I’m more than just a number

 

Neulich wurde ich wieder einmal mit meiner Gewichtszunahme konfrontiert. Auf ziemlich unsanfte Art und Weise wurde mir mitgeteilt, dass ich gut zugelegt hätte. Es ist nicht so, dass ich das selbst nicht auch weiß, nur frage ich mich ernsthaft, warum mein Aussehen, mein Körper und meine Gewichtszunahme so derartig im Mittelpunkt stehen. Warum es so viele Menschen interessiert, ob, wenn und wann mein Gewicht nach oben oder unten schwankt. Warum es mir ständig unter die Nase gerieben wird. Es ist nicht so, dass ich mit einer rosaroten Brille auf meiner Nase herumspaziere und alles durch einen tranceartigen Sternenhaufen sehe, aber im Grunde genommen ist es meine Sache, sodass ich mich ernsthaft frage, warum sich manche Menschen tatsächlich die Mühe machen und sich damit befassen. Gibt es ihnen ein Glücksgefühl, mir meine Gewichtszunahme unter die Nase zu reiben und mir zu verdeutlichen, dass ich nicht mehr bin, als eine äußere Hülle? Eine Zahl? Irgendeine Nummer auf einer Digitalwaage? Für mich ist das nur ein reiner Ego-Orgasmus, den man sich mit solchen Kommentaren selbst beschaffen möchte. Sicher ist mir bewusst, dass dieses Thema bei mir oft im Fokus steht, denn ich schreibe nun mal über meine Erfahrungen mit Essstörungen, Anorexie, Gewichtszu- oder Abnahme, aber diese Zahl, die meine physische Existenz misst, sagt nicht viel über den Menschen dahinter aus.

 

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I’m more than just a number

Hört auf, Menschen auf ihr Aussehen, ihren Körper und ihr Gewicht zu reduzieren!

Bestimmt sind einige der Meinung, dass ich keine Berechtigung hätte, mich darüber aufzuregen. Ich sei selbst schuld, würden sie sagen. Ich lenke dieses Thema selbst auf mich, würde ergänzt werden. Ich beschwöre es quasi hinauf. Nicht wahr? Nein, das tue ich nicht! Warum rede ich so offen über meine frühere Magersucht? Warum rede ich immer noch von einer Essstörung? Warum predige ich ständig vor, dass es wichtig ist, seinen Körper zu lieben? Nicht um den Fokus auf mich zu lenken, nicht um Mitleid aus einem Tiefseeteich voller Empathie zu fischen, sondern weil ich anderen helfen möchte. Ich habe sicherlich kein Helfersyndrom. Zugegeben kann ich auch egoistisch sein, aber nur dann, wenn ich es zwangsläufig sein muss. Nicht um anderen Menschen wehzutun. Ich bin kein reiner Ich-Mensch, aber ich bin ein Mensch, der gelernt hat, auch mal auf sich selbst zu schauen. Doch dieses Thema ist eine Herzensangelegenheit für mich. Weil es ein Grundrecht ist. Ein Recht, das jeder besitzt: Sich selbst zu lieben und anzunehmen. Von anderen akzeptiert zu werden, so wie man ist. 

Klar, es hat mir gefallen, als ich vor nicht noch ganz einem Jahr mit Komplimenten zu meiner schönen Figur überhäuft wurde. Als viele Kommentare sich auf mein Aussehen beriefen und ich es deswegen so genossen habe, weil ich daraus Bewunderung gelesen habe. Dabei habe ich selbst nur in einer Illusion gelebt. Wer hört schon gerne, dass man zugenommen hat? Niemand! Ich gebe es zu: Mich verletzt es heute noch, wenn mir das jemand unter die Nase reibt. Nicht, weil ich nicht damit klarkomme. Nicht, weil ich es selbst nicht einsehe, sondern weil mir dadurch ein bisschen Wert und Würde genommen wird. Weil ich reduziert werde. Auf meinen Körper und auf eine unwichtige Zahl. Es ist ein harter Weg, zu mir selbst zu finden, zu der Akzeptanz und Selbstliebe. Dieser Weg wird durch solche Aussagen massiv gestört. Ich bin nicht hier, um zu jammern, aber ich möchte dazu meine Meinung äußern. Es bringt mich zu zittern, wenn ich damit konfrontiert werde und es versetzt mir einen Stich in meinem Herzen. Ich kann niemanden dazu zwingen, diese Kommentare zu unterlassen, denn ich akzeptiere die Meinungsfreiheit. Nur ich kann nicht ganz verstehen, warum man den Fokus immer auf den Körper lenken muss. Blickt doch hinter den Menschen. Jeder hat sein Talent und kann etwas (oder mehrere Dinge) ganz besonders gut. Die Arbeit sollte wertgeschätzt werden, die Leidenschaft, die sich dahinter verbirgt und nicht ein paar Kilo zu viel oder zu wenig. Genauso steht es auch mit der Herkunft. Denn wäre dieses „nette“ Kommentar nicht schon genug, durfte ich mir auch noch anhören, dass mein Akzent seltsam ist und es, ich zitiere: „scheiße ist, sich das anzuhören“. Ich entschuldige mich nicht für das was und wer ich bin. Ich entschuldige mich nicht für meine Herkunft und meine Gewichtszunahme. Ich bin ich. Ich bin mehr als ein Land und ich bin mehr als eine Zahl!

 

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14 Comments

  1. Ich kann dich so gut verstehen! Bei mir ist es heute zwar so, dass ich mich freue, wenn mir wer sagt, dass ich zugenommen habe, aber trotzdem finde ich alleine die Aussage einfach SO mega unnötig. So richtig. Ich danke dir zwar, dass du erkannt hast dass meine Schenkel nun ein bisschen dicker sind und ich keinen Spalt dazwischen habe, aber warum um alles in der Welt musst du mir das sagen? Ist ja nicht so, als hätte ich es nicht gewusst. Mir ist es ja egal, aber ich finde so eine Aussage einfach SOSOSO unnötig. War es ihm/ihr das jetzt so wert, sich über den Körper von jemand anderen zu äußern? Über das AUSSEHEN jemand anderen sich zu äußern? Ich verstehs nicht. Egal, wie es gemeint ist: ob nett oder abwertend, ich finde es einfach mega unnötig. Das ist genauso, wenn Männern im Fitnesscenter bei den Squat Stangen keine Beachtung geschenkt wird, sobald eine Frau hingeht und ihre Kniebeugen macht, Männer alles stehn und liegen lassen nur um zu zuschauen – weil, worum anders soll es denn gehen, der Po im mega fetten Mittelpunkt steht. Weil wieder mal das Äußere im Mittelpunkt steht. Ich glaube, das war ein bisschen sexistisch von mir oder? Aber sowas regt mich zum Beispiel unheimlich auf.

    Versuche, es einfach zu ignorieren und auf deinen Fortschritt stolz zu sein – auf deine Zunahme stolz zu sein! Solche Menschen gibt es leider, dagegen kann man nichts machen, außer drüber zu stehen.

    Liebe Grüße,
    Tamara

  2. Ich denke es wird immer Menschen geben, die Kommentare zur Gewichtsveränderung oder anderen äußeren Veränderungen abgeben müssen. Kenne da auch einige. Mich verletzt es auch immer, wenn ich angesprochen werde, dass ich ja mal viel schlanker war und warum das nun nicht mehr so sei. Geht ja im Prinzip niemanden etwas an. Und weil Du deine Essstörung auf Deinem Blog zum Thema machst, heißt es ja nicht, dass andere den Freischein haben, Dich darauf zu reduzieren. Das sehe ich auch so. Ich denke, manche sind einfach unwissend, haben wenig Taktgefühl und denken nicht weiter als bis zum ersten Gedankengang der Frage. Lass das nicht so nah an dich ran!

    Neri

    • Ja, das denke ich auch. Ich danke dir, dass du mich so verstehst <3
      Stimmt, ich versuche es immer, von mir abzuschütteln, aber manchmal geht das leider doch nicht so einfach. Gerade, wenn ich mal nicht so einen guten Tag habe.

      Alles Liebe
      Lisa

  3. Es ist sehr schade, dass wir alle oft auf unser Äußeres reduziert werden…
    Sicher ist der erste Eindruck wichtig, aber ein paar Kilo mehr machen dich auf keinen Fall hässlich. Es kommt eher darauf an, sich wohl zu fühlen und das auszustrahlen…
    Ich sehe keinen Grund, irgendjemandem irgendetwas unter die Nase zu reiben. Meistens weiß man es sowieso selbst und solche Bemerkungen verletzen nur …
    Es tut mir sehr leid für dich und ich hoffe, dass dir Bemerkungen dieser Art in Zukunft erspart bleiben…
    Liebe Grüße
    Susi

    • Vielen Dank für deine lieben Worte, liebe Susi. Ich bin voll deiner Meinung. Danke, dass du dir zu Zeit genommen hast, mir so etwas Liebes zu schreiben <3

  4. Ich hatte nie Probleme mit meinem Gewicht oder kann da auch nur ansatzweise mit deiner Geschichte „mithalten“. Aber in gewisser Weise verstehe ich dich recht gut. Ich war nämlich schon immer ziemlich klein und zierlich. Daher fallen bei mir dann öfter mal so Sätze wie „du muss mal mehr essen“ etc.pp.
    Gerade da ich ja nicht krank bin verstehe ich nicht, warum man aus so was so ein großes Ding machen muss? Ich war halt schon immer so, ich denke nicht, dass sich daran viel ändern wird. Und ich essen ja ganz normal…

    Das mit dem Gewicht und den Zahlen ist irgendwie eine seltsame Sache.

    • Das stimmt, liebe Christine. Ich kann mir auch vorstellen, dass solche Kommentare, die das „zu dünn sein“ betreffen, genauso nervig und verletzend sind.

  5. Wie blöd es sein kann, ständig nach dem Gewicht gefragt zu werden, kann ich gut verstehen. Erst neckte mich mein Vater früher, weil ich pummeliger als meine Geschwister war. Inzwischen fragen alle eher nach, damit sie einen Grund haben, mir vorzuwerfen, dass ich anders essen muss/ Hilfe brauche. Dabei interessiert dann auch keinen, wie es mir mit dem Gewicht geht und ob es gerade tendenziell nach oben oder unten geht…
    Dass du anderen helfen möchtest, finde ich übrigens echt bewundernswert und zumindest auf mich hat dein Blog wirklich eine positive Wirkung 🙂 Ich glaube, wenn man selbst mal eine Essstörung hat(te), dann will man einfach automatisch jeden davor bewahren, auch in eine hinein zu rutschen. Einfach, weil sie so viel Lebensqualität kosten und man das niemandem zumuten will, wenn man es verhindern könnte.
    Liebe Grüße 🙂

    • Ja, das ist echt blöd :/
      Das tut mir sehr Leid für dich 🙁

      Oh, das freut mich, dass dir meine Beiträge so sehr helfen 🙂
      Da hast du echt Recht 🙂 Sowas wünscht man keinen

      Liebste Grüße
      Lisa

  6. Sorry, aber über so einen bescheuerten „unter die Nase reibenden“ Kommentar kann ich nur schnaufend den Kopf schütteln. Was soll das denn bitte!?
    Mach dich nicht fertig deswegen. Du siehst super aus, so wie du bist. Fühl dich wohl. Das ist das wichtigste!
    Ganz liebe Grüße aus NYC,
    Hella von http://www.advance-your-style.de

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