The Power of Female Friendship: warum Distanz keine Rolle spielt

Warum Distanz keine Rolle spielt

The Power of Female Friendship

Es gibt nicht nur Fernbeziehungen, sondern auch Freundschaften, die durch Distanz getrennt werden. Das bedeutet: keine spontanen Treffen, kein schneller Kaffee in der Mittagspause und lange Planungen. Klingt nach Gift für jede Freundschaft, oder? Aber das muss es nicht sein. Distanz schenkt uns Möglichkeiten, eine echte Freundschaft wachsen zu lassen und diese zu festigen.

Es gibt sie. Diese besonderen Begegnungen im Leben. Diese Momente, wenn man einen Menschen findet, bei dem einfach alles passt. MIT dem einfach alles passt. Da werden über dieselben Witze gelacht, ähnliche Probleme analysiert, über Gott und die Welt philosophiert und gleiche Interessen geteilt. Man schwimmt auf einer Wellenlänge. Es könnte so perfekt sein. Wäre da nicht die Entfernung, die es uns erschwert, diese Freundschaft zu pflegen. Räumliche Nähe macht es einfacher, freundschaftliche Beziehungen zu erhalten. Das ist längst wissenschaftlich belegt. Doch Entfernung muss kein Hindernis sein, denn viele Steine legt man sich oft selbst in den Weg.

The Power of Female Friendship

Wenn ich an all die wunderbaren Frauen da draußen denke, die mich inspirieren, fällt mir auf, dass ich viele davon selten sehe. Dass viele davon mehrere Kilometer entfernt wohnen. Es wäre immer eine zweistündige Fahrt oder sogar ein zweistündiger Flug notwendig, damit ein Treffen zustande kommt. Ich denke da an meine beste Freundin Lizzie, die inzwischen eine liebevolle Mama geworden ist. Ihr Traum hat sich erfüllt. Kein Wunder, dass sie in ihrer Mutterrolle voll und ganz aufgeht. Oder an Vanessa, quirlig und Ruhepol zugleich. Eine junge Frau, mit der ich ständig lachen kann, die ähnliche Visionen vom Leben hat. Die sich für die gleichen Länder interessiert und zur gleichen Musik tanzt. Ich denke an meine ehemalige Nachbarin und inzwischen langjährige Freundin Martina, die ihr Leben nach ihren Wünschen und Vorstellungen gestaltet. Eine lebensfrohe, mutige, junge Frau, die ihre Sachen gepackt hat und für ein ganzes Jahr nach Madrid gezogen ist. Eine Frau, die ich oft für ihre Leichtigkeit bewundere. Eine Frau, die es in die Welt hinauszieht. Genauso wie Kerstin, die inzwischen von Graz weggezogen ist und ihr Ding macht, sechs Wochen auf Bali verbringt und danach wieder in Kärnten leben wird. Sie ist diese Art von jungen Frauen, die einen Sinn für kritisches Denken haben. Reflektiert und bodenständig. Sie blickt über den Tellerrand hinaus und trotzdem gibt sie ihren Träumen das Gewicht, das es benötigt, um sie zu erfüllen.

All diese jungen Frauen inspirieren mich auf ihre Art und Weise. Ich weiß genau, dass es eine Bereicherung wäre, sie mehrmals in der Woche um mich zu haben, doch ausgerechnet unsere Lebensumstände machen es unmöglich, mal spontan zu der anderen zu fahren. Gerade als Teenager war das schwer. Meine beste Freundin und ich sind es von Anbeginn unserer Freundschaft gewohnt, dass wir nicht Tür an Tür wohnen. Die anderen drei Long Distance Freundschaften haben sich erst später ergeben – zuerst in derselben Stadt studiert oder gearbeitet. Danach ging doch jede ihren eigenen Weg und kehrte Graz den Rücken – ich bin geblieben. 

Girlpower trotz Kilometer

Distanz ist nie das Ende einer Powerfreundschaft

Bleiben nur noch WhatsApp und Instagram. Lizzie habe ich seit fast zwei Jahren nicht mehr gesehen. Während unserer Jugendzeit schafften wir es, uns zumindest ein paar Mal im Jahr zu treffen. Ich verbrachte einige Wochenenden in Wien. Sie einige in der Steiermark. Damals nickten wir uns ständig in voller Einigkeit zu: „Wir sehen uns zu wenig und müssen das ändern.“ Jederzeit fest motiviert, das irgendwie zu ändern. Genau! Heute sehe ich diese „seltenen“ Treffen als relativ häufig an. Wir hatten viel mehr Zeit und unser Leben war anders. Na klar, wenn man erwachsen wird, ändert sich vieles.
 
Lizzie ist inzwischen Mama. Das macht es nicht einfacher, uns regelmäßig zu sehen. Im Gegenteil: ich habe ihren kleinen Sohn noch immer nicht kennengelernt, obwohl er bald ein Jahr alt wird. Trotzdem hält diese Freundschaft. Selbst wenn wir jetzt sogar viel seltener schreiben, als früher oder uns weniger hören. Selbst wenn WhatsApp Antworten einmal länger dauern und nicht binnen Sekunden geschehen. Doch für mich hat es sich nie geändert, dass Lizzie meine beste Freundin ist. Ich würde sie nie durch eine andere ersetzen, auch wenn es in meinem Leben ein paar junge Frauen gibt, mit denen ich sehr viel unternehme, die mit mir auf einer Wellenlänge schwimmen und mit denen ich mich gut verstehe. Lizzie und ich pflegen zwar nicht diese 08/15 Best Friendships, in der man sich gemeinsam die Fingernägel lackiert, spontan brunchen oder shoppen geht. Wir haben nicht die Art von Freundschaft, in der man ad hoc mit einer Flasche Wein im Türrahmen steht, um zu trösten, weil man Liebeskummer hat. Der Verursacher für den Liebeskummer wurde früher am Telefon verteufelt, doch heute bleibt selbst dafür wenig Zeit. Sie hat das im Gegensatz zu mir auch nicht nötig, hat sich doch ihre große Liebe schon geheiratet. 

ABER – wir haben eine gemeinsame Geschichte, einen gemeinsamen Weg, gemeinsame Erfahrungen, sowie Höhen und Tiefen die wir gemeinsam gemeistert haben. Ich kann Lizzie alles erzählen. Wir bringen immer das notwendige Verständnis füreinander auf. Keine ist auf die andere böse, wenn dann in der WhatsApp Nachricht statt „Ich freue mich, bis gleich“, eine spontane Absage drin steht: „Ich schaffe es heute doch nicht. Das Baby bekommt gerade Zähne und hat Schmerzen.“ oder „Ja, ich bin in Wien. Es ist aber so stressig, weil ich beruflich da bin. Das nächste Mal melde ich mich früher.“ Im Gegenteil. Man hat gegenseitiges Verständnis, weil unser Leben so unterschiedlich verlaufen ist. Weil wir beide andere Fokuspunkte haben. Und das ist okay. Denn es ändert sich nichts daran, dass -auch wenn wir andere Ziele verfolgen- wir uns aus vollstem Herzen gegenseitig unterstützen.
 
Distanz ist nie das Ende einer Powerfreundschaft. Sie ist eine Herausforderung, gleichzeitig eine wunderbare Möglichkeit, um herauszufinden, ob der Mensch wirklich in deinem Leben sein sollte. Distanz beweist das starke Band einer Freundschaft. Übersteht sie viele Kilometer, so hat sich auch die Freundschaft bewährt. So ist es auch mit all den anderen jungen Frauen in meinem Leben, die nicht gleich nebenan wohnen. Es funktioniert, weil wir keine hohen Ansprüche an uns stellen. Weil wir keine Ultimaten einfordern, akzeptieren und tolerieren. Weil wir uns gegenseitig dabei empowern, das zu tun, was uns glücklich macht. Auch wenn das bedeutet, dass gemeinsame Momente rar sind.

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