Wie du mit der Vergangenheit abschließt

Wie du mit der Vergangenheit abschließt

So machst du die offene Schleife endlich zu

"Hätte ich mal...", "Wenn ich 2018 nicht...", "Warum habe ich damals nicht?" Kennst du diese Sätze? Sie beschreiben vor allem eines: unabgeschlossene Kapiteln aus unserem Leben. Aus unserer Vergangenheit. Wir können ihnen auch einen Namen geben, denn diese Gedankenspiralen heißen Energiefresser.

Sich von Altlasten befreien

...und die Vergangenheit hinter sich lassen

In meinen letzten beiden Blogposts habe ich mich intensiv mit der Thematik „Vertrauensprobleme“ beschäftigt. Dabei wurden auch erste Tendenzen erkennbar, die in Richtung „mit etwas abschließen“ gehen. Wenn mir in meinem Leben etwas viel bedeutet hat, dann fällt es mir immer schwer, ein Ende zu akzeptieren. Ob in Freundschaften, Beziehungen oder Schwärmereien. Wo das Ende eintritt, ist im Grunde genommen egal. Solange mein Herz daran hängt oder hing, werde ich mir nie leichttun, einen endgültigen Cut darunter zu setzen.

Dass nachtrauern am Anfang eine wichtige Phase ist, sich auf Dauer jedoch nichts bringt, muss uns klar sein. Verstanden habe ich das schon immer. Darum weiß ich auch, wie wichtig es ist, mit der Vergangenheit abzuschließen. Für mich jedoch eine richtige Lebensaufgabe, aber wie in vielen Bereichen des Lebens benötigt man eine richtige Taktik, um doch noch ein Kapitel zu Ende zu schreiben. Das ist wichtig, denn wie sollen wir ein neues anfangen, wenn das alte noch auf unseren Schultern lastet?

Die Problemanalyse

...der erste Schritt

Um ein Problem zu lösen, ist es essentiell, sich damit genau auseinanderzusetzen. Das habe ich zumindest für mich herausgefunden. Gerade was zwischenmenschliche Beziehungen betrifft. In letzter Zeit habe ich mir oft die Frage gestellt, warum ich noch an dieser oder jenen Person hänge? Warum ich nicht abschließen kann? Was mich immer noch an diese Person bindet? Und ich habe mich damit beschäftigt, wie ich diese Person wahrnehme. 

Solche Analysen helfen mir, meinen klaren Blinkwinkel zurückzuerobern. Mir ist dabei aufgefallen, dass ich viele Personen in meinem Leben oftmals überidealisiert habe. Natürlich. Ist die rosarote Brille einmal aufgesetzt, wird die Wahrnehmung immer verzerrter. Bekannt aus der ersten Phase des Verliebtseins oder den Beginn einer scheinbar tollen Freundschaft. Das ist nichts schlimmes. Prinzipiell hilft uns das sogar, uns für eine Person zu entscheiden, da Fehler, die unsere Entscheidung eventuell negativ beeinflussen, unsichtbar werden. Später und in einer gefestigten Beziehung oder Freundschaft akzeptiert man diese Fehlerchen viel eher. Nur – wenn die rosarote Brille den Blick auf Dauer trübt, sollte man irgendwann den Hintern hochkriegen und an einem realistischen Bild arbeiten. Gerade dann, wenn eine aufkeimende Beziehung oder Freundschaft aus welchen Gründen auch immer in die Brüche gegangen ist.

Mit der Vergangenheit abschließen
Mit der Vergangenheit abschließen

Überidealisierung

Das rosarote Brille Problem

Ich glaube, wir alle haben Erfahrungen damit gemacht, dass Personen, die wir besonders wertschätzen, auf uns makellos wirken. Niemand ist schöner, toller oder hat einen besseren Charakter als er oder sie. Das sind jedoch unrealistische Bilder. Natürlich besitzt der angehimmelte Mensch viele Attribute, die ihn oder sie liebenswert machen. Aber kein Mensch ist perfekt. Imperfektion ist mit der rosaroten Brille kaum bis gar nicht erkennbar. Gerade die berüchtigte rosarote Brille macht uns gerne einen Strich durch die Rechnung, wenn es darum geht, neuen Menschen eine Chance zu geben. Das hat an dieser Stelle noch gar nichts mit Vertrauensproblemen zu tun. Ich weiß, wenn man ein Auge auf jemanden geworfen hat und diese Person einen verdammt wichtigen Stellenwert in unserem Leben einnimmt, dann ist es schwer, getrennte Wege zu akzeptieren. Doch wenn es auf Dauer hinderlich ist, neue zwischenmenschliche Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen, dann ist das höchst ungesund.

Ich habe mit diesem rosarote Brille Syndrom oft gehadert. Glücklich hat mich das auf Dauer nicht gemacht, weil man sich auf irgendeine perfide Art und Weise immer weiter in die Illusion hineintreibt. Da ich jedoch nicht mein Leben lang verflossenen Beziehungen oder Freundschaften nachtrauern und irgendwann auch bereit für etwas Neues sein möchte, war ich mir im Klaren, dass ich dieses Problem lösen musste. Diesen Weg gibt es. 

Vertrauen und Vergangenheit

Tschüss rosarote Brille

...lasse die Vergangenheit hinter dir & sei bereit für etwas Neues

Hand aufs Herz. Wann sind wir wirklich bereit für etwas Neues? Simple Antwort: wenn wir ein altes, gar belastendes Kapitel abgeschlossen haben. Aber wenn die alten Geschichten so sehr nagen, dass man zu keinem Vergangenheitsabschluss kommt, ist es hilfreich -und ich weiß, wie schwer das manchmal ist- anderen Menschen eine Chance zu geben. Gerade in dieser Überidealisierungsproblematik scheint es oft unmöglich, anderen Menschen überhaupt eine Chance zu geben. Aber ich bin der Meinung, dass sich Gelegenheiten, tolle Chancen zu verpassen, viel zu oft bieten. Leider. Vielleicht hätte die nette Bekanntschaft der Beginn von einer ganz tollen Sache sein können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch mir das bereits passiert ist und ich einfach zu blind hinter meiner rosaroten Brille war. Sich einzugestehen, dass der Mensch, für den man Gefühle hat, nicht der Herzmensch ist, ist schwer. Aber dieses Eingeständnis, so hart es auch sein mag, bringt dich einen Schritt weiter. Dieser Schritt ist ganz wichtig, denn man lernt, wieder auf andere Menschen zuzugehen. Mal ehrlich, wir wollen alle nicht alleine sein. Was bringt es sich somit, jemanden nachzutrauern, der es wirklich nicht wert ist und wo keine Zukunft vorhanden ist? Gar nichts. Dadurch verpasst man nur wertvolle Lebenszeit und wir vereinsamen. Wie gesagt, eine Trauerzeit ist wichtig und bereinigend, aber sie sollte nicht Überhand nehmen. So müssen wir unser Leben nicht gestalten. Echte Chancen ergeben sich nur dann, wenn man bereit für etwas Neues ist. 

Mit der Vergangenheit abschließen

Du bist nicht der Nabel der Welt

Wie ich das Überidealisierungsproblem unterbunden habe

Überidealisierung unterbinden. Ist leichter geschrieben oder gesagt, als getan. Vielleicht mögen meine Wege komisch klingen, aber mir haben sie geholfen, auch wieder andere Menschen wahrnehmen zu können, auch wenn ich mich das eine oder andere Mal in eine Bubble begeben musste. Was machen wir, wenn wir überidealisieren? Wir betrachten diese Menschen als die schönsten Menschen der Welt, die zudem den tollsten Charakter haben. Oh mein Gott, was habe ich nur für ein Glück, dass sich so ein Mensch mit mir abgibt? Das muss ich festhalten! Stop! Falscher Gedanke. Es gibt so viele optisch, wie auch innerlich schöne Menschen auf dieser Welt. 

In rein optischer Hinsicht habe ich mir extrem oft Bilder von Menschen auf Pinterest angesehen, die wirklich verdammt gut aussahen. Ich weiß, das klingt sehr oberflächlich und das ist es auch. Aber es ist kein Geheimnis, dass Attraktivität (und zwar nicht in objektiver, sondern in subjektiver Hinsicht) eine wesentliche Rolle bei der Partnerwahl und auch bei der Wahl der Freundschaft spielt. Und nochmals: ja, es ist oberflächlich, doch wahre Schönheit ergibt sich oft erst mit dem Charakter, also in vielen Fällen nicht auf den ersten Blick. So betrachtet ist es dann nicht mehr ganz so oberflächlich. Ich habe mich mit Bildern von Personen beschäftigt, welche körperliche Attribute aufwiesen, die ich sehr attraktiv finde, aber die Person Toxic nicht hat. Eigentlich ist es mir ja egal, ob jemand einen Sixpack hat, einen Kopf größer ist, als ich und einen Bart hat (okay, das vielleicht nicht), aber wir brauchen unsere Präferenzen dadurch nicht leugnen, doch es ist der erste Schritt, dass wir erkennen: hey, auf dieser Welt existieren noch viel mehr optisch schöne Menschen. Person Toxic ist nicht die Beauty der Welt. 

Loslassen funktioniert allerdings nicht mit dieser Erkenntnis, sondern erst dann, wenn wir auch aufhören, den Charakter zu idealisieren. Wenn wir aufhören, die Fehler oder die nicht so schönen Dinge/Erlebnisse schön zu reden. Dadurch muss man sich auch mit dem Erlebten noch einmal genauer auseinandersetzen. Dabei müssen wir es zulassen, ehrlich zu uns zu sein. Wow, das gemeinsame Wochenende war das tollste, was ich je erlebt habe – ein Satz, den ich vielleicht früher zum Besten gegeben hätte. Aber dass da auch Dinge passiert sind, die mir gegenüber wirklich unfair waren, blendete ich zuvor aus, weil ich ja mit dem tollsten Menschen der Welt dieses Wochenende verbracht habe. Heute kann ich viel reflektierter sagen, dass das Wochenende zwar schön war, aber dass mich gewisse Verhaltensweisen sehr verletzt haben. Punkt. Und plötzlich ist der Charakter dieses Menschen doch nicht mehr so lupenrein. An dieser Stelle möchte ich noch darauf aufmerksam machen, dass man zwischen kleinen Makeln (die wir alle haben) und extremst unfaires und gemeines Verhalten unterscheiden muss. Und dass wir alle unterschiedliche Gesichter haben. Dass wir Menschen, die wir wirklich lieben, anders behandeln, als Personen, mit denen wir nur eine rein körperliche Beziehung haben wollen. Wobei ich der Meinung bin, dass man auch letzteres viel erwachsener und respektvoller lösen kann, aber das hängt vom persönlichen Reifegrad ab. 

Du denkst und betrachtest subjektiv

Aber du brauchst Objektivität, um die Vergangenheit gehen zu lassen

Unsere Emotionen bewirken, dass wir Menschen sehr subjektiv denken und wahrnehmen. Doch was wir genau in so einer Situation brauchen, ist Objektivität. Objektivität bekommst du von Außen. Bei deinen Freunden ist die Wahrnehmung nicht getrübt. Sie können einen Menschen, für den sie keine Gefühle haben, realistisch wahrnehmen. Der weitere Vorteil: deine Freunde bekommen mit, was in deinem Leben passiert. Sie kennen also die Geschichte und können dir ganz unverblümt sagen, wenn ein Verhalten nicht okay war. Baue und vertraue auf die Ehrlichkeit deiner Freunde. Großes Problem: vieles will man gar nicht hören, schüttelt es vielleicht sogar von sich ab, aber ehrliche Freundschaften sind nie auf einem Lügenkonstrukt aufgebaut. Sie sind auf Vertrauen aufgebaut, auf dem Wissen, dass das Wohlbefinden des jeweils anderen immer an oberster Stelle steht. Warum sollten dir deine Freunde Märchen erzählen? Ich weiß zum Beispiel ganz genau, dass mir meine Freunde immer die Wahrheit erzählen und mich auch in die Schranken weisen, wenn ich unfair gegenüber einer anderen Person bin. Darum analysiere ich mit ihnen auch Probleme. Ich weiß auch, dass meine Freunde ein Feingefühl besitzen und auch mal das Nachtrauern über sich ergehen lassen, wenn sie merken, dass ich das jetzt gerade wirklich brauchen. Aber sie lassen mich nie in dieser Nachtrauerei versinken und holen mich raus, wenn es zu eskalieren droht. Baue auf den Rat von Menschen, denen du wirklich vertrauen kannst.

Aber natürlich ist deine subjektive Wahrnehmung auch wichtig, um die Vergangenheit zu bewältigen. Schließlich ist es das Ziel, deine subjektive Wahrnehmung von Illusionen zu befreien. Was mir dabei hilft: beruhigende Musik hören, mir einen Moment zu stehlen und schreiben. Ich schreibe alles auf, was mich verletzt hat und was den Charakter von Person Toxic nicht mehr im hellen Glanz erstrahlen lässt. Immer, wenn ich abdrifte, lese ich mir die Zeilen durch. Und wenn ich mit Person Toxic nie über diese Dinge gesprochen habe, schreibe ich Briefe. Lange Briefe, die ich zwar nie abschicke, die ich für einen Abschuss aber brauche. Ich bekomme dadurch das Gefühl, dass ich noch einmal mit Person Toxic spreche. Dass ich einen Cut darunter setzen kann. Dass ich alles aussprechen kann, was ich in mich hineingefressen habe. Es befreit und hilft mir, die Vergangenheit loszulassen.

Die Vergangenheit hinter sich zu lassen, erfordert harte Arbeit und einen eisernen Willen. Es geht nicht von heute auf morgen, aber es geht, wenn man bereit dazu ist, etwas zu ändern. Und mit abgeschüttelten Ballast lebt es sich besser. Viel besser! 

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