Tag : Anorexie

My Grocery Shopping Desaster

Der Lebensmitteleinkauf war nie ein großes Problem für mich. Als ich mich noch ausschließlich von H-Milch und Sojamilch „ernährte“; mir dazwischen ein paar zuckerfreie Energy Drinks und Cola light hinunterschüttete; Kaugummi lange Zeit das Einzige war, was ich hinter die Beißer bekam, war der Lebensmitteleinkauf schnell erledigt. Zwischendurch nutzte ich die Gelegenheit und prüfte, welche Neuheiten es im Sortiment gibt. Hat Ben & Jerry’s eine hypeverdächtige neue Sorte rausgebracht? Wie ist das aktuelle Angebot an Diätlebensmittel? Kommt das vegane Sortiment mit dem Fortschritt voran?

Manchmal war ich neugierig; überprüfte neurotisch die Kalorien, aber gekauft habe ich, außer meine gewohnten Sachen, nichts. Hin und wieder stellte ich mir an der Kassa die Frage, ob ich den Kassiererinnen bereits auffällig geworden bin. „Hey, das ist ja die mit der H-Milch.“ Machten sie sich Gedanken dazu? Ich versuchte, immer zu einer anderen zu gehen. Manchmal war ich peinlich berührt; manchmal ließ es mich kalt. Ich fühlte mich ein bisschen wie die weibliche Version von James Bond auf einer geheimen Mission.

Auch in den ersten beiden Episoden meiner Anorexie liebte ich es, mich in sämtlichen Supermärkten aufzuhalten. Für mich diente es zur Information, aber auch zur Beruhigung. Eine wahre Oase der Entspannung. Zwischen all den Lebensmitteln, die ich damals nur in Kalorien, Kohlehydrate, Zucker und Fett eingeteilt hatte, fühlte ich mich Zuhause. Gut aufgehoben und irgendwie auch geborgen. Ich aß mich quasi an den Lebensmitteln satt, indem ich sie nur anstarrte und unter die Lupe nahm. Für „Normalsterbliche“ muss das banal klingen; für mich irgendwie auch, wenn ich darüber nachdenke. Doch es war eine Obsession. Quasi eine Zwangsneurose in der Sucht. Mit Argusaugen hielt ich Ausschau nach neuen kalorienärmeren Alternativen; studierte eine Nährwerttabelle nach der anderen, nur um dann wieder alles zurückzulegen und mir meine gewohnte Ration Magertopfen zu holen.

 

Ich verbrachte Stunden in Supermärkten.

 

Immerhin -und das muss ich mir auf eine seltsam bizarre Art und Weise lobend eingestehen- habe ich feste Nahrung gegessen. Das Wort „lobend“ klingt hier genauso banal, wie der Mythos, Fett würde dick machen. Dennoch -und das sage ich nun aus einer retrospektiven Perspektive- war ich damals fortschrittlicher gesinnt, als ich es jetzt lange Zeit war.

Nun stehe ich wieder am Anfang. Auf der Suche nach der richtigen Richtung in ein gesünderes Leben ist es unumgänglich, mich mit dem Lebensmitteleinkauf auseinanderzusetzen. Als ich mich dazu entschlossen habe, meine Ernährung in die richtigen Bahnen zu lenken, freute ich mich sogar darauf, wieder wie ein „normaler“ Mensch einkaufen zu gehen.

Der erste Einkauf lief problemlos. Gewappnet mit einer Einkaufsliste mit vorerst „sicheren“ Lebensmittel, die mir trotzdem genügend Nährstoffe geben würden, machte ich mich auf ins fröhliche Shoppinggetümmel. Doch mit dem zweiten und dritten Einkauf wurde die Sache plötzlich schwieriger. Auf unerklärliche Weise fühlte ich mich unwohl zwischen all den Lebensmitteln, die mir zu einer gesünderen Lebenseinstellung verhelfen sollen. Es begann mit leichteren Unbehaglichkeitsgefühlen, gemischt mit einer Unsicherheit, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Von Mal zu Mal dauerten die Einkäufe länger – bis es zu meinem letzten Lebensmitteleinkauf kam. Und dieser hatte es in sich.

 

 

Planlos im Supermarkt

Zwei Stunden gefangen im Labyrinth der Kalorien

Ich schäme mich fast, es hier zu offenbaren, aber mein letzter Lebensmitteleinkauf hat fast zwei Stunden gedauert. Klingt erstmal nicht ungewöhnlich, ABER: Es war weder ein Groß-, noch ein Wocheneinkauf. Oder irgendwie schon, habe ich mir doch anfangs brav einige Vorräte angehäuft, die immer griffbereit im Vorratsschrank stehen, damit ich nicht einmal in die bittersüße Versuchung des Hungers komme. Trotzdem betrug die Endsumme mickrige zehn Euro. Von großen Sprüngen und vollen Einkaufswägen kann man somit nicht sprechen.

Schon bei den letzten Einkäufen fühlte ich mich leicht überfordert, brachte es jedoch noch zustande, einen klaren Kopf zu behalten. Ich weiß nicht, welche chemische Reaktion plötzlich in meinem Kopf ausgelöst wurde oder ob die anorektische Stimme in mir wieder zum Vorschein gekommen ist. Meine Synapsen haben sich bei diesem Einkauf grob verschalten. Da gab es keine rationale Lisa mehr, sondern ein hilfloses kleines Kind, das vor dem Süßigkeitenregal stand und überlegte, welche eine Süßigkeit es nehmen soll, die Mama erlaubt hat. Nur dass die Süßigkeiten bei mir Magerjoghurt war.

 

Wenn alte Verbote wieder aufleben

Ein plötzlicher Throwback zu meiner Verbotsliste

Es begann beim Regal des veganen und vegetarischen Sortiments. Wie automatisiert studierte ich die Nährwerttabelle. Etwas, das in mir einprogrammiert ist, wie sonstige genetisch bedingte oder angeeignete Verhaltensweisen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, meine Lebensmittel nur noch nach dem Proteingehalt zu überprüfen. Nachdem ich eine enorme Masse an Muskeln einbüßen musste, wollte ich für den Anfang auf eine High Protein Ernährung setzen, Kohlehydrate und Fette jedoch nicht meiden. Der Fokus lag jedoch auf Proteinen. Irgendwie wollte es mir noch nicht so ganz gelingen, genügend davon zu mir zu nehmen.

Wie in Trance blieb ich dann doch bei den Kalorien hängen. Und bei den Fetten. Und beim Zucker. Über 100 Kilokalorien bei 100 g? Meine alte Verbotsliste aus schweren anorektischen Tagen ploppte in meinem inneren Auge auf. Diese imaginäre Liste stürzte mich ins Grübeln. Soll ich oder soll ich nicht? Der Proteingehalt stimmte, die Kalorien weniger. Zwischendurch überlegte ich mir, wie ich es am Vortag schaffte, spontan die Baby Bells zu kaufen, als ich mir nur mal schnell was zu trinken holen wollte. Wie konnte ich mich nur innerhalb von 24 Stunden so gravierend ändern?

 

Grocery Shopping Desaster

 

Es gibt keine verbotenen Lebensmittel mehr

Wenn man seinen eigenen Schwur nicht brechen möchte

Ich nahm die Produkte immer wieder in die Hand. Legte sie zurück. Nahm sie wieder in die Hand und entschied mich, sie ins Einkaufskörbchen zu legen. Ich ging weiter. Irrte von Regal zu Regal. Überlegte, durchdachte, ging wieder zurück. Überlegte nochmal, legte wieder zurück. Ein Gefühl von Panik überkam mich. Die Luft wurde mir zugeschnürt.

Es klingt wie die Übertreibung des Jahrhunderts, war es doch nur ein simpler Lebensmitteleinkauf. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, wird mir klar, wie verrückt sich das alles für euch anhören muss. Ich muss sogar ein bisschen über mich selbst schmunzeln. Gleichzeitig treibt es mir auch die Schamröte ins Gesicht. Aber -und das muss ich dazu sagen- diese Dinge steuere nicht ich. Diese Dinge steuert die Unsicherheit, die eine Essstörung in mir ausgelöst hat. Ich bin deswegen nicht verrückt, auch wenn es sich so anhört. Es ist ein typisches Symptom dieser Krankheit und gehört dazu, wie der Schnupfen zur Grippe.

Irgendwann -und da war ich schon eine ganze Weile im Supermarkt- wurden meine Gedanken klarer, nachdem ich zum x-ten Mal in der Nudelabteilung stand und mich mit Low-Carb-Pasta beschäftigte.

 

„Was mache ich da?“

 

Grimmig legte ich die Low-Carb-Pasta ins Regal, stapfte trotzig zum veganen Sortiment und nahm mir endlich das pflanzliche Schnitzel, das zuvor „viel zu viele“ Kalorien hatte; auf das ich aber, um ehrlich zu sein, wirklich Lust hatte. Ich habe mir fest vorgenommen, meine Ernährung zu ändern, blogge am Vortag noch fröhlich darüber und dann zittere ich wegen einem veganen Schnitzel, das pro 100 g mehr als 100 Kilokalorien hat? Nein, Lisa, so fangen wir gar nicht erst an. Werde endlich zu dem Vorbild, das du im Kampf gegen Anorexie sein willst. Zeig den Leuten, dass es möglich ist, wieder in ein normaleres Leben zurückzufinden. Zeig, dass es möglich ist, wieder den Genuss zu finden und zu empfinden. Du hast es doch immer wieder geschafft. Zwar bis jetzt noch nicht dauerhaft, aber geschafft ist geschafft.

Schnell sammelte ich meine gesunden Lebensmittel zusammen, traute mich sogar, Mandeln zu nehmen und marschierte mit eisernem Willen an die Kassa. Erst im Auto wurde mir bewusst, wie viel unnötige Zeit und Energie ich mit diesem Einkauf verplempert habe. Ich ärgerte mich über mich selbst. War eher wütend auf mich, als traurig. Dieses Desaster war ein massiver Rückschritt. Es trieb mir die Tränen in die Augen. Ich weiß nicht, ob es vor Zorn oder Enttäuschung war.

Fest steht jedoch, dass ich noch ein ganzes Stückchen Arbeit vor mir habe. Aber ich habe Mut geschöpft und gelernt, dass es mit Unterstützung besser funktioniert. Gehe ich mit Freunden oder meiner Familie einkaufen, bleibt nicht viel Zeit zum herumdrucksen oder nachdenken. Zumindest habe ich mir in solchen Situationen bereits bewiesen, dass der Lebensmitteleinkauf doch nicht in einen Hindernisparcours zwischen Kalorien und Nährwerttabellen ausarten muss. 

 

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Heute vor genau fünf Jahren…

Heute vor genau fünf Jahren wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen, in welchem ich fast ein halbes Jahr lang gegen meine Magersucht angekämpft habe. Heute vor genau fünf Jahren, am 5.10.2012. Unglaublich, wie viel Zeit vergangen ist und dabei kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen. Ich stand mit zwei vollen Koffern vor der Station, verabschiedete mich von meinen Leidensgenossinnen und es fühlte sich ein bisschen nach Wehmut an. Wehmut, weil ich gehen musste und weil ich einen wichtigen Teil von mir gehen lassen musste. Und es fühlte sich gar nicht so toll an. Ich wusste, dass ich nicht geheilt war, dass mein Rückfallsrisiko bei 90% lag und dass ich immer noch Untergewicht hatte. Es machte mir Angst, wieder in die große weite Welt hinausgehen zu müssen, weiterzustudieren, den Alltag wieder aufzunehmen. Das war heute vor genau fünf Jahren. 

 

Heute vor genau fünf Jahren

 

Meine Magersucht und die Zahl 5

Die Zahl Fünf steht anscheinend in einem großen Zusammenhang mit meiner Krankheitsgeschichte. Am 5.2.2009 begann ich mit meiner ersten Diät, die wohl den Grundstein für diese Krankheit gelegt hat. Ich nahm jedoch wieder zu. Allerdings – fast genau zwei Jahre später, am 5.3.2011 begann ich erneut mit einer Diät, die mich in die schlimmste Krankheitsphase meines Lebens rutschen ließ. Am 5.5.2012 hatte ich den schlimmsten Magersuchtstag meines Lebens und exakt fünf Tage später war ich so schwach, dass ich mein Dasein nur noch in einem abgedunkelten Zimmer fristete. Wenige Wochen später, am 25.5.2012, hatte ich meinen Zusammenbruch und ich wurde in die Klinik eingeliefert. Am 5.6. kam ich in eine spezialisierte Klinik und nahm meine Therapie gegen die Magersucht auf. Und am 5.9. wurde ich von meiner damaligen Liebe verlassen und musste einen weiteren Monat in der Klinik bleiben. Doch dann, am 5.10. konnte ich endlich gehen. 

Ich glaube nicht an Schicksal, Karma oder anderen Hokus Pokus, aber es ist verrückt, wie diese Zahl mit meiner Krankheit einhergeht. Ich begann langsam, die Zahl Fünf als meine Unglückszahl zu betrachten, doch den Bann, an den ich eigentlich gar nicht glaube, habe ich wohl am 5.7.2017 gebrochen, als ich mein Studium erfolgreich abgeschlossen habe. Und heute, am 5.10. stehe ich da und blicke auf eine schier unglaubliche Zeit zurück. Ich frage mich noch heute, wie ich das geschafft habe. Meine Therapeutin sah mich wiederkommen, doch ich blieb von der Klinik fern. Bis heute. Bis heute bin ich nicht zurück, habe nie wieder eine Therapie aufgenommen, obwohl ich in diesen fünf Jahren drei Rückfälle hatte. Doch aus jedem Rückfall konnte ich mich selbst wieder herausziehen, hatte immer einen Anker, der es möglich gemacht hat. Irgendwie.

 

Heute vor genau fünf Jahren

 

Die Ups and Downs in diesen fünf Jahren

Ich bin dankbar, dass ich in diesen fünf Jahren ein halbwegs normales Leben führen konnte. Dass ich in dieser Zeit gelernt habe, mich selbst zu lieben. Es hat fünf Jahre gedauert. Jetzt bin ich 25 und im Einklang mit mir selbst, trotz kleiner Problemchen, die immer noch mein Gewicht betreffen. Rückfälle gehören zu meinem Leben mit einer unheilbaren Krankheit wohl dazu. Das habe ich gelernt, wobei ich es jetzt nicht mehr darauf ankommen lassen will. Die Magersucht war eine harte Zeit, der Kampf, wieder rauszukommen, noch härter.

Heute habe ich mehr Vertrauen in mich selbst. Downs rufen immer noch Appetitlosigkeit in mir hervor, aber wie gesagt, ich lasse es nicht mehr darauf ankommen. Auch wenn ich jetzt immer noch Gewichtsprobleme habe. Dafür ganz andere, als damals in der Zeit meiner Anorexie. Aber auch hier gibt es gute Nachrichten. Seit drei Wochen habe ich nicht mehr wirklich etwas abgenommen. Ein Anfang. Und mein Körper scheint in seine Balance zurückzufinden. Das ist okay für mich. Hauptsache keine Magersucht mehr. Denn die habe ich vor fünf Jahren im Krankenhaus gelassen. Heute vor genau fünf Jahren habe ich das getan. Nicht für immer, denn sie kam ab und zu auf Besuch, aber ich habe sie hinter mir gelassen. Heute vor genau fünf Jahren.

 

Heute vor genau fünf Jahren Heute vor genau fünf Jahren

Outfitdetails

Hoodie: Levi’s
White Basic: Zalando Essentials
Overknee Tights: H&M
Ankle Boots: Deichmann (Similar)

Red Lipstick: Catrice Long Lasting Lip Pencil „170 Plumplona Olé“

Picture Credits: Miss Getway

 

Gewichtsprobleme und Magerwahn

Sie meinen es ja nur gut, ich weiß. Und ich nehme es keinem übel. Aber es fühlt sich so an, als würde das Wort „Anorektiker“ permanent auf meiner Stirn prangen. Tief eingebrannt mit schwarzer Tinte und egal was ich mache, ich kann dieses Label nicht von meiner Stirn waschen. Und das tut weh. Weil ich schon wieder nur auf eine Zahl reduziert werde.

 

Gewichtsprobleme

 

Diese Zeilen schrieb ich am 28. Juli 2017 auf meinem Blog. Wie immer habe ich mich in dieser persönlichen Kolumne mit einem Thema befasst, welches mich zu diesem Zeitpunkt beschäftigte. Ein Thema, welches mich bis heute beschäftigt. Ich habe mich für meinen durch den womöglich auf den Uniabschlussstress zurückzuführenden Gewichtsverlust gerechtfertigt. Gerechtfertigt, weil ich wieder darauf angesprochen wurde. Ich dachte, damit würde sich das Thema ein für alle mal als gegessen erklären. Tat es aber nicht. Angesprochen werde ich weiterhin. Inzwischen geht es so weit, dass ich bei Instagram bei meinen Direct Messages sogar wüst beschimpft wurde. Dass ich meiner Community nur etwas vormache und dass ich ein schlechtes Vorbild bin. Dass ich meinen erneuten „Magersuchtsrückfall“ langsam nicht mehr leugnen sollte, weil es ohnehin offensichtlich ist, dass ich wieder Essprobleme habe.

 

Gewichtsprobleme der anderen Art

Ich leide unter keinem Magerwahn!

Im Gegensatz zu dem Post damals soll das heute kein Rechtfertigungspost werden, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass ich diese aktuelle Situation erklären möchte. Weil sie mich selbst auf eine gewisse Art und Weise belastet. Ich nehme ab und kann nichts dagegen machen. Nach meiner Diplomprüfung war ich unendlich glücklich mit meiner Figur. Von der ist allerdings nicht mehr viel übrig. Inzwischen sehe ich aus, wie eine großbewachsene 14-Jährige. Der Blick in den Spiegel verschafft mir schon längst kein Lächeln mehr, sondern ruft zwanghafte Überlegungen in mir hervor, wie ich endlich wieder ein paar Kilo mehr auf die Rippen bekomme. Nie in meinem Leben hätte ich mir gedacht, dass ich einmal Gewichtsprobleme der anderen Art haben werde.

Normalerweise muss ich einen Donut nur ansehen und seinen Duft einatmen, um zuzunehmen. Während meiner Diplomarbeit- und Diplomprüfungszeit habe ich mich überwiegend von Pizza ernährt und dabei abgenommen. Ich dachte, es liegt daran, weil die Ernährung zu einseitig war. Mit gesundem Essen wollte ich dieses dadurch entstandene Gewicht behalten, denn für mich war es endlich perfekt. Daraus wurde nichts. Ich nahm weiter ab. Ich begann, meine Ernährung wieder mehr schleifen zu lassen. Half auch nichts. Ich nahm trotzdem ab. Inzwischen bin ich an einem Punkt angekommen, an dem mir der Kilostress manchmal so zu schaffen macht, dass ich dadurch sogar meinen Appetit verliere, was auch nicht gut ist. Keinen Hunger, weil ich so oder so abnehme. Und weil es mich stresst. Das Seltsame an der ganzen Sache ist jedoch: Wenn ich wieder einmal einen Tag unter Appetitlosigkeit leide oder unter Dauerstress stehe, sodass ich dadurch einfach weniger zum Essen komme, nehme ich zu. Aber ich kann doch nicht Hungern für ein paar Kilo mehr.

 

Gewichtsprobleme

 

Kein gutes Vorbild mehr im Kampf gegen Magersucht?

Ich weiß, die ganze Sache klingt so surreal. Das tut sie auch für mich und ich kann es mir selbst nicht mehr erklären, was gerade mit meinem Körper falsch läuft. Es tut mir nur so verdammt weh, wenn mir Dinge unterstellt werden, die einfach nicht so sind. Ich habe sogar selbst Angst, dass ich ein schlechtes Vorbild bin, weil ich von mir selbst momentan nur Bilder in diesem Zustand posten kann. Das schlimmste ist jedoch: Ich fühle mich überhaupt nicht mehr fraulich, sondern eben, wie bereits erwähnt, wie eine Erwachsene in einem großbewachsenen 14-jährigen Körper. Der größte Schock war für mich, als ich bei unserem Trachtenshooting eine Trachtenjacke in einer Größe fernab von 36 tragen musste, weil alles andere zu groß für mich war. Eine Kindergröße für eine fast 26-jährige Frau mit einer Größe von über 1,70 m ist doch nicht normal. Der einzige Trost: Trachten müssen halt eng anliegend sitzen. In normalen Stores brauche ich diese Größe zum Glück noch nicht, sondern habe gerade noch eine normale Größe, was hoffentlich so bleibt.

Und dann noch diese ungute Gefühl bei Bloggerevents, wenn man zuvor gegessen hat und später beim Event nichts isst, weil man einfach keinen Hunger mehr hat. Da kommt es natürlich besonders glaubwürdig rüber, wenn man zuvor auf den angesprochenen Gewichtsverlust beteuert, dass alles in Ordnung ist. Nämlich NOT. Zugegeben: Ich habe mir schon Gedanken gemacht, was die anderen jetzt von mir denken werden. Inzwischen kann ich meine Nahrungsaufnahme nämlich sehr gut kontrollieren. Ich esse nur mehr, wenn ich Hunger habe, obwohl ich mich jetzt auch manchmal dazu zwinge, zu essen, auch wenn ich keinen Hunger habe. Aber ich will mich auch nicht überessen müssen, denn dann liege ich wie eine Boa Constrictor auf dem Sofa und krümme mich vor Bauchschmerzen. Auch nicht schön.

 

Gewichtsprobleme

 

Wie soll es jetzt weitergehen?

Irgendwann muss auch einmal Schluss sein. Ich denke, mein Körper kann nicht ewig abnehmen. So habe ich einen Pakt mit mir selbst geschlossen. Ich will zwar zunehmen, aber wenn das Gewicht jetzt so bleibt und nicht weiter runtergeht, dann kann ich damit leben. Dann kann ich es irgendwie akzeptieren, denn ich habe gelernt, meinen Körper zu lieben. In allen erdenklichen Formen und Größen. Nur wenn das Gewicht weiter runtergeht, weiß ich nicht mehr, ob ich meinen Körper so akzeptieren kann bzw. geht es hier dann auch schon um die gesundheitlichen Aspekte.

Momentan habe ich das Glück, dass alles im grünen Bereich ist. Meine Haare sind gesund, glänzend und gehen mir nicht aus. Hätte ich einen Rückfall, wäre dem nicht so. Ich bekomme weiterhin ganz normal meine Periode in der selben Intensität und Dauer, wie davor. Hätte ich einen Rückfall, wäre dem nicht so. Ich fühle mich (meistens) fit und (meistens) nicht müde. Hätte ich einen Rückfall, wäre dem nicht so. Meine Haut ist nicht ausgetrocknet. Hätte ich einen Rückfall, wäre dem nicht so. Ich habe keine verbotenen Nahrungsmittel. Hätte ich einen Rückfall, wäre dem nicht so. Wenn ich nach langem Sitzen schnell aufstehe, wird mir nicht schwarz vor Augen. Hätte ich einen Rückfall, wäre dem nicht so. Ich kann mich gut konzentrieren. Hätte ich einen Rückfall, wäre dem nicht so. Einzig und alleine das mir dauerkalt ist, ist ein kleines Problem, aber ich bin so oder so eine Frostbeule.

 

Doch eine Sache kann ich trotzdem nicht ganz leugnen…

 

…ja, ich gebe es zu: Es gibt auch Tage, an denen ich mich unförmig, hässlich und als zu dick empfinde. Selbstverständlich habe ich das ab und an, ich meine, ich bin eine ehemalige Anorektikerin. Das Gefühl taucht nichtsdestotrotz immer wieder einmal auf und jeder hat diese Tage, an denen er sich verzerrt im Spiegel wahrnimmt. Das hat mit Anorexie an sich nichts zu tun. Dennoch – im Grunde genommen weiß ich, dass ich zu dünn bin und das stört mich.

Um noch einmal zu dem Pakt mit mir selbst zurückzukommen: Nehme ich weiter ab, wird mir wohl nichts anderes mehr übrig bleiben, als zum Arzt zu gehen. Davor drücke ich mich ganz schön, denn bei solchen Sachen habe ich IMMER Angst vor Hiobsbotschaften. Ich will mich nicht damit konfrontieren müssen, dass etwas nicht in Ordnung mit mir ist. Gerade jetzt, wo mich das pure Leben eigentlich wahnsinnig glücklich macht. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen. Wer nicht kämpft, hat schon verloren und verlieren liegt mir überhaupt nicht. Schon gar nicht, wenn es um mein Gewicht geht, denn das Kriegsbeil ist begraben und ich habe keine Lust, es wieder auszugraben.

Seid also versichert: Es geht mir gut. Diese Dauerabnahme macht mir zwar ab und zu ein bisschen zu schaffen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich mein Lachen nicht verloren habe. Andere Dinge haben in meinem Leben mehr Priorität. So vergesse ich diese „kleine Übel“ auch Tag für Tag und fühle mich nichtsdestotrotz großartig. Weil ich Frieden mit mir selbst geschlossen habe. Und darum möchte ich nach all den nostalgischen Bildern zuvor diesen Post mit einer „Happy smiling Lisa“ beenden. Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, diesen Post zu lesen.

 

Gewichtsprobleme Gewichtsprobleme

 

Life Update #9: Hello New Chapter!

Die Blätter verlieren ihr sattes Grün und erstrahlen in den prächtigsten Herbstfarben: Rot, gelb, orange und braun. Am Boden stapeln sich Laubhaufen, die ich als Kind immer durcheinander gewirbelt habe. Manchmal überkommt es mich sogar noch heute. Dann kommt das Kind in mir zum Vorschein und lässt die alten Zeiten wieder hochleben. Zumindest gedanklich, denn jetzt, wo ich erwachsen bin und selbst auch gelegentlich den Gartenrechen schwinge, weiß ich, wie viel Arbeit es ist, das Laub zusammenzukehren. Ja, eine neue Jahreszeit ist angebrochen und langsam, aber sicher verschwindet die Wehmut, den Sommer gehen zu lassen. Okay, das rede ich mir nur ein. Doch irgendwie habe ich auch nicht die Zeit dazu, mir Gedanken zu machen, dass mich die Sonne nun nicht mehr beim Aufwachen kitzeln wird.

A new chapter in my life is about to begin. Every single month, every single week, every single day, every single moment.

Es passiert gerade so viel in meinem Leben. Viel zu viel. Und all diese Eindrücke überrennen mich manchmal. Es ist schön, gerade so viel zu erleben. Zu erleben, wie jeder Tag etwas neues mit sich bringt. Darum wird es auch wieder einmal Zeit für ein kleines Life Update.


 

Life Update #9

Let’s start a New Chapter

Mein Neuanfang hat bereits im Juli begonnen. Das habe ich hier und auch hier und sowieso oft genug erwähnt. Aber Herbst ist eine Jahreszeit, die sich für mich auch immer wie etwas Neues anfühlt. Neue Herausforderungen erwarten mich und ich nehme Abschied von meiner liebsten Jahreszeit, dem Sommer. Ist der Sommer erst einmal vorbei, fühlt es sich an, als hätte ich ein Kapitel geschlossen. Jetzt bin ich gerade dabei, ein neues Buch anzufangen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mein altes Journal hat seine Dienste getan. Auch wenn es noch nicht voll ist, ist es momentan nur noch mein Begleiter für To Do Listen. Ich habe ein neues angefangen und werde alle Gedanken, alle Worte, die mir im Kopf umschwirren fortan in mein neues Journal schreiben. Und mit Gedanken und Worten bin ich aktuell voller den je.

 

 

New People

Momentan befinde ich mich gerade in einem Stadium meines Lebens, in dem ich dazu bereit bin, neue Menschen in mein Leben zu lassen. Das fiel mir lange Zeit unheimlich schwer. Und irgendwie tut es das immer noch. Es fällt mir schwer, neue Menschen kennenzulernen (im Sinne von richtig kennenlernen – kurze Talks sind immer drin) oder andere Menschen, die bereits mit einem Fuß in meinem Leben stehen, näher an mich heranzulassen. Es ist immer wieder eine Premiere, wenn es gelingt. Aber ich merke immer mehr, wie gut mir soziale Kontakte tun und vor allem, wie schön es ist, diese auch zu festigen. Die Angst, verletzt oder enttäuscht zu werden, ist bei mir immer gegeben. Ich vertraue nicht schnell, aber ich rede gerne und viel, bin sogar bereit, mehr von mir preiszugeben, was jedoch nicht bedeutet, dass das ein Freifahrtschein in mein Leben ist. Ich schraube Erwartungen niedrig. Immer. Auch wenn es manchmal nicht so rüberkommt.

Doch eines kann ich mit Sicherheit sagen: Die Menschen, die es in mein Leben geschafft haben, waren und sind es wert.

 

 

New Experiences

Ich bin ein reflektierter Mensch, der alles gerne und lange analysiert. Planung ist mein halbes Leben, Spontanität oftmals fehl am Platz. Schon lange habe ich mir gewünscht, einen ticken spontaner zu sein. Einfach mal nicht alles durchdenken und im Feinschliff analysieren, reflektieren und durchstrukturieren. Struktur ist wichtig in meinem Leben. Ansonsten würde das Chaos Überhand gewinnen, denn ich bin von Natur aus eine richtige Chaotin. Teilweise hat mich diese viele Planung ziemlich frustriert. Darum bin ich ausgebrochen und ganz spontan in eine Stadt gereist: Bratislava. Kurzerhand habe ich beschlossen, auch Blogger Lisa daheim zu lassen. Die Kamera blieb mit einer einzigen Ausnahme aus. Ein paar Instastories konnte ich mir jedoch nicht verkneifen, denn die Stadt war einfach zu schön. Allerdings wurde ich gefragt, ob ich einen Travelguide über Bratislava mache. Diesmal muss ich leider sagen: NEIN. Ich habe es zu sehr genossen, mal (fast) alles hinter mir zu lassen und diesem Wochenende alles dem Zufall zu überlassen. Dafür komme ich meinem Lebensziel schon ein Stückchen näher: Ich konnte eine weitere europäische Hauptstadt besuchen und zähle nun insgesamt 9 auf meiner Liste.

 

 

New Challenges

Als Bloggerin brauche ich ein dickes Fell, denn es gibt nicht immer lobende Worte für das, was man macht. Nicht jeder mag mich. Und es muss mich auch nicht jeder mögen. Ich mag auch nicht jeden. Es ist verständlich, dass man nicht Everybody’s Darling sein kann. Das sind nicht einmal die größten Influencer unserer Zeit, wie beispielsweise Caro Daur oder Leonie Hanne.

Ich komme mit fiesen Kommentaren gut klar, doch neulich musste ich mich mit einem richtigen Hate gegenüber meiner Person rumschlagen. Das kommt ziemlich selten vor. Das letzte Mal sogar vor zwei Jahren. Ist also wirklich schon ewig her. Richtigen Hate erfahre ich sonst eigentlich nicht, aber dieses Mal war es für mich alles andere, als leicht, mit diesen Kommentaren klarzukommen. Ich will dem Hate hier überhaupt kein Futter geben, aber ich habe das Gefühl, ich muss es niederschreiben, weil es sich um eine Sache handelt, die mir nahe geht: Meine Figur und mein Aussehen. Es ist nicht sehr angenehm, als anorektische Bitch bezeichnet zu werden, die ihrer Community etwas vormacht, indem sie Stories von sich beim Essen oder generell Essen postet. Ich habe damit gerechnet, dass das Thema wieder präsent werden könnte, nachdem von mir nicht mehr so viel übrig ist. Und ich habe nur darauf gewartet, bis ich darauf angesprochen werde.

Ich habe es schon in meinem letzten Life Update angeboten, mehr darüber zu schreiben, bin bis jetzt allerdings nicht dazu gekommen. Nach wie vor kann ich euch aber versichern, dass Magersucht überhaupt kein Thema ist. Ich denke jedoch, dass ich diesem Thema nun wirklich bald einen eigenen Post widmen muss.


 

 

October: A New Chapter

Unglaublich, aber wahr. Jetzt ist auch schon der September bald vorbei und wir starten mit dem 10. Monat im Jahr. Okay, okay. Ich übertreibe, haben wir doch noch 10 Tage, aber die gehen schneller vorbei, als man denkt. Für mich bedeutet das: Back to University. Ich bin ganz gespannt, was das neue Studium für mich bereit halten wird und freue mich vor allem auf eines: Einen geregelten Tagesablauf. Obwohl ich eher die Naturwissenschaftlerin bin, freue ich mich auf dieses geisteswissenschaftliche Studium. Ich bin gespannt, welche Lehrveranstaltungen auf mich warten und letztendlich auch, mit welchem Thema ich mich in meiner Masterarbeit beschäftigen möchte.

Ansonsten ist für Oktober nicht viel geplant. Neben dem Studienbeginn steht nur noch meine Sponsion auf dem Plan. Das bedeutet, ich bekomme meinen akademischen Grad in einem universitären Festakt vor Publikum verliehen. Ich stehe der ganzen Sache jedoch zwiegespalten gegenüber. Es ist komisch, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Auf der anderen Seite ist es auch schön, für die eigene Leistung vor Publikum belohnt zu werden. Und ich kann diesen Tag mit meiner Familie und meinen liebsten Freunden verbringen. Besser kann der Oktober doch gar nicht starten.

 

Life Update #8: Good Vibes

Ich kann es kaum fassen. Mein Uniabschluss liegt nun fast schon zwei Monate zurück und ich blicke auf eine Zeit voller Anstrengung, Tränen, Zweifel, aber auch des Glücks und der Freude, etwas geschafft zu haben, zurück. Diese Zeit war hart für mich, sehr hart. Ich habe mich in ein Terrain gewagt, was für mich unbekannt war. Habe empirisch gearbeitet, eine eigene Forschung geschaukelt und damit gleichzeitig ein Thema, wofür auch gerade eine Dissertation geschrieben wird. Ich bin über meine Fähigkeiten hinausgewachsen, aber es war schwer. So lange habe ich an mir und meinen Fähigkeiten gezweifelt, aber es gab eine ganz bestimmte Sache, die mich immer am Ball bleiben ließ. Tagtäglich habe ich es mir eingeredet und mir so meine Motivation verschafft. Ich habe mir gesagt, dass sich mein Leben von Grund auf verändern wird, wenn ich die Uni abgeschlossen habe. Dass ich ein neues Leben beginnen werde. Glücklich sein werde. Frei. Und es ist eingetreten. Momentan genieße ich mein Leben in vollen Zügen und ich kann eines sagen: Ich bin glücklich. So wahnsinnig glücklich.

 

 

Life Update #8

Good Vibes in August

In den letzten Jahren habe ich viel zurückgesteckt. Vielleicht zu viel. Und vielleicht hätte ich das gar nicht müssen, aber ich gehe mit mir selbst immer sehr streng um. Leider. Ich wünschte mir, ich hätte das Leben vorher auch schon auf die Art und Weise genossen, wie ich es jetzt tue. Aber ich versuche den Gedanken beiseite zu schieben, irgendetwas verpasst zu haben. Denn ich bin jetzt jung. Immer noch. Und ich habe immer noch die Gelegenheit, so viel nachzuholen, was ich früher verpasst habe. Und das ist okay. Das ist mehr als okay. Ich habe meine Erfahrungen früher auf eine andere Weise gemacht. Jetzt ist der Moment gekommen, sie auf eine neue Weise zu machen. Und es fühlt sich gut an. So gut.

 

 

Über mein Bloggerleben, wunderbare Menschen und Bereicherungen

Ich war immer dankbar für all das, was ich durch und mit meinem Blog erleben durfte. Ich durfte neue Länder bereisen, an Presseevents teilnehmen, die Fashion Week in Wien besuchen (dieses Jahr werde ich allerdings absagen) und wunderbare Menschen kennenlernen. Doch momentan läuft alles besser den je. Die wachsende Freundschaft zu Kerstin von Miss Getway ist unter anderem eine Bereicherung, die ich besonders in den letzten Monaten erfahren durfte. Es ist schön, so einen kreativen Kopf kennengelernt zu haben. Eine junge Frau, die eine Leidenschaft mit mir teilt, mit der ich mich auf Anhieb verstanden habe und inzwischen haben wir uns zu einem wunderbaren, eingespielten Team etabliert, welches optimal miteinander harmoniert. Insbesondere euer Lob zu unseren gemeinsamen Zusammenarbeiten zeigen mir, dass wir gemeinsam wunderschöne Projekte auf die Beine stellen.

Momentan habe ich so eine große Freude am Bloggen. Ich kann mir endlich wieder umfassend Zeit nehmen, eure Kommentare zu beantworten und auch Instagram macht langsam wieder mehr Spaß. Darüber hinaus durfte ich seit meinem Uniabschluss an vielen Projekten und Kampagnen mitarbeiten und ich bin einfach dankbar dafür. Dankbar, dass ich diese Leidenschaft habe und dass ich damit auch mein Geld verdienen darf. Das Bloggen ist ein Job, der manchmal ganz schön hart ist und in dem man sich schnell verlieren kann, aber er ist eine Bereicherung. Und ich möchte diese Bereicherung nicht missen. Doch die größte Bereicherung an meinem Bloggerleben sind nicht die Projekte oder Kampagnen, sondern es ist meine Community. IHR. Und ich bin dankbar für jeden einzelnen, der meine Worte liest und sich die Zeit nimmt, mir Feedback zu geben.

 

 

Ernährung/ Essstörung/ Gesundheit/ Gewicht

Obwohl ich vor kurzem eine Kolumne geschrieben habe, in der ich erklärt habe, dass es mir gesundheitlich gut geht, erreichen mich dennoch mehrmals in der Woche Nachrichten zu meinem Gewicht. Ich weiß, dass ich dünner geworden bin und es bei einigen die Alarmglocken schrillen lässt. Ich kann auch verstehen, dass man es mir vielleicht nicht so ganz abkauft, dass alles in Ordnung ist, denn ich bin genauso dünn, wie vor zwei Jahren, als ich einen immensen Rückfall hatte. Aber es geht mir gut. Es geht mir wirklich gut. Noch nie war ich so im Einklang mit mir selbst. Wenn ihr wollt, kann ich dazu aber gerne noch einen eigenen Post verfassen, in welchem ich näher darauf eingehe. Vorab sei gesagt: Es geht mir gut und ich bin gesund. Magersucht ist gerade kein Thema.

 

Reisen

Nachdem ich im Mai auf Ibiza war, ging es im August wieder ans Meer. Ich habe die Zeit mit meiner Familie verbracht. Diese Zeit hat mir gezeigt, wie dankbar ich für all die Menschen sein kann, die mich durchs Leben begleiten. Zugegeben – manchmal war es schon ein bisschen langweilig, aber das liegt daran, weil meine Familie und ich unterschiedliche Vorstellungen von Urlaub haben. Nichtsdestotrotz habe ich die Zeit in Kroatien genossen. Immer wenn ich am Meer bin, fühle ich mich unglaublich inspiriert. Das beste am ganzen Urlaub war, dass ich wieder zum Schreiben gekommen bin. Die Momente beim Sonnenaufgang – nur ich und mein Journal- waren magisch. Aber mehr dazu in einem späteren Post.

Ich kann euch sagen, kaum nach Österreich zurückgekehrt, packt mich schon wieder das Fernweh. Am liebsten würde ich heuer noch einmal verreisen.

 

 

Studium/Arbeit

Inzwischen habe ich es schon überwunden, dass ich dieses Jahr nicht unterrichten werde. Wie ihr wisst, haben mich letztendlich doch ein paar Zweifel geplagt, ob es eine gute Idee ist, mein Praktikum erst ein Jahr nach meinem Abschluss zu machen, aber nun bin ich wieder felsenfest der Meinung, dass es richtig war. Ich genieße mein Leben als Bloggerin in vollen Zügen und habe es mittlerweile auch geschafft, richtige Arbeitstage zu gestalten. Auch ich habe nun mein geregeltes Arbeitsleben und es ist schön, eine Aufgabe im Leben zu haben.

Derzeit bin ich noch am koordinieren und überlegen, wie ich es diesmal mit dem Studium besser klarkomme. So einen Druck wie im Lehramtsstudium möchte ich mir nicht mehr machen. Was geht, das geht und ich bin gespannt, wie mir das neue Studium gefallen wird.

 

Good Vibes

 

Postingwünsche?

Wie immer möchte ich auch auf eure Bedürfnisse und Wünsche eingehen. Wenn ihr Postingwünsche habt, könnt ihr mir diese gerne mitteilen. Ich sprudle momentan vor Kreativität, aber ich möchte natürlich auch, dass ihr voll und ganz auf eure Kosten kommt. Ihr habt spannende Themenimpulse? Dann immer her damit. 

 

Darf ich meinen Körper lieben?

Die Themen Anorexie und mehr Akzeptanz für den eigenen Körper werden in meinem Leben immer einen großen Stellenwert einnehmen. Und doch habe ich in den letzten Monaten mehr unbewusst versucht, diesen Teil meiner Vergangenheit in der Versenkung verschwinden zu lassen. Ich wollte ihn beiseite schieben. Ja, Anorexie wird immer einen großen Stellenwert in meinem Leben haben. Einen riesengroßen sogar. Anorexie macht meine Geschichte aus, denn die Krankheit hat diese geprägt. Und ich werde immer wieder an diesen Punkt gelangen, wo mich die Krankheit wieder mehr beeinflussen wird. Nicht in Form von Rückfällen (die ohnehin immer möglich sind), aber sie wird mich in den Momenten beeinflussen, in denen all die Charaktereigenschaften gefragt sind, die ich mir in dieser Zeit angeeignet habe. Mut. Stärke. Durchhaltevermögen.

Doch einen Raum habe ich der Krankheit in letzter Zeit wenig gegeben. So wenig, wie eigentlich noch nie. Und das, obwohl ich durch die stressigen Zeiten vor meiner Diplomprüfung wieder ein paar Kilos verloren habe, aber dieses Mal habe ich es nicht zugelassen, dass aus dem Stress wieder ein neuer Rückfall wird. Anorexie hat keinen Stellenwert eingenommen. So eine geringfügige Rolle hat die Krankheit noch nie in meinem Leben gespielt.

Und trotzdem bin ich in letzter Zeit wieder verstärkt mit Anorexie in Berührung gekommen. Nicht durch meinen Gewichtsverlust, der stressbedingt ist, sondern durch etliche Momente, die mich an die Krankheit erinnert haben. Sei es nun durch ein höchst unangemessenes Kommentar auf meinem YouTube Channel oder durch die Medien, wo wieder einmal ein Todesfall wegen den Folgen der Magersucht in den Schlagzeilen war. Auf Facebook überschlugen sich die Kommentare zu diesem Fall. Und bei vielen merkte ich, wie wichtig der Aufklärungsbedarf im Bezug auf Essstörungen nach wie vor ist.

Die Meinungen klafften weit auseinander. In diesen Kommentaren war alles dabei. Von Anschuldigungen, wie „die ist doch selbst schuld„, bis hin zu höchst unangebrachten Ratschlägen, wie „die hätte einfach mehr essen sollen„, ist mir besonders ein Kommentar ins Auge gestochen. Ein Kommentar, der zwar nicht so schlimm ist, wie die bereits genannten Beispiele, aber der doch zum nachdenken anregt: „Traurig, dass man seinen Körper heutzutage nicht mehr so lieben kann, wie er ist.

 

 

Darf ich mich selbst heutzutage nicht mehr lieben, so wie ich bin?

Ich versuche immer, bodypositiv zu sein. Auch wenn es mir manchmal schwer fällt und auch wenn es mir (oder anderen) manchmal heuchlerisch vorkommt, weil es nicht so ist. Doch ich versuche immer -und das war eine wichtige Lektion, die ich lernen musste- mich selbst so zu akzeptieren, wie ich bin. Ja, ich gebe es zu. Die Zahl auf der Waage vor kurzem hat mir gefallen. Nach meiner Diplomprüfung habe ich mich aus Neugierde gewogen und mein BMI hat nun wieder eine 1 vor der Zahl. Und es hat mich kurzzeitig wahnsinnig glücklich gemacht. Ich habe dann auch schnell wieder gemerkt, wie es mich kurze Zeit später genervt hat, dass es doch nicht noch weniger Kilos sind. Und dann fühlte ich mich wieder zu dick. Es ist verrückt, dass die Krankheit immer noch da ist und das, obwohl ich ihr in letzter Zeit so wenig Raum gegeben habe. Doch dann habe ich mir wieder ins Bewusstsein gerufen, was ich mir vor noch nicht allzu langer Zeit selbst versprochen habe: Man muss kein Ideal verfolgen. Weder äußerlich noch innerlich. 

Ich habe mir in einem Blogpost schon einmal die Frage gestellt: Wann hat dieser Moment aufgehört, als „sein Bestes zu geben“ nicht mehr gut genug ist? Und genauso verhält es mit seinem Aussehen oder generell mit der Person, die man ist. Man ist die beste Version von sich selbst, wenn man so ist, wie man einfach ist. Innerlich und äußerlich. Da ist es doch vollkommen egal, ob man nun gertenschlank ist oder etwas mehr auf den Rippen hat. Viele schreiben der Gesellschaft die Schuld an diesem Ernährungswandel zu, aber ist es nicht zu einfach, die ganze Schuld auf Castingshows wie GNTM abzuschieben? Ich habe es schon einmal gesagt: Anorexie ist so viel mehr als das.

 

 

Eis gibt kein Rezept, wie du deinen Körper lieben lernst, aber du musst wissen: Du darfst ihn lieben

Die Gesellschaft hat vielleicht eine Teilschuld, dass die Prävalenz von Magersucht und anderen Arten von Essstörungen gestiegen ist und sie sind sicherlich ein Einflussfaktor. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viel mehr Faktoren mitspielen. Und ich kann mir vorstellen, dass es sich genauso mit der Unzufriedenheit gegenüber dem eigenen Körper verhält. Oftmals steckt mehr dahinter, als nur der gesellschaftliche Zwang, perfekt zu sein, warum man seinen Körper nicht mag. Vor allem in der Pubertät muss man erst damit klarkommen, dass sich der Körper plötzlich verändert. Nicht jeder kommt mit dieser Veränderung gut klar.

Es gibt kein Rezept, wie man seinen Körper lieben lernt, aber man sollte nie diese eine Tatsache aus den Augen verlieren: Man darf seinen Körper lieben. Man darf sich so akzeptieren, wie man ist. Und diese Lektion lernt nicht jeder so schnell. Das ist okay, denn ich glaube, man muss in dieses positive Körpergefühl erst hineinwachsen. Ich selbst würde auch nicht sagen, dass meines sehr stark ausgeprägt ist. Aber zumindest konnte ich endlich diesen Hass gegenüber meinen Körper schüren und so lerne ich jeden Tag mehr, mich anzunehmen. Ich fühle mich zwar nicht immer wohl in meinem Körper, doch ich fühle mich wohl in diesem Leben, das ich gerade lebe. Und ich liebe mein Leben, das ich nie mehr mit meinem Selbsthass und der Ablehnung meines eigenen Körpers beeinträchtigen möchte.

 

Darf ich meinen Körper lieben

 

Picture Information

Für diesen Beitrag habe ich übrigens Fotos verwendet, die wir vor zwei Monaten in Ibiza geshootet haben. Da war ich ein klein bisschen „runder“ als jetzt, aber mindestens genauso glücklich. Okay, nein, ich bin jetzt glücklicher. Aber das hat nichts mit dem Gewicht zu tun, sondern einfach, dass ich endlich meinen Abschluss in der Tasche habe und damals noch zittern musste 😉

Aber ich finde, mein Körper ist auf diesen Bildern vollkommen in Ordnung, so wie er ist. Genauso, wie jetzt auch. Darum: Ein Hoch auf die eigene Körperakzeptanz!

 

Life Update #4: Ein kleiner Lichtblick

 

Oh Boy! In meinem Leben geht es momentan so etwas von drunter und drüber, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Es prasseln so viele Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse über mich herein, sodass ich gar nicht weiß, wie ich das alles in meinen Gedanken fein säuberlich strukturieren und ordnen soll. Aber alles von Anfang (und auch hier gut strukturiert).

 

Life Update #4

Uni

Gefühlt jedes Life Update beginnt mit dem großen Thema: Uni! Inzwischen bin ich nicht mehr so pessimistisch, wie noch am Anfang des Jahres. Klar, die englischsprachige Primärliteratur ist da und ja, die muss ich so weit auseinander nehmen, bis ich sie verstehe. Aber mittlerweile erkenne und ziehe ich auch die Vorteile daraus. Ich habe gelernt: Man versteht die Texte trotzdem besser, weil man sie intensiver durchliest und man bekommt doch so langsam eine Ahnung von der Materie. Juhu, ein kleiner Lichtblick.

Letztendlich war auch meine „Forschungswoche“ in meinem Untersuchungsgebiet eine wichtige Erfahrung, die ich machen musste, um endlich aus meinem „Diplomarbeitstief“ herauszukommen. Im Zuge dessen habe ich nicht nur fast meine ganzen letzten Daten mitgenommen, sondern auch die Unterstützung gemerkt und es ist toll, dass ich mit dieser Arbeit nicht ganz alleine gelassen wurde. Man sieht also: Der Abschluss ist doch nicht so gefährdet, wie ich anfangs geglaubt habe. Hashtag #graduationindanger werde ich auf Twitter somit hoffentlich nicht mehr wirklich brauchen.

Bedauerlicherweise bin ich mit den Interviews doch nicht ganz fertig geworden. Terminabänderungen kommen immer vor. Gerechnet habe ich damit nicht, aber das heißt für mich, dass ich noch einmal ran muss. Zuerst werden jedoch die bereits bestehenden Interviews transkribiert und das bedarf sowieso unzählige Stunden. Hätte ich mir nicht gedacht.

 

Blog

Der kommt momentan zu kurz. Die Gründe brauche ich nicht erläutern, denn die kennen wir alle. Doch an dieser Stelle DANKE für eure Unterstützung. Ihr macht mir immer wieder so viel Mut und schreibt mich trotz Zeitmangels nicht ab. Das große Verständnis lindert mein schlechtes Gewissen euch gegenüber erheblich. Zwar möchte ich den Blog endlich auf das nächste Level bringen, aber manchmal muss man seine Prioritäten anders setzen.

Trotzdem -und das kann ich schon einmal verraten- meine Grazer Blogger Mädels und ich sind gerade hochmotiviert dabei, unsere gemeinsamen Kooperationen zu planen. Es wird eine langfristige Geschichte sein, also seid gespannt. Wir hatten sogar schon unser erstes Fotoshooting als Grazer Blogger Team und es fühlt sich fast wie ein gemeinsames kleines Unternehmen an.

Außerdem ist es schön, dass ich mich auch auf die Unterstützung der Mädels verlassen kann, vor allem, weil ich mir als Diplomandin gerade ein paar Sonderrechte heraushole, aber auch in dieser Abschlussphase versuche ich, mich in unsere Zusammenarbeit so gut, wie es geht, zu integrieren.

Schaut doch gerne bei unserer Facebookseite vorbei. Wir freuen uns über jede Unterstützung.

 

Fotografie

Natürlich habe ich immer noch nicht genug davon, Menschen zu fotografieren. Ich habe mich in der Hinsicht wieder ein bisschen „weitergebildet“. Als die Bilder für meinen letzten Post gemacht wurden, habe ich selbstverständlich die Chance ergriffen, um auch Fotos von meiner Fotografin zu machen. Eine Hand wäscht die andere, würde ich sagen. Ob ich die Fotos online stelle, weiß ich noch nicht, weil ich sie mir erst ansehen muss, ob ich mit meinem eigenen Werk überhaupt zufrieden bin, aber ich bin glücklich, dass ich wieder ein bisschen mehr Zeit mit der Fotografie verbringen konnte. Die Liebe zur Fotografie wächst einfach von Mal zu Mal. Das habe ich ganz vergessen. Unglaublich, aber wahr.

Nichtsdestotrotz bin ich jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich merke, dass es einfach Dinge gibt, die ich mir nicht selbst beibringen kann. Darum möchte ich nach meinem Abschluss an der Uni unbedingt einen Fotografieworkshop besuchen.

 

Ernährung

Ich weiß, dass ihr immer großes Interesse am Thema Ernährung habt. Ich muss sagen, so ganz gut läuft es immer noch nicht. Jedenfalls nicht so, wie ich es mir wünsche, darum muss ich offen und ehrlich gestehen, dass ich momentan ein paar Schwierigkeiten habe und dass mir oft der Appetit fehlt. Wenn ich trotz Hunger in den Supermarkt gehe, bin ich oft überfordert und weiß gar nicht, was ich überhaupt essen mag. Irgendwie habe ich auf gar nichts Lust und dann doch wieder auf alles. Das wird sicher wieder besser. Ich bin zuversichtlich, dass auch der Appetit wiederkommt und denke, das ist einfach nur stressbedingt und der geht auch einmal vorbei.

 

Februargoals

Einfach überleben. Das wird sich so schnell nicht ändern. Ich bin es gar nicht gewohnt, mich so intensiv mit einem einzigen Thema zu beschäftigen. Nach wie vor ist es interessant, aber ein paar Hürden gibt es immer noch zu meistern. Ansonsten möchte ich es trotzdem schaffen, ein paar gut recherchierte Blogposts für euch rauszuhauen, denn auch wenn es gerade drunter und drüber geht: Seine Leidenschaft darf man einfach nicht auf Eis legen. Das heißt: Ich muss an meinem Zeitmanagement arbeiten. 

Auch mit meinen Freunden möchte ich wieder mehr machen, darum freue ich mich riesig darauf, wenn wir uns im Kino den zweiten Teil von Shades of Grey ansehen. Wer sieht sich den Film noch an?

 

Wie gehe ich mit Rückschläge um?

 

Rückschläge gehören zu einer Anorexie Recovery genauso dazu, wie das vorherige Hungern in der akuten Krankheitsphase. Eine Therapie gegen Magersucht ist kein Spaziergang und bestimmt härter, als die Krankheit selbst. Es kann nicht immer nur vorwärts gehen, doch kein Schritt in Richtung gesunde Zukunft ist ein Schritt zurück. Auch wenn der Weg einmal steinig wird.

 

Rückschläge in der Therapie

Warum sie zur Heilung dazugehören

Ich finde Rückschläge sehr wichtig. Klar, sie schmerzen und sind bestimmt nicht angenehm, aber sie sind Wendepunkte im Leben, an denen wir viel dazulernen können. Manchmal brauchen wir sie sogar, um UNS besser kennenzulernen. Doch ein Rückschlag sollte kein Grund sein, um aufzugeben! Wenn ich meine Rückschläge während der Therapie an den Fingern zusammenzählen müsste, bräuchte ich mehr als nur zwei Hände. Mal stimmte das Gewicht nicht, egal ob ich zugenommen oder sogar abgenommen habe. Als nächstes war ich deprimiert, weil der BMI immer noch unter 17 lag und ich schon wieder nicht zur Sporttherapie zugelassen wurde. Das Sahnehäubchen war immer dieser eklige Kaloriendrink, den ich zu mir nehmen musste, wenn ich mehr als 100 g in der Woche abgenommen hatte.

Rückschläge sind doof, aber da, um sie zu bewältigen, schließlich habe ich es trotzdem geschafft. Das liegt daran, weil ich gelernt habe, diese Rückschläge zu reflektieren und dementsprechend danach besser damit umgehen konnte. Selbstverständlich geht das nicht ganz ohne Masterplan. Und der ist gar nicht so knifflig, wie man vielleicht denken mag.

 

 

Tipp Nummer 1: Rede mit Vertrauenspersonen oder Menschen, die dich verstehen

Wenn du dich gerade in einer stationären Therapie befindest, vereinbare ein Einzelgespräch mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten. Für mich war das anfangs gar nicht so leicht, denn ich habe bereits verraten, dass mir in der Klinik nie jemand gesagt hat, dass ich die Möglichkeit zu solchen Einzelgesprächen hätte. Diese Möglichkeiten sind aber immer da, selbst wenn dir das am Anfang niemand mitgeteilt hat. Denk einmal genauer darüber nach: Wozu ist deine Therapeutin sonst da? Ich wusste erst gegen Ende meiner Therapie von dieser Möglichkeit, habe sie dann aber ein paar Mal in Anspruch genommen. Glaub mir: Mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten kannst du über die banalsten Dinge sprechen. Es herrscht Schweigepflicht, also dringen deine Probleme nie nach außen hindurch.

Ansonsten gibt es auch noch die Gruppentherapie. Hattest du einen Rückschlag, sag es. Keiner in der Gruppe wird dich schief anschauen. Im Gegenteil: Nirgendwo sonst herrscht so viel Verständnis, wie hier. Ich weiß, reden ist kein Nonplusultratipp, aber es hilft ungemein, denn so stößt man auf Verständnis und man merkt dadurch selbst, dass der Rückschlag halb so schlimm ist, wie zuvor angenommen. Wichtig ist nur, dass du mit einer Person sprichst, der du vertraust und die dir das Verständnis gegenüber bringt, welches notwendig ist, um mit der Sache besser umzugehen. Wenn du keine Vertrauensperson hast, dann hast du immer noch die Möglichkeit, zu einer Psychologin zu gehen! Nutz es, denn es bringt sich nichts, Sorgen in sich hineinzufressen.

 

Tipp Nummer 2: Setze dich bewusst mit dem Rückschlag auseinander

Egal, ob du dich ärgerst, weil du in der Woche mehr zugenommen hast, als du verkraften kannst oder ob  dir „einfach“ nur das Mittagessen schwer gefallen ist. Nimm dir die Zeit und reflektiert jeden kleinsten Rückschlag. Frage dich selbst, warum dich die Zunahme so fertig macht oder warum du die verdammten Karotten nicht essen konntest. Manchmal drückt der Schuh ganz woanders, als man anfangs geglaubt hat. Gibt es etwas, das dich gerade belastet? Vielleicht erschwert dir das das Essen. Falls ja: Nimm Abstand von der Belastung. Das geht manchmal leichter als man denkt. Wenn dich eine Person belastet, dann schränke vorerst den Kontakt ein. Es muss nicht für immer sein. Finde die Ursache deiner Belastung. Meistens ist es gar nicht das Essen, sondern etwas ganz anderes.

Vielleicht belastet dich auch gerade eine bestimmte Therapie. Wenn du merkst, die Kunsttherapie tut dir gerade nicht gut, dann sag es der Klinikleitung oder dem Oberarzt. Manchmal lassen die ganz gut mit sich reden und geben dir eine Woche Pause. Nur wenn du die Ursachen kennst, kannst du aktiv etwas dagegen unternehmen.

 

 

Tipp Nummer 3: Tagebuch führen

Schreiben reinigt die Seele. Das wissen wir alle. Nicht umsonst schreiben so viele Menschen Tagebuch – selbst Erwachsene. Halte einfach immer fest, wie es dir geht. Vor allem die guten Tage sind wichtig. Wenn es dir schlecht geht, kannst du die Seiten immer wieder aufschlagen. Notiere jeden kleinsten Erfolg. Du wirst ihn ansonsten schneller vergessen, als du denkst, doch dieser kleine Erfolg ist vielleicht der Schlüssel, um aus dem nächsten Tief wieder herauszukommen. Ich habe während meiner Therapie sogar ein Buch geschrieben und das war wohl meine allergrößte Therapie.

Wichtig: Ignoriere schlechte Tage nicht! Natürlich kannst du an schlechten Tagen die Seiten auslassen, doch das sind vielleicht auch die Tage, an denen das Schreiben noch wichtiger wird, als sonst. Nur: Gebe den Rückschlägen keinen allzu großen Raum. Ich weiß, man kann Gefühlen keine Seitenanzahl vorgeben, doch ich habe immer wieder versucht, mich am Riemen zu reißen und das Problem nicht weiter hochzuschaukeln. Denn ansonsten machst du aus einer Mücke einen Elefanten.

Da ich weiß, dass nicht alle Menschen so ambitioniert sind, ein Tagebuch zu schreiben, habe ich eine extra Empfehlung und JA: Das Buch habe ich auch. Ich bekam es von einer Freundin, nachdem ich eingewiesen wurde. Das Tagebuch für gute und schlechte Tage. Es ist ein Tagebuch zum Ausfüllen und Ankreuzen. Du  kannst in dem Tagebuch sogar zeichnen, z.B.: in einem leeren Gesicht deine Stimmung einzeichnen. Ich habe es geliebt und viele andere Patientinnen haben es sich später auch gekauft.

 

…und dann scheint bald wieder die Sonne

Ich weiß: die Tipps erscheinen sehr simpel und bestimmt hast du mit mehr gerechnet, nicht wahr? Aber sie helfen! Ich hätte auch mit Expertentipps und Therapiemethoden aus der Psychologie ankommen können, denn das theoretische Wissen habe ich. Doch bevor ich mit meinem Fachchinesisch ankomme, teile ich lieber die Dinge, die MIR geholfen haben. Auf diesem Wege möchte ich zeigen, dass es auch einmal simpel sein kann und eine Therapie gegen Magersucht an gewissen Punkten gar nicht so komplex sein muss. Gerade bei Magersucht denken sich viele Menschen, Patienten miteingeschlossen, dass man eine Vielzahl an hochpsychologischen Verfahren durchmachen muss, um sich besser zu fühlen. Vollkommener Quatsch! Nur leider vergisst man in Zeiten der Not oftmals die simplen Dinge und darum sollte man sich diese immer wieder ins Gedächtnis rufen!

 

Bilder via unsplash 

 

Weihnachten mit Anorexia Nervosa

 

Weihnachten – die schönste Zeit im Jahr. Überall duftet es herrlich nach Zimt, Vanille und Lebkuchen. Glühweintrinken am Weihnachtsmarkt wird zum absoluten MUSS! Es ist die Zeit der Leckereien und Kalorienbomben. Die Zeit, in der auch mal mehr geschlemmt werden darf. Ganz ohne Gewissensbisse. Doch wenn man unter einer Essstörung leidet, kann man diese zu der Advents- und Weihnachtszeit genauso wenig abstellen, wie unter dem Jahr. Die Krankheit existiert weiterhin und wird bei dem Überangebot an Lebkuchen, Spekulatius und Zimtsternen in der Weihnachtszeit zum absoluten Horror.

 

Weihnachten – die schlimmste Zeit im Jahr

Über Anorexie in der Adventszeit

Weihnachten ist nicht für jeden Menschen eine schöne, besinnliche Zeit. Mal abgesehen von dem ganzen Stress, müssen viele Menschen ihr Weihnachtsfest alleine verbringen oder/und haben kein Dach über dem Kopf, geschweige denn zu essen. Da scheint es mir fast so, als wäre Magersucht oder eine andere Form der Essstörung in der Adventszeit ein Luxusproblem. Aber da ich kein richtiges Problem als Luxus abstemple, schon gar nicht eine Krankheit, auch wenn man selbst dafür mitverantwortlich ist, möchte ich dieses negative Label von Luxusproblem sofort aus diesem Post verbannen. Für mich war es damals ein richtiges Problem. Insgesamt habe ich vier Weihnachtszeiten mit Anorexie hinter mir. Zuletzt im vorigen Jahr. Und es war eine Katastrophe, wobei ich mich im letzten Jahr zum ersten Mal richtig bemüht habe, die Zeit doch zu genießen. Erstmalig in meiner Krankheitsgeschichte. Und gerade das war eine Bestandsprobe, gespickt mit unzähligen Momenten des schlechten Gewissens.

Wir alle wissen, dass es ein schwerer Kampf ist, eine Essstörung auszustehen. Man muss es selbst nicht einmal miterlebt haben, um es zu wissen. Wobei Nichtbetroffene immer ein anderes Bild vor Augen haben und einige meinen, dass man einfach wieder zu essen anfangen müsste. Typisches Label der Anorexie oder einer anderen Essstörung. Da es aber nicht so leicht ist, mit seiner psychischen Krankheit einfach aufzuhören, muss man sich auch der Herausforderung der Weihnachtszeit stellen. Was die Weihnachtszeit für mich so schwierig gemacht hat, war die permanente Konfrontation mit dem Essen. Mit ungesundem Essen. Und diese Konfrontation war so ein negativer Verstärker in meinem durcheinandergewirbelten neurologischen System, sodass ich richtige Angstzustände ausgestanden habe. Mein erstes „anorektisches“ Weihnachtsfest war halbwegs erträglich. Ich machte zu der Zeit viel Sport. Doch die anderen, die, in denen ich zu schwach war, um Sport zu betreiben, waren schlimmer denn je.

 

Gefahrenzeit Weihnachten

Die Weihnachtszeit war für mich insbesondere deswegen eine Gefahrenzeit, weil ich nicht unter dem restriktiven Typus einer Anorexie litt (näheres zu den Subtypen findest du hier), sondern dass ich durchaus auch Zeiten mit Essattacken hatte. Und gerade in der Weihnachtszeit war ich anfällig dafür. Ich glaube, es liegt nicht nur daran, dass zu dieser Zeit kalte Temperaturen herrschen, sondern eher an diesem bereits erwähnten Überangebot an Kalorienbomben. Diese Kalorienbomben waren meistens der Auslösefaktor, dass alles außer Kontrolle geraten ist. Ich habe zwar oft diszipliniert versucht, mein restriktives Programm auch in der Weihnachtszeit durchzuziehen, aber sobald meine Geschmacksknospen mit Zucker in Kontakt gekommen sind, war es aus. Und diese Gefahren lauern in der Weihnachtszeit überall. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich würde vor dem Essen flüchten. Sagte Treffen am Weihnachtsmarkt ab, weil ich keinen Glühwein trinken wollte. Sogar der übertrieben gesüßte Tee am Weihnachtsmarkt machte mich wahnsinnig.

Letztes Jahr sagte ich diese Glühweintreffen nicht mehr ab. Ich war oft am Weihnachtsmarkt, aber gleichzeitig fühlte ich mich auch vollkommen außer Kontrolle. Diese verdammten 300 g, die ich im letzten Jahr im Dezember zugenommen hatte, machten mich wahnsinnig. Dabei waren es nur 300 g  – dafür aber viel Gejammer und der Beschluss, dass Glühwein ab sofort tabu für mich sei. Überreden ließ ich mich dann meistens doch immer, weil ich mir einredete, dass diese 300 g eh nur Wasser sind. War es wahrscheinlich auch. Trotzdem – die Waage wurde zu dieser Zeit noch mehr eingesetzt, als sonst. Ich war besessen davon, Buch zu führen, um den Grund für meine „starke Gewichtszunahme“ zu finden. Und immer wieder diese Angst, noch mehr zuzunehmen, die Kontrolle zu verlieren und nicht mehr diszipliniert zu sein. KATASTROPHE!

 

…und dann ist da noch das Weihnachtsfest mit der Familie

Ich kann mich noch daran erinnern, wie viele Diskussionen wir am Weihnachtsabend hatten. Natürlich wollte ich auch an Heilig Abend mein eisernes Programm durchziehen. Nichts essen oder nur meine „erlaubten Nahrungsmittel“. Safe Food ist bekanntlich wenig weihnachtlich. Man versucht sich auch am Weihnachtsabend zu kasteien und das führt oftmals dazu, dass man seine Familie an diesem besinnlichen Familienfest verletzt. Ich finde, keine Familie hat es verdient, dass man auch an Heilig Abend seine Krankheit in den Fokus stellt. Gerade zu dieser Zeit sollten Sorgen einmal beiseite geschoben werden – sofern man die Möglichkeit dazu hat. Und ich habe diese Möglichkeit. Ich habe diese Möglichkeit, dieses Fest mit einer wunderbaren Familie zu feiern. Ich habe ein Dach über den Kopf und zu essen. Dafür sollte man dankbar sein. Zumindest seiner Familie zuliebe. Auch wenn es für einem selbst eine Überwindung bedeutet.

Meine „anorektischen“ Weihnachtsabende haben immer in einer Essattacke geendet. Meistens dann, wenn schon alle im Bett waren. Und für mich war das natürlich nicht schön. Mir kommen jetzt sogar noch die Tränen, wenn ich daran denke. Aber dennoch wusste ich, dass ich zumindest meiner Familie kurzfristig die Sorgen nehmen konnte. Genau in dem Moment, als ich bei ihnen am Tisch saß und genauso gegessen habe, wie sie. Ich glaube, für meine Mama war das zu dieser Zeit immer das Schönste an Weihnachten, auch wenn es für mich der Horror war. Ich wusste, wie das „normale Essen“ enden würde. Aber ich habe es immer in Kauf genommen. Weil ich niemanden traurig machen wollte.

 

Die Weihnachtszeit 2016

Ein Jahr ist mein letztes Weihnachtsfest mit Anorexie nun her. Heuer habe ich diese Problem nicht mehr. Zumindest ist es aktuell verdrängt. Aber ich versuche die Weihnachtszeit heuer extrem zu genießen, das nachzuholen, was ich verpasst habe. Auch wenn das bedeutet, dass meine aktuelle Ernährung creepy ist (der Grund, warum ich aktuell auf weitere Ernährungsupdates verzichte). Aber hey, ich habe im letzten Jahr so viel verpasst und außerdem schreibe ich gerade meine Diplomarbeit und lerne noch für meine letzte Prüfung. Da habe ich mir die Weihnachtskekse wohl verdient! 

 

Die magische Waage und ich

 

Meine Waage und ich. Wir haben eine lange, gemeinsame Geschichte hinter uns. Zwischen Liebe und Hass. Freundschaft und Feindschaft. Die Liste ist lang, was ich mit meiner Waage im Laufe meiner Anorexie alles mitgemacht habe. Ein Leben ohne sie? Undenkbar. Lange Zeit war sie meine beste Freundin. Meine beste Objektfreundin. Irgendwann war das Band zwischen ihr und mir so stark, sodass ich mein ganzes Leben von ihr abhängig machte. Oder besser gesagt von ihren Zahlen.

 

Welche Rolle spielt die Waage in der Anorexie?

Zwischen Verzweiflung, Disziplin und Selbstbestätigung

Die Waage gehört zu Anorektikern, wie das Amen zum Gebet. Sie ist eine Art Wegweiserin, gar Begleiterin, denn sie begleitet uns unterstützend auf unseren Weg ins Verderben. Ich finde, ich sollte das Thema Waage in meiner Anorexie Kategorie nicht unbedacht lassen, denn sie spielt eine wesentliche Rolle im Alltag von Essstörungspatienten. Die Vorzeigeanorektiker wiegen sich mehrmals am Tag. Im Schnitt vor und nach jeder Minimahlzeit, gelegentlich auch dazwischen. Denn sie suggeriert vor allem eines: Kontrolle. Waagen lügen nicht. Sie präsentieren uns in der Regel das richtige Ergebnis und zeigen schonungslos, wann wir zugenommen haben. Doch das ständige Wiegen ist mit viel Schmerz und Leidensdruck verbunden.

Ich gehöre nicht zu den Vorzeigeanorektikern. Wenn ich es tue, wäre ich jetzt immer noch lebensbedrohlich untergewichtig, doch das lassen wir lieber außer Acht. Ich war nie diejenige, die sich mehrmals am Tag gewogen hat, aber einmal am Tag war Pflicht und immer drin. Bevorzugt morgens. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich mir am sichersten war, dass ich vollkommen „leer“ bin. Auch dafür gab es, wie sollte es anders sein, perfide Regeln, die ich einhalten musste:

 

Erste Regel: Vor dem Wiegen darf ich nichts trinken oder essen, denn ansonsten bin ich schwerer und hab kein echtes Ergebnis.

Zweite Regel: Vor dem Wiegen darf ich nicht Zähneputzen. (Weil Zahnpasta hat ja auch Kalorien)

Dritte Regel: Vor dem Wiegen darf ich nicht duschen und schon gar keine nassen Haare haben. (Weil das Wasser mich schwerer machen und dementsprechend das Ergebnis verfälschen könnte)

Vierte Regel: Ich darf nichts am Körper tragen. (Selbst mein Bauchnabelpiercing habe ich mir vor jedem Schritt auf die Waage entfernt)

Fünfte Regel: Nicht schminken vor dem Wiegen und vollständig abgeschminkt sein, denn das Zeug könnte mich schwerer machen.

 

Mit Ausnahme von Regel Nummer 1 war der Rest ein absoluter Blödsinn. Ich habe es selbst getestet. Normale Schlafkleidung macht dich nicht einmal um 100 g schwerer, das Piercing wiegt fast nichts, genauso wie Make-up, was im Grunde genommen logisch sein sollte. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das für ein Kontrollzwang war. Somit ist Anorexie im weiteren Sinne nicht nur eine Sucht, sondern auch eine kleine Zwangsstörung, die je nach Individuum sehr schwach bis hin zu sehr stark ausgeprägt sein kann. Wieder ein deutliches Zeichen, dass es sich hierbei um eine psychische Erkrankung handelt, denn Zwangsstörungen werden im ICD-10 in die Kategorie F4 eingereiht: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen. 

Anm.: Der ICD (International Classification of Diseases) ist übrigens ein Diagnostikschemata, welches für alle Erkrankungen steht. Kategorie F beschäftigt sich ausschließlich mit psychischen Erkrankung. Anorexie wird unter F50.0 gereiht. Daneben gibt es auch noch den DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders), der rein für psychische Störungen gilt.

Streng genommen wird eine Anorexie jedoch nicht in die Kategorie F4 eingeteilt, weil es sich hierbei um keine Zwangsstörung handelt. Allerdings zeigt man durch das ständige Wiegen eine zwanghafte Symptomatik, die eben darauf hindeutet, dass man einen bestimmten Zwang hat. Zwänge zeigen sich beispielsweise auch durch das ständige Kontrollieren von Kalorienangaben etc.

 

Die Waage als Auslöser für Zwangsneurosen

Das Wiegen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. In einer Essstörung wird es innerhalb kürzester Zeit zwanghaft. Natürlich spricht nichts gegen das Wiegen an sich, aber zu oft und ständig auf die Waage zu steigen, ist ungesund. Nicht körperlich, versteht sich, dafür psychisch umso mehr. Man könnte das Wiegen sogar als einen Verstärker sehen, der Betroffene nur noch mehr in die Misere reitet. Bei mir war es zumindest so. 100 g mehr als am Vortag reichten aus, um mich zum Hungern zu zwingen. 100 g weniger verschafften gleichzeitig ein Glücksgefühl, aber auch eine seelische Unzufriedenheit mit mir selbst. Es geht schließlich immer besser. Sogar ein Kilo weniger nach einem Tag macht nur ganz, ganz kurz glücklich. Denn hier fragt man sich erst recht, wie man es noch besser machen kann.

Die Waage war von Anfang an mein Essential. Auch schon dann, als ich erst mit meiner Diät angefangen habe. Gewogen habe ich mich täglich, weil ich schnell Ergebnisse sehen wollte. Ich wollte wissen, ob meine Diät anschlägt. Am Anfang hat es mich wahnsinnig glücklich gemacht, als die Zahl rapide nach unten gegangen ist, doch irgendwann war dieses ganze Gefühl nicht mehr befriedigend.

 

Als es nicht mehr ohne die Waage ging

Ich kann mich noch ganz genau erinnern, als meine Beziehung zur Waage am Tiefpunkt angelangt war. Zu der Zeit hatte ich gerade meine Matura bestanden und anstatt mich auf meine Maturareise zu freuen, zermarterte ich mir den Kopf, wie ich eine Woche ohne Waage überleben könnte. Es war für mich undenkbar, ohne dieses Kontrollorgan in den Urlaub zu fliegen, also packte ich sie ein. Mit schweren Folgen. Sie ging während des Fluges kaputt. Ich hätte Ausrasten können und spürte im ersten Moment nur eines: Pure Verzweiflung. Irgendwie funktionierte sie trotzdem noch und sie zeigte auch immer noch das richtige Ergebnis an. Im Nachhinein betrachtet macht es mich wahnsinnig traurig, dass ich diese einzigartige Woche in meinem Leben mit solchen Gedanken verschwendet habe. Es ärgert mich, dass ich sie überhaupt mitgenommen habe, denn genießen kann man einen Urlaub damit nicht wirklich.

Was ich damit sagen möchte: Man darf sein Leben nicht von einer einzigen Zahl abhängig machen. Man ist mehr, als nur eine Zahl. Hier habe ich einen ausführlichen Beitrag darüber geschrieben. Sich zu wiegen, ist nicht verkehrt und man sollte es auch manchmal tun, um einfach ein Auge auf sein Gewicht zu haben. Aber das Gewicht sollte nicht die Hauptrolle in unserem Leben spielen. Die Waage schon gar nicht.

Ich weiß ganz genau, warum ich mich jetzt nicht wiege. In mir drinnen schlummert immer noch ein Teil Anorexie. Man sieht es außen nicht, aber so ganz davon loskommen werde ich nie. Wenn ich diese Zahl sehe, die mir die Waage gnadenlos auf dem Silbertablett serviert, werden Kognitionen frei, die mich in Richtung Hunger oder Anorexiegedanken treiben würden. Zumindest jetzt ist es so, denn auch wenn es mit meiner Ernährungsumstellung super klappt, ich weiß, dass ich momentan damit nicht klarkommen werde. Darum habe ich Angst, was dieser Anblick einer zweistelligen Zahl mit mir und meinen Verhaltensweisen machen könnte. Meine Devise lautet nun: Besser bleiben lassen und zwar so lange, bis ich mit meinem Spiegelbild zufrieden bin. Denn dann ist die Zahl wirklich nur noch eine Zahl und nicht der Lebensinhalt.

 

Bild via Kaboompics