Tag : Kauf Lokal

Wie geht es lokalen Betrieben in der Krise?

Ein Blick hinter die Kulissen

Wie geht es unseren lokalen Betrieben in der Krise?

Wie geht es unseren lokalen Betrieben in der Krise? Mit dieser Frage habe ich mich beschäftigt und zwei Locals zum Interview gebeten. 

Die aktuelle Corona Krise stellt uns vor Herausforderungen, mit denen wir uns noch nicht beschäftigen mussten. Neben den gesundheitlichen Sorgen, die momentan unseren Alltag prägen, stellt die Krise auch eine wirtschaftliche Bedrohung dar. Zahlreiche Medien überschlugen sich mit den Themen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Um viele Arbeitsplätze und Unternehmen zu erhalten, ist es jetzt von besonderer Bedeutung, unsere lokalen Betriebe zu unterstützen. So sorgen wir, dass nicht nur die Tradition erhalten bleibt, sondern auch Unternehmen und Arbeitsplätze.

Die Unterstützung lokaler Betriebe und Nahversorger war mir schon immer eine Herzensangelegenheit. Ich wurde am Land groß und bekam diese Werte früh mit. Ich erinnere mich an den Bäckerbus, der regelmäßig durch die Ortschaft fuhr. An die duftenden Nusskronen und Mohnweckerln, die als Kind genauso gut geschmeckt haben, wie sie es heute tun. Ich erinnere mich an das Joghurt vom Bauern nebenan, welches täglich frisch gerührt wurde und an den entzückenden älteren Landwirt, der einmal wöchentlich mit erntefrischem Obst vorbeikam. Diese Erinnerungen lassen mich nicht nur auf eine schöne Kindheit zurückblicken, sie haben auch Werte in mir hinterlassen, die ich noch heute zu 100% vertrete.

Nun ist es der Fall, dass besonders lokale Betriebe in wirtschaftlicher Hinsicht unter der Corona Krise leiden. Haben sie es ohnehin schon schwer, gegen riesige Konzerne zu bestehen, eröffnet die Krise neue Hürden, die es zu bewältigen gilt – und das neben all den großen Onlineriesen, die insbesondere jetzt von dem neuerdings noch profitableren Onlinehandel Nutznießer sind. Großkonzerne haben sich online längst etabliert, kleine Locals müssen jetzt einen Weg finden, wie sie neben ihren gigantischen Mitbewerbern bestehen können.

Mit diesem Beitrag möchte ich nicht nur Bewusstsein für unsere lokale Betriebe schaffen oder Betriebe aus der Region vorstellen, sondern auch die Sichtweise lokaler Betriebe portraitieren. Ich habe mich bewusst für zwei Betriebe aus meinem Heimatbezirk Weiz entschieden, da ich auch einen persönlichen Bezug zu diesen Produkten habe. Ich hatte das Vergnügen, mit Frau Petra Schrenk (Moarhofhechtl) und Eveline Wild (Der WILDe EDER) zu plaudern. Beide haben Betriebe, deren Bestehen weit zurückreicht. Beide Betriebe wurden im 14. Jahrhundert erstmalig urkundlich genannt und können so auf eine lange Tradition zurückblicken. Die Interviews waren sehr wertvoll, so hatte auch ich die Möglichkeit weitere Perspektiven zu betrachten, über die ich mir keine Gedanken gemacht habe.

Moarhofhechtl

Moarhofhechtl ist ein Familienbetrieb aus Passail (Bezirk Weiz) und ist bekannt für hausgemachte Teigwarenerzeugnisse und Eierlikör. Im Jahr 1996 wurde mit der Freilandhühnerhaltung begonnen. Vom ersten Tag an setzt man auf eine Direktvermarktung. Am Hof befindet sich ein eigener Hofladen, wo die Produkte erhältlich sind. Beliefert werden auch sämtliche Nahversorger sowie Gastronomiebetriebe in der Region. Mittlerweile findet man die Moarhofhechtl Nudeln auch in allen steirischen Merkurmärkten. 50% der Eier werden an die Gastronomie beliefert. Der Rest wird zu hauseigenen Erzeugnissen weiterverarbeitet. Bei Moarhofhechtl handelt sich um einen Familienbetrieb, der zwei Mitarbeiter beschäftigt. 

Der WILDe EDER

Der WILDe EDER ist ein Vier-Sterne-Hotel auf 972 Seehöhe, welches von Stefan Eder und Eveline Wild betrieben wird. Es befindet sich inmitten des Naturparks Almenland in St. Kathrein am Offenegg. Der Betrieb wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Die Urgroßeltern und deren Vorfahren haben erstmalig mit dem Ausschank begonnen. Die Großeltern errichteten die ersten Zimmer nach dem ersten Weltkrieg und lockten vor allem Sommerfrischler an. Inzwischen hat sich das Hotel weiterentwickelt. Mehrere Betten kamen hinzu und mit dem Bau eines Hallenbades wurden die ersten Schritte in Richtung Wellness gesetzt. Seit 2013 ist Der WILDe EDER im Besitz von Stefan Eder und bietet 50 Betten für Erholungssuchende. Insgesamt beschäftigt der Familienbetrieb zwischen 20-25 MitarbeiterInnen.

Was bedeutet die Krise für lokale Betriebe?

Sowohl Familie Schrenk, als auch Familie Eder/Wild stehen vor einer neuen Herausforderung, auch wenn diese unterschiedlich sind. Der WILDe EDER als Hotelbetrieb musste aufgrund der gesetzlichen Maßnahmen schließen. Die Schließung erfolgte bereits vor dem Entschluss der Regierung, da bereits erste Auswirkungen der Corona Krise sichtbar wurden. Gäste stornierten ihren Aufenthalt und so entschied man sich zu diesem Schritt. Unfreiwillige Schließungen sind für Betriebe immer mit einer Vielzahl an Problematiken verbunden und nicht mit einem Betriebsurlaub vergleichbar. Betriebsurlaube sind geplante Schließungen zur Erholung der Mitarbeiter und Geschäftsführer, die im Vorhinein immer gut vorbereitet sind (es wird weniger eingekauft, darauf geachtet, Kühlhäuser zu leeren und auch finanzielle Vorkehrungen wurden getroffen). An all diese Aspekte kann man von unfreiwilligen Schließungen natürlich nicht denken, da man immer grob ein Jahr in die Zukunft „normal“ plant.

Auch der Hofladen von Familie Schrenk wurde geschlossen. Zuvor wurde der Laden leergekauft, man fokussiere sich nun auf die Produktion.

Beide Betriebe mögen unterschiedlich sein, allerdings haben sie mehr miteinander zu tun, als man denkt. Familie Schrenk beliefert alle Gastronomie- und Hotelbetriebe in der Almenlandregion mit ihren Nudelspezialitäten. Wenn dieser wichtige Kunde vorerst wegfällt, entstehen enorme Umsatzeinbußen. 50% der gesamten Eier werden an die regionale Gastronomie und Hotellerie geliefert. So sind nicht nur die wirtschaftlichen Einbußen eine Schwierigkeit, sondern ein weiteres Problem gesellt sich dazu: die Verschwendung. Dieser Aspekt beschäftigt auch Eveline Wild. Sie hat insgesamt ca. 15-20 Tausend Pralinen in ihrem Lager – es wurde sich auf Ostern viel vorbereitet. Normalerweise verkauft sie den Großteil ihrer Pralinen an die Hausgäste des Hotels, wo sich zusätzlich ein kleiner Shop für die Produkte befindet. Da die handgemachten Pralinen aufgrund von frischen Creme- und Fruchtfüllungen nur begrenzt haltbar sind, droht nicht nur eine enorme Verschwendung. Auch viel Herzblut und Arbeitszeit geht damit verloren. Wären die Produkte noch im Rohzustand im Lager, wäre es kein allzu großes Problem, doch die verarbeiteten Produkte haben eine begrenztere Haltbarkeit.

Last but not least wären die Mitarbeiter- und Energiekosten zu nennen, die trotz Schließung nicht wegfallen. Der WILDe EDER hat zwar Rücklagen, die das Unternehmen für maximal 1-2 Monate mit den Fixkosten sichern, doch der Energieverbrauch muss auch danach bezahlt werden. Selbst wenn keine Gäste im Haus sind, müssen Kühlung und das Schwimmbad mit Energie versorgt werden, um deren Funktion zu erhalten. Darüber hinaus tätigen auch regionale Unternehmer Investitionen, welche Kredite erfordern. Das bedeutet, dass auch Kreditrückzahlungen im Raum stehen. „Jedes Unternehmen geht gewisse Risiken ein: Geld, Ressourcen und Mitarbeiter“, so Eveline Wild in unserem Gespräch.

Lokale Betriebe in der Krise
Lokale Betriebe in der Krise

Wie mussten sich Betriebe an die Situation anpassen?

Da Familie Schrenk die Eier nicht mehr an Gastronomie und Hotellerie liefern kann, wurde nach einer Lösung gesucht. Man entschied sich, die eigentlich für die Gastronomie und Hotellerie gedachten Eier noch verstärkter an örtliche Nahversorger zu liefern. Damit versucht man der Verschwendung entgegenzuwirken, gleichzeitig ist es ein Appell, auch im Supermarkt vermehrt auf die Herkunft der Ware zu achten und regionale Produkte vorzuziehen. Zusätzlich bietet Moarhofhechtl einen Onlineshop. Dort findet man nicht nur die herkömmlich verpackten Nudeln, sondern auch Geschenke wie Nudelsträuße und Nudelfiguren.

Da der Hofladen Lebensmittel betreibt und demnach laut dem staatlichen Beschluss geöffnet bleiben darf, wurde sich trotzdem zu dem Schritt der Schließung entschieden. Petra Schrenk ist die Sicherheit ihrer Mitarbeiter und der Familie wichtiger, darum erfolgte die Ladenschließung vor allem aus Sicherheitsgründen. „Das Infektionsrisiko war einfach zu hoch“, so Petra Schrenk. Ab jetzt arbeitet man im Schichtbetrieb und getrennt voneinander – ohne Kundenkontakt. Dadurch können die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten. Auch die Lieferung an den Nahversorger erfolgt kontaktlos.

Eveline Wild löst das Problem, indem sie ihre Produkte in ihrem Onlineshop vertreibt und zusätzlich auf ihren Social Media Kanälen dafür wirbt. Vor der Krise kauften die Leute dort überwiegend Gutscheine. Diese wichtige Einnahmequelle sei aktuell wenig genutzt. Die Bewerbung des Online Shops auf Social Media stieß zudem nicht immer auf Zuspruch. Auch Kritik im Sinne von sich mit der Krise bereichern musste sie dafür einstecken.

Lokale Betriebe in der Krise
Lokale Betriebe in der Krise

Was wünschen sich Locals für die Zeit nach der Krise?

Obwohl die aktuelle Situation herausfordernd ist, bleiben sowohl Familie Schrenk als auch Familie Eder/Wild zuversichtlich. Beide versuchen das positive aus der Krise zu sehen. Besonders alte Werte sind Herzensangelegenheiten. Dass wieder mehr Fokus auf Regionalität und Tradition gelegt wird.

Man hofft, dass Menschen wieder mehr regional kaufen. Das bezieht sich nicht nur auf die eigenen Produkte der beiden Betriebe, sondern auch auf andere Branchen wie Bekleidung und Spielwaren. So können viele wichtige Arbeitsplätze gesichert werden, wir würden weniger in Billiglohnländern produzieren und können auch die Massentierhaltung damit eindämmen. Wer vor Ort oder im Nachbarort einkauft, leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur österreichischen Wirtschaft, die alle ÖsterreicherInnen betrifft und auf die Lebensqualität eines jeden Einwohners Einfluss nimmt.   

Auch dass die Wertschätzung gegenüber Landwirten zunimmt, ist ein großes Anliegen. Die Landwirtschaft ist nicht zuletzt wegen der Produktion ein wichtiger Faktor unserer Gesellschaft. Almwirtschaft erhält beispielsweise unsere schönen Wanderwege in der Region. Würden Almen nicht beweidet werden, würden die Wege zuwachsen. Unterm Strich würde es damit keine Wanderwege mehr geben. 

Im Fokus steht mehr Menschlichkeit. Man hofft, dass die aktuelle solidarische Haltung nach der Krise erhalten bleibt und die Menschen nicht wieder in die alten Verhaltensweisen zurückfallen. Wenn uns die Krise etwas ermöglicht, dann ein nachhaltiges Umdenken.

Lokale Betriebe in der Krise
Lokale Betriebe in der Krise

Umdenken und lokale Betriebe unterstützen!

Wir haben jetzt die Möglichkeit, Tradition und Regionalität aufrecht zu erhalten. Ich hoffe, dass euch dieser Beitrag zu einem weiteren Umdenken anregen konnte. Natürlich sind regionale Produkte höherpreisig, doch auch hier gilt, dass wir unsere Prioritäten angemessen setzen müssen. Wir kommen aus einer Zeit des Überkonsums und unterstützen damit leider oft Großkonzerne. Außerdem ist es höchst unangebracht, kleine Unternehmen dafür zu kritisieren, wenn diese weiterhin für ihren Onlineshop werben. Natürlich befinden wir uns in einer sensiblen Zeit, die uns viel abverlangt. Existenzen sind bedroht und eine empfindliche Reaktion auf weitere Kaufanreize ist nachvollziehbar, doch es geht hier um uns alle. Wir alle müssen unser Geld verdienen, um unsere Kosten zu decken. Und wenn das gesamtwirtschaftliche System komplett einbricht, werden wir alle die Leidtragenden sein. Darum verurteilt bitte niemanden, der versucht, seine Existenz weiterhin aufrecht zu erhalten. Letztendlich sichern wir dadurch Arbeitsplätze und können dafür sorgen, dass neue entstehen, damit wir auch die Existenzbedrohung minimieren.

Essen/Trinken
Baby und Kinder
Bekleidung
Wohnen
Sonstiges
  • TENZ (Schraubenhersteller aus Graz)
  • CopyShop (Druckerei aus Gratwein)
  • Opernfoto Hausleitner (Kamera und Foto – Shop meines Vertrauens aus Graz)
  • Morawa (Buchhandlung aus Graz)
  • Carina Ramsauer (tolle Fotografin aus der Südsteiermark – Gutscheine für Zeiten nach der Krise)

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Fotocredits Moarhofhechtl
Fotocredits Eveline Wild
Sonstiges