Stressfreier Sommer: von Bucket Listen und Entschleunigung

Stressfreier Sommer

Von Bucket Listen und Entschleunigung

Good-Bye, Bucket Listen! In diesem Sommer mache ich kaum Pläne und lasse alles auf mich zukommen. Und trotzdem scheint es, ein vielversprechender Sommer zu werden! 

Ein bisschen schmunzeln muss ich schon, wenn ich daran denke, dass der heurige Sommer komplett anders werden wird, als der letztjährige. Und das liegt gar nicht an die ganzen Einschränkungen, die wir dieses Jahr über uns ergehen lassen müssen, sondern an meinem veränderten Mindset. Normalerweise ist Sommer die Jahreszeit, in der ich richtig „gschafftig“ werde, wie man bei uns in Österreich so schön sagt. Gleichzeitig ist es auch die Jahreszeit, in der die Gefühle von FOMO unglaublich stark werden und sich kaum noch bändigen lassen. Sommer ist meine Lieblingsjahreszeit – und die, die am schnellsten vergeht. Dabei hat Sommer auf der Nordhemisphäre sogar mehr Tage, als alle anderen Jahreszeiten. Doch es ist dieses Lebensgefühl, diese Leichtigkeit, welche die Jahreszeit mit sich bringt. Kein Wunder also, dass wir in ein positives Zeitgefühl verfallen und Sommer in Windeseile an uns vorbeizieht. Zumindest geht es mir so. Menschen, die Sommer ganz und gar nicht mögen, werden das vielleicht anders empfinden. 

Wie dem nun sei: bei FOMO sind wir stehen geblieben – THE FEAR OF MISSING OUT! Es ist die neumodische, chronische Krankheit von uns Millenials. Tagtäglich werden wir mit den neuesten Erlebnissen unserer Mitmenschen konfrontiert. Sei es durch Social Media, Plaudereien, die man in der Bim mitbekommt oder durch die eigenen Freunde. Eh klar, das Leben der anderen erscheint immer spannender, als das eigene. Und noch logischer: da wollen wir mitziehen, denn es gilt die Devise: „Um jeden Preis so viel erleben, wie möglich und bloß nichts verpassen!“

The Fear of Missing Out

FOMO ist ein richtig übler Parasit. Denn er motiviert uns nicht nur, spannende Momente einzusammeln. Er bringt uns auch dazu, dass wir diese gar nicht wirklich schätzen oder genießen können, denn an jedem Ende und in jeder Ecke könnte uns vielleicht doch noch etwas besseres erwarten. Und wir drängen uns dazu, uns gegenseitig zu übertrumpfen, denn keiner will dem anderen in etwas nachstehen. So werden unsere Bucket Listen immer länger – meine natürlich auch. Besonders im Sommer erreichten sie immer eine exorbitante Länge. Ob das nun wirklich an FOMO lag oder weil ich nach anstrengenden Prüfungsphasen endlich etwas Spannung erleben wollte, I DON’T KNOW! Ich schätze jedoch, dass FOMO eine große Rolle spielt, denn mein Drang, den Sommer voll und ganz auszukosten, blieb auch nach meiner Studienzeit erhalten und seit meinem Abschluss sind nun doch schon drei Jahre vergangen. 

Neulich bin ich mit meiner Freundin Vanessa meine Sommer Bucket Liste von 2015 durchgegangen. Wenn ich sie mir heute durchlese, keimt in mir ein ungutes Stressgefühl auf und ich frage mich, warum ich mir so viel für einen einzigen Sommer vorgenommen habe. Um die Punkte auf dieser Liste abzuhaken, hätte ich tagtäglich mindestens drei aufgeschriebene Wünsche erfüllen müssen. Habe ich es geschafft? Nein! War die Enttäuschung nach den Sommerferien groß? Oh ja! Und entschleunigt habe ich mich auch nicht. Ganz im Gegenteil. In das neue Semester bzw. in den Herbst startete ich eher angespannt. 

Sommer Bucket Listen
Stressfreier Sommer: Über Bucket Listen und Entschleunigung

Der Fluch der Bucket Listen

Manchmal sind Bucket Listen mehr Fluch als Segen. Zwar habe ich mir viele aufgeschriebene Wünsche von 2015 erfüllen können, allerdings auf all die Jahre verteilt. Sich zwanghaft Sommerromanzen, Wettererscheinungen („Im Sommerregen tanzen“ *hust*) oder Ausdauer für zig Sommerfestivals zu wünschen, ist sowieso alles andere als gesund. Kein Wunder, dass man danach enttäuscht sein wird. Deswegen habe ich beschlossen: ich schreibe KEINE Bucket Listen mehr. Zumindest keine mehr in diesen exorbitanten Umfängen. Ich habe nichts dagegen, Ziele festzuhalten und Wünsche auszuformulieren, aber man muss nicht zwanghaft seine FOMO nähren! Darum steht das Motto dieses Sommers voll und ganz im Zeichen der Entschleunigung. Oder besser gesagt: „Ich lass es auf mich zukommen und schau‘, was der Sommer so für mich bringt.“ Irgendwie macht genau das den Reiz von Sommer 2020 aus, auch wenn er vollkommen anders sein wird, als geplant. Ein paar wenige Dinge habe ich mir natürlich auch vorgenommen, denn so ganz lassen kann man es bekanntlich nie, aber im Fokus steht diesmal mein Wohlbefinden. Und es fruchtet schon jetzt. 

Ich habe keine Bucket Listen geschrieben und doch sieht dieser Sommer bis jetzt sehr vielversprechend aus. Darum muss mir jetzt nur noch eines gelingen: die Entschleunigung nicht aus den Augen verlieren. 

Sommer Bucket Listen

Published by

Meine Trauerbewältigung nach dem Tod meines Vaters anhand von Erinnerungen
Prev Trauerbewältigung: So habe ich den Tod meines Vaters überwunden
Next Wenn Sexismus einfach nicht aufhören will

Leave a comment

Datenschutz
, Besitzer: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
Datenschutz
, Besitzer: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.