Tag : Selbstzweifel

Es tut mir Leid

Es tut mir Leid! A Love Letter to my Body…

A Love Letter to my Body

Es tut mir Leid

In letzter Zeit teile ich auf Instagram in meinen Captions viele persönliche Wort. Natürlich. Für mich ist es eine intensive Zeit des Nachdenkens. Ich mache mir viele Gedanken. Viel Altes ist wieder präsent und gerade auf körperbezogene Themen spezialisiere ich mich mehr denn je. Aber auch Entschleunigung findet bei mir wieder Gehör. Mir tut es gut, diese persönlichen Texte und Gedanken zu teilen. Dabei schwingt immer die Hoffnung mit, Menschen damit zu erreichen. Ihnen zu helfen und aufzuzeigen, dass man in vielen Belangen des Lebens einfach nicht alleine ist. 

Warum mein eigener Körper momentan wieder so präsent ist, liegt vor allem an den Schwierigkeiten meiner Recovery, die ich wieder aufnehmen musste. Die Coronazeit und all ihre Folgen haben mir auf den Magen geschlagen. Für mich waren es sieben intensive Wochen, in denen ich komplett alleine war. Manchmal habe ich es da gar nicht zugelassen, mich zu sehr mit mir und meinen Gedanken zu beschäftigen. Aber irgendwann holt einem die Vergangenheit vielleicht doch ein. Ich habe jedenfalls erkannt, dass es noch einige Baustellen gibt, an denen ich arbeiten muss. Gerade was körperbezogene Themen betrifft. Diese habe ich in meiner Recovery nicht mehr allzu viel Beachtung geschenkt. Denn es ging mir gut. Wozu noch daran arbeiten? 

Das Wozu kann ich euch heute beantworten. Wozu? Weil das Leben nicht immer eitler Sonnenschein ist. Weil Herausforderungen auf uns warten, die auch auf uns zukommen. Gerade in solchen Zeiten muss man emotional gefestigt sein, damit einem die Vergangenheit wirklich nicht einholt. Ich habe gemerkt, dass ich das noch nicht war. Gefestigt! Deshalb muss ich mich jetzt vermehrt darum kümmern, mein Gedankenchaos zu ordnen, die Spirale anzuhalten und endlich einen Abschluss finden, der es mir ermöglicht, auch solche Zeiten emotional gefestigt durchzuhalten. 

Mein Körper ist nach wie vor die Baustelle. Bzw. nicht mein Körper in seiner physischen Form, sondern meine Beziehung zu meinem Körper. Die spielt sehr wohl noch eine Rolle, unabhängig von all den Erfolgen, die ich bereits verbuchen konnte. Aber ich habe mir zu wenig Zeit gelassen, die Beziehung zu meinem Körper zu festigen. Denn – es ging mir ja gut. Nur darf ich nicht vergessen, dass ich mich inmitten einer Stabilität befand. Ich hatte einen Job, meine erste eigene Wohnung, Freunde und Familie, die ich immer sehen konnte. Während der Corona Krise ist erstmals das soziale Gefüge in seiner physischen Form zusammengebrochen. Ich war alleine. Urplötzlich. Dann war mein Job weg. Natürlich blieben Freunde und Familie sowie meine Wohnung. Aber eben keine finanzielle Sicherheit. Es kamen Ängste hinzu, wie es nun weitergehen sollte. 

Nun habe ich alles wieder, das ich in den letzten Wochen so vermisste. Ich darf meine Familie sehen, meine Freunde, ich habe einen Job gefunden, der mir neue Möglichkeiten eröffnen kann und meine Wohnung ist nach wie vor mein Zentrum, auch wenn mir der Gedanke auf die Rückkehr momentan sehr, sehr schwer fällt. Was dennoch wiedergekommen und auch nach all der Stabilität, die ich zurückgewonnen habe, geblieben ist: die Unsicherheit mir gegenüber. Die Unsicherheit meinem Körper gegenüber. Es ist leichter, wieder in den Strudel der Essstörung hineingezogen zu werden, als sofort wieder rauszukommen. Ja, ich habe Stabilität. Trotzdem muss ich jetzt an mir weiterarbeiten und an all den Baustellen, die trotz Recovery übrig geblieben sind. 

Es tut mir Leid
Es tut mir Leid

Dear Body...

Es tut mir Leid

Ich habe nachgedacht. Sehr viel. Über mich und insbesondere über meinen Körper. Wie habe ich meinen Körper in all den letzten Jahren behandelt? Und dabei habe ich ganz persönliche Zeilen verfasst, die ich auf meinem Instagram Account bereits geteilt habe und nun auch hier auf dem Blog noch einmal festhalten möchte. Falls ihr euch fragt, was meine Überschrift nun wirklich mit dem oben geschrieben Text zu tun hat, hier kommt die Antwort! Ein Brief an meinen Körper:

Es tut mir Leid, wie ich dich behandelt habe. Es tut mir Leid, dass ich dich anschrie, dich als „fett und hässlich“ beschimpfte und gemein zu dir war. Es tut mir Leid, dass ich dich grob berührte, dass ich dir in den Bauch boxte und das Essen verboten habe. Es tut mir Leid, dass ich dir viel kostbare Zeit gestohlen habe. Es tut mir Leid, dass ich dich zum Sport zwang, obwohl du keine Kraft mehr hattest. Es tut mir Leid, dass ich dich auf die Waage zerrte und dich für das Ergebnis fertig machte. Es tut mir Leid. Meine kritischen Blicke, mein Hass dir gegenüber. Es tut mir Leid, dass ich dir nicht erlaubte, zu leben. Und ich danke dir, dass du mir verziehen hast. Dass du UNS immer wieder eine Chance gegeben hast. Ich werde dich nie mehr fertig machen, dir nie mehr in den Bauch boxen, dir nie mehr das Essen verbieten, dich nie mehr zum Sport zwingen, dich nie wieder auf die Waage zerren und deine Maße überprüfen. Ich werde für dich da sein und mich so um dich kümmern, wie du es verdient hast. Denn du bist mein Körper und wir werden ewig zusammengehören. 

Instagram @mycafeaulait am  28. April 2020

Lookbook #25: Red Lace Skirt

Lookbook #25

Red Lace Skirt

Als ich den Red Lace Skirt das erste Mal anprobiert habe, habe ich mich sofort wohl gefühlt. Ich wusste gleich, dass der Rock meinen Stil verkörpert und zu mir passt. Gerade deswegen habe ich ihn mir gekauft. Mit dem Hintergedanken, daraus nach langer Zeit wieder ein Outfit zu shooten. Wie lange ist es her, dass ich ein Outfit geshootet habe? Das Letzte war irgendwann im September. Ein paar Tage nach meiner Triestreise. Es ist egal, wie lange der Outfitshoot schon zurückliegt, beim Fotografieren habe ich immer dieselben Ängste: Mich selbst auf Bildern zu sehen.

 

Red Lace SkirtShoes

 

Über Selbstzweifel und den ängstlichen Blick in den Spiegel

Sich in seinem eigenen Körper wohlfühlen. Traurigerweise ist das ein Gefühl, das ich nicht so gut kenne. Ich frage mich oft: Wann habe ich mich jemals in meiner Haut wohlgefühlt? Sicher war dem so, als die Waage in meiner tiefen Krankheitsphase wieder ein paar Gramm weniger angezeigt hat. Aber das Hochgefühl war so schnell weg, wie es gekommen war. Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht mindestens einmal kritisch im Spiegel begutachte. Die ganze Skepsis, die Selbstzweifel, das Bild im Spiegel, das Unwohlsein. All das spiegelt sich auf meinen Fotos wieder. Dabei ist das so schade. Es gibt nur wenige Fotos von mir in all den europäischen Hauptstädten, die ich bisher besucht habe. Ohne Alex würde es wohl auch keines aus Ljubljana geben. Ich wollte mich nicht fotografieren lassen, weil ich den Anblick von mir auf den Bildern momentan schwer ertrage. Gut, das war jetzt dezent übertrieben. Es ist eher eine Angst, mich auf einem Foto zu sehen und es dann zu hassen. Ergo: Mehr Selbstzweifel.

 

lace skirt back

 

Ich bin ehrlich. Es fällt mir ein bisschen schwer, diese Fotos zu zeigen, obwohl es so viele sind. Ich habe sie mit den anderen Fotos aus meinem letzten Fashionpost verglichen. Zunehmen ist für mich eine Sache, die mich immer unglaublich stresst und oftmals fühle ich mich dann wertlos. Früher diszipliniert, ambitioniert und dünn und jetzt? Beim Durchschauen und Aussortieren der Bilder kreisten viele Gedanken in meinem Kopf umher. Gedanken, die immer auf das Gleiche hinauslaufen:

„Gott, siehst du fett aus! Du schaust echt nicht schön aus!“

Darum kann ich Komplimente so schwer annehmen. Alex hat mir einmal gesagt, dass er sich wünschen würde, ich würde mich so sehen, wie er und meine Freunde mich sehen. Für mich ist das so schwer zu begreifen. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass mich meine Mitmenschen komplett anders sehen, wie ich mich sehe. Natürlich ist man nicht jedermanns Typ. Das kann man auch nie sein. Der eine findet das schön, der andere das. Ich möchte nie als Jammerin oder Komplimentefischerin dastehen, wenn ich wieder mit meinen Selbstzweifeln ankomme. Weder hier, noch bei meinen Freunden. Doch manchmal muss ich mir diese Gedanken einfach von der Seele reden oder schreiben.

 

Red Lace Skirt1 Tasche

 

Vergiss nie, du bist gut so, wie du bist!

Ich versuche allzuoft, mir diesen Satz einzureden. Jedoch fällt es mir gerade jetzt superschwer, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Ich mag auf den Fotos zwar lachen und vielleicht sieht es nicht danach aus, aber während Alex diese Fotos von mir gemacht hat, habe ich einen innerlichen Kampf mit mir selbst ausgefochten. Dabei war ich anfangs mit dem Outfit wirklich zufrieden. Der Red Lace Skirt ist mein neuer Lieblingsrock. In der Umkleide mochte ich ihn wirklich sehr an mir – sonst hätte ich ihn mir nicht gekauft. Doch als ich ihn das erste Mal auf den Bildern sah -von mir getragen- war ich unglücklich. Manchmal wünschte ich mir, ich würde nicht so viele Gedanken darauf verschwenden, mit mir selbst unzufrieden zu sein. Ich würde wirklich alles geben, wenn diese ganzen Selbstzweifel nicht mein Leben bestimmen würden. Wenn es keine Anorexie oder momentan Essstörung in meinem Leben geben würde. Wenn all das ein Fremdwort für mich wäre. Wenn ich es endlich selbst sehen könnte, dass ich gut bin, wie ich nunmal bin.

 

walk lace

 

Es sollte das Recht einer jeden Frau sein, sich in ihrem Körper wohl zu fühlen. Egal, ob sie einen großen Hintern, ausgeprägte Hüften, eine androgyne Figur oder eine kleine Oberweite hat. Nicht jeder hat die Figur eines VS-Models, aber das ist doch gut so. Wir dürfen uns von niemanden einreden lassen, dass wir nicht gut genug sind, denn das ist einfach nur Blödsinn! Ich weiß, dass ich an meine Selbstzweifel noch arbeiten muss. Warum ich die Bilder trotzdem online stelle und diesen Text schreibe? Weil ich meine Gedanken über Selbstzweifel unbedingt teilen wollte. Weil ich weiß, dass viele Menschen Selbstzweifel haben. Weil die Bilder die Geschichte visuell erzählen, die ich euch gerade aufgeschrieben habe. Weil wir endlich in einer Welt leben sollten, in der sich jeder so akzeptiert, wie er/sie ist. Einer Welt, die im Gegenzug auch jeden so akzeptiert, wie er/sie ist.

 

Full Body

 

I’m wearing

Skirt: Orsay (Same)
Blouse: Orsay (Same)
Bag: Primark
Shoes: Shoe4You
Necklace: Swarovski
Bracelets: NewOne/ Juwelier

 

Location

Wörthersee / Carinthia

 

Pictures taken by Alex