Tag : Alicia Keys ungeschminkt

Ich bin auch ungeschminkt schön

 

Als sich Alicia Keys im Sommer letzten Jahres ungeschminkt bei den MTV Video Music Awards präsentierte, zeigten sich die Medien empört. Wie kann es ein internationaler Superstar wagen, sich so „nackt“ auf den roten Teppich zu präsentieren? Sie löste damit einen unglaublichen Medienrummel rund um das Thema „No-Make-Up“ aus. Während die eine Seite sie und ihren Look als Revolution feierte, fragte sich die andere, wie es um die Gesundheit von Frau Keys bestellt sei. Krank sehe sie aus, las man überall. Egal auf welcher Seite man sich befand: Dieser Auftritt bot genügend Gesprächsstoff, für Medien, genauso wie für Tratschtanten und „Ich-Schreibe-In-Jedes-Forum-Liebhaber“.

 

No Make Up

…oder doch lieber eine Verkleidung?

Die Intention, warum sich Alicia Keys fortan ausschließlich ungeschminkt zeigt, versteckt sich hinter dem Gedanken, nur noch ihre wahre Schönheit zu präsentieren. Im Grunde genommen eine richtig tolle Sache. Aber es bringt mich auch irgendwie zum Nachdenken. Nicht, dass ich wahnsinnig viel Zeit mit dem Thema Make-Up verschwende, nein, aber mir ist aufgefallenen, dass sich die Meinungen zu Make-Up und Schminken in zwei Extremrichtungen entwickeln. Dadurch entstehen zwei Lager: Das eine setzt sich aus sogenannten Beautygurus oder Wannabe Beautygurus zusammen und das andere aus den extremen Gegnern, die Make-Up als eine Art Rückschritt in der Geschichte der Emanzipation betrachten.

Ich selbst habe Make-Up jahrelang genutzt, um mich zu verstecken. Dekorative Kosmetik war für mich der Schlüssel zu einem neuen Selbstbewusstsein. Ungeschminkt konnte ich mich nicht ertragen. Ich wäre nicht einmal ungeschminkt in den Supermarkt gefahren, um nur mal schnell Milch zu holen. Es war die Zeit, in der ich mich täglich für die Schule schminkte. Wenn meine Foundation an einem Schultag leergegangen wäre, hätte ich aus Scham wahrscheinlich geschwänzt. Make-Up war für mich das Lebenselixier, um mich als vollwertige Frau zu fühlen. Dabei habe ich mich allzuoft nur verkleidet. 

 

Ungeschminkt

 

Geschminkt oder Ungeschminkt?

Damals wäre ich definitiv in das Lager Wannabe Beauty Guru eingeordnet worden. Hätte ich kein Make-Up getragen, hätte man mich -so bildete ich es mir selbst ein- für krank gehalten. Oftmals hatte ich auch das Gefühl, dass Frauen nur dann Akzeptanz erfahren, wenn sie schön genug sind. Und Schönheit definierte man damals stark mit Make-Up. Dieses Gefühl habe ich zum Teil heute noch, doch ich bin selbstbewusster geworden, um mich nun auch selbst zu akzeptieren. Das war früher nicht so, bis ich vor zwei Jahren die wahre Bedeutung von Make-Up gelernt habe. Make-Up ist nicht dazu da, um sich zu verstecken, Make-Up ist auch nicht dazu da, um sein Selbstbewusstsein durch eine Maskerade zu pushen. Make-Up ist dazu da, um seine eigene Schönheit zu unterstreichen und die Dinge, die man besonders an sich mag, hervorzuheben. Und man sollte auch dann nur zu Make-Up greifen, wenn man es selbst möchte und nicht, um irgendeinen Gesellschaftszwang gerecht zu werden.

Entweder wird Make-Up verteufelt oder es wird ihm eine zu große Bedeutung zugeschrieben. Ich finde beide Ansichtsweisen sehr schade. Wenn ich einmal kurz zum Einkaufen fahre, habe ich keine Probleme damit, es ungeschminkt zu tun. Gleichzeitig schminke ich mich aber, wenn ich vor habe, länger unterwegs zu sein, zum Beispiel wenn ich an die Uni fahre. Bin ich deswegen ein schlechtes Vorbild, weil ich mich für die Unibibliothek schminke? Nein, denn wenn ich mich für Alltagssachen schminke, dann meistens immer noch so, dass ich praktisch als ungeschminkt durchgehen kann. (Auf dem 2. Foto bin ich übrigens schon geschminkt). Ich pinsle mir damit kein Selbstbewusstsein auf, denn mein Selbstwertgefühl ist mittlerweile so gewachsen, dass ich es vollkommen okay finde, mich auch ungeschminkt öffentlich zu zeigen – sogar im Internet. Ich tue es für mein persönliches Wohlbefinden und nicht für andere. 

 

 

Tue das, wonach dir ist. Es ist dein Körper!

Schönheit definiert sich nicht durch ein makelloses Äußeres. Schönheit strahlt man aus. Jeder Mensch ist schön, egal ob geschminkt oder ungeschminkt. Wer sich nicht schminken möchte, muss das nicht tun, nur um es der Gesellschaft recht zu machen. Selbstbewusstsein erlangt man nicht durch ein bisschen Foundation. Selbstbewusstsein erlangt man durch Erfahrungen und durch die Bereitschaft an sich selbst zu arbeiten. Das hat nichts mit Äußerlichkeiten zu tun. Bleibe ungeschminkt, wenn du dich so am wohlsten fühlst. Unterstreiche mit wenigen Produkten deine Schönheit, wenn du es tun möchtest. Kleistere dich zu wie ein Papagei, wenn dir danach ist. Es ist kein emanzipatorischer Rückschritt, solange du es nur dann tust, weil du es so möchtest und nicht, weil du dich als Frau dazu verpflichtet fühlst.

Make-Up bedeutet nicht immer zwangsläufig, dass man nicht zu sich selbst steht. Es bedeutet auch, dass man die Freiheit hat, es zu nutzen oder auch nicht zu nutzen, wenn man es nicht möchte. Man muss sich nicht schlecht fühlen, nur weil man ständig ungeschminkt herumläuft. Das tut nichts zur Sache. Nutze dein schönstes Accessoire – dein Lächeln und trage dein Gesicht mit Stolz. Egal ob es geschminkt oder ungeschminkt ist.

Wer noch mehr Lisa in Natura sehen möchte, sollte unbedingt mein neues Video auf YouTube anschauen. Hier zeige ich euch meine Morgenroutine 2.0. Klick rein!