Tag : Triest

Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Thoughts in Trieste

Unruhig wälze ich mich in meinem Bett. Meine Hand ertastet sich vorwärts, sucht und findet. Das Handy, welches an der letzten Ecke des Nachttisches liegt, nahe der Kante und droht, herunterzufallen. Bevor es soweit kommt, schnappe ich es mir und werfe einen Blick darauf. Das Ladekabel löst sich automatisch, während das gedämpfte Handylicht erstrahlt und mir erbarmungslos die Uhrzeit verrät: 05:15 Uhr morgens. 

Ich neige meinen Blick nach links. Seelenruhig schlummert meine Mutter im Bett nebenan. Ich kann nicht mehr schlafen. Ich drehe mich noch einmal nach rechts, dann wieder nach links und kneife meine Augen fest zusammen. Eine viel zu frühe Zeit, um aufzustehen, aber ich finde nicht den Weg zurück ins heiß ersehnte Land der Träume. Eigentlich bin ich noch müde, richtig schläfrig. Ich gähne, aber ich schaffe es nicht, wieder einzuschlafen. Die erste Nacht in einem fremden Bett – jedes Mal aufs Neue eine Umstellung.

 

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„It’s pretty early for getting up, isn’t it.“

The last minutes of darkness

Ich weiß, dass ich nicht mehr dazu in der Lage bin, noch ein paar Stunden Schlaf zu finden. Ich weiß auch, dass meine Mutter wenig begeistert davon sein wird, sie jetzt zu wecken, nur um mich vor einem Langeweiletief zu bewahren. Leise, fast schleichend stehe ich auf, suche meine Sachen zusammen und ziehe mich hastig, aber mucksmäuschenstill an. Ich schnappe mir meine Tasche, meinen Trenchcoat und meine Kamera. Draußen ist es immer noch dunkel, aber nicht mehr nachtdunkel, sondern dämmerdunkel. Ein neuer Morgen kündigt sich an. 

Gedankenverloren schleife ich meinen müden Körper zum Lift. Wie benommen drücke ich auf die „0“-Taste. Ächzend lehne ich mich an das kalte Glas des Liftes und fahre ruckartig nach unten. In der Hotellobby steht der Rezeptzionist. Vertieft in seinem Computer. Man sieht ihm an, dass er keine Lust hat, die Nachtschicht zu schieben, doch er lächelt freundlich, als ich aus dem Lift steige. „Good Morning! It’s pretty early for getting up, isn’t it?“, krächzt er mir mit müder Stimme entgegen, unter die sich sein italienischer Akzent mischt. Ich zwinge mich ebenfalls zu einem Lächeln und suche nach einer Antwort, warum ich so früh wach bin. „Yeah, I know. But I’d like to take some pictures of the sunrise at the harbor“, entgegne ich knapp. Viel zu früh, um Englisch zu reden. Ob das grammatikalisch richtig war, weiß ich nicht. Er scheint mich jedoch verstanden zu haben. Jedenfalls nickt er hastig. Vielleicht will er mich auch nur loswerden und weiter im Internet surfen.

 

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Kaffee? Kaffee? Kaaaaaffeeeeee!!!!

In Eiseskälte vor verschlossenen Türen

Es ist immer noch dunkel, als ich das Haus verlasse. Plötzlich ist von dem, was gestern Nacht auf der Straße los war, nichts mehr übrig. Kein buntes Treiben mehr. Stattdessen Einsamkeit, aber keine richtige Stille. Man hört ein paar Autos und den Wind, der mir ins Gesicht peitscht. Ich ringe mich dazu durch, Luft zu holen. Das Atmen fällt mir schwer. War es gestern noch so drückend heiß, richtig schwül, ist es auf einmal bitterkalt. Zu kalt für meine Lungenfunktionen. Da ich aber nur mit Sauerstoff überleben kann, überwinde ich mich und ziehe die eisige Luft scharf ein. Die Kälte schmerzt in meinem Rachen und ich zittere, während ich die ersten Schritte gehe. Nach ein paar Metern drehe ich mich um und werfe einen Blick zum Hotel. Es ist so frisch draußen. Halte ich das überhaupt durch? Es wäre besser, wenn ich kehrt machen und zurück gehen würde. Ins warme Drinnen. Wenn ich jetzt weitergehen würde, würde ich es spätestens in fünf Minuten bereuen. Ich schließe die Augen und denke nach. Nein, ich gehe weiter. Ich kann es nicht ertragen, gelangweilt auf meinem Bett zu sitzen, während meine Mutter noch schläft. Ich hasse diese Warterei ohne Beschäftigung und ich bin mir sicher, dass der Schlaf meiner Mutter noch mindestens eine Stunde dauern würde. Ich gehe weiter. 

Ich bin hier in Italien. Irgendwo bekommt man immer einen Kaffee. Den brauche ich jetzt dringender den je. Nicht nur wegen meiner heruntergeschraubten Energie, sondern auch wegen der Kälte. Nichts, nada, niente hat offen. Ich stehe vor verschlossenen Türen. Mein Blick taxiert jedes Öffnungsschild, doch stets wird mir schriftlich mitgeteilt, dass sonntags erst ab 07:30 Uhr Kaffee verfügbar ist. Erbarmungslos. Ich schaue auf die Uhr. Es wird erst 6 Uhr. Gemein! Ein betrunkenes Pärchen kreuzt meinem Weg. Sie bleiben stehen, schauen mich an und brabbeln irgendetwas auf Italienisch. Ich seufze. „Lo so, il bar é chiuso“, werfe ich zurück und gehe weiter. Wo soll ich nur hin? Mir fällt ein: das Herzstück Triests habe ich noch gar nicht besucht – den Hafen!

 

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Trieste in the morning

Ein ganz besonderer Sonnenaufgang

Es beginnt immer mehr zu dämmern. Der Wind wird stärker, je näher ich an den Hafen komme. Das Meer tost. Salzige Luft strömt mir entgegen, sodass ich plötzlich nur noch Salz schmecke. Die Wellen brechen sich an den Brandungen und ich versuche angestrengt, mich von den starken Windstößen nicht forttragen zu lassen. Meine Hände sind wie Eiszapfen. So eisig waren sie das letzte Mal im Winter. Mir ist bitterkalt. Bibbernd suche ich nach meinem Handy, stecke die Ohrstöpsel in meine Ohren und mache Musik an – Italienische Musik. „Non farmi aspettare – Lass mich nicht warten.“ – Das denke ich mir auch gerade. Ich lausche der Musik, versuche die italienischen Wörter und Phrasen zu verstehen, doch im Endeffekt kann ich nur einzelne Wörter herauskristallisieren. Angestrengt bemühe ich mich, daraus Sätze zu formen. Ich verinnerliche mich. Was könnte das nur heißen? Ich habe wirklich viel verlernt. Sechs Jahre Italienisch unter dem Drill meiner strengen, aber herzlichen Lehrerin waren für die Fische.

Ich packe meine Kamera aus. So langsam kann ich damit beginnen, zu fotografieren. Das Licht ist ausreichend, um bereits das eine oder andere schöne Foto zu schießen. Einige Fischersleute tummeln sich bereits am Hafen. Sie starren mich an, so als wäre ich eine Aussätzige. Womöglich halten sie mich für eine Spinnerin. Ein junges Mädchen mit langen, blonden Haaren im Trenchcoat steht bibbernd am Ende des Stegs und versucht in aller Herrgottsfrühe Fotos zu machen. Aber so kalt es auch ist, ich fange an, diese Momente zu genießen. Plötzlich liebe ich diese Einsamkeit, denn ich habe Zeit, nachzudenken. Eine Träne bahnt sich entlang meine Wangen. Nicht, weil ich traurig bin, sondern weil mein Körper auf den Wind reagiert, der immer stärker wird. Trotzdem – der Moment wird magisch. 

 

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Moments of loneliness

Die letzten Minuten alleine

So langsam halte ich die „Polarluft“ am Hafen nicht mehr aus. Ich beschließe, zurückzugehen. Es ist zwar immer noch früh, aber schon hell. Die Sonne will sich noch nicht so richtig zeigen. Ich werde ungeduldig und bin gar nicht mehr darauf fokussiert, den perfekten Sonnenaufgangschnappschuss einzusammeln. Stattdessen gehe ich erneut in mich, während ich gen Richtung Hauptplatz schlendere. Ich versuche, meinen Sommer und die Ferien Revue passieren zu lassen. Was ist nur alles passiert? Habe ich den Sommer so ausgekostet, wie ich das wollte und vorhatte? 

Mein Sommer begann mit einer Enttäuschung. Einer bitteren Enttäuschung, die mir schwer zugesetzt hat. An der ich lange zu knabbern hatte. Die gepaart war mit einer riesengroßen Angst, etwas zu verlieren, was ich nicht verlieren wollte. Eine Freundschaft stand auf der Kippe. Ich habe keine Ahnung, ob mein Gegenüber derselben Meinung war, doch ich fragte mich, ob ich unter diesen Umständen diese Freundschaft noch aufrecht erhalten könnte. Gesagt habe ich nie etwas. Ich habe darüber kein Sterbenswörtchen verloren. Habe geschwiegen. Ob das so gut war, kann ich im Nachhinein nicht beantworten, aber ich habe es geschafft, dieses Ereignis hinter mir zu lassen. Es hat sich alles zu dem gewendet, was es einmal war. Es ist wie früher – fast. Ich habe all die Enttäuschung zwar nicht vergessen, aber ich habe sie ad acta gelegt. Weil ich nichts verlieren will, was mir wichtig ist. Dafür habe ich gekämpft. Nicht aktiv, sondern passiv. 

Ich ziehe mein Handy aus meiner Tasche. Soll ich eine Nachricht schicken? Eventuell noch einmal das aufgreifen, was war. Was ich nicht angesprochen habe. Worüber ich geschwiegen habe. Jetzt, wo ich damit abgeschlossen habe, wäre es nicht mehr so schwer, ehrlich zu sein. Zu sagen, was man sich gedacht hat, was man gefühlt hat, als diese Wendung in meinem Leben oder besser gesagt in unserem Leben passierte, aber ich beschließe, es bleiben zu lassen. Wahrscheinlich würde das wieder viel mehr zerstören, als ich möchte. Dabei wollte ich darüber sprechen. Ich wollte es gar nicht so nach hinten schieben, aber Gelegenheiten, es zu tun, haben sich nie ergeben. Nicht weil ich mich nicht getraut habe. All das hat andere Gründe. Gründe, über die ich nicht mehr nachdenken möchte. 

Hastig stecke ich mein Handy zurück in die Manteltasche meines Trenchcoats. Die Musik läuft weiter, doch mittlerweile ist sie wieder zu meiner Standardplaylist voller Ed Sheeran Songs übergegangen. Ich streife noch durch die leeren Seitengassen. So langsam kommt wieder Leben in die Altstadt, auch wenn es nur die Stadtreinigung ist. Wehmütig spaziere ich zurück ins Hotel und versuche dabei, noch einige Momente fotografisch einzufangen. Die Zeit in Triest war kurz, aber sie war schön. Im Hotel ist meine Mutter bereits aus ihrem langen Dornröschenschlaf erwacht. Auch andere Mitglieder unserer Reisegruppe haben sich bereits in den Frühstücksraum begeben. Alle fragen mich, wo ich gewesen sei. „Ich habe nur den Sonnenaufgang am Hafen fotografiert“, murmle ich leise, schnappe mir einen Teller und lasse meine Gedanken kurz zu den Momenten am Hafen schweifen. Das, was ich gesagt habe, stimmt nur so halb. Habe ich ein gutes Foto vom Sonnenaufgang? Wahrscheinlich nicht. Aber ich habe neue Momente gesammelt und diese gehören nur mir. Mir ganz alleine. 

 

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Throwback to Trieste [Video]

Throwback to Trieste

An Italian Love at the first sight

Über drei Wochen ist meine Reise nach Triest nun her. Drei Wochen – Wahnsinn. Und ich wünsche mich zurück. In dieses bunte Treiben. In diese bezaubernde, kleine Altstadt, die so hell erstrahlt mit all ihren italienischen Monumenten. Zurück an den Hafen, umgeben von Windböen, die mich fast weggeweht hätten. Triest – eine Liebe auf den ersten Blick. Pure Italian Amore!

 

Trieste

 

Ich vermisse Triest. Die Wärme, das schwüle, drückende Wetter, die Meeresbrise und den Karst, der während der Hin- und Rückfahrt an mir vorbeizog. Den ich verträumten Blickes betrachtete, als ich im Bus saß. In der Hand eine frisch gepflückte, fast noch unreife Khaki. 

Die Reise war kurz, sodass man gar nicht von einer Reise sprechen kann. Es war eher ein Trip – ein Kurztrip. Aber es war ein Kurztrip, der Eindruck hinterlassen hat. Der mein Herz höher schlagen lassen hat. Seitengassenromantik wohin man schaut. Genau das verzaubert mich und zieht mich in einen ZauberbannWeil es eben magisch ist. La Dolce Vita bereits im Norden – das ist Italien. Das richtige Italien. Nicht jenes, welches von deutschsprachigen Touristen umgeben ist. Die einen Teil Italiens zu ihrer/unserer Kultur gemacht haben.

 

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My Special Moments

Quality Time, Coffee and Breakfast

Bei so einer Reise gibt es immer Momente, die sie zu etwas Besonderem machen. Momente, die man womöglich auch zu Hause haben könnte, ohne dass man extra in ein anderes Land fahren müsste. Mit meiner Mama könnte ich in der Tat mehr Zeit verbringen, aber unsere zeitlichen Termine lassen es oftmals nicht zu – gerade jetzt, wo die Uni wieder angefangen hat. Außerdem arbeitet meine Mutter in einem Pflegeberuf, was bedeutet, dass auch sie sehr gebunden ist. Zusätzlich hat sie noch den Haushalt und ihren heißbeliebten Garten (natürlich versuche ich sie zu unterstützen, wo ich nur kann und wie es sich mir zeitlich ausgeht). Oftmals ist es nicht verwunderlich, dass wir da aneinander vorbei leben und uns nur „Guten Morgen“ und „Gute Nacht“ sagen können. So ist unser Alltag, darum habe ich es umso mehr genossen, ein komplettes Mutter-Tochter-Wochenende zu haben. Das vermisse ich wahnsinnig, doch dafür sind die gemeinsamen Momente, die wir nach ewig langen Zeitspannen haben, eine reine Erholung.

Endlich hatten wir wieder die Zeit, ein ganzes Wochenende miteinander zu verbringen. Wir waren shoppen, viel Kaffee trinken, sind Essen gegangen und haben zusammen gefrühstückt. Das Frühstück ist meine allerliebste Mahlzeit des Tages und leider auch die Mahlzeit, die ich, sofern der Alltag wieder eingekehrt ist, häufig ausfallen lasse (Schande über mein Haupt).

 

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Das Frühstücksbuffet war ein wahr gewordener „Breakfast Dream“. Ich bin es von Stadthotels ansonsten gar nicht gewohnt, dass so eine Vielfalt herrscht. Wenn ich so an mein Wienwochenende zurückdenke, erscheint mir das, was wir damals bekommen haben -natürlich nur im Vergleich zu Triest- unglaublich mickrig. Im Hotel Coppe 4* gab es alles, was das Herz begehrt. Egal, ob man ein pikanter oder süßer Frühstücker ist. Von vegetarisch, vegan bis hin zu deftigem Aufschnitt (um den ich einen großen Bogen mache – eh schon wissen) – es war alles dabei. Frische Früchte, Müsli, Kuchen und herrliches italienisches Gebäck (natürlich frisch). Es duftete wie im „Foodheaven“ und keine Wünsche blieben offen. Es gab sogar Soja- und Reismilch, sowie diverse gluten- und laktosefreie Produkte, eine Joghurtvielfalt und den besten Milchschaum, den ich je in einem Hotel bekommen habe. Wenn ich nur daran denke, will ich wieder zurück. Stattdessen sitze ich gerade an der Uni und trinke meinen Latte Macchiato mit frischer Bourbonvanille. Auch gut, aber ganz und gar nicht vergleichbar mit dem, was mir in Italien geboten wurde. Please take me back!

 

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Most magical moment

Ein unvergesslicher Zauber

Den unvergesslichsten Moment habe ich allerdings alleine verbracht. Das verrate ich euch heute jedoch noch nicht. Heißt: Ihr müsst euch bis zum nächsten Post gedulden. Soviel kann ich trotzdem schon verraten – es sind Anekdoten im Bezug auf Triest geplant, mit unglaublich persönlichen Gedanken und Gefühlen. Ich hoffe, es gelingt mir, euch in diese Gefühlswelt mitzunehmen, zu fesseln – genauso, wie es mich gefesselt hat, denn das war ein Zaubermoment. Dafür gibt es heute schon mein Video und da sieht man sogar einen kleinen Ausschnitt von dem, was euch das nächste Mal erwartet. Nur denke ich nicht, dass ihr auf den ersten Blick draufkommen werdet, um was es sich handelt.

Viel Spaß mit dem Video! 

 

Triest – Grande Amore in Italy

Triest

Grande Amore in Italy

Italien. Eine ganz große Liebe. La Dolce Vita im Nachbarland, mit zauberhaften Städtchen und Impressionen. Italien ist ein Land, für das mein Cuore schlägt. Für das mein Cuore sogar ganz hoch schlägt. Nicht für jeden Ort, aber für die ganz besonderen Plätzchen ist es eine große Liebe. Ich vermeide die typischen Stranddestinationen. Eingedeutscht und eingeösterreichert. Dort findet man nicht viel Kultur und kaum La Dolce Vita Italiana. Man spürt das Land nicht und es herrscht kein richtiges italienisches Leben. Lignano, Bibione, Jesolo. Schön zum Feiern, aber für mich so gar nichts. Das richtige Italien fehlt und es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass man dort Menschen aus seiner eigenen Umgebung trifft. Irgendjemand ist immer dort. Triest ist für mich das komplette Gegenteil. 

Das „Kleine Wien am Meer“ ist nicht nur eine Hafen- und Großstadt, sie ist eine Stadt für Kreative. Ein bisschen Vienna Feeling vermischt mit italienischer Architektur und Sprache.

 

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Eine Hafenstadt im Karstgebiet

Triest ist eine Hafenstadt im Nordosten Italiens und Hauptstadt der Region Friaul-Julisch Venetien. Die Großstadt gehörte einige Jahrhunderte lang sogar zu Österreich. Seit 1918 ist Triest nun ein Teil von Italien, wird aber immer noch liebevoll das „Kleine Wien am Meer“ genannt. Es stimmt! Triest hat starke Ähnlichkeit mit unserer österreichischen Hauptstadt, allerdings finde ich persönlich die Architektur und Kultur mehr italienisch, als österreichisch. Das ist jedoch Ansichtssache, aber eine Ähnlichkeit ist, wie bereits gesagt, definitiv vorhanden. Auf jeden Fall finde ich die Vorstellung eines kleinen Wiens direkt an der Adria mehr als attraktiv. Vielleicht mag es so klingen, als wäre Triest – wie Lignano & Co. –  eingedeutscht und eingeösterreichert, aber dem ist nicht so. Es war sogar richtig schwierig, mit den Einheimischen auf Deutsch zu kommunizieren. Dadurch, dass Triest noch sehr nördlich gelegen ist, war die Kommunikation auf Englisch möglich, was ansonsten in Italien ziemlich schwierig wird, je weiter es nach Süden geht. Ich selbst habe den Aufenthalt auch dazu genutzt, um zu sehen, ob meine Italienischskills noch vorhanden sind.

Über persönliche Eindrücke erzähle ich euch allerdings in einem anderen Triestpost, der noch kommen wird. Heute soll es primär um die Stadt und dessen Besonderheiten gehen.

 

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Die Kaffeehauskultur

Als Kaffeeliebhaberin dürfte es sich von selbst verstehen, dass ich mich damit verstärkt auseinandergesetzt  und mich erkundigt habe, wie es dort mit dem Kaffee so läuft. Kaffee ist in Italien sowieso quasi ein Nationalprodukt und wesentlich günstiger, als bei uns in Österreich (ein Latte Macchiato kostet im Schnitt nur 2 €). Kaffee ist in Triest sogar eines der Spitzenprodukte. Perfekt für mich. Ich glaube, ich sollte einen Umzug in dieses Städtchen in Erwägung ziehen.

In Triest befindet sich der wichtigste Mittelmeerhafen für den Kaffeehandel. Seit dem 18. Jahrhundert ist er sogar ein Freihafen für die Kaffee-Einfuhr. Freihafen bedeutet, dass für den Import von Waren und Güter keine Zölle oder Einfuhrumsatzsteuern bezahlt werden müssen, darum wird in Triest nicht nur für den nationalen Konsum importiert, sondern gar für den Welthandel. 

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Wenn man in Triest etwas mit Kaffee in Verbindung bringt, dann ist es die Literatur. Es gibt zahlreiche literarische Cafés in der Hafenstadt. Gastfreundschaft wird sowieso groß geschrieben. Egal, in welchen gastronomischen Betrieb man geht, sei es eine Bar oder ein Café, die Italiener servieren immer etwas zu den Getränken dazu. Zu Kaffee gibt es die klassischen Amarettini, ein leckeres Gebäck aus Mandeln (gelegentlich auch aus Aprikosenkernen – aber nicht so in Italien) und zu alkoholischen Getränken, wie Aperol Spritz oder Wein, wird Fingerfood, wie Oliven, Erdnüsse, Prosciutto, Käse oder Chips serviert. Top!

Geschmacklich ist der Kaffee selbstverständlich nicht zu übertreffen. Die Italiener verstehen etwas vom Baristahandwerk. 

 

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Shopping

Oh Italien, du Shoppingparadies. Triest ist ein kleines Schlaraffenland. Nicht wirklich günstig, aber trotzdem ein Einkaufshimmel der Extraklasse. Egal, ob Standardstores, die wir bei uns auch finden oder zahlreiche kleine Boutiquen, bis hin zu Feinkostläden. Dort gibt es wirklich alles. Die Boutiquen sind im Großen und Ganzen leider wirklich nicht erschwinglich. Für mich war es in der Tat sehr schwer, etwas zu finden, was ich mir auch leisten konnte und wollte. Trotzdem war es schön, in diese Shoppingwelt einzutauchen und mehrere Boutiquen und exklusive Läden auszuforschen.

Für die Jugend gibt es ansonsten noch kleinere Kaufhäuser, in denen sich mehrere Labels konzipieren. Als Einkaufscenter würde ich es noch nicht bezeichnen, denn dafür wäre die Größe noch nicht gegeben. Aber Triest ist für mich ohnehin ein Städtchen der Gassen, so wie auch mein geliebtes Graz. Ihr könnt euch schon denken, dass es nur eine Frage von Sekunden war, bis ich mich in die charmante Seitengassenromantik verliebt habe.

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Triest soll zwar angeblich immer noch die preiswertesten und schönsten Schuhe Italiens haben, aber das kommt auch darauf an, was man darunter versteht. Vielleicht definiert eine Studentin „preiswert“ etwas anders, wie jemand, der Vollzeit arbeitet. Bei Schuhen wurde ich leider nicht fündig. Dass sie sehr schön sind, stimmt, ich hätte am liebsten die ganzen Negozi di Scarpe leergekauft, aber preiswert? Na ja. Ich sollte wieder hierher kommen, wenn ich mit dem Studium fertig bin. Jedoch – wer suchet, der findet. Ich habe eine italienische Boutique gefunden, in der ich mir die Sachen leisten konnte und die von der Qualität her top sind. Wie der Laden hieß, weiß ich leider nicht mehr.

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Richtig cool finde ich übrigens, dass es in Triest einen Stradivarius gibt. Den haben wir in Graz leider nicht.

 

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Straßenkunst

Triest ist eine Stadt für Kreative. Kunst und Literatur wird hier allen Anschein nach groß geschrieben, genauso wie die Straßenkunst. Einfallsreichtum und perfektionierte, künstlerische Umsetzung. Das trifft man auf „La Piazza dell’Unitá d’Italia“ („Platz der Einheit Italiens“ – Hauptplatz). Egal, wie die Künstler versuchen, ihrer Kreativität Ausdruck zu verlieren, man sieht und spürt: Es steckt ein Gedanke dahinter. Straßenkünstler tragen maßgeblich zu dem Flair der Stadt bei und sind nicht mehr wegzudenken.

 

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Il Gelato

Italien – Land der kulinarischen Hochgenüsse. Pizza, Pasta, Parmigiano und -ganz wichtig- Gelato. Als Eistigerin habe ich es mir nicht nehmen lassen, mich durch die Sorten zu probieren. Auf dem Bild hier seht ihr übrigens das Eis meiner Mama: Yogurt con Amarena und Menta. Ich habe mir mein Eis erst abends nach dem Essen gegönnt, allerdings bei der gleichen Eisdiele. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich gefühlt habe, als ich das erste Mal mein Eis gekostet habe. Nicht nur, dass ich unheimlich stolz auf mich war, das Eis auf Italienisch bestellt zu haben, jede einzelne Kugel war ihren Preis so etwas von wert (wobei ich auch erwähnen sollte, dass das Eis, genauso wie der Kaffee, sehr günstig ist). Diese Cremigkeit und der vollmundige Geschmack, das findet man einfach viel zu selten in Österreich bzw. findet man das überhaupt? Ich war schon der Meinung, das Eis von „Eis Greissler“ sei die genialste Erfindung der Menschheit, aber das musste ich sofort revidieren, als ich mir die Sorten „Nutella, Cioccolata Bianca & Cocco“ -naturalmente con molta panna- bestellt habe. Ice Cream Heaven!

Bekanntlich wird sich gern gestritten, wo es das beste Eis gibt, wahrscheinlich ist es mit den Eisdielen in Triest nicht anders. Der eine findet es dort am Besten, der andere wiederum da. Hört NICHT auf die, hört auf mich. Darum mein Tipp: Gelateria Bar Arnoldo. Wenn es eine High End Kategorie für Eis gäbe, dann würdet ihr sie hier finden.

 

„Gelateria Bar Arnoldo“

Viale D’Annunzio Gabriele 60
34138 Triest
Italien

 

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Triest bei Nacht

Triest bei Nacht ist unfassbar belebt. Es herrscht reges Treiben, laute Musik und trotzdem atmosphärisches Ambiente. Egal, wie viel bereits tagsüber los ist, erst am Abend erwacht die Stadt zu richtigem Leben. Perfekt für Jung und Junggebliebene. Triest ist keine Stadt für Langweiler. Triest ist eine Stadt für Menschen, die etwas erleben wollen. 

Dadurch, dass sich ein Ristorante neben dem anderen reiht, eine ansprechende Bar nicht weit entfernt ist und es selbstverständlich draußen genügend Sitzmöglichkeiten gibt, ist man immer mitten im Geschehen. Auch während des Essens. Ich habe es genossen, mitten im Leben zu Abend zu essen, meinen italienischen Weißwein zu trinken und diese Stimmung voll und ganz einzufangen. Wer auf belebtes Nightlife steht, ist in Triest vollkommen an der richtigen Adresse. 

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Teil 1 der Triestpostings: Prosciutteria San Daniele