Tag : Poetry

I Wish I Was Brave Enough To Love You

Eine zaghafte Berührung, die immer fordernder wurde. Seine Arme um mich geschlungen. Und er sah mich an. Einschlägig. Intensiv. Er musterte mich mit seinen stahlgrauen Augen. Sie waren so wundervoll. Zu wundervoll, um mich nicht darin zu verlieren. Zu wundervoll, um dennoch hineinzuschauen.

Ich wusste nicht ganz genau, was er mir gerade offenbarte. Aber ich hatte es im Gefühl. Dieser Blick. Sein Blick. Sein Blick brachte mich in ein Bedrängnis. Ich fühlte mich unwohl, als er seine Arme immer fester um meinen Körper schlang. Mir stockte der Atem. Er hielt mich fest. Seine Berührungen wurden noch fordernder. Zu fordernd. Er hielt mich fest. So fest, wie mich schon lange keiner mehr festhielt. Und ich wusste: Er meinte es liebevoll. Er wollte mir signalisieren, dass ich nicht gehen sollte. Aber ich konnte nicht. Konnte es nicht ertragen. Nicht ertragen, wie fest er mich gefangen hielt. Er hielt mich fest. So fest. Physisch. Psychisch. Nicht nur mit seinen Armen, sondern auch mit seinen Augen. Seinen stahlgrauen Augen. Sie waren so wundervoll. Zu wundervoll, um mich nicht darin zu verlieren. Zu wundervoll, um dennoch hineinzuschauen.

In meinem Inneren brodelte es. Mein Atem stockte. Immer mehr. Die Luft blieb mir weg. Weggeschnürt. Es gab keine Möglichkeit zu atmen. Denn er hielt mich immer fester. Und ich wusste nun in vollster Klarheit, was er wollte. Zumindest gestand ich es mir jetzt ein. Und es machte mir Angst. Große Angst. Ich hatte das Gefühl, mich von ihm losreißen zu müssen. Besser jetzt, als nie. Diese Augen machten es nicht besser. Seine stahlgrauen Augen. Sie waren wundervoll. Zu wundervoll, um mich nicht darin zu verlieren. Zu wundervoll, um dennoch hineinzuschauen.

Ich musste Reisaus nehmen. Besser jetzt, als nie. Besser an einem Zeitpunkt, an dem ich noch flüchten konnte. Flüchten, bevor es zu spät wäre. Ich wusste, was er wollte. Ich spürte es. Er signalisierte mir, dass da mehr war. Viel mehr. Von seiner Seite aus. Und ich mochte ihn. Ich mochte ihn sogar sehr. Aber -und das wünschte ich mir wirklich- ich konnte ihn nicht lieben. Ich war nicht mutig genug. Ich wollte es, aber war nicht mutig genug. „I’m sorry“, flüsterte ich bruchstückhaft:

What we had was beautiful
I didn’t want to wreck it all
Every Day I think about the truth.
And I wish I was – I wish I was
Brave enough to love you*

Und ich ging. Riss mich von dieser festen, fordernden Berührung los. Schenkte seinen stahlgrauen Augen keine Beachtung mehr. Diese Augen. Dieser einschlägige Blick. Dieser einschlägige Blick der wundervollsten stahlgrauen Augen, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Sie waren so wundervoll. Zu wundervoll, um mich nicht darin zu verlieren. Zu wundervoll, um dennoch hineinzuschauen. Denn ich verdiente es nicht. Ich verdiente diesen Anblick nicht. Diesen Anblick in diese wundervollen, atemberaubend schönen stahlgrauen Augen. Weil mir der Mut fehlte. Weil ich nicht mutig genug war, um ihn zu lieben und gehen musste, bevor mir eine sich aufwallende Panikattacke die Luft weg schnürte.

Ich hörte ihn nur noch ein „Why“ wispern, doch ich reagierte nicht. Ich ging. Weil ich nicht mutig genug war, um ihn zu lieben.

 

I wish I was brave enough to love you

*Das englische Zitat wurde aus diesem Song entnommen und stammt nicht von mir. 


 

Photography by Miss Getaway

 

Auf ein Single Date mit Poreč

Wenn die frische Meeresbrise mir um die Haare weht und ich das Salz des Ozeans auf meinen Lippen schmecke, es sogar spüre, dann habe ich das Gefühl, meine Arme ausbreiten zu können, um diesen Moment voll und ganz zu genießen. Ich habe das Gefühl, ich kann ihn auskosten. Diesen Moment. So lange. So unendlich lange.

Ich halte inne, beobachte den Wellengang und fühle mich angekommen. Angekommen und das, obwohl ich in einem fremden Land bin. Aber ich fühle mich angekommen. Habe zu mir selbst gefunden. Diese Leichtigkeit -ich kann sie nicht mit Worten beschreiben- ist das Gefühl, was mich momentan so glücklich macht. Und manchmal läuft mir eine Träne über die Wangen, weil ich es nicht glauben kann. Nicht glauben kann, dass dieser Moment gekommen ist. Dieser Moment, in welchem ich mit mir im Reinen bin. Bedingungslos. Dieser Moment, in welchem es gar nicht notwendig ist, dass irgendwelche Bedingungen erfüllt werden müssen. Ich habe so viel dazu gelernt. Gelernt, dass das Leben Schattenseiten hat, aber das gute Tage und gute Momente keine Mythos sind. Für diese Erkenntnis bin ich unendlich dankbar. Sie hat mir die Augen geöffnet. Früher war es so, als wäre ich einer dieser Höhlenmenschen aus Platons Höhlengleichnis gewesen. Aber ich habe mich aus dieser dunklen, kalten Höhle gewagt. Nach draußen, wo das Licht auf mich wartete. Es hat mich geblendet. Es hat mich lange geblendet. Unendlich lange. Doch als mein Blick sich klärte, war ich wach. Hellwach. Und ich sah sie. All diese Schönheit, die ich früher nicht erkannt habe.

 


 

 

Volim te, Hrvatska

Zuerst war ich einsam…

Wenn ich auf Reisen bin, dann meistens nicht alleine. Und das ist schön, denn ich teile die Momente gerne. All diese Erfahrungen und Erlebnisse, die ich in einem fremden Land bzw. einer fremden Stadt sammeln darf. Es ist schön, diese Momente gemeinsam genießen zu können. Sie gemeinsam auskosten zu können. Jedoch -und diesen Luxus, diese Freiheit nehme ich mir immer- ich muss auch mal alleine sein. Ich muss die Momente für mich alleine genießen können. Ein fremdes Land, eine fremde Stadt alleine kennenlernen. Meistens stehe ich dafür extra früher aus, streife durch die Straßen oder Strände, genieße den Sonnenaufgang und beobachte, wie die Stille, die Ruhe, die Einsamkeit langsam zum Leben erwacht. Wie das bunte Treiben beginnt und ihren Lauf nimmt. Ich brauche diese Momente. Einfach für mich. Ich muss für mich Erfahrungen und Erlebnisse sammeln, die ich nur mit mir selbst teilen kann.

Poreč auf eigene Faust zu erkundigen, war nicht geplant. Ich stehle mir diese Momente eigentlich immer morgens. Und Poreč wollte ich mit jemanden teilen. Mit meinen Lieben teilen. Ich wollte Poreč nicht alleine kennenlernen und doch habe ich es getan, weil ich niemanden dazu überreden konnte, diesen Moment mit mir zu teilen. Und das ist okay. Ich habe mich in der kroatischen Stadt einsam gefühlt. Ein bisschen verloren. Habe beobachtet und gesehen, dass ich so ziemlich die einzige war, die alleine durch die Straßen und Gassen streifte. Alleinsein ist ein Gefühl, mit dem ich gut umgehen kann. Einsamkeit nicht. Denn Einsamkeit ist etwas anderes, als Alleinsein. Alleinsein brauche ich, manchmal zumindest, Einsamkeit nicht.

 

 

…und dann nur noch alleine

Ich habe da jemand kennengelernt und dieser jemand heißt Poreč

Doch ich habe mich gesammelt, mir eingeredet, dass ich jetzt hier bin. Dass ich den Moment zählen lassen muss und nicht die Einsamkeit. Habe mich angestrengt bemüht, die Einsamkeit von mir wegzudrängen. Ich habe Poreč um ein Date gebeten, um nicht einsam zu sein. Und Poreč hat ja gesagt. Zumindest hatte ich das Gefühl, denn plötzlich entdeckte ich all die Schönheiten dieser malerischen Altstadt. Bin durch die Gassen flaniert, habe fotografiert und Poreč hat mich einfach gelassen. Mich gelassen, seine Schönheit einzufangen. Wir haben gemeinsam diesen Moment festgehalten, obwohl ich alleine war. Und weil man diese Momente nicht mit Worten beschreiben kann, möchte ich es zumindest in Bildern versuchen.

 


Poreč und ich hatten ein Date…

…und es war wunderschön

Mehr als das. Es war perfekt!


 

 


 

Mehr Single Dates mit einer Stadt

Triest

 

Manchmal wär ich gern ein Magnolienbaum…

Manchmal wär ich gern ein Magnolienbaum. Dann müsste ich keine Angst davor haben, in welchem Licht mich die anderen sehen. Ich wüsste, wie sie mich sehen. Sie würden mich bewundern. Ich könnte mir meiner Schönheit sicher sein. Muss mir keine Gedanken machen. Bin nicht unsichtbar. Für niemanden! Ich würde all die anderen Bäume des Frühlings in den Schatten stellen. Oh, wäre ich doch nur ein Magnolienbaum. Ich wäre befreit. Von all den Komplexen, der Unsicherheit und den Selbstzweifeln, die mich manchmal quälen. Jeder, wirklich jeder der mich ansieht, tut dies mit einer unendlichen Bewunderung. Ich würde die Menschen in einen magischen Bann ziehen. Sie mit meiner weiß-rosanen Blütenpracht festhalten. Mein Anblick würde sie nur schwer loslassen. Und ich weiß, dass jeder alles dafür tun würde, mich im besten Licht zu fotografieren. Ich würde die Menschen inspirieren. Sie in Frühlingsgefühle versetzen. Ich würde endlich den Sinn herausfinden, warum ich existiere. Einfach, um die Menschen um mich herum glücklich zu machen. Um ihnen Freude zu schenken. Um ihnen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Und ich würde wahrgenommen werden. Überall! Jeder Blick würde mich treffen, denn ich bin nicht unsichtbar. In der vollsten Blüte wäre ich präsenter den je. Denn ich falle auf – positiv. Es würde mir nichts ausmachen, angestarrt zu werden. Denn ich weiß, warum die Menschen das tun. Sie tun es aus einem schönen Grund. Aus dem Grund, weil sie mich bewundern. Weil ich makellos bin. Weil es für jeden Baum in meiner Umgebung erstrebenswert wäre, so zu sein, wie ich. Nur kann es nicht jeder.

 

Magnolien8 Magnolien7 Magnolien6

 

Manchmal wäre ich gern ein Magnolienbaum. Dabei muss ich mir die Frage stellen, warum es so erstrebenswert ist, wie ein Magnolienbaum zu sein. Magnolienblüten sind die Schönheit des Frühlings. Es stellt keinen Zweifel dar, warum sie das sind. Sie sind wie kleine Sterne. Genauso magisch. Genauso schön. Genauso fesselnd wie ein tiefschwarzer Nachthimmel, dessen Antlitz von strahlenden, leuchtenden Sternen erfüllt wird. Aber Magnolienbäume sind nicht beständig. Ihre Blüten leben nur kurz. Die Schönheit des Magnolienbaums stirbt. Binnen kürzester Zeit ist sein Glanz weg. Die Blüten sinken zu Boden. Fallen herab, bleiben liegen und verschwinden irgendwann. Dann ist nicht mehr viel übrig von all dem, was die Menschen so magisch finden. So fesselnd. So besonders. All das, was mich einzigartig machen würde, ist weg. Verschwunden. Für eine sehr lange Zeit. Bis der nächste Frühling wiederkommt. Doch dann bin ich unsichtbar. Viel, viel länger, als ich sichtbar war. Der Magnolienbaum ist nicht gestorben. Nur das, was ihn so wunderschön macht, ist gestorben. Für viele Menschen. Dabei sollten wir unseren Fokus auf andere Dinge legen. Nicht nur auf die jungfräulich erscheinenden Blüten. Denn der Magnolienbaum ist auch im Sommer schön. Vielleicht mag er nicht mehr diese Magie besitzen, weil er nicht mehr so unschuldig weiß erscheint. Mit den rosaroten, in sich verschmelzenden Farbverläufen. Er ist grün. Aber der Magnolienbaum lebt. Und er lebt in Schönheit. Auch wenn die Blüten längst vergangen sind. Sie kommen wieder.

 

Magnolienblüte Magnolienbaum2

 

Was ich damit sagen möchte: DU BIST SCHÖN! Immer! Jeden Tag. Jede Stunde. Jede Minute und auch jede Sekunde. Du musst nicht immer strahlen, wie ein Magnolienbaum in seiner vollsten Blüte. Du musst einfach du sein. Es muss dir egal sein, was die anderen Menschen von dir denken. Diejenigen, die es wert sind, sehen deine Schönheit immer. Denn sie wissen genau, dass du sie aus deinem tiefsten Inneren – aus deinem Herzen – ausstrahlst. Wir müssen uns nicht wünschen, wie ein Magnolienbaum zu sein, denn wir sind genauso, wie er. Schön – zu jeder Jahreszeit! 

 

Magnoliaa

 

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