Tag : Corona

I'm coming home

I’m coming home…

I'm coming Home...

Finally - I'm coming home. Nach sieben Wochen soziale Isolation und Quarantäne.

I’m coming home, I’m coming home, tell the world I’m coming home. Schon den ganzen Tag hatte ich diesen Song im Ohr, während ich das Chaos in meiner Wohnung beseitigte. Endlich sollte es nach Hause gehen! Endlich. Nach mehr als sieben Wochen soziale Isolation und Quarantäne. All diese Wochen befand ich mich alleine in meiner 50 m2 Wohnung. Meine einzigen physischen sozialen Kontakte beschränkten sich auf kurze Worte, die ich mit der Supermarktkassiererin wechselte. „Danke. Einen schönen Tag noch. Auf Wiedersehen!“ Ansonsten blieben FaceTime, Whereby und Instagram Livestreams. Anfangs dachte ich, ich würde stark bleiben. So lange in meiner Wohnung verweilen, bis die Regierung das Go für Familienbesuche gibt. Ja, ich gehöre auch zu den Menschen, die bei einer #stayathome Initiative mitgemacht hat. Schilder in die Kamera hielt. Und dahinter stehe ich heute noch. Nur bin ich trotzdem nach Hause gefahren. Während den Ausgangsbeschränkungen. 

I'm coming home
I'm coming home

Endlich Zuhause!

Zu Beginn kam ich mit der Ausgangsbeschränkung gut klar. Schnell merkte ich jedoch, dass es eine wahnsinnige Herausforderung für meine Essstörung ist. Es dauerte nicht lange, bis mich die ersten Ängste eines Rückfalles übermannten. Ich habe jeden erdenklichen Weg versucht, um nicht wieder in die Magersucht reinzurutschen. Psychologische Gespräche, Instagram Livestreams, in welchen wir gemeinsam gekocht haben, Meditation, Yoga… Ich gelangte an einen Punkt, an dem gar nichts mehr half. Ich verlor meinen Antrieb. Meine Motivation. Kämpfte mich Tag für Tag durchs Home Office und scheiterte oftmals. Meine Mahlzeiten wurden weniger. Sowohl von der Frequenz, als auch von der Menge. Bis ich irgendwann von einem Wocheneinkauf zwei Wochen lang lebte und immer noch Lebensmittel im Kühlschrank hatte. Baustellenlärm kam hinzu. Eine Geräuschkulisse aus Presslufthammer- und Baggerlärm. Kurzum: ich hielt es nicht mehr aus! Das bewog mich auch zur Entscheidung, den Weg nach Hause anzutreten. 

All die oben aufgezählten Argumente nutze ich jetzt nicht als Rechtfertigungsgrund. Trotzdem machte ich mir meine Gedanken, wie diese Entscheidung aufgenommen werden würde, bis es mir irgendwann egal wurde. Ich habe meine Situation reflektiert und erkannte schnell: es wird immer Leute geben, die deine Handlungen nicht verstehen und sie vielleicht sogar verurteilen. Aber es lässt sich leichter ein Urteil fällen, wenn man nicht sieben Wochen alleine ist und zumindest seinen Partner sehen kann. Wenn man Vogelgezwitscher hört, statt Baustellenlärm. Wenn man auf der eigenen Wiese liegen kann, die Natur vor der Haustür hat, anstatt in überfüllte Parks gehen zu müssen, um ein bisschen grün zu haben. Ich weiß, ich habe mich für das Leben in der Stadt entschieden, aber ich habe mich nicht dafür entschieden, wochenlang in der Stadt eingesperrt zu sein. Zum Glück konnten das so viele Menschen verstehen. Auf Instagram erreichten mich beinahe 100 Nachrichten mit lieben Worten. 

Die letzten Wochen haben immer wieder zu einer Frage geführt, die ich mir beinahe tagtäglich stellte: „Ist meine Gesundheit weniger wert, als die der anderen?“ Jetzt, wo ich nun schon zwei Tage zu Hause bin, wird mir immer mehr klar. Nein, das ist sie nicht. Nur weil wir aktuell von der Corona Krise umgeben sind, heißt das nicht, dass andere Krankheiten weniger ernst zu nehmen sind. Dass Psychohygiene weiterhin wichtig ist. Ich war sieben Wochen lang komplett alleine. Nur ich und sonst niemand. Auf Dauer konnte das nicht gut gehen. 

I'm coming home
I'm coming home

Ich habe meine Recovery wieder aufgenommen

Vor zwei Jahren habe ich mit meiner Anorexie Recovery begonnen. Sie war erfolgreich und das soll sie weiterhin bleiben. Für mich ist das nun kein neuer Recoveryversuch. Die Zeit alleine hat mich ein paar Schritte zurückgeworfen, aber ich fange nicht bei null an. Vielmehr sehe ich mich in der Mitte. Akzeptanz war das ein ganz wesentlicher Punkt. Ich stehe nicht an der Stelle, als ich meine Recovery erfolgreich „abgeschlossen“ habe, aber ich stehe auch nicht am Anfang. Jetzt ist es Zeit, in der Mitte weiterzumachen. Die Zeit in der Krise, die Zeit in der sozialen Isolation waren die größte Hürde. In dieser Zeit konnte ich sehen, wie erfolgreich meine Recovery wirklich ist und wie gut ich ohne meine Freunde und Familie zurechtkomme. Ich versuche immer, die positiven Aspekte herauszufischen. Es ist mir lange gelungen, aber irgendwann eben nicht mehr. Dennoch glaube ich nicht, dass das einer erfolglosen Recovery geschuldet ist. Vielmehr bin ich überzeugt davon, dass zu dieser Zeit jeder Mensch an seine/ihre Grenzen geht und das niemand auf Dauer komplett alleine ausgehalten hätte. 

Allerdings -und das ist für mich durchaus etwas positives- hat mir die Zeit ebenso gezeigt, dass es viele verschiedene Baustellen gibt, an denen ich während meiner Recovery zu wenig gearbeitet habe und die ich danach auch viel zu wenig beachtet habe, denn es ging mir ja gut. Von diesen Baustellen wurde ich eingeholt. Trotzdem: jetzt kann ich daran arbeiten und mich in der fortgesetzten Recovery besonders darauf fokussieren. Und das ist es für mich. Es ist kein Recovery Versuch Nummer (ich glaube wir sind bei) 6, sondern einfach die Fortsetzung von meiner letzten Recovery. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, es klappt jetzt daheim alles auf Anhieb, aber ich muss wieder reinfinden und in mich reinhorchen. Es langsam angehen lassen. Ohne Stress und eine Akzeptanz für Tage finden, die nicht so gut sind. Denn die wird es auch hier geben. Aber ich könnte nun nicht glücklicher sein, als hier bei meiner Familie und der tagtäglichen Unterstützung. 

Quarantäne Tagebuch #3

Quarantäne Tagebuch #3

Teil 3 von meinem Quarantäne Tagebuch. Kurz am Rande des Wahnsinns, habe ich mich wieder gesammelt, um weiterhin positiv nach vorne zu schauen.

„Wait! Did you just say quarantine takes a lil while longer?“ – Das waren meine Gedanken, als ich am Montag die Pressekonferenz gesehen habe. Natürlich waren meine Gedanken nicht Englisch. Soviel dazu! Auch wenn ich in dieser Situation versuche, positiv zu bleiben und viele Zweifel, Ängste und Sorgen hinter meinem Humor verstecke, so bin ich jetzt doch kurz davor, ein bisschen in den Wahnsinn abzudriften. 

Soziale Isolation. Soziale Distanz! Ich weiß gar nicht, wie lange ich mich in dieser Phase bereits befinde. Ich weiß nur: eine Woche vor dem Lockdown hat es für mich begonnen. Ich kann normalerweise gut alleine sein, ohne mich einsam zu fühlen, was ich bereits in diesem Beitrag thematisiert habe. Aber diese Situation geht mir an die Substanz. 

Wenn ich nach draußen gehe, vor allem um mir die Beine zu vertreten, frage ich mich oft noch, warum ich das alles mache. Warum ich nicht einfach meine Sachen packe, um zu meiner Mutter in meine Heimatstadt zu fahren. Ich weiß, ich bin nicht die einzige, der es gerade so ergeht. Ich bin nicht die einzige, die alleine wohnt und ich bin auch nicht die einzige, die sich an die Regeln strikt und wie von der Regierung empfohlen hält. Aber dann gehe ich in die Parks und sehe, wie sich viele Menschen NICHT daran halten. Und es frustriert mich. Ich möchte auch einen Menschen, den ich gern habe, in meiner Nähe haben. Ich möchte auch diese Freiheit haben. Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, ich hätte in dieser Zeit nie darüber nachgedacht, nach Hause zu fahren. Meine Mutter wollte mich gestern sogar abholen, aber ich habe abgelehnt. Das ist mir schwergefallen. Sehr schwer. Doch ich kann erstens kein Risiko eingehen und zweitens permanent #stayhome predigen, gleichzeitig aber nicht mein eigenes Wort halten.    

Quarantäne Tagebuch
Quarantäne Tagebuch

Berechtigte Bedenken oder Übertreibung?

Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht bei meinen Freunden über irgendwelche „Fehltritte“ aufrege. Auf Instagram versuche ich das so gut es geht zu vermeiden. Ich möchte dem ganzen keinen öffentlichen Raum geben, obwohl ich im privaten der ganzen Sache sehr viel Raum gebe. Und jetzt auch hier am Blog. Manchmal fühle ich mich wie die berüchtigte alte Nachbarin, welche die ganze Nachbarschaft observiert und sich ständig über diese aufregt. Letztens habe ich meine Freunde gefragt, ob ich übertreibe. Manchmal kommt es mir nämlich so vor, als hätte mein gesamtes Umfeld hier in meiner Wohngegend die Quarantäne sowie die soziale Isolation bereits abgehakt. Es scheint so, als würden sie zur Normalität übergehen, während ich immer noch in dieser Situation feststecke. Höchstwahrscheinlich ist es jedoch nur meine persönliche selektive Aufmerksamkeit. Gerade deswegen fällt es mir so stark auf. Es ist wichtig, dass wir die ganze Sache weiterhin ernst nehmen. 

Where's the f*cking LOVE?

Auf jeden Fall tun mir soziale Distanz, soziale Isolation und Quarantäne an manchen Tagen wirklich nicht gut. Es gibt Tage, da geht es mir blendend. Ich bin produktiv, mache Yoga oder Sport, meditiere, die Wohnung ist aufgeräumt und habe einen guten Tages Flow. Dann gibt es aber auch Tage, an denen ich menschlichen Kontakt vermisse. Tage, an denen ich mal stundenlang weine, auf Tinder abhänge, resigniere (die Quarantäne macht die Auswahl nicht besser – und dabei rede ich nicht von der Optik) und anschließend nach ein paar Tinder Fails mental meine ganzen Ex-Gspusis durchgehe. Und zwar sämtliche von 2010 bis heute. Dann beginne ich zu überlegen, ob ich mich nicht bei irgendwen von denen melden soll. Während ich fein säuberlich alle inzwischen verheirateten und/oder zu Väter gewordenen Typen aussortiere, verwerfe ich die Pläne dann meistens aber auch wieder. Das hat mir deutlich gezeigt: Der Gipfel am Olymp der Einsamkeit wurde von mir erreicht. Sidenote der Fairness halber: nicht alle waren Vollidioten! 

So verzweifelt das alles klingen mag. Ich sage es ja nicht gerne, vor allem, weil ich ein gutes soziales Netzwerk habe, aber auf blöde Ideen und Gedanken bringt mich die ganze Sache schon. 

Es tut mir wirklich Leid, dass ich in diesem Quarantäne Tagebuch meinen Rant zum besten geben musste. Ich weiß, wir alle können das Corona Gejammere wahrscheinlich nicht mehr hören, doch irgendwo musste ich diese Gedanken niederschreiben. Hoffentlich hat das ganze bald ein Ende – auch wenn Geschäfte, Restaurants, Frisöre und Co. in einem langsamen Tempo öffnen sollten, so hoffe ich wirklich, dass ich nach Ostern ENDLICH mal nach Hause fahren kann. Wir werden ja sehen, wie sich das ganze entwickelt, aber um ehrlich zu sein, stehe ich den ersten Geschäftseröffnungen nach Ostern skeptisch entgegen. Wenn ich so daran denke, was ich „da draußen“ inzwischen alles erlebt habe, glaube ich nämlich, dass die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns hoch ist. Ich hoffe, ich irre mich. In diesem Sinne und trotz meiner leicht pessimistischen Prognose: Stay positive und versucht, nicht durchzudrehen. UM HIMMELS WILLEN. BITTE VERSUCHT, NICHT DURCHZUDREHEN! Ich gebe auch mein Bestes. Versprochen! 

Meine letzten Quarantäne Tagebuch Einträge

Tagebuch

Quarantäne Tagebuch #2

Quarantäne Tagebuch

#2

In der Quarantäne habe ich genug Zeit, um nachzudenken. Leider auch, um mich aufzuregen. Tagebuch schreiben hilft. Was mich in dieser Woche besonders gereizt hat und wahrscheinlich noch länger reizen wird, lest ihr jetzt! 

Corona, du bist eine Bitch! Sorry für den Kraftausdruck, aber ich muss dieses Tagebuch einmal ausnutzen, um mich auszukotzen. Doch um ehrlich zu sein, Corona ist in diesem ganzen Quarantänechaos nicht einmal die größte Bitch. Klingt komisch, aber es ist so. Es sind die Menschen, die auf die Anweisungen der Regierung einen feuchten Dreck geben, ihr Leben nahezu ähnlich weiterleben, wie zuvor und sich stur den Maßnahmen widersetzen. Jetzt ist aber nicht der Zeitpunkt, um stur zu sein. Jetzt stehen andere Werte im Vordergrund. Werte, die schon längst in Vergessenheit geraten sind. Fällt es vielen von uns deswegen so schwer, sich an Regeln zu halten? 

Gut möglich! Schließlich sind wir verwöhnte Millenials, die es gewohnt sind, auf nichts zu verzichten!

Mal ehrlich: wir sind Freiheit gewohnt. Egal, wie oft wir uns über das System beklagen und über welche Lappalien wir uns sonst aufregen. Aber verglichen mit der Situation jetzt, sind das Sorgen, die wir uns gegenwärtig womöglich zurückwünschen. Meine größere Befürchtung ist jedoch, dass die 10%, die immer noch holdrio und trallala so weiterlebt, wie es ihnen passt, sich nicht mal wirklich Sorgen um die Lage macht. Schlimmer: das Problem wird heruntergespielt und nicht als Krise wahrgenommen. Wahre Gesichter kommen zum Vorschein und bringen hässliche Kreaturen ans Tageslicht. Man kann alles unter dem Deckmantel der Nettiquette und Solidarität verstecken. Worte können schneller leerer werden, als man schauen kann. Ein scheinheiliges Lächeln kann in guten Zeiten viel verbergen, aber wenn es hart auf hart kommt, zeigt sich, wer wirklich empathiefähig ist und wer sich selbst letztendlich am nächsten ist. Und Egoismus ist dumm!  Auf allen Ebenen! Empathie wird nicht umsonst zur Intelligenz gezählt. Das zeigt sich heute wieder mehr denn je. Und dabei möchte ich gar nicht mit dem Finger auf eine bestimmte Personengruppe zeigen. Es sind nicht nur Millenials, Generation X und die Generation davor sind auch noch mobiler, als es sein sollte. Um das zu wissen, muss ich nicht mal mehr rausgehen. Die Fensterfronten meiner Wohnung sind die perfekte Kinoleinwand und zeigt mir tagtäglich, was noch alles verkehrt läuft. 

Ich zerbreche mir oft den Kopf, wie man den restlichen 10% der Bevölkerung endlich verklickern kann, dass die Lage ernst ist. Wir brauchen keine Panik haben. Die Grundversorgung läuft, wir haben zu essen und ein Dach über den Kopf. Und dabei haben wir es noch verdammt gut. Wir müssen nur in unseren eigenen vier Wänden bleiben. An schlechten Tagen, wenn es uns selbst auch nicht so gut geht, verlassen wir unsere Wohnung schließlich auch nicht. Warum können wir jetzt nicht über den Tellerrand hinausblicken? Warum können wir jetzt nicht sehen, dass es vielen da draußen nicht gut geht mit der Lage und aus Respekt und Nächstenliebe unsere vier Buchstaben einfach mal aufs Sofa setzen? 

Die Menschen, die die Versorgung aufrechterhalten müssen – in welchem Bereich auch immer – rackern sich nicht nur wie die Wahnsinnigen ab. Nein! Sie müssen sich zudem auch noch der direkten Gefahr aussetzen. Und während sich diese Menschen krumm und buckelig arbeiten, damit es UNS gut geht, hocken irgendwelche Vollprolls im Stadtpark und saufen in der Gruppe eine Hülse (Dosenbier) nach der anderen. Bestes Leben, wa? 


Tja, „Bestes Leben“ werden wir nicht mehr haben, wenn es so weiter geht!

Ich weiß nicht, wohin dieser pure Egoismus hinführt. Blöde Frage, aber macht Egoismus blind? Mir kommt es fast so vor. Wir machen das, um unser Gesundheitssystem davor zu bewahren, zu kippen. Auch wenn man nicht zur Risikogruppe gehört, riskiert wird damit genug: die Gesundheit unserer Mitmenschen, den Kollaps unseres Gesundheitssystem und wirtschaftlicher Zusammenbruch. Scheinbar sind all die unbelehrbaren Personen da draußen von nichts von dem betroffen. Denken sie! Aber wir sind alle Teil vom System und wenn uns System kippt, sind wir davon auch alle ein Teil und wir werden die Auswirkungen zu spüren bekommen. 

Dennoch: ich versuche optimistisch zu bleiben. Mir einzureden, dass es noch nicht zu spät ist, dass wir uns ALLE am Riemen reißen. Aber mit der Zeit sollte man jetzt nicht spielen, denn jede menschliche Handlung wird sich auf irgendeine Art und Weise darauf auswirken, wie es jetzt weitergeht und wo der Weg noch hinführen wird. 

Quarantäne Tagebuch

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Quarantäne

Quarantäne Tagebuch #1

#1

Quarantäne Tagebuch

Fast eine Woche soziale Isolation, davon seit Samstag Quarantäne. Meine Redezeit hat sich um gefühlte 90% limitiert. Zeit, ein Tagebuch zu starten. Und vorweg: bitte nicht alles so ernst nehmen und Sarkasmus berücksichtigen. 

Hallo, ich bin die Lisa und ich gehöre zu den Personen, die anfangs über den Corona Virus gelacht haben. Jetzt gehöre ich zu denjenigen, die ziemlich dumm aus der Wäsche schauen. Nach dem selbsthilfegrupperischen „Hallo Lisa“ erlaube ich mir nun, dass ich geläutert bin und die Sache ernst nehme. Sehr ernst sogar. Aber was hilft es uns, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken und weiter negative Stimmung zu verbreiten? Genau! NIX! Wenn ich was aus zahlreichen nicht so schönen Erfahrungen in meinem Leben gelernt habe, dann das: es muss weitergehen. Nachdem ich am Wochenende in Sweatpants zwischen veganem Ben und Jerry’s Eis und einem zwei Liter Vorrat an Cola light (Vorrat ist übertrieben – 2 Tage hat es gehalten) nahezu mit dem Newsticker verschmolzen bin, habe ich mich jetzt aufgerafft und versuche irgendwie einen Alltag zu finden. Das ist herausfordernder, als gedacht.

Quarantäne

Der ganz normale Home Office Quarantäne Wahnsinn

Wer hätte sich das gedacht? Die Lilly landet mal im Home Office. Moment. Als Selbstständige bin ich das zwar gewohnt, aber als Angestellte bin ich doch lieber im Büro. Soweit so gut. Da die Marketingabteilung aber unmöglich den empfohlenen Sicherheitsabstand von zwei Meter einhalten kann, befinden wir uns inmitten eines potentiellen Virenherds. Gar nicht gut. Und siehe da: jetzt sitze ich im Home Office, zwischen Unterlagen, Macbook (machts der noch lange?) und halb erledigtem Abwasch (mein Geschirrspüler ging pünktlich zur Krise kaputt *hust* (oder sagen wir jetzt lieber *räusper*?)) und versuche mich in die Situation zu finden. Zumindest aus der Gefahrenzone raus! Dabei ermahne ich mich selbst immer wieder mit zusammengepressten Lippen, dass die Situation für mich weitaus weniger schlimm ist, als für andere und doch hadere ich ein bisschen. Meine Aufgaben wurden mir aufgetragen und die erledige ich. Insgeheim trete ich mir in den Arsch, warum ich das Virus nicht ernster genommen habe und frage mich manchmal, ob das nun die Rache von Karma ist? So lange, bis sich diese vielleicht etwas unnötigen Gedanken in Sorgen verwandeln. JA, ich gebe es zu! Ich habe Angst um meinen Job. So schön es ist, ein Start-Up beim Wachsen zu sehen und es dabei tatkräftig zu unterstützen, umso beängstigender ist es jetzt, was die Coronakrise für meinen Job bedeutet. Und dann verpasse ich mir innerlich eine saftige Ohrfeige, weil es andere gibt, die noch schlechter gestellt sind, als ich. 

Vielleicht klingt das ein bisschen makaber. Aber angesichts der Tatsache, dass wir uns nun alle über essentielle Bestandteile unseres Lebens (Gesundheit, Job, Zukunft) Sorgen machen, fühle ich mich nicht alleine. Nicht zuletzt weil unsere Regierung super agiert und ich das Gefühl habe, das ALLE BürgerInnen ernst und wichtig genommen werden.

Das Home Office wird von Tag zu Tag erträglicher. Wissend, dass ich mit meinem Daheimbleiben einen kleinen Beitrag zu der Verbesserung der Gesamtsituation leisten kann, indem ich den Anweisungen folge. 

Der ständige Kampf mit Moral und Wiedersprüchen

Die Auftragslage ist momentan somit eine Prärie (Memo an mich: eine Steppe besuchen, wenn die Sache überstanden ist). Zumindest ist es eine Prärie für so einen kleinen Fisch im großen Teich wie mich. Eine Kooperation habe ich gerade in der Planung, bei der ich stark am hin und her überlegen bin, ob ich sie nicht zu canceln versuche. Ich stehe immer hinter meinen Kooperationen, die ich mache, aber es passt vielleicht nicht ganz so in die aktuelle Thematik. Ich weiß, das ist ein absolutes Luxusproblem. Zumindest war es das für mich noch, bevor ich den Anruf bekommen habe, wie die beruflichen Prognosen gerade sind. Eine Zwickmühle, schließlich will ich keinen Shitstorm über mich ergehen lassen und auf der anderen Seite mache ich mir, vielleicht ein bisschen unnötigerweise, Sorgen wie es jetzt weitergehen soll. Wohlwissend, dass ich ein Sparfuchs bin und immer schon fast krankhaft darauf geachtet habe, etwas auf der Seite zu haben. Aber diese Ersparnisse waren eben für meine Zukunft gedacht. Und wieder will ich mir am liebsten selbst eine klatschen, weil ich weiß, dass es nicht nur mir so geht und viele von uns ihre Prioritäten verlagern müssen. Auf der anderen Seite lese ich, dass wir so viel Normalität in unser aller Alltag bringen sollen, wie möglich und hey, irgendwie müssen wir ALLE arbeiten, um unser Geld zu verdienen. 

Quarantäne

Wenn die 10. selbst auferlegte Klatsche endlich sitzt

Jetzt sitze ich da, in meiner 50m2 Wohnung und habe viel Zeit zum Nachdenken. So, mit mir selbst beschäftigen neue Lage: Dienstag check, Mittwoch check, Donnerstag check, Freitag check, Samstag check, Sonntag check, Montag check, Dienstag check. Gemerkt habe ich, dass ich gut alleine sein kann, aber die Einsamkeit ist schon ein ganz anderes Kaliber. Aber seien wir dankbar für die Technologie unserer Zeit. Ergo: ich komme klar. Wobei sich die Eigenmotivation immer noch in Grenzen hält. Ich erledige zwar die Arbeit, die ich erledigen muss und hätte (jetzt wo ich mir ca. 2 Stunden Fahrt täglich spare) viel Zeit für meine eigenen Ideen, aber mal ehrlich: die Muse habe ich irgendwo draußen liegen lassen und jetzt kann ich sie nicht holen. Leute, es ist okay, wenn wir jetzt Zeit zum Aufraffen brauchen. Schließlich sind wir mit Situationen konfrontiert, die wir in unserer eigenen Luxuswelt so gar nicht kennen. Und hey, wir haben ein Dach über den Kopf, wir sind bestmöglich geschützt und die Welt hat schon schlimmere Krisen überstanden. Da ist die Wohnung wirklich keine Kriegsfestung mehr, sondern unser Rückzugsort. Der Ort, an dem wir uns sicher fühlen. Lagerkoller hin oder her, trotzdem geht es uns verdammt gut in unseren eigenen vier Wänden.

So, meine kreativen Pläne habe ich noch nicht umgesetzt, man macht im Home Office mehr Chaos als gedacht (ich habe Casa Lillywood erst vor zwei Tagen aufgeräumt *räusper*) und ich habe herausgefunden, dass die Wäsche die Haushaltsaufgabe ist, die NIE zur Gänze erledigt ist. Ja, irgendwann versucht man sich mit dämlichen Gedanken abzulenken, von denen man glaubt, sie sind lustig. Bei denen man aber schnell merkt, was für einen seltsamen Humor man eigentlich hat. Apropos: es ist auch komisch, welche seltsamen Beschäftigungen man plötzlich für sich entdeckt. Ich habe mir heute beispielsweise meine Extensions mit Kokosöl entfernt. Der letzte blonde „Rest“ an mir dürfte nun Geschichte sein. An der Stelle: nein, meine Haare wurden danach nicht gewaschen, sondern triefen vor Kokosfett – darum kann ich meine jetzige Haarfarbe gar nicht mehr definieren. Aber mein eiserner Wille hat sich fest vorgenommen, morgen die Haare zu waschen und nach dem Home Office möchte ich mich endlich dazu aufraffen, ein paar Ideen umzusetzen. 

In diesem Sinne: bleibt daheim und DANKE an all jene, die sich für uns abschuften, um unser System am Laufen zu halten. Unterstützen wir sie, indem wir vernünftig sind und soziale Kontakte so gut es geht vermeiden. 

PS: Ja, ich weiß, die Bilder sind alles andere als matchy matchy mit dem Beitrag. Aber um mich mit Kokosfetthaaren vor die Kamera zu wagen, akribisch den Fernauslöser zu bedienen und mich in Sweatpants in Pose zu hauen, fehlt mir genauso viel Muse, wie meinen Spüle von dem Topf mit den angeklebten Nudelresten zu befreien. Aber hey: Bücher – Tagebuch = It’s a match (oder irgendwie so). Ich gelobe Besserung (Angaben ohne Gewähr).