Plötzlich ein Vierteljahrhundert

 

In mehr als einem Monat habe ich Geburtstag. 25 werde ich dann. 25 Jahre meines Lebens gelebt. Ein Vierteljahrhundert. 9125 Tage. Geburtstage sind jene Tage im Jahr, an denen sich meine Gedanken überschlagen. Momente, die mich dazu bringen, zu resümieren. Die mich selbst gedanklich fragen lassen: „Bin ich wirklich schon so alt?“ Und mich manchmal zurückdenken lassen. Mich meine alten Ziele, Träume und Wünsche hinterfragen lassen. Ein Vierteljahrhundert klingt krass alt – und angekommen bin ich noch lange nicht.

Die Zeit bleibt nicht stehen. Sie geht immer weiter. Man hat entweder die Wahl, mitzuziehen oder stehen zu bleiben. Doch an der Tatsache verändert sich nichts. Sie geht weiter. Immer weiter und weiter. Die Zeit friert nicht ein, darum sollten wir es selbst auch nicht tun. Mit 15 war ich noch grün hinter den Ohren. In diesem Alter habe ich mir mein Leben mit 25 anders ausgemalt. Ich wäre schon verheiratet. Und Mutter. Studium? Nein, zu zeitintensiv. Ich wollte immer jung Mama werden, da hätte eine weitere Ausbildung nicht in meine Lebensplanung gepasst. Diese Planung habe ich mittlerweile total verworfen. Grün hinter den Ohren bin ich trotzdem noch irgendwie. Auch mit 25.

 

Time has a wonderful way of showing us what really matters!

 

 

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Wenn ein Vierteljahrhundert plötzlich vorbei ist

Gedanken zum Älterwerden

Je älter ich werde, umso mehr wird mir klar, dass wir nur dieses eine Leben haben. Es gibt keine Möglichkeit, ein zweites, drittes oder viertes zu leben. Ich glaube nicht an Wiedergeburt. Man hat dieses eine Leben. Unser einziges. Ich weiß, dass ich mein Leben nicht richtig gelebt hätte, wäre ich jetzt schon Mama und verheiratet. Selbst wenn ich es mir mit 15 so gewünscht habe, es passt nicht zu mir. Das soll kein Angriff auf junge Mütter sein. Wer dazu bereit ist, kann auch schon mit 20 eine Familie gründen. Ich war es nicht und ich bin es jetzt auch nicht.

Seit meinem 21. Geburtstag wiederholt sich diese Zahl. Es fiel mir schwer, 22 zu werden. Es war schlimm, 23 zu werden und von der 24 wollen wir gar nicht anfangen zu reden. 21 – das perfekte Alter. Der Inbegriff von Jugend und einem Hauch Erwachsensein. Die Wahrheit: Mit 21 bist du noch längst nicht so erwachsen, wie du es gerne wärst. 

Jetzt, wo ich bald 25 werde, finde ich es sinnlos, zum fünften Mal meinen 21 Geburtstag zu feiern. Jammern kann ich dann, wenn ich 30 bin. Die Wahrheit: Ich möchte keine 21 mehr sein. Ich bin fast 25, stehe jedoch immer noch nicht mitten im Leben. Da ist noch ein offenes Studium, ein Singledasein und ich lebe noch zu Hause. Erwachsensein sieht wohl anders aus, wobei ich das nicht durch ein Studium, ein Singledasein oder einen Auszug definiere. Es hat viel mehr mit der inneren Reife zu tun.

 

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Ich musste sehr schnell erwachsen werden und irgendwie bin ich es doch nicht

Einen großen Teil meiner Jugend habe ich verpasst. Nicht gelebt, weil ich die Realität des Lebens viel zu schnell kennengelernt habe. Ich konnte nicht immer so unbeschwert sein, wie Gleichaltrige. Vielleicht klammere ich mich deswegen so an ein bestimmtes Alter. Ich fühle mich keineswegs wie 25. Ein Vierteljahrhundert klingt so reif und erwachsen.

Bei meinem Klassentreffen letzte Woche habe ich mich nicht so gefühlt. Alle anderen hatten bereits einen Job, einen eigenen Wohnsitz, einen festen Lebenspartner und/oder schon Kinder. Ich war irgendwie die Einzige, bei der sich nicht viel verändert hat. Mit Ausnahme, dass ich bald die Einzige mit einem Magisterabschluss sein werde und selbstständig bin. Ansonsten kamen mir alle anderen schon so viel erwachsener vor. Und es kam mir so vor, als hätten sie schon so viel erlebt und Erfahrungen gesammelt. Bei mir ist fast alles beim Alten geblieben – außer dass ich nicht mehr magersüchtig bin, denn so habe ich meine Schule damals verlassen.

 

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Habe ich mein Leben bis jetzt richtig gelebt?

Um ehrlich zu sein: Das Klassentreffen hat mich ein bisschen frustriert. Nicht, weil ich mich für ein Studium entschieden habe, anstatt gleich arbeiten zu gehen. Es hat mich einfach frustriert, dass manche das oder zumindest einen Teil von dem haben, was ich mir mit 15 immer wieder ausgemalt hat. Neid? Vielleicht. Dabei weiß ich gar nicht, woher das rührt. Ich bin froh, dass mein Leben nicht so verlaufen ist, wie ich es mit 15 wollte. Ich bin mehr als glücklich, ein Studium zu haben. Es ist wohl diese vage Schwelle zwischen Erwachsene und Jugendliche und dass ich mich auch am Ende meines Studiums noch nicht so ganz traue, auf eigenen Beinen zu stehen.

Ich habe mein Leben bestimmt noch nicht so richtig gelebt. Einfach und alleine deswegen, weil ich eine Nachdenkerin bin. Ich bin nicht spontan oder viel zu wenig spontan. Es erwartet mich noch so viel. Eine eigene Wohnung, ein eigenes Leben und Reisen. Erwachsen bin ich auch mit 25 noch nicht ganz. Aber ich bin auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Und der beste Zeitpunkt, um damit anzufangen, ist JETZT!

 

The time you enjoy wasting is not wasted!

 

Inzwischen fällt es mir auch leichter, die 21 aufzugeben. Mit einem Vierteljahrhundert ist man noch nicht alt. Darum feiere ich heuer meinen 25. Geburtstag, anstatt den fünften 21.

 

vierteljahrhundert

Outfit by Orsay*

 

 

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24 Comments

  1. All diese Gedanken kenne ich zu gut und bin froh, mittlerweile so weit weg zu wohnen, dass ich eine perfekte Ausrede für jedes Klassentreffen habe. Nicht, weil ich mich schämen müsste für irgendwas, aber allein die Konfrontation mit der Vergangenheit und den ehemaligen Träumen und Plänen..
    Mach dir keine Sorgen, 25 ist so großartig! Und als Bonus siehst du auch noch toll aus 😉

    • Dabei mag ich Klassentreffen an und für sich sogar ziemlich gerne 😀 aber ich denke, das ist davon abhängig, welche Erfahrungen man in seiner Schulzeit gemacht hat.

      Oh, danke Paulina. Vielen Dank für diese lieben Worte. <3

      Liebste Grüße
      Lisa

  2. Wirklich bewegende Worte & Gedanken die ich total nachvollziehen kann! Ich bin zwar schon verheiratet aber ansonsten fühl ich mich selten auch nur annähernd erwachsen.
    Ich finde du kannst stolz sein auf alles, dass du schon erreicht hast. 🙂 und gemeinsam freuer wir uns jetzt einfach auf die nächsten 25 Jahre 😉

    Alles Liebe
    Lisa

    von http://www.lililovely.com

  3. Liebe Lisa, ich bewundere deinen ehrlichen Text den du hier mit allen geteilt hast und kann dir eines gleich vorab sagen: es geht so, so vielen Leuten genauso. Inklusive mir. Ich werde im Jänner 28 und glauben kann ich es gar nicht – ob ich mich wie 28 fühle? Ganz und gar nicht! (um ehrlich zu sein habe ich anfangs sogar gezögert, die 28 zu schreiben und wollte stattdessen „ich bin heuer 27 geworden“ tippen 😉 )
    Es gibt da immer diese Momente wo wir stehen bleiben und reflektieren, wo wir uns umsehen und fragen „wollte ich nicht schon viel weiter sein? Wo ist meine Zeit denn hin? Ich sollte doch eigentlich schon XY machen oder XY erreicht haben“. Ich habe damit sehr lange zu kämpfen gehabt und dabei ganz übersehen, dass ich zu sehr an die Vergangenheit statt an das Hier und Jetzt und an meinen Weg nach vorne gedacht habe.
    Ich wollte früher ein abgeschlossenes Studium haben und stattdessen habe ich mein Studium hingeschmissen, einfach, weil es für mich nicht gepasst hat 🙂 Nun habe ich einen anderen Weg für mich gefunden der mich glücklich macht.

    Das Leben passiert, wenn man dabei ist, Dinge zu planen. Es kommt also alles anders und solange man nicht aufhört, sich im Leben weiter nach vorne zu bewegen, bewegt man sich in die richtige Richtung <3

    Nun habe ich dich aber genug voll gespamt 😀

    Ganz liebe Grüße
    Alina
    http://www.blackbeachchair.com

    • Und ich denke, darauf kommt es an. Einfach den richtigen Weg für sich selbst finden. Es ist egal, ob man nun Bachelor, Magister oder Master ist, einen Doktortitel hat, wenn es für einen selbst nicht passt, dann ist es auch nicht der richtige Weg. Und es ist schön, dass du einen Weg gefunden hast, der dich glücklich macht.

      Und man kann mich nie zu voll spamen. Ich freue mich immer wahnsinnig über lange Kommentare. Vor allem weil das immer jene sind, denen ich voll und ganz zustimme (meistens zumindest) und ich freue mich auch immer sehr, dass meine Texte zum Nachdenken anregen 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

  4. Hallo Lisa, sehr schöne Gedanken zum Erwachsen werden! „Erwachsensein“ kann man nicht an einer Zahl festmachen, auch nicht an erreichten Berufszielen oder Gegenständen, sondern es ist ein inneres Gefühl und wann das eintritt ist bei jedem ganz verschieden. Früher habe ich mich auch viel zu oft verrückt gemacht, mich mit anderen gemessen, aber wozu? Unser Leben! Und ganz ehrlich? Erwachsen sind wir doch noch lange genug:D
    Mit den besten Grüßen
    Anne
    http://trustyourgut1.blogspot.de

    • Hi Anne!

      Du hast mit jeder einzelnen Zeile, die du geschrieben hast, vollkommen Recht und ich stimme dir absolut zu. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mir so liebe Worte zu schreiben. Ich habe mich echt über dein Kommentar gefreut 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

  5. Mit dem Älter werden habe ich schon seit meinem 13 Geburtstag Probleme. Ich hasse es einfach, weil ich mich immer noch viel jünger fühle. Gerade das 18 werden im Sommer hat sich komisch und fast falsch angefühlt, weil es doch nicht sein kann, dass ich eben nicht mehr 15 bin, oder?

    Andererseits habe ich auch gemerkt, dass ich über den Sommer doch erwachsener geworden bin: Allein Auto fahren ist selbstverständlich geworden (früher selbst in Begleitung eher der Horror), Allein Urlaub machen geht, ausgezogen bin ich auch und ich habe trotzdem immer leckeres Essen im Haus und es ist halbwegs ordentlich, ich war immer pünktlich an der Arbeit und bisher waren die Uni-Vorkurse auch noch entspannt.
    Aber gleichezeitig habe ich dann auch gemerkt, wie sehr ich doch an meiner Familie hänge. Jetzt genieße ich die Wochenenden zu Hause viel mehr 😉

    Ich finde es schön, dass du nicht traurig bist, dass dein Leben nun anders ist, als du das mit 15 geplant hattest! Ich wollte ursprünglich auch nicht ausziehen, aber bin jetzt froh, es getan zu haben 🙂

    Liebe Grüße

    • Vielleicht bist du jetzt gerade auf den richtigen Weg, erwachsen zu werden. Also, mit 13 habe ich mich damals immer gefreut, älter zu werden. Aber gerade, wenn man eine anorektische Vorgeschichte hat, ist es oft schwierig, sich von seiner Kindheit zu verabschieden. Viele Mädchen rutschen ja auch deswegen in diese Krankheit, vielleicht ist das auch ein Hintergrund bei dir???

      Auf jeden Fall finde ich es schön, dass du dich so langsam an das selbstständige Leben gewöhnst und irgendwann werden wir alle mal erwachsen, aber bleiben im Herzen dann doch noch Kind 🙂

      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
      Liebste Grüße
      Lisa

  6. Liebe Lisa, erst einmal möchte ich dir sagen wie bezaubernd du in deinem Outfit aussiehst. Richtig erwachsen, aber dennoch so schick und jung wie mit 21. Ich finde auch, dass du wirklich jung aussiehst und ich kenne dieses Gefühl von „Neid“ oder etwas verpasst zu haben. Ich war früher immer di erste die den neuen Modetrend trägt, die das neuste Handy hat oder einfach schon viele Dinge eher durfte als die anderen. Ich glaube genau aus diesem Grund war ich noch vor kurzem so frustriert. Ca. 80 Prozent meiner damaligen Freunde haben schon Kinder und sind verheiratet. Leben in einem neu erbautem Hause, welches einem Schloss gleicht und sind total jung. Aber sind sie auch glücklich? Das weiß ich nicht so genau…
    Ich finde du kannst wirklich stolz auf dich sein. So eine lebensbedrohende Krankheit schafft nicht jeder zu bekämpfen. Und wer von deinen ehemaligen Mitschülern hat so eine tolle Karriere hingelegt wie du? Ich denke keiner! Und darauf kannst du stolz sein, denn du hast später einen tollen Job und musst nicht noch nebenbei bei Rossmann jobben, um den Hauskredit abbezahlen zu können.. Ich werde im März schon 27 Jahre alt und ich muss sagen, das ich momentan sehr zufrieden bin mit meinem Leben. Genau so wie es gelaufen.

    Liebe Grüße Kristina von KDSecret

    • Hi, liebe Kristina!

      Erstmals möchte ich dir für diese lieben, aufbauenden Worte danken. Es freut mich wirklich sehr, dass ich mit 21-jährigen noch mithalten kann, obwohl ich jetzt auch nicht viel älter bin. Was sind schon vier Jahre 😀
      Hmm… oft kann man in Menschen nicht hineinsehen. Sie können objektiv glücklich wirken, aber sind es tief in ihrem inneren vielleicht doch nicht. Aber wir leben beide in einem Land, in welchem man so viele Möglichkeiten hat und wir haben prinzipiell die Wahl, wie wir uns Leben gestalten und darum ist es doch wichtig, seine eigenen Ziele und Träume zu verfolgen und nicht immer zu fokussiert auf andere zu sein.

      Es ist schön zu hören, dass du momentan sehr zufrieden bist. Und ich bin es auch mit meinem (obwohl ich das Studium dann doch schon gerne hinter mich gebracht hätte, aber das sind dann auch nur Peanuts) 😀

      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende <3

      Liebste Grüße
      Lisa

  7. Ganz zauberhaftes Outfit, sieht so toll aus. 25…daran kann ich mich auch noch erinnern 🙂 Ich bin gerade 30 geworden, aber vom Gefühl her ist es das gleich..Die Zeit rennt und wir rennen mit. 🙂
    Liebe Grüße
    tascha
    taschasdailyattitude.blogspot.de

  8. Das hast du so toll geschrieben! Ich bin 19, meine Mama hat mich sehr jung bekommen, sie ist jetzt 38 Jahre „alt“, bzw sagt sie dass sie ja schon sooo alt ist, dabei ist sie das gar nicht. Mir 38 möchte ich mich wie ein knackiges Früchtchen fühlen, stolz auf mich sein und mein Leben leben. Gerade vorhin habe ich auch darüber nachgedacht, eben weil man nur EIN Leben hat, wie wichtig es auch ist auf sich selbst und dieses eine Leben aufzupassen. Dazu gehören auch Arztbesuche, in meiner Familie erlebe ich immer wieder, dass sich meine Verwandten nicht wirklich um sich kümmern und bei der nächsten Kontrolle etwas negatives rauskommt, da möchte ich anders sein, ich möchte auf mich und meinem Körper aufpassen, weil ich mein Leben in vollsten Zügen, so lange es mir möglich ist, genießen möchte 🙂
    Ich denke mir auch immer, dass es so viele Leute in meiner Umgebung gibt die schon SO fest in ihrem eigenen Leben stehen, Aber jeder ist ja anders und jeder geht seinen eigenen Weg, und das ist doch toll!
    Und du bist ERST 25, musst du dir denken. Meine Tante ist 26, aber für mich ist sie immer noch meine 17 Jährige Tante, einfach weil sie im Kopf immer noch so ist wie früher, obwohl sie so fest in ihrem Leben steht 🙂

    • Deine Mama ist ja noch mega jung. Meine ist heuer 56 geworden 😀
      So möchte ich mich mit 38 auch fühlen und ich denke, wir leben auch in einer Zeit, wo man 38 nicht wirklich als alt ansehen kann. Vor allem, wenn wir dann mal selbst 38 sind. Gerade jetzt wo die Zeiten angebrochen sind, in denen man länger für seine Ausbildung braucht, etc. 😀
      Stimmt, das sehe ich genauso. Die Gesundheit sollte immer oberste Priorität haben!!! Stimmt, bei 25 kann man wirklich noch davor ein erst stellen. Ich denke auch, dass ich mich mehr an mein Alter gewöhnen kann, wenn ich dann endlich wirklich auf meinen eigenen Beinen stehen werde und das wird hoffentlich nächstes Jahr der Fall sein, wenn ich dann endlich mit der Uni fertig bin. Ich projiziere irgendwie so viel auf mein Studentenleben und assoziiere Erwachsensein irgendwie mit Job und eigene Wohnung, was aber wahrscheinlich gar nicht mal so richtig ist. Aber ich bin gespannt, wie ich die ganze Sache dann wirklich nach meinem Studium sehe 🙂

      Liebste Grüße
      Lisa

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