Tag : Uni

Life Update #7: Magistra rerum naturalium

Auf das letzte Life Update folgt das nächste Life Update. Ja, auf My Café Au Lait wurde es in letzter Zeit so richtig ruhig. Noch ruhiger, als zu den Zeiten meiner Diplomarbeitsschreibphase. Aber wie die meisten von euch wissen, habe ich in den letzten Wochen ordentlich für meine Diplomprüfung gestrebert. Und jetzt ist dieser besondere Moment endlich gekommen, auf welchen ich schon so lange gewartet und hingearbeitet habe. Endlich kann ich diese Worte schreiben und euch nun mitteilen: Ich bin jetzt eine Magistra der Naturwissenschaften! Die Uni ist erfolgreich abgeschlossen. Und was bedeutet das für My Café Au Lait? Nun ja, das bedeutet: ICH BIN WIEDER DA! ZU 100 PROZENT!!!!!

 

Die „kleinen“ Hürden eines Studiums bis zur Magistra

Als ich vor fast 6 Jahren mein Studium aufgenommen hatte, wusste ich nicht, was mich erwartet oder ob ich überhaupt zum Studieren geeignet bin. Ich hatte von Anfang an das Ziel vor Augen, die Uni abzuschließen, aber ich war mir auch unsicher. Unsicher, ob ich so einer hohen Anforderung überhaupt gewachsen bin und ob ich auch nur ansatzweise mit dem Unisystem zurechtkommen werde. Und jetzt bin ich offiziell eine Akademikerin und vor meinem Namen steht nun der akademische Grad Mag.rer.nat.

Das Studium war für mich alles andere als leicht. Das hatte nichts mit dem Fachlichen oder dem Aufwand zu tun, sondern eher mit den Rahmenbedingungen, unter denen ich mein Studium absolviert habe. Als ich damit begonnen habe, befand ich mich gerade im schwersten Stadium meiner Magersucht. Inmitten des zweiten Semesters musste ich pausieren, weil ich nach einem Zusammenbruch im Krankenhaus lag und eine Therapie gegen meine Essstörung aufnehmen musste, um auch nur ansatzweise die Chance auf ein normales Leben zu haben. Ein Jahr später musste ich den nächsten Schicksalsschlag hinnehmen und im Laufe meines Studiums hatte ich auch erneut zwei anorektische Rückfälle. Und trotzdem habe ich es geschafft, mein Studium rasch fertig bekommen. Ich habe zwar zwei Semester über der Mindeststudienzeit studiert, aber angesichts der Tatsache, dass ich einige gesundheitliche und private Hürden meistern musste, dadurch insgesamt 3 oder 4 Semester einbüßen musste, war ich doch recht schnell fertig.

Und darum möchte ich an dieser Stelle mitteilen: Es ist alles möglich! Man muss nur an sich glauben, Fleiß und Motivation investieren und man darf niemals aufgeben. Damit will ich zeigen, dass man sich von der Magersucht oder einer Essstörung nicht unterkriegen lassen darf.

 

Die letzten Wochen vor der Prüfung

Die letzten Wochen vor der Prüfung waren nicht leicht. Ich bin eine Perfektionistin und mache mir meistens selbst immer einen immensen Stress vor Prüfungen. Wenn nichts perfekt sitzt, traue ich mich gar nicht zu einer Prüfung zu gehen.

Dieses Mal war es nicht anders. Psychisch ging es mir echt nicht gut, vor allem weil ich mir nicht die anspruchslosesten Prüfer ausgesucht habe. Warum ich diesen Weg für mich gewählt habe, brauche ich nicht näher erläutern, denn das hatte seine Gründe. Aber wie rede ich mir immer so schön ein: Nur was hart erarbeitet wurde, ist was wert. So oder so ähnlich. Dabei wäre ich manchmal echt gerne eine Minimalistin. Das heißt nicht, dass ich Lernminimalisten abwerte, ganz und gar nicht, denn dazu bedarf es ein hohes Maß an Intelligenz, um mit einer minimalistischen Herangehensweise erfolgreich zu sein. Nun ja, ich bin, wie gesagt nicht so und darum war ich in den letzten Wochen psychisch sehr angespannt.

Große Schwierigkeiten hatte ich mit knapp 400 Seiten philosophischen Texten. Die alle auch nur ansatzweise zu verstehen und sich damit konsequent auf die Prüfung vorzubereiten, war eine Herausforderung. Und vor dieser Prüfung hatte ich auch definitiv die größte Angst. Außerdem hasse ich unbekannte Situationen. Wenn ich nicht weiß, was auf mich zukommt, zermartere ich mir ständig den Kopf und werde dadurch ganz nervös. Aber wie wir wissen, ist es ja gut gegangen.

 

 

Die Prüfung und die Erleichterung danach

Da mich auf Instagram einige DM’s erreichten und mich einige von euch fragten, wie so eine Diplomprüfung abläuft, möchte ich darauf auch noch kurz eingehen. Am 05.07.2017 war es dann auch schon so weit. Prüfungstag. Obwohl ich die Tage und Wochen davor (ich habe insgesamt 5 Wochen gelernt) super nervös war, war ich nach dem Aufwachen am Prüfungstag irgendwie gar nicht mehr nervös. Das „Warum“ kann ich dabei gar nicht erklären und es wunderte mich selbst. Aber es hat sich trotzdem ein bisschen wie „Doomsday“ angefühlt. Dieser Tag hatte das Potential, einer der schlimmsten oder einer der besten Tage meines Lebens zu werden.

Ich sage es vorweg: Der ganze Stress und die Sorgen zuvor waren vollkommen umsonst. Die Prüfer sind richtig nett und ob man es glaubt, oder nicht, aber die meinen es echt gut mit einem. Sie wollen dir nichts böses, sondern genauso wie du, dass du durchkommst. Mein Prüfungsvorstand übernahm dabei den Part, mich zu beruhigen und alleine seine positive Stimmung hat sich enorm auf mich abgefärbt. Vor meinem Philoprofessor hatte ich trotzdem ein bisschen Angst, obwohl er auch immer supernett zu mir war. Aber es gab zwei Texte, die ich absolut nicht verstanden habe und nicht so gut konnte. Doch ich redete mir selbst ein, dass diese Texte nicht kommen werden und so war es dann tatsächlich. Vor Geographie hatte ich allerdings keine Angst, weil ich den Stoff draufhatte und was war dann? Ich habe kaum Fragen vom Stoff bekommen.

Wie so eine Prüfung abläuft, ist von Prüfer zu Prüfer unterschiedlich. Meine Prüfung hat sich doch etwas von den Prüfungen meiner Freunde abgehoben. Ich musste 20 Minuten meine Diplomarbeit präsentieren (wofür ich viel Lob bekommen habe), 20 Minuten geographische Fragen beantworten und 20 Minuten philosophieren.

In Geographie habe ich ein paar Statistikfragen bekommen. Das war nicht so toll, weil ich davon nichts gewusst hatte. Hätte ich es, hätte ich mich natürlich darauf vorbereitet. In Philosophie hingegen lieferte ich mir mit meinem Prof sogar eine richtige Debatte. Das scheint ihn beeindruckt zu haben, denn wider Erwarten wurde ich in Philosophie besser benotet, als in Geographie. Ich habe zwar in beiden Fächern ganz gute Note bekommen, aber in Geographie ärgerte es mich im Nachhinein, dass ich nur zwei Stofffragen bekommen habe, denn ich hatte wirklich viel drauf und letztendlich hat mir das meinen ausgezeichneten Erfolg gekostet. Das Lernen dafür hätte ich mir auch sparen können, aber es ist vorbei und ich habe es gut gemeistert. Als mir mitgeteilt wurde, dass ich es endlich geschafft habe, wurde ich sogar ein bisschen emotional, aber die Profs waren wirklich nett und so hat dann doch alles ganz gut gepasst.

Darum Leute, auch wenn eine Diplomprüfung wie ein „Big Thing“ klingt, in Wirklichkeit ist es nicht so, wie man sich das zuvor ausmalt. Es ist sogar nicht mal wie eine richtige Prüfung, sondern viel mehr wie ein Gespräch. Zumindest war es bei mir so und auch bei vielen anderen Freunden von mir war es so. Darum ruhig Blut, ihr werdet die Uni und den Abschluss bestimmt auch gut meistern. Vor einer Diplomprüfung braucht man echt keine Angst haben und den Stress davor kann man sich auch echt sparen. Wie es bei einem Defensio abläuft, weiß ich nicht, aber ich habe schon gehört, dass auch das überhaupt nicht schlimm ist. Darum wünsche ich all jenen von euch, die sich noch ein bisschen „durchquälen“ müssen alles erdenkliche Gute. Ihr schafft das!

 

 

Die Zeit nach dem Studium

In meinem letzten Life Update habe ich euch verraten, dass ich schon lange keinen Sommer mehr hatte, den ich so richtig genießen konnte. Aber dieser Sommer soll anders werden. Ich merke gerade, wie mir eine unglaubliche Last von den Schultern fällt. Meine ganzen Gedanken sind viel freier und ehrlich gesagt bin ich mit dem Privileg, mir meine Zeit so einzuteilen, wie ich das möchte, ganz schön überfordert. Aber da komme ich schon irgendwie rein.

Ein bisschen wehmütig bin ich dann doch, dass mein erstes Studium nun vorbei ist, weil ich einfach tolle Menschen dadurch kennen lernen konnte. Die Zeit mit meinen Studienkollegen werde ich sicherlich vermissen, aber zum Glück haben sich auch einige Freundschaften geschlossen und ich bin mir sicher, dass einige Kontakte auch bestehen bleiben. Aber jetzt werde ich den Sommer nutzen, um mich zu erholen, meinen Blog voranzutreiben und dann geht es auch schon mit dem nächsten Studium los. Ich bin ganz gespannt, ob ich es dieses Mal wieder durchziehen werde, weil ich es ja lockerer angehen möchte. Wenn es nicht klappen sollte, ist es nicht schlimm.

Manchmal kommen mir zwar noch Zweifel, ob es nicht besser gewesen wäre, mein Praktikum doch nicht gleich im Anschluss nach dem Studium zu machen, aber ich denke, das beruht auf der Tatsache, dass es einfach jeder so macht und es fällt mir oft schwer, aus der Norm zu fallen. Doch ich denke, es ist die richtige Entscheidung, dieses Jahr hauptsächlich als Bloggerin zu arbeiten und es mit einem weiteren Studium „nebenher“ zu versuchen. Wer weiß, welche Perspektiven sich mir dadurch eröffnen. Sogar meine Familie unterstützt mich bei dem Vorhaben.

Wenn es nicht dafür reicht, mal von dem Bloggen alleine leben zu können, dann werde ich es weiterhin nebenberuflich machen. Hauptsache ich kann schreiben, das ist das wichtigste. Mit solchen Themen gehe ich übrigens offen um. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass viele Bloggerinnen davon träumen, ihre Leidenschaft zum Hauptberuf zu machen. Und wenn man davon träumt, dann sollte man es einfach probieren. Auch dann wenn der Blog im Vergleich zu anderen noch kleiner ist, so wie meiner, aber mit viel Liebe und Herzblut kann man viel erreichen. Aber an dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass ich hier auf My Café Au Lait stets meine eigene Meinung vertreten werde. Ich stehe für meine Sichtweisen und Ideale ein, ich werde nicht angestrengt danach streben, dutzende Kooperationen zu bekommen, sondern auch nach wie vor viele Beiträge schreiben, die nicht bezahlt sind. Denn die Zeit zum Schreiben und zum Fotografieren will ich mir nehmen, auch wenn ich wieder ein bisschen hineinfinden muss. Aber das werde ich schon schaffen.

Ansonsten werde ich diesen Sommer auch nutzen, um viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Die kamen in den letzten Monaten viel zu kurz. Meinem Neffen will ich eine bessere Tante sein, die viel mehr Zeit mit ihm verbringt, denn der hat es natürlich nicht so ganz verstanden, wenn ich mal nicht mit ihm an den Spielplatz gehen konnte. Und heuer steht auch ein richtiger Familienurlaub an und darauf freue ich mich schon sehr.

 

Danke auch an euch!

Und die letzten Worte, dieses doch schon sehr langen Beitrags möchte ich dafür nutzen, um mich bei euch zu bedanken. Vielen Dank für die grandiose Unterstützung. Ihr habt mir stets gut zugeredet und wart mir auch eine riesige Stütze. Ich glaube, ohne euch hätte ich die Zeit nicht so gut gemeistert. Und ich werde mir was einfallen lassen, damit ich euch meine Dankbarkeit auch zeigen kann. Denn ihr als die besten Leser der Welt, habt das absolut verdient. Danke für alles.

Und weil es so schön war, hier ein Foto kurz nach meiner Prüfung. Es ist zwar nur ein Handyfoto, aber angesichts dessen, dass es einer der schönsten Momente meines Studentenlebens war, kann man das sicher auch verkraften.

 

 

Life Update #6: Bald geschafft

Zwar wird es noch ein bisschen dauern, bis ich wieder zu 100% für euch da sein kann, aber Leute, fest steht, ich werde bald wieder auf My Café Au Lait präsent sein. Die letzten Wochen hatten es verdammt in sich. Ich habe gelitten, geheult und gezittert. Warum? Das verrate ich euch in meinem heutigen Life Update. Aber so viel sei verraten: Es ist bald geschafft. 

 

Meine Horrorwochen

Horrorwochen trifft es ganz gut. Und nein, ich übertreibe nicht. Oder vielleicht doch. Vielleicht übertreibe ich doch ein bisschen. Aber die letzten Wochen habe ich mich nicht nur deswegen noch rarer als sonst gemacht, weil ich den letzten Unistress bewältigen musste, sondern weil ich -auch unibezogen- durch keine leichte Zeit gegangen bin. Aber alles von Anfang.

Der Fall der Fälle ist tatsächlich eingetreten. Miss Lait hat ihre Diplomarbeit fertig bekommen und offiziell eingereicht. Ja, ich habe es also tatsächlich geschafft, meine Studie zu Papier zu bekommen und abzugeben. Das letzte Kapitel war dabei besonders nervenaufreibend und ganz ehrlich, die Motivation hatte bereits so sehr abgenommen, sodass ich mir bei den letzten Zeilen WIRKLICH schwer tat. Aber die letzten Zeilen wurden geschrieben und ich konnte meinem Betreuer offiziell meine Erstversion schicken. Als ich dann aber erfahren habe, dass die nicht mehr korrigiert wird, bin ich aus allen Wolken gefallen, aber fairerweise muss ich sagen, dass ich die Argumentation meines Betreuers bei einem nachfolgenden Treffen absolut nachvollziehen konnte. Doch für mich bedeutete das trotzdem, dass ich meine Arbeit nun ohne Feedback abgeben musste und absolut keine Ahnung hatte, ob sie nun in Ordnung ist oder (starker) Verbesserungsbedarf herrscht.

 

Und dann kam der Tag der Einreichung

 

Als ich meine Arbeit Ende Mai in den Händen hielt, kam absolut keine Freude auf. Das Lächeln auf den Fotos ist mehr erzwungen. Man sieht mir auch an, wie fertig ich bin. Und dabei haben mir viele versichert, dass genau DAS der Moment sein wird, in dem man für all seine Mühen und harte Arbeit entschädigt wird. Beim Einreichen war mir richtig mulmig. Ich war mir so unsicher. Vielleicht hätte ich doch noch eine Runde Korrektur lesen sollen und das am Besten doch nicht am Bildschirm. Passen die Abbildungen? Ist meine Wortwahl in Ordnung. Hätte ich mehr von der Studie reinbringen sollen? Fragen, über Fragen. Nach dem Gespräch mit meinem Betreuer habe ich übrigens auch eine Woche lang gehadert, meine Arbeit hochzuladen und sie drucken zu lassen. Ich war ein Psychowrack und das hat sich dann eine ganze Zeit lang so hingezogen.

Eine Woche verging. Kein Ergebnis. Gut, Professoren haben auch Stress und andere Dinge zu tun. Nach einer Woche kann man einfach kein Ergebnis erwarten. Schon gar nicht auf eine 144-seitige Diplomarbeit. Zwei Wochen waren rum, immer noch kein Ergebnis. Langsam stieg die Nervosität und ich wusste nicht, ob ich umsonst für die Prüfung lerne oder nicht. Nach drei Wochen begann ich, die Nerven wegzuschmeißen. Da hätte mein Ergebnis schon da sein müssen, damit ich den geplanten Prüfungstermin wahrnehmen kann.

Täglich schaute ich hundert Mal und das ungelogen in meine Unimail. Kein Ergebnis. Langsam fing ich an, zu zweifeln, ob die Arbeit überhaupt gut genug war. Ich rechnete schon mit dem schlimmsten und bildete mir ein, dass ich bald durchfallen werde. Vier Wochen und immer noch kein Ergebnis. Nach langen Gesprächen mit Freunden schöpfte ich den Mut und kontaktierte meinen Professor, um mal nachzufragen. Die „Konfrontation“ wollte ich mir eigentlich ersparen, aber es half nichts. Wir mussten ohnehin einen neuen Prüfungstermin finden, also kam ich da sowieso nicht drumherum.

Nicht mal eine Stunde musste ich warten, dann kam die Nachricht meines Professors. Hinsichtlich Antworten ist er nämlich immer verlässlich und wahnsinnig schnell. Und ihr könnt gar nicht glauben, wie sehr mein Herz geklopft hat. Ich bin fast durchgedreht und hatte Angst, die Mail zu öffnen. Aber mir blieb nichts anders übrig. Und es war gut, dass ich ihm geschrieben habe. Wir hatten anscheinend eine kleine Kommunikationsschwierigkeit und tja, mein Professor dachte, er hätte länger Zeit, die Arbeit anzuschauen. Kann passieren, wenn man Semesterendestress hat und im Gegensatz zu anderen Studenten bleibe ich bei solchen Sachen relativ ruhig. Hey, Profs sind auch nur Menschen, darum besteht da für mich auch kein Grund, auf die Barrikaden zu gehen. Auf jeden Fall war diese Mail eine riesige Erleichterung, denn…

 

Ich habe bestanden!!!!!!!!!

 

Zwar wurde mir zu dem Zeitpunkt noch keine konkrete Note mitgeteilt, aber die Antwort: „Mit deiner Arbeit ist alles in Ordnung.“ ließ mir eine ganze Bergflanke mit einem Volumen von mindestens zehntausend Kubikmeter vom Herzen plumpsen. Ich habe UNGELOGEN (und als hätte ich das während der Wartezeit nicht oft genug getan) zwei Stunden lang vor Erleichterung geheult. Da war der Stress, einen neuen Prüfungstermin zu finden, nur noch nebensächlich. Zwar zögert sich mein Studium jetzt noch ein bisschen raus, aber die paar Tage kann ich verkraften. Ich ziehe das Positive daraus: So habe ich noch mehr Zeit zum Lernen.

Zwei Tage später bekam ich dann auch noch meine Note. Leute, die harte Arbeit hat sich gelohnt. Ich habe nicht nur bestanden, sondern auch noch eine richtig gute Note kassiert. Das macht mich angesichts der Tatsache, dass mein Betreuer eigentlich nur Masterstudenten und Dissertanten betreut, mächtig stolz. Vor allem war ich die erste Lehramtsstudentin, die er betreut hat. Ich habe es also tatsächlich geschafft. Und alle unter euch, die meine alten Life Updates kennen, wissen, wie unsicher ich war. Das ändert zwar nichts an der Tatsache, dass ich eine Heidenangst vor meiner Diplomprüfung habe, aber zumindest habe ich nun eine Sorge weniger.

 

 

Meine Pläne, wenn es dann bald geschafft ist

Ich bin zwar nicht konkret dabei, gerade Pläne für die Zeit danach zu schmieden, aber mir geistern doch ein paar Dinge in meinem Kopf herum, die ich in dieser Zeit danach machen möchte. Mein größter Plan ist dieses Baby hier, auf dem ich meine Worte virtuell zu Papier bringen kann. Ich bin ein sehr kreativer, ästhetikliebender Mensch und wenn ich meine Kreativität nicht ausleben kann, dann merke ich es extrem schnell an meiner Laune. Und mein Blog ist nun mal der Ort, an dem ich meine Kreativität ausleben kann. Genau das ist auch geplant. In der Zeit danach kreativ zu werden und 100% für My Café Au Lait zu geben.

Beruflich sollte ich ab Herbst ja eigentlich als Lehrerin im Klassenzimmer stehen. Unterrichtspraktikum. Aber -und es kann gut sein, dass mich deswegen jetzt einige verurteilen- ich habe mich dazu entschieden, dieses Jahr eine Pause einzulegen. Seit dem 5. Semester arbeite/lerne ich permanent für die Uni, hatte kaum mal eine Woche, an der ich nichts für die Uni zu tun hatte (auch in den Sommerferien) und es war ein durchgehender Prozess, der mich ein bisschen erschöpft hat. Die Diplomandenzeit hat dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt. Nein, ich habe kein Burn-Out, aber ich merke, dass ich mir während meinem Studium zu viel Druck gemacht habe. Wenn ich zu unterrichten beginne, dann möchte ich, dass meine Schüler von meinem Unterricht profitieren. Dass sie was lernen und ich möchte den Unterricht so interessant wie möglich gestalten. Und das geht bestimmt besser, wenn ich nicht von einem Stress in den anderen schlittere.

Ich bin kein arbeitsfauler Mensch. Im Gegenteil, die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen (und vielleicht revidiere ich sie auch noch, sofern man jetzt überhaupt noch einen Praktikumsplatz bekommt), aber das heißt ja nicht, dass ich in der Zeit nichts mache. Einerseits möchte ich viel Zeit in meinen Blog investieren, damit er, auch in beruflicher Hinsicht, wachsen kann. Und ich werde ein weiteres Studium beginnen. Das hätte ich auch im Unterrichtspraktikum gemacht, aber so kann ich doch schon gut vorarbeiten und hätte keine Doppelbelastung. Wenn ich dann tatsächlich zu unterrichten beginne, werde ich es berufsbegleitend fertig machen. Aber eines habe ich aus meinem Lehramtsstudium gelernt: So einen Druck wie in diesem Studium werde ich mir NIE mehr machen. Das Masterstudium werde ich wesentlich entspannter angehen und wenn es dann länger dauert, who cares? Schließlich habe ich dann ja (hoffentlich) schon ein abgeschlossenes Studium. 

 

…eine Sache noch

Ich bin mir sicher, dass ich nach meinem Studium wieder sehr schnell in das Bloggen reinfinden werde, aber ihr könnt mir die Sache natürlich gerne etwas erleichtern. Wenn ihr irgendwelche Postingwünsche für meine Zeit nach dem Studium habt, dann nur her damit. Egal, ob es sich dabei um Ideen für Kolumnen, Anorexia Recovery Posts, Mode oder um ein ganz anderes Thema handelt. Ich bin für alles offen. Wenn ihr also ein Wunschthema habt, dann nur her damit.

 

Tipps gegen die Prüfungsangst

Tipps gegen die Prüfungsangst

Gib der Nervosität keine Chance

 

Die Uhr tickt! Unaufhaltsam bewegt sich der Zeiger in Richtung 9 Uhr. Panisch wechselt mein Blick zwischen der hässlichen Wanduhr in meinem Klassenzimmer und meinem dicken BWL-Buch hin und her. Nur noch wenige Minuten bis zum Klingeln! Nur noch wenige Minuten bis zum Test. Und mir kommt es so vor, als ob all das Wissen, das ich mir in den letzten Tagen so hart angeeignet habe, mir nahezu im strengsten Bulimielernstil in den Kopf gepresst habe, schon vor der Prüfung meinen Körper verlassen hat. Ich werde noch nervöser. Akribisch durchblättere ich mein Buch, rufe mir Begriffe in den Kopf und habe keine Definition dazu. Schnell noch einmal durchlesen. Auf welcher Seite war diese verdammte Inflation? Damn it! Die Nervosität erreicht den Höhepunkt und ich möchte nur noch eines. Abhauen!

Solche Momente bestimmten meinen Schulalltag, vor allem, als Tag für Tag eine andere Prüfung oder Schularbeit geschrieben wurde. Wenn ich mich so an meine Schulzeit zurückerinnere, war sie geprägt von Angst: Angst vor Prüfungen. Angst zu versagen. Meine Matura war der reinste Horror. Einen Tag vor der mündlichen Matura erlitt ich einen halben Nervenzusammenbruch, vor allem, als mir auffiel, dass ich ein ganzes Thema von einem meiner Maturafächer ausgelassen habe. Unbeabsichtigt und bis zum Schluss unbemerkt. Die halbe Nacht verbrachte ich auf der Toilette, anstatt mich vor diesem harten Tag auszuschlafen. Mir war schlecht und irgendwann lag ich nur noch im halbkomatösen Zustand auf den kalten Fliesen. Ich war den Tränen nahe, während der Hahn draußen bereits aus vollen Leibeskräften krähte und mir verriet, dass ein neuer Morgen angebrochen war. Ja, am Land gibt es das tatsächlich immer noch. Nachmittags war es dann soweit. Obwohl ich die halbe Nacht nicht geschlafen hatte, war ich aufgrund des Adrenalinschubs hellwach. Erst als nach den ganzen Prüfungen die Noten verkündet wurden, ging es mir wieder gut. Ich hatte mit einem Schnitt von 1,7 bestanden! Vielleicht fragt ihr euch, warum ich mich trotz dieser schlimmen Prüfungsangst dazu entschieden habe, zu studieren, anstatt dem Spuk ein Ende zu bereiten und mich in die Arbeitswelt zu stürzen. Nun, ich habe meine Prüfungsangst in den Griff bekommen. Atemnot oder rote Nervositätsflecken gehören schon längst der Vergangenheit an. Obwohl ich immer noch aufgeregt bin, wenn ich eine Prüfung oder ein Referat habe, komme ich mittlerweile ganz gut damit klar. Ein bisschen Adrenalin gehört dazu, denn es hilft, Leistungen zu erbringen. Heute weiß ich auch den Grund, warum ich unter einer starken Prüfungsangst litt: In mir schlummert(e) eine kleine Perfektionistin. 

Wie habe ich die Prüfungsangst in den Griff bekommen? Zunächst habe ich versucht, all die negativen Gedanken, die mich während der Schulzeit begleitet haben, abzustellen. Wenn ich damals eine Prüfung versemmelte, war das für mich ein halber Weltuntergang, begleitet von nagenden Gedanken, dass mein Leben jetzt wohl ein für alle Mal vorbei sei. Heute weiß ich, dass jeder einmal einen schlechten Tag hat und es lediglich Pech ist, wenn es genau an einem Prüfungstag ist. Ich weiß, dass das Leben trotz einer schlechten Note weitergeht und dass Gelegenheiten da sind, um es besser zu machen bzw. um mich zu verbessern. Es gibt wesentlich schlimmere Dinge auf der Welt und keiner wird mich verstoßen, wenn es einmal nicht so läuft, wie ich das gerne hätte. Natürlich stelle ich weiterhin Anforderungen und Herausforderungen an mich selbst. Es gibt Ziele, die ich unbedingt erreichen will und für die ich kämpfe, aber mein kompletter Lebensinhalt bezieht sich nicht mehr nur darauf, dass ich bloß nicht versagen darf. Ich glaube, seitdem ich diese Verbissenheit abgestellt habe, haben sich auch meine Noten wieder um einiges verbessert. Klar, es fällt mir weiterhin schwer, manche Dinge locker zu nehmen, aber wenn ich mich nie mit dem, was ich bereits geschafft habe, zufrieden geben kann, bringt mich das im Leben nun mal auch nicht weiter.

Prüfungsangst kann man auch damit gut bekämpfen, indem man früh genug zu lernen beginnt. Wenn man sich genügend Zeit nimmt, um sich vorzubereiten, braucht man im Endeffekt keine Angst haben. Selbstverständlich ist dieser Druck immer da, aber zumindest muss man sich selbst nicht vorwerfen, zu spät begonnen zu haben. Mir fällt es leichter, die Dinge ein bisschen lockerer zu nehmen, wenn ich mich gut vorbereitet habe. Unerwartete Wendungen können zwar immer auftauchen, aber dann weiß man es beim nächsten Mal besser. Ansonsten versuche ich am Tag vor der Prüfung einen kühlen Kopf zu bewahren und mich nicht mehr allzu viel zu stressen. Ich vermeide es, beim Busfahren noch einmal das Skript durchzulesen, sondern höre stattdessen lieber Musik, besser gesagt, Instrumentalmusik. Gesang würde mich wahrscheinlich wahnsinnig machen, weil ich dann nicht wirklich meine Gedanken ordnen kann.

Wer an Homöopathie glaubt, kann es auch mit Bachblütentropfen probieren. Meine Mutter schwört darauf. Ich selbst kann damit nicht viel anfangen. Mir hilft Kaugummikauen viel besser. Jedoch gibt es mittlerweile Bachblütenpastillen, die man wie Kaugummi zerkauen kann. Die Pastillen schmecken sogar ganz gut und sind in jeder Apotheke erhältlich. Eine weitere Hilfe war für mich eine Person, mit der ich darüber reden konnte. Sie hat mir wirklich sehr geholfen und ich glaube, dass der übertriebene Stress und diese unmöglichen Anforderungen, die ich an mich gestellt habe, ein weiterer Faktor war, dass ich überhaupt krank geworden bin. Magersucht zeichnet sich unter anderem durch solche „Symptome“ aus.  Keine Angst, übertriebener Perfektionismus und Prüfungsangst führen nicht automatisch zu einer Essstörung, aber es führt dazu, dass ihr euch psychisch kaputt macht und es besteht eine höhere Gefahr, an Burn-Out zu erkranken, darum sucht das Gespräch, wenn euch eure Angst nahezu auffrisst. Heutzutage dürfte es in jeder Stadt Beratungsstellen bzw. ein Beratungszentrum geben, die euch weiterhelfen können. Wenn euch eure Prüfungsangst fast zerfrisst, dann scheut euch nicht, dorthin zu gehen. Ich selbst bin zwar zu keiner Beratungsstelle gegangen, da ich bereits während meines Klinikaufenthalts daran gearbeitet habe, aber wenn ich nicht diesen Weg gegangen wäre, hätte ich es bestimmt in Anspruch genommen. Ihr werdet dadurch so viel über euch selbst lernen. Ich habe beispielsweise immer gedacht, dass der Perfektionismus erst mit der Magersucht gekommen ist, aber im Endeffekt war er schon vorher da, nur nicht so ausgeprägt.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar wertvolle Tipps geben, wie ihr eure Angst in den Griff bekommen könnt. Vergesst nie: Ihr seid Menschen und nicht alles perfekt machen zu können ist menschlich. Ihr schafft das! Ganz bestimmt.

Sollte es euch allerdings so gehen wie mir und sich die Angst bereits in einer Essstörung zeigen, dann könnt ihr gerne meinen Post lesen, den ich über meine Erfahrungen mit der Krankheit geschrieben habe. Hier kommt ihr zu diesem Post. Im Mai wird es übrigens ein kleines Update dazu geben. Warum erst im Mai? Nun, da ist es genau 3 Jahre her, dass ich den Kampf dagegen aufgenommen habe und darum möchte ich noch bis dahin warten.

Packen wir es an: Motivationscoach

Versonnen und „betrunken“ von viel zu wenig Schlaf schlürfe ich in die Küche. Ich brauche jetzt erstmals einen Kaffee. Die gestrige Lernsession hatte es in sich und ich fühle mich gerädert, so, als hätte ich die ganze Nacht feuchtfröhlich gefeiert. Das einzige, womit ich mein Gehirn malträtiert habe, war allerdings kein Alkohol. Es war ein Buch, dessen glorreichen Inhalt ich mir auf irgendeine dubiose Art und Weise in die Birne pressen wollte oder besser gesagt, sollte! Es scheint so, als hätte ich es endlich hinter mich gebracht. Das Buch ist irgendwie in meinen Gehirnarealen hängen geblieben und schwirrt nun irgendwo zwischen Arbeitsgedächtnis und Langzeitgedächtnis umher. Wie ich das gemacht habe? Ich weiß es nicht! Als ich mich im Halbschlaf durch die Räumlichkeiten unseres Hauses schlängle, bleibt mir ein verdächtiger, weißer Papierstapel im Blickfeld hängen. Ist das nicht? Oh ja! Muss ich nicht noch auch? Oh ja! Mag ich noch? NEIN!!! Der verdächtige Papierstapel ist nichts anderes, als der Pack Papier, vollgeschrieben mit Theorien, den ich mir noch bestenfalls ins Langzeitgedächtnis stopfen sollte muss. Der Stoff, der in wenigen Tagen sitzen muss. Ob er danach vergessen wird, ist egal, aber ich darf ihn jetzt nicht vergessen. Ich könnte just in diesem Moment alles andere tun, nur nicht eines: Lernen. Ich mag nicht mehr! Die Motivation ist flöten gegangen und macht jetzt -fernab von meinem Geist- Urlaub irgendwo auf einer Südseeinsel, schlürft bunte Cocktails und erfreut sich an den schönen Seiten des Lebens. Ohne mich! Ungeniert hat es uns alleine gelassen: mich und meine Synpasen, Axone, Dendriten! Mein Gewissen rennt panisch im Kreis umher, der Klugscheißerteil irgendwo in mir fleht mich an, mehr Wissen zu bekommen, um eben mehr klugscheißern zu können und ich bin einfach nur eines: NICHT MOTIVIERT ZUM LERNEN!

Sind wir uns mal ehrlich. Solche Situationen kennen wir alle. Nicht nur in Bezug auf das Lernen, aber wir beschränken uns heute nur darauf. Jeder, der zur Schule geht oder studiert, weiß, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, die notwendige Motivation aufzubringen, um konsequent zu lernen. Besonders am Anfang des Studiums fiel es mir unglaublich schwer, aber mittlerweile habe ich einen Weg gefunden, sodass solche Situationen, die ich euch schemenhaft oben beschrieben habe, nicht mehr allzu oft vorkommen. Selbstverständlich bin ich kein Roboter. Ich bin alles andere, als dauermotiviert. Zwar mag das manchmal so erscheinen, weil in meinem Terminkalender immer noch Platz für eine weitere Prüfung ist, aber wenn ich in einem Semester 10 Prüfungen oder Lehrveranstaltungen beendet habe, bin ich an dem Grenzwert angelangt, an dem sich meine Motivation spaltet wie ein atomisches Teilchen. Genau dann kommt es immer noch zu solchen Situationen, wie oben beschrieben, aber neben der allgemeinen, inneren Motivation, die ich besitze, gibt es zumindest noch ein paar Tricks, die mir helfen, um mich wieder zu motivieren und diese möchte ich heute mich euch teilen.

Setze dir realistische/nähere Ziele

Manchmal sitze ich vor meinem Buch, den Kopf in die Hände gestützt, verziert mit einem verträumten Gesicht und zufriedenen Seufzern. Das ist die Situation, in der ich mich im Tagtraumland befinde und mir vorstelle, wie ich in wenigen Jahren heißen werde. Gedankenverloren kritzle ich Frau Mag. rer. nat. Lisa Reiter auf meinem Collegeblock, überschreibe damit wichtige Lerninformationen und träume weiter. HALT! Ja, der Magister kann mir in kommender Zukunft gehören, sofern ich weiterhin brav lerne, angemessen viele Prüfungen mache und mich anstrenge, ABER der Magister ist noch weiter von mir entfernt, als eine schwierige Prüfung, die mir morgen bevorsteht (ihr erinnert euch an das orangene Buch, das sich öfters in einem Post der Lernreihe geschlichen hat) und ohne die es eben keine Möglichkeiten gibt, Zugang zur Diplomarbeit, geschweige dem überhaupt Zugang zur Diplomprüfung zu bekommen. Realistische Ziele werden Step by Step gemacht. Geht eine Hürde nach der nächsten an. Mein realistisches Ziel besteht jetzt darin, dass ich heuer in Psychologie und Philosophie mit den ersten Studienabschnitt fertig werde. Dafür fehlen mir noch insgesamt 5 oder 6 Prüfungen, ein Ziel, das in einem Semester machbar ist. Ziele, die in allzu weiter Ferne sind, frustrieren, weil es länger dauert, bis wir sie erreichen können und dementsprechend eliminieren wir damit selbst das schöne Gefühl eines Erfolgserlebnis. Natürlich sollten auch Ziele, die noch etwas weiter von einem entfernt liegen, nicht aus den Augen verloren werden, aber konzentriert euch lieber auf nähere Ziele. Womöglich könnt ihr diese dann sogar übertreffen. Mein Ziel im letzten Semester war es, mindestens zehn Lehrveranstaltungen zu besuchen und alle zu bestehen, egal, mit welcher Note. Das Endresultat war letztendlich, dass ich fast 20 Lehrveranstaltungen und Prüfungen absolviert und die meisten davon mit den Noten Sehr Gut oder Gut bestanden habe.

 

Belohne dich – aber nicht zu oft!

Belohnungen gehören einfach dazu, aber ich bin ein strikter Gegner davon, wenn man sich nach jeder Prüfung materiell belohnt. Für eine einzige Prüfung belohne ich mich so gut, wie nie, es sei dem, es handelt sich hierbei wirklich um eine happige Prüfung, bei denen bereits andere Studenten vor mir in die Verzweiflung getrieben wurden. Wenn ich mir etwas Teureres, Materielles wünsche, dann gönn ich es mir in der Regel nach 5 Prüfungen, jedoch muss es nicht immer etwas Materielles sein. Schöne Ausflüge oder eine Partynacht sind auch schöne Belohnungen. Das lässt nun wahrscheinlich darauf schließen, dass ich am Wochenende nicht so oft fortgehe. Das stimmt. Seitdem ich studiere, bin ich höchstens alle drei Monate unterwegs. Für mich ist es auch Belohnung genug, wenn ich meine Mutter über gute Noten informiere. So ein Lob tut gut und nein, das ist kein „Fishing for Compliments“ und wenn doch, dann erfüllt es zumindest seinen Zweck.

 

Sieh das Licht am Ende des Tunnels

Es gibt so Situationen beim Lernen, die scheinen ausweglos und auch, wenn man weiß, dass es irgendwann vorbei ist, dass Licht am Ende des anderen Tunnel sieht man nur sehr schwach, wenn überhaupt. Nützt eure freien Minuten, die euch zur Verfügung stehen für einen Spaziergang und denkt darüber nach, was euch nach der ganzen Lernerei wieder erwartet. Genau, das Leben geht weiter und ihr habt wieder viel mehr Freiheiten, um das zu tun, was ihr gerne tut. Ich freue mich wieder auf mehr Zeit für meinen Blog, für meinen Käfer und meine Freunde, außerdem freue ich mich, wenn in meinen Gedanken wieder viel mehr Platz für Kreativität ist. Die befindet sich gerade wegen Platzmangel im Langzeitgedächtnis in Kisten gepackt im Keller meines Gehirns, aber nur noch exakt 24 Stunden, bis ich sie wieder hervorkramen kann.

Ärgere dich nicht über nicht so gute Noten

Sicher ist es ärgerlich, wenn man für eine Prüfung so viel lernt oder sich für ein Seminar so viel Mühe gibt und am Ende bekommt man eine 4. Natürlich ist man anfangs enttäuscht und ich muss zugeben, dass auch ich von 3 Schandflecken in meinem Zeugnis alles andere als amused war, aber gut, die drei Genügend kommen eben vom Lernen auf dem letzten Drücker, was solls. Davon lasse ich mir nicht die Laune verderben. Zumindest habe ich alles mit einer positiven Note geschafft und eine 4 ist kein Weltuntergang. Darum macht euch nicht zu viele Gedanken, selbst den Besten kann es passieren, dass sie eine 4 bekommen. Wenn ihr euch zu viel ärgert, führt das nur zu negativen Gefühlen und die kann eine Motivation nicht gebrauchen.

 

Kämpfe für dich selbst

Mir geht es momentan so, dass viele meiner Studienkollegen, die zur gleichen Zeit mit dem Studium begonnen haben, wie ich, etwas weiter sind, als ich. Der lange Krankenhausaufenthalt und die anderen ungeplanten Wendungen in meinem Leben haben Spuren hinterlassen. Früher war ich richtig deprimiert, weil ich viele Sachen erst machen muss, die andere im gleichen Semester schon haben. Das hat auch zu einer bestimmten Demotivation geführt, weil ich alles aufholen wollte, aber aufgrund meiner Hektik nicht wirklich vorangekommen bin. Heute habe ich mich damit abgefunden. Die Umstände waren eben da und haben dazu geführt. So what! Und auch wenn es diese Umstände nicht gegeben hätte, würde ich mich heute nicht mehr unterkriegen lassen. Oftmals ist nicht Faulheit dafür verantwortlich, dass man hinterherhinkt. Mangelnde Fixplätze, Studentenstaus und Ähnliches tun ihr übriges. Auch wenn man faul war, so what? Es geht niemanden etwas an. Kämpfe für dich selbst, lasse dich von anderen, vermeintlich „besseren“ oder „schnelleren“ Studenten nicht einschüchtern und finde dein Tempo. Wenn du wirklich etwas für die Uni tust und aus bestimmten Gründen nicht vorankommst, dann lass dich nicht entmutigen. Du kämpfst für dein Ziel und das ist alles was zählt. Jeder studiert von sich aus, für sich und am Ende zählt nur das Endresultat. Dass du das Hauptziel erreichst!

 

Erinnere dich, warum du das machst!

Willst du dir damit deinen Traum von einem bestimmten Job erfüllen? Studierst du dein Fach rein aus Interesse, um deinen Horizont zu erweitern? Oder willst du dich beruflich weiterentwickeln? Arbeitest du später mit Kindern zusammen, was dir bestimmt große Freude bereiten wird? Erinnere dich, warum du dein Studium studierst oder warum du deine Matura machst und selbst die schlimmste Prüfung wird am Ende nicht so schlimm erscheinen, denn du machst diese Prüfung nicht ohne Grund. Du tust es, um etwas zu erreichen, dass später dein Leben erfüllen wird/kann.

How I study: Meine persönlichen Tipps

How I study

Meine persönlichen Tipps

Himmel, wie die Zeit vergeht. Wir haben schon wieder Mittwoch und das bedeutet, dass es heute wieder mit meiner Lernreihe weitergeht. Wie versprochen möchte ich heute meine persönlichen Lerntipps weitergeben. Es ist gar nicht mehr so viel, denn wie mir bereits selbst aufgefallen ist, nutze ich sehr viel von den psychologischen Lerntipps, die ich euch -HIER vorgestellt habe. Mir selbst war das gar nicht so bewusst, aber seht ihr, so lerne sogar ich noch von meiner Lernreihe. Einige Tipps habe ich aber trotzdem noch im petto. 

Kärtchen

Die Kärtchen scheinen sehr beliebt zu sein, denn ich bin gewiss nicht die einzige, die mit dieser Methode lernt. Mir ist dabei allerdings sehr wichtig, dass auf die Kärtchen wirklich nicht allzu viel drauf steht. In meinen Augen sind die Kärtchen ein No Go, um ein ganzes Thema draufzuquetschen. Darum nutze ich persönlich die Kärtchen ausschließlich für Definitionen. Das ist ganz praktisch, vor allem, wenn ich eine große Menge zu lernen habe und es im Zuge dieser Lernsession immer wieder zu wichtigen Definitionen kommt, die prüfungsrelevant sind. Definitionen vergisst man gerne, jedenfalls geht es mir so. Auf die Kärtchen kann ich diese ganz bequem notieren. So tue ich mir leichter, wenn ich zwar schon auf Kapitel 7 bin, aber die Definition vom ersten Kapitel immer noch perfekt können muss. Ein weiterer Pluspunkt: beim Notieren der Definition prägt ihr sie euch automatisch ein, sodass ihr sie später besser auswendig lernen könnt. Zudem gliedere ich die Kärtchen via Farben, sprich ein Überthema bekommt eine Farbe, z.B. Deprivation, Resilienz usw. Das sind alles Themen, die zu dem Überthema: „Entwicklung der Kinder unter negativen Umständen“ gehören. Da passt die Anlage, also die Gene, beispielsweise gar nicht dazu. Für die habe ich dann eine neue Farbe verwendet, sodass ich weiß, dass das eher zu den Biologischen Dingen gehört. Ihr könnt mich all diese Definitionen abfragen und ich versichere euch, ich kann sie euch auswendig sagen. Abends lese ich mir die Definitionskärtchen gerne noch durch. So vergesse ich viel, viel weniger.

Post-Its

Wenn ich ohne Post-Its lerne, dann fühle ich mich wie Biene Maja, die keinen Honig hat und akribisch nach Willi sucht, um endlich neuen Honig zu besorgen. So, oder so in etwa. Post-Its sind praktisch bei Ergänzungen. Man kann sie bequem ins Buch oder auf das Skriptum kleben und sie lassen sich später prima entfernen. Das ist gut, wenn ihr ein teures Buch für die Uni habt, das ihr später verkaufen möchtet. So könnt ihr schon während der Vorlesungen die Ergänzungen auf das Post-It schreiben und müsst nichts ins Buch kritzeln. Wie ihr seht, werde ich mein Buch nicht verkaufen, denn ich habe es bereits fleißig markiert. Textmaker sind mir auch sehr wichtig, ohne sie ist es fast noch schlimmer, als ohne Post-Its. Dabei ist es wichtig, nur das Notwendigste zu markieren. Wie ihr seht, habe ich das noch nicht so ganz raus, aber das wird noch. Um noch einmal auf die Post-Its zurückzukommen: auch die kleineren, dünneren Post-It’s sind sehr ideal. Gerade, wenn es darum geht, eine Grafik zu beschriften. Auf dem Bild seht ihr einen vier Wochen alten Embryo. Dank der dünnen Post-Its, könnte ich genau beschreiben, wo sich die Armknospen, das Auge und das Innenohr befindet. 

Ein eigenes Skriptum schreiben

Wenn es für mich etwas schlimmes gibt, dann kann ich eindeutig sagen: Aus dem Buch lernen. Für mich gibt es nichts Nervenaufreibenderes, als das und genau da habe ich persönlich auch die größten Differenzen. Mein persönlicher Weg besteht nun darin, das Buch auseinanderzunehmen. Keine Sorge, das ist nur wörtlich so gemeint, im Grunde genommen mache ich aus dem Buch ein Skriptum. Mir fällt es dann wesentlich leichter, zu lernen. Es mag zwar ein enormer Mehraufwand sein, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich aus diesem Buch, das sich nun schon seit geraumer Zeit auf die Bilder schleicht, für eine Vorlesungsprüfung 7 Kapiteln zusammenfassen muss. Ein Buch beinhaltet jedoch so viele ellenlange Sätze, die im Grunde genommen irrelevant sind. Da mich das alles viel zu sehr verwirrt, ist das für mich der beste Weg und man lernt bereits bei der Zusammenfassung unbewusst mit, sodass es dann, wenn ich nur noch nach dem Skriptum lerne, sehr leicht ist, mir den Stoff einzuprägen. Man könnte eventuell auch einen Fragenkatalog daraus machen, aber mir persönlich ist ein Skript lieber.Der letzte Tipp, den ich für euch habe, ist zwar kein lernbezogener Tipp, aber er hilft extrem. Geht immer früh genug schlafen. Am besten vor Mitternacht. Es ist egal, wie lange ihr am nächsten Tag ausschlafen könnt, aber es ist immer leichter, wenn ihr vorher schlafen geht. Mir geht es jedenfalls so, dass ich mich danach immer besser konzentrieren kann. Außerdem steht man automatisch früh genug auf, dass man schon vormittags gut lernen kann. Ich habe dann meistens das Gefühl, dass mein Gehirn wieder aufnahmefähiger ist und der Lernprozess geschieht mir wesentlich leichter. Ansonsten achtet, dass ihr beim Lernen ungestört seid. Manchen hilft es, wenn sie währenddessen Musik hören. Ich kann das beispielsweise gar nicht. Aber wenn es euch hilft, dann macht es. Weiters könnt ihr im Zuge des Lernens auch herausfinden, welcher Lerntyp ihr seid. Seid ihr eher der visuelle Typ, der auditive oder vielleicht sogar der kommunikative oder motorische Lerntyp. Ich selbst bin eine gute Mischung aus allen Lerntypen. Ich lerne gerne laut sprechend und beim Wiederholen muss ich immer in Bewegung sein. -HIER könnt ihr einen Test machen, welcher Lerntyp ihr seid. Ich finde ihn gar nicht so schlecht, obwohl ich meinen Lerntyp bereits gut kenne, was mir im Übrigen auch der Test bestätigt hat. Daher – für gut befunden.

Einen weiteren Lerntipp hätte ich noch, aber der kommt dann erst nächste Woche, wenn ich euch erzähle, wie man Philosophie lernen kann, da sich diese Methode hierfür hervorragend eignet.
Ich hoffe, ihr konntet auch in diesem Post einiges mitnehmen und vielen Dank für die positiven Kommentare bei dem letzten. Nächsten Mittwoch geht es dann wieder weiter.

Richtig Lernen: Tipps aus der Psychologie

Richtig Lernen

Tipps aus der Psychologie

Herzlich Willkommen zum ersten Post meiner persönlichen Lernreihe. Ich freue mich sehr, dass wir endlich damit starten können und wie versprochen beginnen wir heute, am 04.02.2015 mit meinen Tipps und Empfehlungen. Dafür habe ich auch ein paar Tipps aus der Psychologie für euch, die ich im Laufe meines Studiums bereits gelernt und verinnerlicht habe. Das Psychologieinstitut an der Universität in Graz ist sehr naturwissenschaftlich angehaucht, darum durfte ich mich in den mittlerweile dreieinhalb Jahren mehr als oft mit dem Thema „Gehirn“ auseinandersetzen. Da versteht es sich natürlich von selbst, dass das Gedächtnis öfters ein Bestandteil unseres Stoffgebiets ausmacht und genau das brauchen wir, um richtig lernen zu können und später das Wissen wieder abzurufen. Das Gedächtnis. 

Eigentlich hätten heute meine persönlichen Tipps kommen sollen, die ich auch in diesen Post „quetschen“ wollte, aber da die „Psychotipps“ schon so lang sind, musste ich den Beitrag splitten. Darum kommen die persönlichen Lerntipps nächste Woche. Bevor ich euch nächste Woche meine persönlichen Tipps verrate, tauchen wir kurz in die Welt der Biologischen Psychologie ab und beschäftigen uns mit dem Thema Gedächtnis. Danach verrate ich euch auch einige psychologischen Tricks, die euch beim Lernen unterstützen sollen.

Unser Gedächtnis ist der Ort, in den aufgenommene Informationen mehr oder minder dauerhaft im Gehirn gespeichert sind. Damit die Information überhaupt in unser Gedächtnis gelangen kann, ist ein Prozess der Informationsaufnahme notwendig. Dieser Prozess nennt sich Lernen, also das, was wir StudentInnen und SchülerInnen auf der Uni oder in der Schule tagtäglich tun. Lernen bezieht sich nicht nur auf, ich nenne es mal schulisches Lernen, sondern auch auf die Reizaufnahme über unsere Umwelt. Babys sind dafür gute Beispiele. Wir alle wissen, dass Babys nicht in die Schule gehen, um dort etwas zu lernen, jedoch lernen Babys tagtäglich mehr. Sie nehmen den Reiz auf und rufen die Information ab. Dies ist der Prozess des Erinnerns. So muss ein Baby nicht in die Schule gehen, damit es sprechen oder laufen lernt. Natürlich ist mir klar, dass ihr das selbst auch wisst, aber mit dieser Erklärung wollte ich einfach noch einmal deutlich machen, dass wir nicht nur in der Uni oder Schule lernen, sondern im Grunde genommen unser Leben lang.  

Das Gedächtnis ist nicht nur ein einfaches Gedächtnis. Ganz im Gegenteil. Das Gedächtnis setzt sich aus dem Sensorischen Speicher (oder Ultrakurzzeitgedächtnis), Kurz- und Langzeitgedächtnis zusammen. Der Sensorische Speicher ist gekennzeichnet durch ein sehr schnelles Verblassen, darum trägt er auch den würdigen Namen „Ultrakurzzeitgedächtnis“. Die Speicherzeit beträgt weniger als 500 ms, aber dennoch hat das Ultrakurzzeitgedächtnis wahrscheinlich eine sehr hohe Speicherkapazität. Nur wenn sich die Aufmerksamkeit länger auf einen Gegenstand richtet, kann die Information enkodiert werden und ins Kurzzeitgedächtnis gelangen. Wir wollen unsere Information allerdings nicht nur ins Kurzzeitgedächtnis „stopfen“, sondern all unseren Lernstoff ins Langzeitgedächtnis bringen, stimmt’s? Bevor ich euch dafür das Zauberwort verrate, möchte ich euch noch kurz etwas über das Langzeitgedächtnis erzählen, denn das hat, wie ich finde, einiges zu bieten.

Unser Langzeitgedächtnis setzt sich zusammen aus einem expliziten, deklarativen und einem impliziten Gedächtnis. Auch innerhalb dieser Gedächtnisarten unterscheidet man zwischen weitere Gedächtnisarten. Zur besseren Übersicht habe ich all das für euch gegliedert.

1. Explizites, deklaratives Gedächtnis

  • Semantisches Gedächtnis

Dem semantischen Wissen kann man viele Namen geben. Euch werden die Begriffe Weltwissen, Faktenwissen oder Allgemeinwissen am geläufigsten dafür sein. Das semantische Gedächtnis beinhaltet unter anderem berufliche Kenntnisse, geschichtliches Wissen, Kenntnisse über Kochrezepte usw. Der Zeitpunkt, wann ihr all dieses Wissen erworben habt, wird beim semantischen Gedächtnis nicht miteingespeichert.

Weitere Beispiele für das semantische Gedächtnis: Satz des Pythagoras, Hauptstadt von Österreich/Deutschland/Schweiz usw.

  • Episodische Gedächtnis

Unser episodisches Gedächtnis umfasst Ereignisse, die unsere persönliche Geschichte oder Biographie betrifft. Ein Beispiel dafür wären unter anderem unser erster Schultag, unser erster Freund usw. Hierbei wird der Zeitpunkt des Erwerbs abgespeichert und es stellt sich ebenso die Frage, in welcher Beziehung dieses Ereignis zu mir steht.

2. Implizites Gedächtnis

 

  • Prozedurales Gedächtnis

Beinhaltet Fertigkeiten, die wir automatisch und ohne darüber nachzudenken, einsetzen können. Das bezieht sich vor allem auf motorische Abläufe, wie Fahrradfahren oder Tanzen.

 

  • Priming

Hierbei wird die Reaktion auf einen Zielreiz erleichtert, indem vorher eine Darbietung eines Bahnungsreizes stattgefunden hat. Beispiel: Ich gebe euch eine Wortliste, die ihr vorher durchlesen dürft und frage euch danach Wortfragmente ab. Mit ziemlicher Sicherheit werdet ihr die Wortfragmente besser ergänzen können, deren Wörter ihr zuvor gesehen habt.
  • Assoziatives Lernen – Klassische Konditionierung

Das assoziative Lernen werde ich nicht so genau erläutern. Ihr alle kennt bestimmt das Pawlow Experiment mit dem Hund, oder? Genau das ist das klassische Konditionieren.
  • Nicht-Assoziatives Lernen – Habituation, Sensitivierung 

Vereinfacht gesagt: Bei mehrmaliger Wiederholung nimmt die Reaktion auf einen Außenreiz ab. Habituation ist nichts anderes als der Gewöhnungsprozess. Die Sensitivierung ist etwas komplexer als die Habituation. Falls euch das auch interessiert, dann verweise ich euch ganz lieb gemeint auf Google, denn ansonsten würde das alles noch ausschweifender werden, als es ohnehin schon ist.

Abb.: Gedächtnisprozess

Nun stellt sich nur noch eine Frage? Wie zum Teufel bekomme ich den Lernstoff, den ich für die nächste Prüfung unbedingt können muss in meine Birne? Oder besser gesagt ins Langzeitgedächtnis. Das Zauberwort, das ich euch schon angekündigt habe, nennt sich Konsolidierung. Ihr fragt euch jetzt bestimmt: Konsoli-was? Vereinfacht gesagt ist das der Prozess, der eure Informationen im Langzeitgedächtnis verarbeitet und dort fixiert, sprich hierbei wird eine dauerhafte Gedächtnisspur gebildet und das ist genau das, was wir erreichen wollen. Nur wie geht das am Besten? Ihr müsst wissen, ein Konsolidierungsprozess dauert einige Stunden bis sogar Tage, bis die Information im Langzeitgedächtnis abgespeichert ist. Was sagt uns das? Genau, man sollte es besser vermeiden, auf den letzten Drücker zu lernen und früh damit beginnen. Dass das nicht immer so einfach ist, wurde auch mir schon des Öfteren gezeigt und manchmal lässt es sich einfach nicht vermeiden, erst kurz vor der Prüfung zu lernen. Trotzdem sind kürzlich geformte Gedächtnisinhalte, die sich noch im Konsolidierungsprozess befinden, äußerst anfällig für das Vergessen und es wäre doch ziemlich blöd, wenn ihr dann bei der Prüfung keine Antworten mehr auf die Fragen habt, oder? Darum bemüht euch, dass ihr euren Konsolidierungsprozess so wenig wie möglich stört. Wie geht das wohl am Besten?

Vielleicht habt ihr schon einmal von dem Mythos „Heft unter dem Polster“ gehört. Leider ist es nicht so einfach, dass man sofort alles weiß und kann, wenn man sich sein Heft unter das Kopfkissen legt. Nein, nein, man muss schon etwas dafür tun. Dieser Spruch ist eher umgangssprachlich gedacht und soll darauf hinweisen, dass es ideal ist, direkt nach dem Lernen zu Bett zu gehen, denn im Schlaf wird der Konsolidierungsprozess am wenigsten gestört. Wenn ihr also sofort nach dem Lernen Schlafen geht, dann verbessert ihr eure Erinnerungsfähigkeit. Mir ist natürlich klar, dass nicht jeder erst am späten Abend zu lernen beginnt und auch ich lerne lieber vor- oder nachmittags, aber dafür versuche ich oft, kurz vor dem Schlafen gehen den ganzen Stoff zu verinnerlichen oder ihn mir erneut durchzulesen. Versucht auch Dinge, die den Konsolidierungsprozess stören, zu vermeiden, wie beispielsweise in den Lernpausen den Fernseher anzuschalten oder Handyspiele zu spielen. Lieber an die frische Luft gehen und eine Runde spazieren. So nutzt ihr eure Lernpausen sinnvoll. 

Bevor es überhaupt zu einem Konsolidierungsprozess kommt, muss es erstmal zu der Enkodierung kommen. Auch das ist ein Teil der Gedächtnisbildung. Es gibt einige Methoden zur tiefen Enkodierung, die ich euch nun aufzählen möchte. Es sind Tipps, wie sollte es auch anders sein, aus der Psychologie. Die, die mir selbst sehr geholfen haben, möchte ich euch nicht vorenthalten:

  • An Bekanntes anknüpfen

Das hilft mir vor allem sehr dabei, Eselsbrücken zu bilden. Die können manchmal ganz sinnvoll sein, vor allem, wenn mal etwas nicht so wirklich in den Kopf gehen möchte.

 

  • Möglichst viel selber tun („begreifen“)

Stimmt! Es nützt nichts, wenn ihr die Matheaufgaben von jemanden abschreibt, denn so werdet ihr es nie verstehen bzw. euch beim Lernen für die Schularbeit viel schwerer tun. Auch bei Gruppenarbeiten, unabhängig, ob man sich nun in der Schule oder schon auf einer Uni befindet, sollte man sich immer selbst mit einbringen und seinen Teil dazu beitragen. Keine Aufgaben auf andere abschieben, abschreiben vermeiden und bereits im Unterricht mitarbeiten, damit es später leichter ist, auch wirklich etwas selbst zu tun. Bei Vorlesungen ist das natürlich schwierig, denn mal ehrlich, wer bringt sich schon in einer Vorlesung ein? Aber dafür geht es an der Uni oft darum, dass man nach Fragebögen für Prüfungen sucht. Sofern es einen unausgefüllten Fragenkatalog geben sollte, nervt nicht die ganze Community mit euren Bitten, einen ausgefüllten Fragebogen in die Studentengruppe auf Facebook upzuloaden, sondern arbeitet ihn selbst aus. Ich selbst habe damit nur gute Erfahrungen gemacht und durch selbst ausgefüllte Fragebögen sogar bessere Noten erzielt. Auch Mitschriften „schnorre“ ich nicht von anderen. Wenn ich nach Mitschriften lerne, dann nur nach meinen eigenen. 

  • Wiederholen ist die Mutter der Weisheit

Wiederholt regelmäßig und nicht erst, wenn ihr die Unterlagen durch habt, denn ansonsten besteht die Gefahr, dass ihr die ersten Seiten gar nicht mehr könnt. Außerdem kann es einem oft so vorkommen, den Stoff verinnerlicht zu haben, sodass man ihm keine weitere Aufmerksamkeit mehr schenkt und sich dem nächsten widmet. In Wahrheit habt ihr ihn aber noch gar nicht verinnerlicht, darum ist regelmäßiges Wiederholen sinnvoll. Ich mache das so: Ich teile meine Unterlagen in Abschnitte. Sobald ein Abschnitt durch ist, wiederhole ich ihn. Sobald ich zwei oder mehre Abschnitte durch habe, wiederhole ich ALLE Abschnitte und so weiter. Das lässt natürlich darauf schließen, dass man dafür viel Zeit für das Lernen miteinplanen soll. Geht also nicht wirklich, wenn man auf den letzten Drücker lernt.
  • Nicht zu viel auf einmal lernen
Wieder ein Grund, warum es nicht sinnvoll ist, die ganze Lernerei bis zum Schluss aufzuschieben, sondern früh genug damit zu beginnen. Überlastet euer Gehirn nicht und vergesst nicht, ihr seid keine Maschinen. Irgendwann sind die Kapazitäten voll und dann braucht man sich auch nicht wundern, warum nichts mehr in den Kopf geht. Auch dafür eignet sich das „Abschnittlernen“ hervorragend.

 

  • Die Umgebung des Lernens der beim Abrufen so ähnlich wie möglich machen

Das ist natürlich schwierig, denn nicht jeder ist dazu in der Lage, an der Uni vernünftig zu lernen. Ich beispielsweise kann das gar nicht, darum kann ich meine Umgebung auch nicht gleich gestalten, denn bei mir zu Hause sieht es nicht wirklich so aus, wie in den Hörsälen oder Unterrichtsräumen, in denen ich mich an der Uni für gewöhnlich aufhalte. ABER – wenn ich an der Uni mal ein paar Lücken habe und diese Lückenzeit sinnvoll ausfüllen möchte, gehe ich immer in das Gebäude, in welchem die Prüfung stattfinden wird und lese mir die ganzen Unterlagen zumindest durch. Ansonsten lerne ich immer in den gleichen Räumlichkeiten. Wenn ich also für die Prüfung Entwicklungspsychologie I in meinem Wohnzimmer mit dem Lernen beginne, lerne ich dort den Stoff zu Ende. Beginne ich für Entwicklungspsychologie II in meinem Zimmer, lerne ich dort Entwicklungspsychologie II zu Ende. Mir hilft es wirklich. Also, probiert es aus und vielleicht nutzt es auch euch etwas.

Ich hoffe, ich habe euch mit der ganzen Theorie nicht überschwemmt, denn ich habe schon ziemlich viel Input niedergeschrieben, aber wenn ich mal mit meinem Wissen anfange, dann kann ich einfach nicht mehr aufhören. Des Weiteren hoffe ich auch, dass euch die psychologischen Lerntipps weitergeholfen haben und dass auch ihr etwas davon anwenden könnt. An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich natürlich keine Expertin bin, darum sind alle Angaben ohne Gewähr, aber ich verlasse mich darauf, dass all das, was ich hinsichtlich der Biologischen Psychologie gelernt habe, richtig ist. Für weitere Ergänzungen bin ich selbstverständlich offen. Eine kleine Bitte hätte ich noch an euch. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr die Postings bezüglich der Lernreihe bewerten könnt, damit ich selbst ein kleines Feedback bekomme, wie hilfreich ihr die Postings findet. Mir selbst dient dies zur Orientierung. Unter dem Posting findet ihr die Möglichkeit, eure Bewertung abzugeben. Vielen Dank dafür.

Nächste Woche geht es dann auch schon mit meinen persönlichen Lerntipps weiter.