Tag : Gefühlvolle Texte

Du bist meine große Liebe!

Du bist meine große Liebe!

Heute bin ich Gast. Gast auf meinem eigenen Blog. Gedankenverloren scrolle ich durch die Beiträge vergangener Tage. Veränderung! Es hat sich etwas verändert. Vielleicht fällt nur mir das auf. Vielleicht spüre nur ich das. Die Leere der letzten Monate? Sie ist gegangen. Es ist fast, wie früher – die Zeit, in der mein Hauptfokus auf diesem kleinen Ort voller Buchstaben, Wortfetzen, aber auch Beiträge mit Mehrwert, schönen Fotografien und vielem mehr lag. Seit Kindheitstagen war und ist das Schreiben meine große Liebe. Bevor ich es wirklich beherrschte, wollte ich es bereits können. Und dann – irgendwann. Als ich sechs Jahre alt und Tafelklasslerin war, lernte ich es. Ich lernte das, was ich immer können wollte. Das, was mich für mein Leben prägte. Das, was meine Zukunft sein sollte. Das, womit ich Geschichten lebendig werden lasse. Und das, was ich tue, seitdem ich es kann. Schreiben. 

Ich schreibe, seitdem meine Hand die richtigen Buchstaben formen kann. Seitdem ich dazu in der Lage bin, aus einzelnen Buchstaben Wörter zu konstruieren. Seitdem ich dazu in der Lage bin, aus diesen einzelnen Wörtern sinnvolle Sätze lebendig werden zu lassen. Diese Liebe hat sich nie verändert. Nie ist sie kleiner geworden oder hat sich gar in Luft aufgelöst. Wenn, dann schlägt mein Herz noch schneller für diese Leidenschaft. Pulsierend. Ununterbrochen. Mit jedem einzelnen Wortfetzen wächst sie.
Die Liebe zum Schreiben.
Die Liebe zu Buchstaben.

Die Liebe zu Wörtern.
Die Liebe zu Geschichten.

Diese Leidenschaft hat dazu geführt, dass einst vor vielen Jahren dieser Blog ins Leben gerufen wurde. Liebe steckt drin. Viel Liebe. Und Wortmalerei. Und Pixelmalerei. Es würde mich interessieren, wie viele Buchstaben sich auf diesem Datenkonstrukt befinden. Wie viele Wörter hier ihr Unwesen treiben. Millionen? Millarden? Wie auch immer. Mein Fokus lag zu Beginn darauf, dieses kleine Baby am Leben zu halten. Lebendig werden zu lassen. Mit Buchstaben. Mit Worten. Mit Geschichten. 

Irgendwann ging der Fokus verloren. Obwohl ich immer wieder nach nach der richtigen Abzweigung gesucht habe. Einmal falsch abgebogen und im Labyrinth gefangen. Ich wollte zurückfinden. An dieser Beziehung, dieser Symbiose festhalten. Nur so kann ich meine Gedanken loslassen. Meinen Gedanken Leben einhauchen. Nur so. Denn meine Gedanken sind wie ein Pinsel. Mit diesem Pinsel male ich. Aber keine Bilder. Ich male Wörter und auch nur dann, wenn ich es zulasse. Wenn mein Fokus darauf liegt. Wenn ich nicht starr die Dinge verfolge, die vielleicht erfolgsversprechender sind, mich aber nicht so sehr erfüllen, wie das geschriebene Wort auf meinem Medium. Auf meinem Onlinejournal. An einem Ort in einer ewig weiten Sphäre. Ein Ort, der mir gehört, den ich aber nicht für mich alleine habe. Den ich teile. Einen Ort, an dem ich gerne Platz mache. Platz für Freunde, Follower, Besucher – Platz für dich. Aber Blogs haben in den letzten Jahren die Relevanz verloren. Darum habe auch ich mich -wohl eher unbewusst- neu orientiert. Mich neu fokussiert. Und ich habe es vermisst. Habe vermisst, dass mein Fokus nicht mehr auf dem geschrieben Wort lag. Nicht mehr auf dem Blog. Und ich wollte es immer wieder. Immer wieder zurückfinden. Vielleicht habe ich auch meine Muse verloren. Denn Schreiben wollte ich wieder öfter. Ich wusste nur nicht, was.

 

...und dann schlug die Uhr Mitternacht

…und plötzlich passierte es von selbst. Am 01.01.2020 schrieb ich einfach los. Wort für Wort, Taste für Taste, welche behutsam gedrückt wurden. Zuerst langsam. Zaghaft. Dann immer schneller und schneller. Selbstbewusster. Mutiger. Ich habe wieder angefangen. Viel mehr als das. Ich erwischte mich dabei, dass ich es öfter tat. Immer wieder. Immer mehr. Immer mehr Buchstaben. Immer mehr Wörter. Immer mehr Sätze. Immer mehr Geschichten. Und ich spürte es immer wieder. Spürte, wie meine Finger über die Tastatur tanzten. Spürte, wie sie wieder einen Stift umklammerten. Denn auch das analoge Schreiben habe ich vernachlässigt. Wenig in mein Jounal geschrieben. Dabei hatte ich es früher immer dabei. Immer griffbereit in meiner Tasche, um meine Gedanken loszulassen. Um aus meinen Gedanken ein Schriftstück zu kreieren. Manchmal auch, um aus meinen Gedanken zu fliehen. Ich wurde mit neuen Ideen beschenkt. Mit neuen Inspirationen. Meine Muse ist zurückgekehrt. Ich habe die Idee nicht verfolgt, aber es passierte. Es passierte irgendwie. Ungeplant. Spontan. Aber mein Kopf war wieder voll. Voller Ideen.

Heute bin ich Gast. Gast auf meinem eigenen Blog. Gedankenverloren scrolle ich durch die Beiträge vergangener Tage und ich stelle fest. 10 Beiträge haben es im Januar auf My Café Au Lait geschafft. Gerade tippe ich den 11. Für diese Anzahl an Beiträgen habe ich im letzten Jahr gefühlt sechs Monate gebraucht. Hier herrscht wieder Leben. In meinen Gedanken herrscht wieder Leben. Und ich fühle mich wieder erfüllt. Es macht mir wieder Spaß. Auch wenn Blogs für die breite Masse an Relevanz verloren haben. Hingegen für mich hat das Bloggen wieder an Relevanz gewonnen. Meine große Liebe – ich habe es wieder zugelassen. Ich habe sie wieder in mein Leben gelassen.

Liebe
Liebe

I Wish I Was Brave Enough To Love You

Eine zaghafte Berührung, die immer fordernder wurde. Seine Arme um mich geschlungen. Und er sah mich an. Einschlägig. Intensiv. Er musterte mich mit seinen stahlgrauen Augen. Sie waren so wundervoll. Zu wundervoll, um mich nicht darin zu verlieren. Zu wundervoll, um dennoch hineinzuschauen.

Ich wusste nicht ganz genau, was er mir gerade offenbarte. Aber ich hatte es im Gefühl. Dieser Blick. Sein Blick. Sein Blick brachte mich in ein Bedrängnis. Ich fühlte mich unwohl, als er seine Arme immer fester um meinen Körper schlang. Mir stockte der Atem. Er hielt mich fest. Seine Berührungen wurden noch fordernder. Zu fordernd. Er hielt mich fest. So fest, wie mich schon lange keiner mehr festhielt. Und ich wusste: Er meinte es liebevoll. Er wollte mir signalisieren, dass ich nicht gehen sollte. Aber ich konnte nicht. Konnte es nicht ertragen. Nicht ertragen, wie fest er mich gefangen hielt. Er hielt mich fest. So fest. Physisch. Psychisch. Nicht nur mit seinen Armen, sondern auch mit seinen Augen. Seinen stahlgrauen Augen. Sie waren so wundervoll. Zu wundervoll, um mich nicht darin zu verlieren. Zu wundervoll, um dennoch hineinzuschauen.

In meinem Inneren brodelte es. Mein Atem stockte. Immer mehr. Die Luft blieb mir weg. Weggeschnürt. Es gab keine Möglichkeit zu atmen. Denn er hielt mich immer fester. Und ich wusste nun in vollster Klarheit, was er wollte. Zumindest gestand ich es mir jetzt ein. Und es machte mir Angst. Große Angst. Ich hatte das Gefühl, mich von ihm losreißen zu müssen. Besser jetzt, als nie. Diese Augen machten es nicht besser. Seine stahlgrauen Augen. Sie waren wundervoll. Zu wundervoll, um mich nicht darin zu verlieren. Zu wundervoll, um dennoch hineinzuschauen.

Ich musste Reisaus nehmen. Besser jetzt, als nie. Besser an einem Zeitpunkt, an dem ich noch flüchten konnte. Flüchten, bevor es zu spät wäre. Ich wusste, was er wollte. Ich spürte es. Er signalisierte mir, dass da mehr war. Viel mehr. Von seiner Seite aus. Und ich mochte ihn. Ich mochte ihn sogar sehr. Aber -und das wünschte ich mir wirklich- ich konnte ihn nicht lieben. Ich war nicht mutig genug. Ich wollte es, aber war nicht mutig genug. „I’m sorry“, flüsterte ich bruchstückhaft:

What we had was beautiful
I didn’t want to wreck it all
Every Day I think about the truth.
And I wish I was – I wish I was
Brave enough to love you*

Und ich ging. Riss mich von dieser festen, fordernden Berührung los. Schenkte seinen stahlgrauen Augen keine Beachtung mehr. Diese Augen. Dieser einschlägige Blick. Dieser einschlägige Blick der wundervollsten stahlgrauen Augen, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Sie waren so wundervoll. Zu wundervoll, um mich nicht darin zu verlieren. Zu wundervoll, um dennoch hineinzuschauen. Denn ich verdiente es nicht. Ich verdiente diesen Anblick nicht. Diesen Anblick in diese wundervollen, atemberaubend schönen stahlgrauen Augen. Weil mir der Mut fehlte. Weil ich nicht mutig genug war, um ihn zu lieben und gehen musste, bevor mir eine sich aufwallende Panikattacke die Luft weg schnürte.

Ich hörte ihn nur noch ein „Why“ wispern, doch ich reagierte nicht. Ich ging. Weil ich nicht mutig genug war, um ihn zu lieben.

 

I wish I was brave enough to love you

*Das englische Zitat wurde aus diesem Song entnommen und stammt nicht von mir. 


 

Photography by Miss Getaway