Why is it so hard to talk about…?

…Sex. Dieses Wort habe ich in meinem Titel bewusst weggelassen, denn genau das soll der Titel suggerieren. Warum ist es so schwer, über Sex zu sprechen? Ich möchte euch ein kurzes Szenario vorstellen, dass sich genau vor einer Woche an meinem Institut abgespielt hat.


Ein karger Seminarraum. Dutzende Augen auf mich gerichtet. Die strengen Blicke meiner Professoren mustern mich. Hinter mir eine Power Point Präsentation mit anzüglichen Bildern. Diese habe ich nicht etwa von speziell dafür gedachten Pornowebsiten, sondern von Instagram. Ganz normale Hashtags habe ich dafür benutzt, wie etwa #beachlife, #overknees und #fitspiration. Auf dem ersten Hinhören nichts anzügliches. Nichts was man sofort mit Sex in Verbindung bringen würde. Aber das ist genau das Thema, worüber ich nun schon seit einer halben Stunde rede. Sex. Ich reden über Sex. Und zwar nicht deswegen, weil ich die Katholisch-Theologische Fakultät aufmischen möchte, sondern weil es das Thema ist: Pornification. 

Ich deute auf ein Bild hinter mir. Das Mädchen ist hochgeschlossen angezogen: Rollkragenpullover und eine olivgrüne Jacke. Klingt harmlos. Unschuldig. Man stellt sich ein braves Mädchen vor, wenn man die Beschreibung liest. Das mag sie vielleicht auch sein, doch das Bild ist sexualisiert. Warum? Sie mag zwar hochgeschlossen angezogen sein, aber der Rollkragenpullover hat fast die exakt gleiche Farbe wie ihre helle Haut und inmitten des Bildes springen mir ihre weiblichen Argumente deutlich entgegen. Der Rollkragenpullover, eng anliegend, betont ihre Brüste. Die Farbe suggeriert Nacktheit. 

Ich frage in die Runde: „Warum habe ich das Bild wohl ausgewählt?“ Keine Antwort. „Verdammt“, denke ich mir und gerate ins Stottern. Natürlich muss ich mich nun erklären. Erklären, warum ich das Bild gewählt habe. Und plötzlich fiel es mir total schwer, es zu sagen. Der Grund, warum ich das Bild gewählt habe, waren ihre großen Brüste, die dem Bild dieses gewisse Etwas an Sex verleihen. Ich hätte mir nie gedacht, dass es mir so schwer fallen würde. Vielleicht liegt es daran, weil mich die Blicke meiner Professoren streng mustern oder an der Tatsache, dass ich nicht unwissenschaftlich wirken will. Ich will mich wissenschaftlich ausdrücken, kompetent wirken und dann soll ich „wegen ihren großen Brüsten“ sagen? Verzweifelt suche ich nach Worten, bis ich plötzlich ein paar Wortfetzen rausstottere: „Wegen… ihren… weiblichen… Attributen.“ Und dabei schlucke ich einen Kloß hinunter und werde rot. Es ist mir unangenehm. Wirklich unangenehm. 


 

 

Why is it so hard to talk about Sex?

Diese Szene hat sich tatsächlich in dieser Form abgespielt. Die Präsentation lief trotzdem gut und meine Professoren hielten mich auch nicht für inkompetent. Im Gegenteil: Man gratulierte meiner Seminarpartnerin und mir sogar dazu, dass wir uns getraut haben, über das Thema zu sprechen. Über Sex zu reden. Dabei verließ mich genau in dieser Situation der Mut, über Sex zu reden, geschweige denn das Wort nur in den Mund zu nehmen. Und diese Schwierigkeiten hatte ich auch früher, als ich jünger war. Inzwischen habe ich viele Hemmungen abgelegt. Es fällt mir eigentlich leichter, darüber zu reden. Das hat lange gedauert, darum verstand ich auch nicht, warum mich ausgerechnet in einem wissenschaftlichen Setting die Hemmungen gepackt haben, über Sex, Lust oder gar über bestimmte Körperregionen zu sprechen.

Sex ist immer noch ein Tabuthema. Dabei finde ich es wirklich wichtig, offen darüber zu sprechen. Ich bin mir sicher, viele vertreten die Ansicht, dass Sex die natürlichste Sache der Welt ist. Auf der einen Seite mag das stimmen. Menschen haben einen natürlichen Fortpflanzungstrieb und wollen nicht, dass die eigene Art ausstirbt. Doch Sexualität, so wie wir sie heute kennen, ist nicht ausschließlich natürlich. Vielmehr ist Sexualität in dieser pornifizierten Welt ein soziales Konstrukt. Etwas von Menschen geschaffenes und alles, was der Mensch schafft, ist per se nichts Natürliches. Ich denke, gerade deswegen ist es schwierig, darüber zu sprechen. Vielleicht weil man Angst hat, in der Gesellschaft abgelehnt zu werden, wenn man offener mit seiner Sexualität umgeht. Tatsache ist jedoch: Sie gehört in unser aller Leben dazu.

Wir Menschen haben Bedürfnisse, die sich fernab von unserem Fortpflanzungstrieb (die natürliche Seite von Sex) bewegen und wir wollen, dass diese Bedürfnisse befriedigt werden. Doch wir alle haben andere Vorstellungen davon und wünschen uns nicht das Gleiche. Es gibt Dinge, die wir ablehnen oder schlichtweg nicht mögen. Dinge, die uns unangenehm sind. Doch damit die Dinge, die wir mögen, passieren und andere nicht vorkommen, ist es wichtig, über Sex zu sprechen. Insbesondere in einer Partnerschaft oder zumindest in einer „Beziehung“, die sich rein um Sex dreht. Es bleibt jedem selbst überlassen, wie er seine Sexualität auslebt.

 

 

Ist es Verwerflich, über Sex zu sprechen?

Ich selbst würde meine Bettgeschichten nie nach Außen tragen, denn in der Hinsicht ist es mir wichtig, Diskretion zu bewahren. Aber wenn jemand gerne seine Bedtimestories vor jedem ausplaudert, dann bitte. Auch das sollte Akzeptanz finden. Es sollte nicht mehr als verwerflich gelten, darüber zu sprechen. Man kann durchaus den Mut hervorbringen, darüber zu reden. Und man sollte darüber sprechen dürfen. Damit meine ich per se nicht die Geschichten, die sich zu Hause im Schlafzimmer abspielen und welche Spielchen man mit dem Partner letzte Nacht getrieben hat, sondern Sex in einer Form, die in die Öffentlichkeit passt und nicht zur Erregung öffentlichen Ärgernisses führt.

Gerade in der Schule merkt man bei den Unterstufenkids, dass sie ins Kichern kommen, wenn der/die LehrerIn das Wort „Sex“ in den Mund nimmt. Ein deutliches Zeichen dafür, dass das Thema Sexualität immer noch ein solches ist, welches uns die Schamröte ins Gesicht schießen lässt.

Es gehört, wie gesagt, in unser aller Leben dazu. Genau darum ist es wichtig, über Themen, die damit in Verbindung gebracht werden, zu sprechen. Unter anderem über Verhütung, aber auch über die Gesellschaft, die immer mehr pornifiziert und sexualisiert ist. Darunter fällt beispielsweise das Phänomen „Sex Sells.“ Pornification ist etwas, das sich in unserer Gesellschaft mit der Zeit stark etabliert hat und eigentlich wird es eher mit etwas Negativem assoziiert. Dabei muss es das doch gar nicht. Ich persönlich finde es nicht verwerflich, wenn man offener mit seiner Sexualität umgeht, egal in welcher Form. Sei es durch Dessousbilder, Themen wie die persönliche Verhütung oder generell Kolumnen über Liebe und Sexualität. Ich denke, wir sind in einem Jahrhundert angekommen, in welchem Sex nicht mehr als Tabuthema gelten sollte. 

 

 

Tell me what you want…

Trotzdem: Ich kann es verstehen, wenn man öffentlich nicht über dieses Thema sprechen möchte. Nicht, weil es einem unangenehm ist, sondern einfach, weil man schlichtweg kein Interesse daran hat. Am wichtigsten finde ich es jedoch immer noch, dass man zumindest in einer Beziehung darüber reden kann, ohne sich unwohl zu fühlen.

Bei meinem Exfreund fiel es mir wahnsinnig schwer, obwohl Kommunikation in der Hinsicht wirklich notwendig gewesen wäre. Vielleicht hätte es sogar unsere Beziehung gerettet, aber das sind nur Spekulationen, an welchen ich mich nicht festsetzen möchte. Mit der Zeit lernte ich, dass es okay ist, darüber zu sprechen. Nein, es ist sogar gut, denn nur so hat man die Möglichkeit, wirklich zu 100% auf seinen Partner einzugehen und vice versa. Gerade in einer Partnerschaft ist Sexualität ein wesentlicher Bestandteil. Nicht das wichtigste, aber doch sehr wichtig.

Man muss nicht gleich zur Sexkolumnistin á la Carrie Bradshaw mutieren, aber zumindest in einer Partnerschaft sollte man sich frei fühlen, darüber zu reden. Kommunikation ist wichtig, insbesondere in einer gesunden Beziehung, denn nur dadurch könnt ihr euch vieles ersparen, das ihr nicht mögt und nur dadurch könnt ihr entdecken, was euch gefällt.

 

Why is it so hard to talk about

Outfitdetails| Blazer: Vero Moda| Skirt: Zara| Shoes: Humanic| Tights: Calzedonia| Bag: Shootbags

 

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6 Comments

    • Danke, Tamara. Das ist in der Wielandgasse. Und ich finde es auch vollkommen in Ordnung, wenn du nicht so gerne in der Öffentlichkeit über solche Themen sprichst. Das wichtigste ist doch, dass du es mit diesem Partner kannst 🙂

  1. Jeder macht es, aber keiner soll es wissen und schon gar nicht darüber reden. Ein wirklich toller Beitrag über ein Thema, von dem ich dachte, dass es spätestens seit „Sex and the City“ und „Shakes of Grey“ salonfähig geworden ist. Ich muss zugeben, früher ist es mir deutlich schwerer gefallen offen über das Thema zu sprechen, als heute. Ist vielleicht auch eine Sache des Alters, ich finde wichtig ist, wie man darüber redet. Solange es niveauvoll und nicht anstößig ist, gehört es einfach zum Alltag des Menschen dazu, warum manche alleine bei dem Wort „Sex“ noch immer kichern wie in der Pubertät verstehe ich nicht, aber ich denke, dass es eben manchen leichter fäll und anderen schwerer, aber peinlich sollet es einem wirklich nicht sein – sonst gäbe es uns alle ja gar nicht. Wirklich tolle Post, der zum Nachdenken anregt. Ich wünsche dir eine ganz fantastische Wochenmitte, alles alles Liebe, x S.Mirli – und by the Way, dein Outfit ist grooooßartig, LOVE IT!
    http://www.mirlime.com

    • Liebe Mirli,

      vielen lieben Dank für deine lieben Worte. Stimmt, gerade nach Sex and the City oder eben Shades of Grey hätte ich mir das auch gedacht. Aber es ist dann doch noch leider ein Tabuthema. Ich denke auch, dass es eine Sache des Alters ist. Mit der Zeit fällt es einem einfach leichter 🙂

      Und vielen lieben Dank für das Kompliment 🙂 Es freut mich, dass dir mein Outfit gefällt 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

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