein Geschäftspartner, nachdem ich meinen Job als Angestellte aufgegeben habe. Es stimmt. Zwar wusste ich bereits vor diesem großen Schritt, dass ich an einigen Eigenschaften arbeiten muss, die noch nicht ganz unternehmertauglich sind – wie viele es tatsächlich sind, hat mich überrascht. Und diese Überraschung kam erst dann, als die ersten Hebel bereits in Bewegung gesetzt wurden und ich inmitten meiner Selbstständigkeit war. Das hat mich natürlich verunsichert, doch als ich von vielen Unternehmerseiten zu hören bekommen habe, es sei ganz normal, wurde die Unsicherheit weniger. 

Aber nicht nur die vielen Learnings prägten die erste Zeit meiner Selbstständigkeit. Wir (und hier spreche ich von meinem Freund, auch selbständig und mir) wurden vor eine ganz andere Herausforderung gestellt, die uns einiges abverlangt hat.  

Mein Leben als Unternehmerin
Mein Leben als Unternehmerin

Herausforderung 1: Out of my Comfort Zone

An keinem einzigen Tag habe ich die Entscheidung, mich selbstständig zu machen, bereut. Zwar mögen erst zweieinhalb Monate vergangen sein und dementsprechend ist der Zeitpunkt für ein Zwischenresümee sehr früh, aber nach wie vor bin ich der Überzeugung, den richtigen Weg zu gehen. Ich bin nicht der Typ Mensch, der bereits nach kurzer Zeit resigniert. Viel lieber kremple ich die Ärmel hoch und lege noch eine Schippe Geschwindigkeit oberndrauf, wenn ich das Gefühl der Stagnation habe. Plus: Durchhaltevermögen ist bei einer Unternehmensgründung das A und O. Ohne kommt man nicht weit. Es ist ganz normal, dass besonders am Anfang schon die ersten Zweifel aufkeimen. Diese Zweifel haben aber weniger einen monetären Hintergrund, sondern eher einen emotionalen. 

In dieser ersten Zeit hatte ich genügend Erlebnisse, die ich als herausfordernd empfunden habe. Ja, diese Tage sind schwer. Vor allem, wenn es darum geht, die Nerven zu behalten. Ohne mein supportives Umfeld hätte ich sie wahrscheinlich schon längst verloren. Aber nicht nur das Umfeld allein ist wichtig, sondern auch, dass ich mich selbst an der Nase nehme und mich durch diese Zeit führe. 

Doch was macht das Unternehmertum so herausfordernd, wenn es nicht der monetäre Hintergrund ist? So viel sei gesagt: natürlich spielt Geld im Unternehmertum immer eine entscheidende Rolle. Von Anfang an – denn gerade zu Beginn ist es normal, dass höhere Summen investiert werden müssen, was mit den Einnahmen häufig nicht deckungsgleich ist bzw. was mich noch stärker von den Einnahmen abhängig macht. Es darf nicht vergessen werden: wir sind keine Freelancer, sondern bauen ein Unternehmen auf, das höhere Kosten verursacht. Mitunter einer der Gründe, warum ich mir erst Kapital aufbauen wollte, um mich selbstständig zu machen. Rücklagen sind das A und O. Als Unternehmen gleichermaßen, wie als Freelancer – auch wenn Freelancer höchstwahrscheinlich und je nach Branche geringere Fixkosten bezahlen müssen. 

Darüber hinaus ziele ich mit meinem Unternehmen nicht nur darauf ab, ausschließlich von der Auftragslage abhängig zu sein – ich möchte uns auch passive Einnahmequellen verschaffen. Bis diese rentabel sind, ist meistens eine Vorlaufzeit notwendig. Während dieser Vorlaufzeit wird kein aktives Einkommen generiert – zumindest was das Projekt betrifft. 

Trotzdem gab es keinen einzigen Tag, an dem ich nicht mit Freude an meinen Aufgaben gearbeitet habe. In keinem Beruf war ich bisher so produktiv und motiviert, wie als Creative Director in unserer Agentur FYNEST. Inzwischen habe ich auch entdeckt, wie viel Selbstdisziplin an dem Tag legen kann, wenn ich einen Sinn in einer Aufgabe sehe und das tue ich als Unternehmerin zu 100%. Ich hatte Angst davor, dass mangelnde Selbstdisziplin ein Hindernis sein könnte, aber das ist es nicht. 

Meine zuvor angesprochenen Baustellen hingegen liegen außerhalb meiner Komfortzone. Ich besitze ein ambivertes Naturell – erst wenn ich Menschen besser kenne, verschwindet meine introvertierte Ader und mündet in Extraversion. Kalt-Akquise und Verkaufsgespräche sind nicht meine Stärke – aber zum Glück ist unser Team genauso angepasst, dass jegliche Stärken vorhanden sind. Ich bin auch sehr gutherzig und muss mich jedes Mal aufs Neue dazu überwinden, mehr Biss an den Tag zu legen und auch mal „Nein“ zu sagen. Ich kann es nicht immer allen Recht machen. Doch alleine in diesen beiden Monaten bin ich so oft aus meiner Komfortzone ausgebrochen, auch wenn es oft Überwindung gekostet hat. Ich habe gelernt, dass ich mir die Fähigkeit für Verkaufsgespräche erst aneignen muss und dass mich Erfahrung sattelfest macht. Auch das „Nein“-Sagen ist ein Learning, genauso wie der Biss, härter zu werden. Doch mit jeder neuen Erfahrung verbessern sich auch meine Skills, darum darf man auch nie den Kopf in den Sand stecken. 

Herausforderung 2: Hinterhalt statt Rückhalt

Bei diesem Punkt habe ich lange überlegt, ob und wie ich ihn ansprechen soll. Zu allererst: wir sind ein großartiges Team und halten intern fest zusammen. Zudem hat sich auch mein Freund inzwischen komplett selbstständig gemacht. Er baut seine Firma seit vier Jahren auf. Nun hat er sich getraut, seinen Job aufzugeben, um seinen Traum zu leben. Wir beide unterstützen uns gegenseitig und bauen uns regelmäßig einander auf. Wir sagen uns mehrmals am Tag, wie stolz wir auf den anderen sind und halten fest zusammen. Trotzdem mussten wir beide auch spüren, dass nicht jeder hinter uns steht. Unsere Eltern, Geschwister und Großeltern haben unsere Entscheidung bereits akzeptiert – hier können wir uns auf Rückhalt und Unterstützung verlassen. Doch leider wurden wir in unserem näheren Umfeld auch mit Gegenwind konfrontiert. Den Umgang damit mussten wir erst lernen. Wir können verstehen, wenn Sorgen geäußert werden, schließlich ist die Selbstständigkeit ein großer Schritt und mit Risiko verbunden, aber dass wir teilweise auch bewusst niedergemacht werden, damit haben wir ehrlich gesagt nicht gerechnet. Wenn Hinterhalt spürbar wird, wird gleichzeitig bewusst, wie wichtig Rückhalt ist. Wir haben beide großes Glück, dass wir auf unsere Freunde und auf die Kernfamilie zählen können. Dass sie für uns da sind und uns gut zureden. Uns aufbauen, ihre Hilfe anbieten und uns auf die Art und Weise unterstützen, die jedem nur irgend möglich ist. 

Ich sehe das ganze inzwischen locker. Natürlich hat mir das am Anfang wehgetan. Vor allem sind viele hinterhältige Aktionen hinter unserem Rücken passiert. Letztendlich hat das nur dazu geführt, dass wir im FYNEST-Team stärker zusammenhalten und für die Beziehung zu Daniel und mir war es, auch wenn es komisch klingt, eine Bereicherung. Es hat uns noch enger zusammengeschweißt und uns gezeigt, dass zwischen uns nicht einmal ein dünnes Blatt Papier passt. Wir wissen stets, dass wir uns in unserer Partnerschaft aufeinander verlassen können und wir uns gegenseitig den stärksten Halt geben. Wir für unseren Teil haben beschlossen, dass wir nur noch die Menschen in unser Leben lassen, die für uns und nicht gegen uns sind. Und genauso handhaben wir das nun auch: wir unterstützen die Menschen ebenso, die uns unterstützen. Zwar arbeiten wir nicht gegen die Menschen, die gegen uns arbeiten, aber wir geben ihnen in unserem Leben keinen Platz mehr. Es würde nur unnötig unsere Energie verschwendet. Und wie sagen wir so schön: wenn sie über dich reden, dann musst du irgendetwas richtig machen. Sonst würden sie nicht über dich reden! 

Published by

Ich habe meinen Job gekündigt
Prev Ich habe meinen Job gekündigt, um endlich meinen Traum zu leben!

Leave a comment

Datenschutz
, Inhaber: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
Datenschutz
, Inhaber: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.