Tag : Literatur

Auf ein Single Date mit Poreč

Wenn die frische Meeresbrise mir um die Haare weht und ich das Salz des Ozeans auf meinen Lippen schmecke, es sogar spüre, dann habe ich das Gefühl, meine Arme ausbreiten zu können, um diesen Moment voll und ganz zu genießen. Ich habe das Gefühl, ich kann ihn auskosten. Diesen Moment. So lange. So unendlich lange.

Ich halte inne, beobachte den Wellengang und fühle mich angekommen. Angekommen und das, obwohl ich in einem fremden Land bin. Aber ich fühle mich angekommen. Habe zu mir selbst gefunden. Diese Leichtigkeit -ich kann sie nicht mit Worten beschreiben- ist das Gefühl, was mich momentan so glücklich macht. Und manchmal läuft mir eine Träne über die Wangen, weil ich es nicht glauben kann. Nicht glauben kann, dass dieser Moment gekommen ist. Dieser Moment, in welchem ich mit mir im Reinen bin. Bedingungslos. Dieser Moment, in welchem es gar nicht notwendig ist, dass irgendwelche Bedingungen erfüllt werden müssen. Ich habe so viel dazu gelernt. Gelernt, dass das Leben Schattenseiten hat, aber das gute Tage und gute Momente keine Mythos sind. Für diese Erkenntnis bin ich unendlich dankbar. Sie hat mir die Augen geöffnet. Früher war es so, als wäre ich einer dieser Höhlenmenschen aus Platons Höhlengleichnis gewesen. Aber ich habe mich aus dieser dunklen, kalten Höhle gewagt. Nach draußen, wo das Licht auf mich wartete. Es hat mich geblendet. Es hat mich lange geblendet. Unendlich lange. Doch als mein Blick sich klärte, war ich wach. Hellwach. Und ich sah sie. All diese Schönheit, die ich früher nicht erkannt habe.

 


 

 

Volim te, Hrvatska

Zuerst war ich einsam…

Wenn ich auf Reisen bin, dann meistens nicht alleine. Und das ist schön, denn ich teile die Momente gerne. All diese Erfahrungen und Erlebnisse, die ich in einem fremden Land bzw. einer fremden Stadt sammeln darf. Es ist schön, diese Momente gemeinsam genießen zu können. Sie gemeinsam auskosten zu können. Jedoch -und diesen Luxus, diese Freiheit nehme ich mir immer- ich muss auch mal alleine sein. Ich muss die Momente für mich alleine genießen können. Ein fremdes Land, eine fremde Stadt alleine kennenlernen. Meistens stehe ich dafür extra früher aus, streife durch die Straßen oder Strände, genieße den Sonnenaufgang und beobachte, wie die Stille, die Ruhe, die Einsamkeit langsam zum Leben erwacht. Wie das bunte Treiben beginnt und ihren Lauf nimmt. Ich brauche diese Momente. Einfach für mich. Ich muss für mich Erfahrungen und Erlebnisse sammeln, die ich nur mit mir selbst teilen kann.

Poreč auf eigene Faust zu erkundigen, war nicht geplant. Ich stehle mir diese Momente eigentlich immer morgens. Und Poreč wollte ich mit jemanden teilen. Mit meinen Lieben teilen. Ich wollte Poreč nicht alleine kennenlernen und doch habe ich es getan, weil ich niemanden dazu überreden konnte, diesen Moment mit mir zu teilen. Und das ist okay. Ich habe mich in der kroatischen Stadt einsam gefühlt. Ein bisschen verloren. Habe beobachtet und gesehen, dass ich so ziemlich die einzige war, die alleine durch die Straßen und Gassen streifte. Alleinsein ist ein Gefühl, mit dem ich gut umgehen kann. Einsamkeit nicht. Denn Einsamkeit ist etwas anderes, als Alleinsein. Alleinsein brauche ich, manchmal zumindest, Einsamkeit nicht.

 

 

…und dann nur noch alleine

Ich habe da jemand kennengelernt und dieser jemand heißt Poreč

Doch ich habe mich gesammelt, mir eingeredet, dass ich jetzt hier bin. Dass ich den Moment zählen lassen muss und nicht die Einsamkeit. Habe mich angestrengt bemüht, die Einsamkeit von mir wegzudrängen. Ich habe Poreč um ein Date gebeten, um nicht einsam zu sein. Und Poreč hat ja gesagt. Zumindest hatte ich das Gefühl, denn plötzlich entdeckte ich all die Schönheiten dieser malerischen Altstadt. Bin durch die Gassen flaniert, habe fotografiert und Poreč hat mich einfach gelassen. Mich gelassen, seine Schönheit einzufangen. Wir haben gemeinsam diesen Moment festgehalten, obwohl ich alleine war. Und weil man diese Momente nicht mit Worten beschreiben kann, möchte ich es zumindest in Bildern versuchen.

 


Poreč und ich hatten ein Date…

…und es war wunderschön

Mehr als das. Es war perfekt!


 

 


 

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Triest

 

Das Glück kann man nicht festhalten.

Gestern, als du so neben mir saßt – ich weiß auch nicht warum – konnte ich meine Augen nicht von dir lassen. Es war nicht so, als hätte ich dich angestarrt, oder dich von oben bis unten gemustert. Ich habe dich nicht mit meinen Augen gelöchert. Ich wollte dich nur ansehen. Ansehen.
Still.
Schweigsam.
Ansehen, ohne etwas zu sagen. Ohne ein Wort, einen Laut, ohne irgendetwas, was meine Lippen hätte verlassen können. Ansehen, ich wollte dich nur ansehen, dich nicht mit meinen Augen ausziehen. Mein Blick, ich konnte ihn nicht von dir wegnehmen. Und dir war es nicht unangenehm. Du hast die Augen gespürt. Den scharfsinnig Blick. Du hast gemerkt, dass ich dich nicht loslassen kann. Dass ich auf dich aufpasse. Dich bewache. Und trotzdem – dir war mein Blick nicht unangenehm. Du hast mich auch angesehen.
Lange.
Scharfsinnig.
Schwerelos.

Ein Lächeln fuhr mir über die Lippen und ich musste kurz meine Augen schließen. Du hast mich berührt. Ganz leicht. Hast mir über den Arm gestreichelt und mich irgendwie ganz fest gehalten, auch wenn es nur eine federleichte Berührung war. Und so zaghaft. Ich musste weiterlächeln. Konnte nicht damit aufhören. Konnte meine Mundwinkel nicht nach unten fallen lassen. Ich lächelte einfach nur. Denn ich fühlte mich anders. Irgendwie befreit. So locker. Leicht. Wie auf Wolken gebettet. Schwerelos. Und es zieht mich immer weiter nach oben. Weit hinauf. So weit. Und ich schmunzelnde, weil es sich gut anfühlte. So unendlich gut.

Ich grub meine Füße in mein kühles Bettlaken und senkte meinen Blick. Es fühlt sich alles so leicht an. So locker. So unbeschwert. Denn das Leben ist schön. „Das Leben ist schön!“, schreie ich innerlich laut. Doch vor dir ist es so leise. Denn ich sage es nicht in lauten Worten. Ich sage es still. Innerlich. Ich sage es nur mir und nicht dir. Aber du spürst es. Manchmal gibt es nicht die richtigen Worte, die man ansprechen kann. Auch nicht für das Glück, das man empfindet. Und ich bin glücklich. So wie es jetzt ist. Und das ist nicht oft so. Das war bis jetzt eigentlich nie so. Einfach die Arme ausstrecken, frei sein. Es ist pures Glück, welches mir durch die Venen fährt und doch… – es mischt sich ein Gefühl dazu, ich kann es nicht beschreiben. Aber ich kenne es. Ich kenne es zu gut. Es ist Angst. Leichte Angst, dass dieser Moment nicht anhält, denn das Glück kann man nicht festhalten.

Gestern hast du neben mir gesessen und ich habe dich gemustert. Gemustert, obwohl du unsichtbar bist. Doch dieses Gefühl, dieses Gefühl von purem Glück ist momentan so greifbar, dass ich dich mustern kann. Auch wenn ich dich nicht sehen kann. Aber ich merke, dass du da bist. Dass du neben mir sitzt, dass du mich begleitest und mich festhältst. Ich weiß, ich kann nicht flehen, dass du da bleibst und nicht mehr fortgehst. Und ich weiß, du wirst auch mal kurz weggehen. Abstand halten von mir. Mich traurig sein lassen, weil ich das muss. Weil ich auch erkennen muss, dass das Leben nicht immer ein Wunschkonzert ist. Oder ein Zuckerschlecken. Weil ich erkennen muss, dass ich nicht immer auf einer rosaroten Wolke sitzen kann. Es ist nicht nötig, dass ich meine Augen vor der Wahrheit schließe, denn ich kann sie inzwischen vertragen. In allen Facetten. Auch in den Facetten der Traurigkeit. Aber momentan… – Ja, momentan ist es gut so, wie es ist. Denn auch wenn du unsichtbar bist, irgendwie kann ich dich ja doch sehen. Denn ich sehe, was ich fühle. Ich fühle Glück. Ich fühle dich und so schwer es mir fällt, weiß ich, dass ich dich nicht festhalten. kann. Aber das ist okay. Denn mittlerweile habe ich gelernt: Das was zählt, ist der Moment. Der jetzige Moment.

Ich habe das Gefühl, du kennst mich besser, als ich mich selbst. Du weißt, wann ich klarkomme. Wann ich ohne dich klarkomme. Doch momentan habe ich das Gefühl, dass ich ohne dich nicht klarkommen würde. Und vielleicht hast du dieses Gefühl auch, denn ansonsten wärst du jetzt nicht mehr hier. Glück, ich weiß, ich kann dich nicht festhalten, aber danke, dass du jetzt da bist.

Glück, gestern hast du neben mir gesessen. Wir haben uns angesehen. Lange. So lange. Und irgendwann konnte ich dich nicht mehr ansehen, obwohl ich es wollte. Die Müdigkeit brach über mich hinein. Ich habe mich gezwungen, wach zu bleiben, aber ich konnte nicht mehr stark bleiben. Meine Augen fielen zu. Ich schlief ein. Tief und fest. Meinen Kopf an deinen Schultern angelehnt. Du bist gestern einfach nur so dagesessen. Neben mir. Hast mich weiter angesehen. Mich im Schlaf beobachtet. Und als ich heute aufwachte, saßt du immer noch neben mir. Ich habe das Glück nicht festgehalten. Aber du bist da. Immer noch.

 

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