Tag : Anekdoten

Year 2017 – Veränderung? Neustart?

 

In wenigen Stunden schlägt die Uhr Punkt Mitternacht. Nichts besonderes, denn das tut sie jeden Tag. Doch dieses Mal ist es etwas anderes. Das Gefühl ist anders. Ganz eigen und irgendwie seltsam. In meinem Bauch kribbelt es. Zigtausende Schmetterling breiten ihre Flügel aus, fliegen in Schwärmen umher und lassen mich zittern. Es bricht ein neuer Tag an. Wie immer. Doch mit diesem neuen Tag kommt ein neues Jahr dazu. Das Jahr 2016 ist Geschichte. Vorbei! Wir schließen das letzte Kapitel unseres Buch „2016“, 365 Seiten vollgeschrieben – bis zur letzten Zeile. Die Tinte des Kugelschreibers ist leer. Nach diesem Glockenschlag beginnen wir ein neues Buch. Auf seinem Cover steht in goldener Schrift „2017“. Ein neues Jahr, zwölf weitere Kapitel und 365 noch leergeschriebene Seiten in unserem Buch des Lebens. Wir holen einen neuen Kugelschreiber aus unserem Federpennal, beginnen ganz von vorn. Ein Neustart.

 

Neustart

 

Reset

Neues Jahr. Neues Glück. Neustart!

Nur wehmütig lasse ich das alte Jahr gehen. Es ist nicht so, dass es ein einfaches Jahr war. Es war auch nicht mein Lieblingsjahr. Die Jahre davor waren besser. Nicht alle, aber manche davon. Sie waren besser. Irgendwie mehr zum Festhalten. Eigentlich sollte ich das Jahr 2016 gerne gehen lassen. Eigentlich sollte ich froh sein, dass es an mir vorbeigezogen ist. Doch das bin ich nicht. Wenn ich durch die ganzen Social Media Kanäle scrolle, sticht mir immer wieder ins Auge, was für ein schlimmes Jahr 2016 war. Zahlreiche Künstler, starke und prägende Persönlichkeiten mussten gehen. Ihr Leben lassen. Dann diese ganzen Terroranschläge. 2016 war nicht einfach. In vielerlei Hinsicht nicht. Aber es fällt mir schwer, es gehen zu lassen. Sehr schwer. Dabei sollte Neujahr ein Neustart sein. Ein ziemlich wichtiger sogar. Und gerade vor diesem Neustart habe ich Ehrfurcht. Angst. Respekt.

2017 – mein Neustart. Ich weiß, dass sich in meinem Leben einiges ändern wird. Ein letzter Schritt in Richtung vollständiges Erwachsensein. Nie mehr Vollzeit studieren, ein geregelter Beruf – zumindest für ein Jahr. Ein neues Leben weg von meinem Zuhause. Und ich fürchte mich vor all dem. Weil ich nicht weiß, wie dieses neue Jahr für mich beginnen und ausgehen wird. Natürlich rede ich so vor mich hin: Ich werde mein Studium abschließen. Das Jahr muss nicht mal zur Hälfte vergehen und es ist vorbei. Eine Sache ist vorbei, für die ich mittlerweile so viel Zeit und Arbeit aufgewendet habe. Könnte vorbei sein. Irgendwie.

 

 

Loslassen und ein neues Kapitel beginnen

Inzwischen schreibe ich seit 5 Jahren meine Anekdoten aus dem Studentenleben. Ein primäres Thema in meinem Leben, das mich in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Aber wenn ich ehrlich sein muss: Ich weiß nicht, ob ich es hinbekommen werde. Meine ganze Arbeit, die mich zum Abschluss führen soll, schiebe ich seit Tagen auf. Und wenn ich darüber nachdenke, was mir im neuen Jahr alles blühen wird, wird mir schwarz vor Augen. Doch eigentlich möchte ich dieses Kapitel abschließen. Zu einem Ende kommen. Weil ich es selbst nicht mehr schreiben oder lesen kann. Weil ich genug davon habe.

Trotzdem – ich kann mich nicht darauf fokussieren. Dicke Stapel auf meinem Schreibtisch, ein noch fast leeres Word Dokument. Danksagung, Inhaltsverzeichnis und Titelblatt: Fertig! Dabei sollte ich das erst zum Schluss machen, doch es ist diese Vorfreude. Irgendwie mischt sie sich dazu, aber die Angst zu scheitern ist größer. Diese Vorstellung, den anderen zu sagen, es nicht geschafft haben, lässt mich mehr zittern, als der aufregende Gedanke an einen Neustart im neuen Jahr. Es ist ein neuer Schritt. Ein großer Schritt. Kurz vor dem Ziel. Und wenn ich in die Zielgerade einbiege, weiß ich nicht, ob ich trotzdem dort ankommen werde. Aber was solls? Man darf den Glauben an sich selbst nicht verlieren. 

 

 

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei euch bedanken. Vielen Dank für eure Treue. In diesem Jahr kamen einige neue Leser hinzu und es freut mich immer wieder sehr, wie viel Support ich von euch bekomme. Ich hoffe, ihr habt einen schönen Silvesterabend. Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Feiert schön und genießt die letzten Stunden im alten Jahr! 

Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!

 

Fotos by Simone

 

Wenn du plötzlich unsichtbar bist!

Wenn du plötzlich unsichtbar bist!

…weil dich niemand sehen soll!

Stell dir vor. Du gehst die Straße entlang. Jeder erkennt dich. Jeder grüßt dich. Sagt Hallo zu dir. Jeder sieht dich. Aber du bist unsichtbar. Vielleicht willst du gerade unsichtbar sein. Womöglich fragst du dich just in diesem Moment, was hat das mit unsichtbar sein zu tun? Nun, ich spreche nicht von der Objektivität. Ich spreche nicht von dem, was wir sehen. Sondern ich spreche von unserem Inneren. Von dem, was die Menschen nicht sehen können. Was in dir verborgen liegt. Wie ein vergrabener Schatz auf einer einsamen Insel mitten in der tiefsten See. Unabhängig davon, wie wertvoll sein Inhalt gerade sein mag. Unabhängig davon, wie wertvoll du dich gerade fühlst. Dein Innerstes ist etwas, was niemand sehen kann. Und du kannst es verstecken. Man sagt, man strahlt das aus, was man im Inneren fühlt, aber stimmt das? Wenn du ambitioniert bist, gut zu schauspielern, wird nie und nimmer jemand erkennen können, wie es dir wirklich geht. Das habe ich gelernt. Nur – ich würde mich nicht als gute Schauspielerin bezeichnen, aber womöglich bin ich es doch. Im Unterbewusstsein. Oder es liegt in meiner Natur? In meiner Natur, dass es mir schwer fällt, mich zu öffnen? Du denkst dir bestimmt, darin liegt ein Widerspruch, denn ich öffne mich. Ich öffne mich hier sogar sehr. Ich zeige mich hier verwundbar. Ich bin diejenige, die diese Verletzbarkeit zulässt. Ich bin der Verursacher. Scheinbar lasse ich Menschen nah an mich heran. Näher, als ich denke, wenn ich von meinen Vorgeschichten, meiner Krankheit und meinen Gefühlen spreche. Aber hier verstecke ich mich hinter Wörtern, die ich schreibe. Nicht hinter Wörtern, die ich sage.

 

Wenn du ambitioniert bist, gut zu schauspielern, wird nie und nimmer jemand erkennen können, wie es dir wirklich geht.

 

Du siehst nicht das, was du zu sehen glaubst

Warum erzähle ich dir das? Warum spreche ich von dieser Unsichtbarkeit? Einer Unsichtbarkeit, die es auf den ersten Blick nicht gibt. Die aber da ist. Mehr, als alle denken. Ich sage dir das, weil ich gemerkt habe, dass man nichts ausstrahlen muss, was man nicht ausstrahlen möchte. Dass man auch seine innersten Gefühle verstecken kann. Dass es möglich ist, sie nicht mit seiner Ausstrahlung zu zeigen. Neulich hat mich ein Kommilitone gefragt, was mit mir los ist. „Warum?“, habe ich zurückgefragt. „Dir scheint es heute sehr gut zu gehen. Du strahlst heute so.“ Ich war baff. Es war ein Tag, an dem ich mich überhaupt nicht gut gefühlt habe. Ein Tag, der geplagt war von Zweifel. Ein Tag, an welchem ich am Liebsten gar nicht aufgestanden wäre.

Am frühen Morgen lag ich in meinem Bett. Meine Augen waren auf Halbmast. Ich habe mich nicht gut gefühlt. Ich habe mir sogar Gedanken darüber gemacht, ob es nicht besser wäre, im Bett zu bleiben. Aufstehen wollte ich auf keinen Fall. Einzig und alleine mein Pflichtbewusstsein hat mich aus dem Bett geholt. Ich hatte keine Wahl. Bei diesem Seminar durfte ich nicht mehr fehlen, also musste ich wohl oder übel aufstehen. Der erste Blick im Spiegel war unerträglich für mich. Ich habe sofort gesehen, was sich in meinem Innersten verbirgt. So viele Zweifel. Und ich habe mich nicht schön gefühlt. Oder wohl. Oder befreit. Aber ich habe es versteckt. All das, was mich gefangen hielt. All das, was nicht zuließ, mich frei zu fühlen. Allen Anschein nach kann man mit Make-up doch mehr verstecken, als ich es mir immer gedacht habe. Ich werde mich nicht mehr darüber beschweren, wenn mein Concealer viel zu wenig abdeckt und meine Augenringe immer noch durchscheinen. Ich habe es gemerkt. Make-up versteckt alles. Nicht nur deine Pickel oder die dunklen Schatten unter deinen Augen nach einer durchzechten Nacht. Make-up versteckt auch dein Seelenfenster. Moment – es ist nur eine Theorie. Aber ob diese Theorie meinerseits so stimmt, wage ich zu bezweifeln.

 

Unsichtbar

 

Ich bleibe lieber unsichtbar

Ich weiß, dieser Text klingt stark danach, als ob ich unfassbar depressiv wäre. Dem ist nicht so. Jeder Mensch, wir alle, haben schlechte Tage. Das ist menschlich. Ich pflege immer zu sagen:

Wir müssen froh sein, dass es diese Tiefs in unserem Leben gibt. Denn ohne diese Tiefs würden wir die Hochs nicht mehr zu schätzen wissen. Wir würden sie wahrscheinlich gar nicht erkennen.

Im Grunde genommen bin ich ein positiver Mensch. Trotz meiner Krankheit. Aber ich kann nicht permanent glücklich und gut gelaunt sein. Das schafft doch niemand von uns. Was ich aber kann, ist einen Schein zu erwecken. Einen Schein, dass dem vermeintlich so ist. Langsam glaube ich auch, dass das einfach angeboren ist. Andrea hat in ihrem letzten Freitagspost einen Beitrag über „The Resting Bitch Face“ geschrieben. Ich glaube, bei mir ist das Gegenteil der Fall: „The Always Happy Face.“ Oder es ist die Tatsache, dass ich meine Gefühle, sofern ich sie nicht von mir selbst aus offenbare, gut in mir verstecken kann? Bis vor Kurzem habe ich das noch geglaubt. Ich habe geglaubt, ich könnte den Schein vor jedem aufrecht erhalten. Sogar vor meinen Freunden. Sogar vor den Menschen, die mich am Besten kennen, denen ich blind vertraue und die sehr viel von mir wissen. Ich habe wirklich geglaubt, dass ich auch ihnen ein falsches Bild meiner Selbst suggerieren kann. Weil ich versuche, unsichtbar zu sein. Weil ich es nicht immer zeigen will, auch wenn ich mit ihnen über meine Probleme spreche. Jedoch ist das immer nur ein Teil vom Ganzen. Manchmal strahle ich lieber. Ich strahle Selbstbewusstsein aus, welches nicht da ist. Ich strahle diese Glückseligkeit aus. Ich strahle einfach. Weil ich ambitioniert bin. Weil ich kontrolliert bin. Weil ich meine Ausstrahlung kontrollieren kann. Jeder kann mich sehen. Jeder kann dieses Strahlen sehen. Jeder kann dieses suggerierte Bild sehen, dass es mir wunderbar geht. Und jeder soll es sehen, weil ich lieber unsichtbar bin. Doch macht mich das glücklich, wenn ich mich so verstellen muss? Auch vor meinen Freunden? Ich wurde eines besseren belehrt. Ich besitze doch nicht dieses „The Always Happy Face“. Zumindest nicht vor den Menschen, denen ich am meisten vertraue. Neulich habe ich einer Freundin von dieser Begegnung mit meinem Kommilitonen erzählt. Ich habe ihr auch gesagt, dass es eigentlich ein richtig mieser Tag für mich war. „Ich weiß“hat sie gesagt und schaffte es somit, dass sich meine Augen verblüfft weiteten. „Wie, du weißt?“, wollte ich wissen. „Ich habe gemerkt, dass du nicht so gut drauf warst. Aber ich wollte dich nicht darauf ansprechen, weil ich gemerkt habe, dass du nicht darüber reden wolltest.“ Sie hatte Recht und mir damit eines gezeigt: Ich bin doch nicht unsichtbar! 

Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Thoughts in Trieste

Unruhig wälze ich mich in meinem Bett. Meine Hand ertastet sich vorwärts, sucht und findet. Das Handy, welches an der letzten Ecke des Nachttisches liegt, nahe der Kante und droht, herunterzufallen. Bevor es soweit kommt, schnappe ich es mir und werfe einen Blick darauf. Das Ladekabel löst sich automatisch, während das gedämpfte Handylicht erstrahlt und mir erbarmungslos die Uhrzeit verrät: 05:15 Uhr morgens. 

Ich neige meinen Blick nach links. Seelenruhig schlummert meine Mutter im Bett nebenan. Ich kann nicht mehr schlafen. Ich drehe mich noch einmal nach rechts, dann wieder nach links und kneife meine Augen fest zusammen. Eine viel zu frühe Zeit, um aufzustehen, aber ich finde nicht den Weg zurück ins heiß ersehnte Land der Träume. Eigentlich bin ich noch müde, richtig schläfrig. Ich gähne, aber ich schaffe es nicht, wieder einzuschlafen. Die erste Nacht in einem fremden Bett – jedes Mal aufs Neue eine Umstellung.

 

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„It’s pretty early for getting up, isn’t it.“

The last minutes of darkness

Ich weiß, dass ich nicht mehr dazu in der Lage bin, noch ein paar Stunden Schlaf zu finden. Ich weiß auch, dass meine Mutter wenig begeistert davon sein wird, sie jetzt zu wecken, nur um mich vor einem Langeweiletief zu bewahren. Leise, fast schleichend stehe ich auf, suche meine Sachen zusammen und ziehe mich hastig, aber mucksmäuschenstill an. Ich schnappe mir meine Tasche, meinen Trenchcoat und meine Kamera. Draußen ist es immer noch dunkel, aber nicht mehr nachtdunkel, sondern dämmerdunkel. Ein neuer Morgen kündigt sich an. 

Gedankenverloren schleife ich meinen müden Körper zum Lift. Wie benommen drücke ich auf die „0“-Taste. Ächzend lehne ich mich an das kalte Glas des Liftes und fahre ruckartig nach unten. In der Hotellobby steht der Rezeptzionist. Vertieft in seinem Computer. Man sieht ihm an, dass er keine Lust hat, die Nachtschicht zu schieben, doch er lächelt freundlich, als ich aus dem Lift steige. „Good Morning! It’s pretty early for getting up, isn’t it?“, krächzt er mir mit müder Stimme entgegen, unter die sich sein italienischer Akzent mischt. Ich zwinge mich ebenfalls zu einem Lächeln und suche nach einer Antwort, warum ich so früh wach bin. „Yeah, I know. But I’d like to take some pictures of the sunrise at the harbor“, entgegne ich knapp. Viel zu früh, um Englisch zu reden. Ob das grammatikalisch richtig war, weiß ich nicht. Er scheint mich jedoch verstanden zu haben. Jedenfalls nickt er hastig. Vielleicht will er mich auch nur loswerden und weiter im Internet surfen.

 

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Kaffee? Kaffee? Kaaaaaffeeeeee!!!!

In Eiseskälte vor verschlossenen Türen

Es ist immer noch dunkel, als ich das Haus verlasse. Plötzlich ist von dem, was gestern Nacht auf der Straße los war, nichts mehr übrig. Kein buntes Treiben mehr. Stattdessen Einsamkeit, aber keine richtige Stille. Man hört ein paar Autos und den Wind, der mir ins Gesicht peitscht. Ich ringe mich dazu durch, Luft zu holen. Das Atmen fällt mir schwer. War es gestern noch so drückend heiß, richtig schwül, ist es auf einmal bitterkalt. Zu kalt für meine Lungenfunktionen. Da ich aber nur mit Sauerstoff überleben kann, überwinde ich mich und ziehe die eisige Luft scharf ein. Die Kälte schmerzt in meinem Rachen und ich zittere, während ich die ersten Schritte gehe. Nach ein paar Metern drehe ich mich um und werfe einen Blick zum Hotel. Es ist so frisch draußen. Halte ich das überhaupt durch? Es wäre besser, wenn ich kehrt machen und zurück gehen würde. Ins warme Drinnen. Wenn ich jetzt weitergehen würde, würde ich es spätestens in fünf Minuten bereuen. Ich schließe die Augen und denke nach. Nein, ich gehe weiter. Ich kann es nicht ertragen, gelangweilt auf meinem Bett zu sitzen, während meine Mutter noch schläft. Ich hasse diese Warterei ohne Beschäftigung und ich bin mir sicher, dass der Schlaf meiner Mutter noch mindestens eine Stunde dauern würde. Ich gehe weiter. 

Ich bin hier in Italien. Irgendwo bekommt man immer einen Kaffee. Den brauche ich jetzt dringender den je. Nicht nur wegen meiner heruntergeschraubten Energie, sondern auch wegen der Kälte. Nichts, nada, niente hat offen. Ich stehe vor verschlossenen Türen. Mein Blick taxiert jedes Öffnungsschild, doch stets wird mir schriftlich mitgeteilt, dass sonntags erst ab 07:30 Uhr Kaffee verfügbar ist. Erbarmungslos. Ich schaue auf die Uhr. Es wird erst 6 Uhr. Gemein! Ein betrunkenes Pärchen kreuzt meinem Weg. Sie bleiben stehen, schauen mich an und brabbeln irgendetwas auf Italienisch. Ich seufze. „Lo so, il bar é chiuso“, werfe ich zurück und gehe weiter. Wo soll ich nur hin? Mir fällt ein: das Herzstück Triests habe ich noch gar nicht besucht – den Hafen!

 

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Trieste in the morning

Ein ganz besonderer Sonnenaufgang

Es beginnt immer mehr zu dämmern. Der Wind wird stärker, je näher ich an den Hafen komme. Das Meer tost. Salzige Luft strömt mir entgegen, sodass ich plötzlich nur noch Salz schmecke. Die Wellen brechen sich an den Brandungen und ich versuche angestrengt, mich von den starken Windstößen nicht forttragen zu lassen. Meine Hände sind wie Eiszapfen. So eisig waren sie das letzte Mal im Winter. Mir ist bitterkalt. Bibbernd suche ich nach meinem Handy, stecke die Ohrstöpsel in meine Ohren und mache Musik an – Italienische Musik. „Non farmi aspettare – Lass mich nicht warten.“ – Das denke ich mir auch gerade. Ich lausche der Musik, versuche die italienischen Wörter und Phrasen zu verstehen, doch im Endeffekt kann ich nur einzelne Wörter herauskristallisieren. Angestrengt bemühe ich mich, daraus Sätze zu formen. Ich verinnerliche mich. Was könnte das nur heißen? Ich habe wirklich viel verlernt. Sechs Jahre Italienisch unter dem Drill meiner strengen, aber herzlichen Lehrerin waren für die Fische.

Ich packe meine Kamera aus. So langsam kann ich damit beginnen, zu fotografieren. Das Licht ist ausreichend, um bereits das eine oder andere schöne Foto zu schießen. Einige Fischersleute tummeln sich bereits am Hafen. Sie starren mich an, so als wäre ich eine Aussätzige. Womöglich halten sie mich für eine Spinnerin. Ein junges Mädchen mit langen, blonden Haaren im Trenchcoat steht bibbernd am Ende des Stegs und versucht in aller Herrgottsfrühe Fotos zu machen. Aber so kalt es auch ist, ich fange an, diese Momente zu genießen. Plötzlich liebe ich diese Einsamkeit, denn ich habe Zeit, nachzudenken. Eine Träne bahnt sich entlang meine Wangen. Nicht, weil ich traurig bin, sondern weil mein Körper auf den Wind reagiert, der immer stärker wird. Trotzdem – der Moment wird magisch. 

 

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Moments of loneliness

Die letzten Minuten alleine

So langsam halte ich die „Polarluft“ am Hafen nicht mehr aus. Ich beschließe, zurückzugehen. Es ist zwar immer noch früh, aber schon hell. Die Sonne will sich noch nicht so richtig zeigen. Ich werde ungeduldig und bin gar nicht mehr darauf fokussiert, den perfekten Sonnenaufgangschnappschuss einzusammeln. Stattdessen gehe ich erneut in mich, während ich gen Richtung Hauptplatz schlendere. Ich versuche, meinen Sommer und die Ferien Revue passieren zu lassen. Was ist nur alles passiert? Habe ich den Sommer so ausgekostet, wie ich das wollte und vorhatte? 

Mein Sommer begann mit einer Enttäuschung. Einer bitteren Enttäuschung, die mir schwer zugesetzt hat. An der ich lange zu knabbern hatte. Die gepaart war mit einer riesengroßen Angst, etwas zu verlieren, was ich nicht verlieren wollte. Eine Freundschaft stand auf der Kippe. Ich habe keine Ahnung, ob mein Gegenüber derselben Meinung war, doch ich fragte mich, ob ich unter diesen Umständen diese Freundschaft noch aufrecht erhalten könnte. Gesagt habe ich nie etwas. Ich habe darüber kein Sterbenswörtchen verloren. Habe geschwiegen. Ob das so gut war, kann ich im Nachhinein nicht beantworten, aber ich habe es geschafft, dieses Ereignis hinter mir zu lassen. Es hat sich alles zu dem gewendet, was es einmal war. Es ist wie früher – fast. Ich habe all die Enttäuschung zwar nicht vergessen, aber ich habe sie ad acta gelegt. Weil ich nichts verlieren will, was mir wichtig ist. Dafür habe ich gekämpft. Nicht aktiv, sondern passiv. 

Ich ziehe mein Handy aus meiner Tasche. Soll ich eine Nachricht schicken? Eventuell noch einmal das aufgreifen, was war. Was ich nicht angesprochen habe. Worüber ich geschwiegen habe. Jetzt, wo ich damit abgeschlossen habe, wäre es nicht mehr so schwer, ehrlich zu sein. Zu sagen, was man sich gedacht hat, was man gefühlt hat, als diese Wendung in meinem Leben oder besser gesagt in unserem Leben passierte, aber ich beschließe, es bleiben zu lassen. Wahrscheinlich würde das wieder viel mehr zerstören, als ich möchte. Dabei wollte ich darüber sprechen. Ich wollte es gar nicht so nach hinten schieben, aber Gelegenheiten, es zu tun, haben sich nie ergeben. Nicht weil ich mich nicht getraut habe. All das hat andere Gründe. Gründe, über die ich nicht mehr nachdenken möchte. 

Hastig stecke ich mein Handy zurück in die Manteltasche meines Trenchcoats. Die Musik läuft weiter, doch mittlerweile ist sie wieder zu meiner Standardplaylist voller Ed Sheeran Songs übergegangen. Ich streife noch durch die leeren Seitengassen. So langsam kommt wieder Leben in die Altstadt, auch wenn es nur die Stadtreinigung ist. Wehmütig spaziere ich zurück ins Hotel und versuche dabei, noch einige Momente fotografisch einzufangen. Die Zeit in Triest war kurz, aber sie war schön. Im Hotel ist meine Mutter bereits aus ihrem langen Dornröschenschlaf erwacht. Auch andere Mitglieder unserer Reisegruppe haben sich bereits in den Frühstücksraum begeben. Alle fragen mich, wo ich gewesen sei. „Ich habe nur den Sonnenaufgang am Hafen fotografiert“, murmle ich leise, schnappe mir einen Teller und lasse meine Gedanken kurz zu den Momenten am Hafen schweifen. Das, was ich gesagt habe, stimmt nur so halb. Habe ich ein gutes Foto vom Sonnenaufgang? Wahrscheinlich nicht. Aber ich habe neue Momente gesammelt und diese gehören nur mir. Mir ganz alleine. 

 

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Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Ein Lächeln ist der sicherste Weg, seine wahren Gefühle zu verbergen. All die Enttäuschungen, die Wut, die Angst, all diese negativen Gefühle, die sich in einem befinden, sich dort winden, durchbohren und festnageln, dort verweilen, all das kann man mit einem Lächeln verstecken. Ein Lächeln ist nicht immer das Symbol für Freude oder Glück, es kann auch ein Symbol von Traurigkeit, Angst, Verzweiflung sein. Du zeigst nicht, wie es dir geht. Du bleibst stumm. Die Trauer bleibt stumm. Weil du es nicht zulässt. Weil niemand dein Innerstes sehen soll. Nicht das, was du gerade fühlst. Du magst strahlend sein, toll aussehen, glücklich wirken, aber innerlich zerfrisst es dich. Etwas, das an dir nagt und dir den Kopf zerbricht. Nur du kannst es nicht zeigen. Warum? Vielleicht, weil du Angst hast. Vielleicht, weil es alles noch schlimmer machen könnte. Weil du fürchtest, etwas zu verlieren, das du nicht verlieren willst. Nur weil du ehrlich bist. Deine Gefühle zeigst. Offen sagst, was du denkst. Du lächelst es weg und fühlst, wie sich der Schatten um all das legt, was du zu verbergen versuchst. Dein Lächeln ist der Schatten. 
 

Enttäuschungen! Die womöglich schlimmsten aller negativen Gefühle. Vergesst den Hass, vergesst die Trauer, die Wut, vergesst den Ärger. Nichts kann so viel Unheil anrichten, wie Enttäuschungen. Es gibt so viele verschiedene Arten. Enttäuschungen gegenüber anderen. Enttäuschungen gegenüber einem selbst. Weil man versagt hat. Für mich ist es schlimmer, wenn ich jemanden, der mir nahesteht enttäuscht habe, als wenn er wütend auf mich ist. Lieber werde ich angeschrien, als angeschwiegen. Denn Wut verfliegt, aber Enttäuschungen brandmarken. Man kann leicht vergeben, aber man kann nicht leicht vergessen. Kann man überhaupt vergessen? Es geht nicht so leicht, wie seinem Ärger Luft machen. Leider.

Ich wurde schon so oft in meinem Leben enttäuscht. Viel zu oft. Gerade erst wieder. Aber kaum jemand weiß davon. Und wenn, dann nur die, die es eigentlich gar nicht wissen sollen. Weil es nicht sie sind, die mich verletzt haben. Weil es die Menschen sind, die mir guttun, mir zuhören, die für mich da sind und die ich momentan so schwer an mich heranlassen kann. Warum sage ich nichts? Ich verstecke es. Tief verborgen unter einem Lächeln. Keiner beachtet die Augen, die nicht strahlen. Jeder sieht nur deine Lippen, die hochgezogenen Mundwinkeln und das Blitzen deiner Zähne. Ich tue so, als wäre nie etwas gewesen. Als wäre all das nicht passiert. Als wäre es ein Tag, den ich vollkommen aus meinen Erinnerungen gestrichen habe. Ein Tag, der nicht existiert. Bei dem ich mir wünschte, er würde nicht existieren. ABER – er nagt an mir. Immer noch. Und jeder weitere Tag, der verstreicht, lässt all die Geschehnisse im Sand verlaufen. Sandkorn für Sandkorn wird hinfortgetragen, von einem Wind, der so sanft ist, aber doch so viel anrichten kann, wie ein Hurricane. All das scheint so irrelevant geworden zu sein. Vielleicht gibt es wirklich nichts mehr zu reden. Wir haben die Sache tief nach hinten geschoben. Ob es zu spät ist, sie noch einmal auszugraben? Ich weiß es nicht. Sollen wir weitermachen, wie zuvor?

 

Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

 

Wir schufen die Erinnerungen für uns selbst! Wo unsere Augen sich niemals schließen! Unsere Herzen niemals gebrochen werden. Für immer eingefroren und still. (Photograph – Ed Sheeran)

 

Illusionen! Sie sind da. Gaukeln uns vor, wie es sein kann, wie es aber vielleicht nicht ist. Und doch halten wir an ihnen fest. Denn sie sind der Weg, so zu leben, wie man leben möchte. Wir schreiben unser eigenes Drehbuch, führen selbst die Regie. All das, was wir nicht hören, sehen oder fühlen wollen, hören, sehen und fühlen wir nicht. Wir hören, sehen und fühlen das, was uns glücklich macht. Ganz gleich, ob es echt ist.

Es ist der perfekte Moment, auf welchen die nächsten perfekten Momente folgen. In Sekundentakt. Sie sind wie Seifenblasen, die nicht zu zerplatzen drohen. Die robust genug sind, dass sie nicht vergänglich sind. Aber sie sind nicht real. Nicht echt. Auch nicht greifbar. Und sind sie greifbar, ist es auch nur eine Illusion. Doch wir wollen sie festhalten. Klammern uns an sie, weil es das ist, was wir wollen. Manchmal ist es nicht die Realität, die uns glücklich macht. Es ist unser Wunsch, den wir mit aller Kraft zur Realität machen wollen. Ein Wunsch, der nichtsdestotrotz so echt erscheint, so nah, so, als ob er verwirklicht werden könnte. Aber dann bricht alles zusammen. Ein Scherbenmeer. Weil es nicht echt ist. Weil es vielleicht nicht sein sollte. Der Moment schien so perfekt. War er aber nicht. Alles was bleibt, ist ein Foto. Ein Foto, das uns die Welt kurzzeitig so erscheinen lässt, als hätten wir genau das, was wir uns insgeheim wünschen. Als wäre es real. Wir sehen uns dieses Foto an. Es hält genau das fest, was wir sehen wollen. Nicht das, wovor wir unsere Augen lieber verschließen würden. Weil es ewig ist. Nichts und niemand könnte das Bild je ändern. PhotoShop vielleicht, aber man würde immer wissen, was sein Ursprung ist. Wie es entstanden ist. Wir kennen das Original.

 

 Wenn wir auf dem Foto lächeln, dann wirken wir glücklich. So, als könnten wir die ganze Welt umarmen. So, als wären wir zufrieden. Bedingungslos. Wir vergessen vielleicht, dass wir nur wenige Stunden danach unendlich traurig waren. Tränen vergossen haben. Genau aus dem Grund, was uns zuvor so glücklich gemacht hat. Wir haben gelernt, dass die Seifenblase doch nicht so robust ist. Dass sie zerplatzt, wie alle anderen auch. Aber wir haben das Bild. Das Bild, das einen Moment zeigt, der uns das Gefühl gegeben hat, dass uns die Welt zu Füßen liegt. Das Bild ist ein festgefrorener Zeitpunkt und er bleibt. Das Glück bleibt. Wenn auch nicht im Hier und Jetzt. Aber es bleibt auf diesem Bild bestehen. Und dort kann man das, was man in diesem Moment gefühlt hat, nicht mehr revidieren. Es ist beständig. Robust. Auf ewig. Genauso, wie wir uns unsere zerplatzte Seifenblase gewünscht haben. Irgendetwas bleibt immer. Und wenn es nur die Illusion ist. 

 
 
 

Gedanken: Sommer! Freiheit! Leben!

Sommer! Freiheit! Leben!

Ein paar Gedanken

 

Sommer & Café Au Lait! I’m so ready for you! Die letzten zwei Wochen Blogabstinenz hatten es richtig in sich. Und all das wurde von vielen Gefühlen begleitet. Gemischten Gefühlen. Während ich mit meinem Kugelschreiber irgendwelche semantischen Bäumchen abgeleitet habe, kribbelte es stets in meinen Fingern. Ich hätte die ganzen Lernunterlagen am Liebsten beiseite geschmissen und stattdessen bevorzugt ein kleines Brainstorming auf meinen Collegeblock gekritzelt, was ich demnächst alles für meinen Blog machen könnte, wenn ich wieder den süßen Duft der Freiheit schnuppern darf. Und Sehnsucht hatte ich. Eben nach dieser. Nach der Freiheit. Viel zu viel habe ich mir wieder aufgelastet und ich bin noch immer nicht ganz fertig, aber der Freiheit ein Stückchen näher. Während meine anderen Studienkollegen bereits im Strandbad liegen, muss ich mich noch ein bisschen plagen. Jedoch – mit jeder Prüfung, mit jedem abgeschlossenen Kurs und Seminar merke ich förmlich, wie all die Lasten von mir abfallen. Ihr kennt sicher das Gefühl, wenn sich ein Berg voller Lasten abbaut und wie gut es sich anfühlt, oder? Vor zwei Wochen war ich am Rande des Wahnsinns, jetzt spüre ich wieder, wie ich langsam beginne, zu atmen. Es ist nicht mehr so viel, was in meinem Kopf rumschwirrt und bald, ja ganz, ganz bald kann ich mich endlich wieder auf die Dinge konzentrieren, die ich liebe: Sommer, Freiheit, Leben! 

 

Es gibt so viel, auf das ich mich momentan freue. Noch vor kurzem hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich an etwas anderes, als an die Uni gedacht habe und ich ließ es auch nicht zu, mir über andere Dinge Gedanken zu machen. Wahrscheinlich, weil ich Angst hatte, etwas, was ich gelernt habe, zu vergessen oder weil ich noch mehr Angst davor hatte, nicht mit meinem Zeitmanagement klar zu kommen. Jetzt ist all das wieder vollkommen anders. Mir ist bewusst, dass noch nicht alles vollkommen überstanden ist, aber ich fiebere dem Sommer entgegen und ich fiebere vielen wunderschönen Momenten entgegen.

Es kommt so viel auf mich zu. Nächste Woche kann ich endlich wieder mehr Zeit mit meinen Freunden verbringen. Außerdem werden mir durch den Blog tolle Dinge ermöglicht (an denen ich euch selbstverständlich teilhaben lassen werde), wir fahren nach Kärnten und nach Wien, werden ganz viel Frozen Yoghurt essen, am See entspannen, grillen, womöglich wieder einen internationalen Abend machen, sowie ein Lagerfeuer. Wir gehen wandern, bezwingen Berge und werden zu Gipfelstürmern. Wir besuchen wieder den grünen See und werden ein paar Ecken in Österreich abklappern. Und es geht wieder ins Ausland für mich. Im September wartet Triest auf mich. Je näher all das kommt, umso ungeduldiger werde ich. Trotzdem weiß ich – bald werde ich all das haben!

 

I’m so ready! Für alles! Nicht nur der Blog soll demnächst ganz im Zeichen des Sommers stehen, sondern auch ich. Meine Endorphine warten förmlich darauf, endlich auszubrechen. Ich bin ganz hibbelig, alleine wenn ich daran denke, wieder all das tun zu können, was ich liebe. Ich kann wieder andere Blogs durchstöbern, meine Freizeit genießen und mich auch endlich unter der heißen Sonne braun braten. Allein der Gedanke daran bringt mich zum lächeln und schwups, die ersten Endorphine haben sich gerade den Weg in die Freiheit gebahnt.

Auch auf Caros Unterstützung kann ich wieder zählen. Wir wollen viel fotografieren und auch ein paar Outfits shooten. Aber es soll nicht nur primär um den Blog gehen, wenn wir fotografieren. Es soll um all die Momente gehen, die wir einfangen wollen. Unseren Sommer! Unsere Freiheit! Unser Leben! 

 Habt ihr schon viele Pläne für den Sommer? 

Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Manchmal wünsche ich mir, die Welt würde sich aufhören zu drehen. Ich will den Zeiger der Uhr festhalten, der mich mit seinem unerträglichen Ticken wahnsinnig macht. Aus aller Kraft versuche ich, mich selbst in der Zeit gefangen zu halten, in der ich gerade bin. Ich will, dass es so bleibt. Es ist gut so, wie es jetzt ist. Ich will keine Veränderungen, ich will nicht, dass es weitergeht. Ich will nur ein Stop! 

Oftmals wird mir klar vor Augen geführt, wie schnell sich alles verändern kann. Der Tag davor war nicht so, wie es der heutige ist. Es genügt nur ein Bruchteil einer Sekunde, um aus der Bahn geworfen zu werden. Dabei ist man doch glücklich, so wie es jetzt ist. „Ich und Ich“ singen nicht umsonst: „So soll es sein, so kann es bleiben.“ So schön die einzelnen Verse auch klingen, so wunderbar die Vorstellungen sind, aber es geht nicht. Man kann so etwas Unantastbares wie Zeit nicht festhalten, so sehr man auch in einer bestimmten Situation festhängen möchte. Wir können uns an all das festkrallen, aber irgendwann beginnt unsere Hand zu zittern, wird schwach und dann müssen wir loslassen. Loslassen heißt nicht immer, in den Abgrund zu fallen. Es liegt an uns – wir müssen für unser Glück und die Zufriedenheit kämpfen. Permanent! Wir dürfen nicht stehen bleiben, wenn uns ein Moment gerade passt, sondern sollten danach streben, dass er immer wieder kommt. Tiefpunkte sind gut, denn nur die Schattenseiten können uns zeigen, wie schön der Sonnenschein ist. Ansonsten würden wir verlernen, das Glück zu schätzen.

 Ich spüre, dass sich gerade etwas verändert. Eine Veränderung, die mir Angst gemacht hat. Es ist alles so surreal, denn so kenne ich mich gar nicht. Es war so, als hätte ich etwas verloren, was früher einen Teil meiner Persönlichkeit ausgemacht hat. Wo ist nur dieser verdammte Ehrgeiz hin? Ich bin so abgelenkt und kann mich kaum konzentrieren. Mein Kopf platzt beinahe vor lauter Gedanken, ansonsten will nichts hinein. Aber ich habe etwas gelernt: Ich darf mich nicht ständig darauf konzentrieren, was mir nicht passt. Ich darf mein Augenmerk nicht auf diese Wendung legen, sondern ich muss gegensteuern. Ja, der erste Satz stimmt: Manchmal wünsche ich mir, die Welt würde sich aufhören zu drehen. Aber es ist ein Widerspruch. Die Welt sollte sich nicht darum drehen, immer die Beste zu sein. Perfektion klingt verlockend, nur ist es überhaupt wert, danach zu streben? Immer in eine Richtung zu gehen, die zu einem Zielpunkt führen soll, den kein Mensch erreichen kann? Obwohl das manchmal von einem verlangt wird?

Wir haben es in der Hand. Jede Veränderung hat einen Sinn. Egal, wie verschwommen, vage und nebelig die Zukunft aussehen wird – jede Ungewissheit wird irgendwann klar. Ich verstecke mich nicht mehr, halte nicht mehr den Uhrzeiger fest, sondern versuche die Angst vor der Unklarheit zu bekämpfen. Ich lasse nicht zu, dass irgendetwas etwas mit mir macht, sondern ich packe selbst mit an. Norman Vincent Peale hat einmal gesagt: „Change your thoughts and you change your world.“ Und damit hat er Recht!

Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Ich muss gestehen, ich mag Klischees. Bevor ihr euch an den Kopf greift, ihn verständnislos gegen die Tischplatte hämmert, lasst mich kurz erklären, warum. Ich mag Klischees dann, wenn jemand diese eingefahrene Vorstellung über mich in seinen Gedanken mit sich schleppt und ich ihm dann das Gegenteil beweisen kann. Wenn ich zeigen kann, dass ich nicht so bin, wie man mich anfangs eingeschätzt hat. Dass ich überraschen, verblüffen, erstaunen kann. Okay, okay, bevor ich weiterhin abstreite und große Reden schwinge, ja, die Blumenfotos sind „so much cliche“. Aber ich fotografiere sie gerne. Sie strahlen immer etwas Magisches für mich aus, unabhängig davon, dass es schon genügend und wesentlich bessere Fotografien von Blumen gibt. Dieses Klischee schleppe ich gerne mit mir herum und ich streite auch nicht ab, dass ich manchmal nicht einem Klischee entspreche und es erfülle. Klischees in dieser Art und Weise sind mir nicht zuwider. Niemals. Welche Klischees mir allerdings zuwider sind, sind jene, die ich laut den Meinungen anderen Menschen unbedingt zu erfüllen hätte. Ähm, warum sollte ich?

Der Frühling ist hereingebrochen und es liegt da dieser Geruch in der Luft. Dieser penetrante (okay, das Wort übertreibt nun maßlos) Geruch von Liebe. Im Volksmund spricht man gerne von Frühlingsgefühle. Es gibt keine bessere Zeit, sich zu verlieben, als jetzt. I know, I know. Manchmal hat man sogar das Gefühl, als ob sich auch die Vögelchen alle ganz doll lieb haben würden und sich „Vogeline“ in den hübschesten „Vogerich“ verliebt. Schön, schön. Und nun steigen sie, die Erwartungen. „Lisa, jetzt ist die Zeit da, um eine Beziehung einzugehen. Jetzt ist die Zeit, um sich zu verlieben. Love is in the Air.“ Ja, diesen Satz habe ich tatsächlich zu hören bekommen. Ähm, ja schön, okay, fragt sich nur: Mit/in WEN?  

Warum wollen sich alle so zwingen? Es ist schön, wenn man sich verliebt, aber es ist auch nur dann schön, wenn es von sich aus passiert. Von selbst! Wenn es von Herzen kommt! Wenn es sich entwickelt und nicht, weil gerade Frühling auf dem Kalender steht. Ich kenne tatsächlich Menschen, die in der Frühlingszeit (im Übrigen genauso wie in der Weihnachtszeit) eine gewisse Torschlusspanik bekommen, wenn sie noch alleine sind und keinen Partner an ihrer Seite haben. Die suchen dann akribisch nach der „Love of my Life“, auch wenn es nur vorübergangsweise ist. (Das sollte ein kleines Wortspiel für die Übergangszeit sein)

Bestimmt ist es schön, wenn diese Schmetterlinge genau zur Frühlingszeit ins Bäuchlein flattern, dem will ich sicher nicht widersprechen, aber warum bekomme ich so einen Satz an den Kopf geknallt? Bang! Soll ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn gerade die ultimative Lovetime Saison hat und ich alleine bin? Verpasse ich irgendetwas? Das heißt doch nicht automatisch, dass ich jetzt als alte Schachtel alleine in irgendeiner heruntergekommenen Bude mit zigtausend Katzen ende. Obwohl die Vorstellung mit zerzausten grauen Haaren, schlechten Zähnen und fetzigen Lumpen schon sehr ansprechend ist. Keine Angst, ich mache nur Spaß! 

Momentan befinde ich mich wieder stark in einer Nachdenkphase. Oft ertappe ich mich dabei, wie einfach nur so dasitze, egal wo, auf meinem Bett, draußen auf der Terrasse mit einem Kaffee in der Hand oder bei uns in der Nähe, wo sich eine schnucklige Teichanlage befindet, dass ich so abwesend bin und nur nachdenke. Wenn ich aus diesem tranceartigen Zustand aufwache, weiß ich oftmals gar nicht, an was oder vielleicht sogar an wen ich gedacht habe, obwohl meine Abschweifungen in die Gedankenwelt in letzter Zeit viel bewusster und klarer erlebt wurden. Selbstverständlich mache ich mir Gedanken darüber, dafür habe ich mir heute einen bewussten Moment Zeit genommen. Aber nicht darüber, warum ich ausgerechnet JETZT zur Frühlingszeit oder generell schon eine ganze Weile alleine bin, sondern warum es Menschen gibt, die sich in solchen Dingen tatsächlich stressen. Die meinen, dass man jetzt MUSS! Weil es eben ein Klischee ist. Warum? Ich finde es schöner, wenn man es einfach passieren lässt. Wer weiß, vielleicht kennt man den Menschen, mit dem man (irgendwann) gerne zusammen ist, bereits schon, nur man hat noch keinen blassen Schimmer davon. Soll heißen, dass ich an die „Liebe auf den ersten Blick“ schon lange nicht mehr glaube, sondern einfach, dass es passiert. Es passiert, während man sich immer besser kennenlernt. Während man einen tieferen Einblick in den Charakter eines Menschen bekommt und nicht, weil man dem Klischee entsprechen muss, im Frühling in einer Beziehung zu sein. Und dabei finde ich es wundervoll, wie der EINE Mensch immer schöner für einen wird, nur weil man den Charakter so schön/toll findet. Unabhängig davon, ob dieser Mensch im inneren Gedankenbild dem „Mr. Right“ (im Falle der Männer der „Mrs. Right“) entspricht, den/die man sich eigentlich schon immer (wenn auch unbewusst) an seine Seite gewünscht hat.

Außerdem -und das finde ich megawichtig- man ist auch als Single nie allein. Und auch als Single liebt man. Man liebt seine Familie, seine Freunde und ja sogar die verzogene Katze, an deren Divagehabe man im Endeffekt selbst Schuld hat. Man liebt die Momente, die uns ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Man liebt sein Lieblingslied, sein Lieblingsessen, sein Lieblingskleidungsstück. Natürlich ist mir klar, dass all diese Dinge in eine verschiedene Kategorie des Überbegriffs Liebe gehören, aber man liebt, selbst wenn man die Liebe zu einem Partner, zu seinen Freunden, seiner Familie und zum Lieblingskleidungsstück nicht vergleichen kann. ABER MAN LIEBT! 

Und weil der Frühling doch so seine Spuren bei mir hinterlassen hat und ich einfach nur wegen dieser schönen Zeit, den hübschen Cherryblossoms und dem Blümchenduft ein paar Schmetterlinge im Bauch flattern habe, möchte ich euch ein (Liebes)lied „zitieren“, welches ich momentan mit Vorlieben höre. Und wenn man keinen Partner hat, dann kann man dieses Lied auf einen anderen Menschen beziehen (in meinem Fall auf meinen wundervollen Neffen S.) und fertig! Denn dann hat man das Klischee automatisch wieder gebrochen!

Don’t you know you stop the room! And all that I can see is you! I’m standing where the lightning strikes! I know this doesn’t happen twice! You must be my once in a lifetime, in a lifetime!

 

Hört euch das Lied an. Ich muss fast immer ein paar Tränchen vergießen, weil es so schön ist. Das Original ist übrigens von Austin Landon, aber ich träume gerade bei dieser Version vor mich hin. Ich habe es übrigens auch in Dauerschleife gehört, wie ich diesen Post hier verfasst habe.

Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Wenn die Glocke Mitternacht schlägt, versinkt auch der März 2015 in die ewigen Seiten der Geschichtsbücher. Es ist so surreal, wie schnell dieser Monat, März, an mir vorbeigezogen ist. Tage verstrichen, Stunden über Stunden vergingen, der Sekundenzeiger tickte unaufhaltsam und dabei ist mir gar nicht aufgefallen, dass ich in diesem Monat noch gar nicht meine Gedanken mit euch geteilt habe. Ich sitze hier, überglücklich über die erholsamen Ferien, nein, generell über die momentane Situation und suche gerade nach dem Warum? Gab es in diesem Monat nicht viel zu sagen? Manchmal hat man einfach nicht viel zu sagen und so kann es passieren, dass selbst eine Frau der vielen Worte schweigt. Vielleicht habe ich auch die Tage so bewusst gelebt, genossen und war einfach nur glücklich, sodass es nicht viele Worte gebraucht hat. Und je mehr Gedanken ich mir über das Stillgeschwiegene in meinem Kopf mache, umso mehr finde ich die Nähe zu den Worten, die ich heute mit euch teilen möchte.

Manchmal zwingt man sich, zu sprechen. Man möchte etwas sagen. Die Gedanken überschlagen sich. Selbst sie sprechen direkt zu mir. Du musst jetzt etwas sagen! Schweige nicht! Sei nicht still! Sag was! Verdammt, sag irgendwas! Kämpfe dich durch die Leere, erfülle die Ruhe mit einem Klang. Mit dem Klang deiner Stimme! Du zwingst dich, du stehst hier, willst da sein, weil du meinst, einen Zweck erfüllen zu müssen. Wozu bist du denn sonst da? Bist du nur hier, um zu existieren? Aber ich bin doch viel mehr, als nur eine Hülle, die mit Worten ausgestattet ist. Was bin ich wirklich? WER bin ich wirklich? Wir alle haben so viel zu sagen, aber manche Sätze spricht man nicht aus. Man sagt sie nicht, man verbirgt sie in seinem Inneren, hinter dicken Mauern und verschließt sie in der Truhe seines Herzens. Sind sie ein Geheimnis? Was steckt hinter ihnen? Was hilft das, wenn man so viele Gedanken hat, so viele innere Worte, wenn man sie doch nicht ausspricht? Warum verbirgt man sie? Ist es die Etikette, die uns verbietet, manches nicht auszusprechen? Oder will man äußerlich einen bestimmten Schein erhalten?

Irgendwo in meinem Inneren, tief in mir, weiß ich, dass ich viele Worte nicht ausspreche, weil ich nicht will, dass sie von den falschen Ohren gehört werden. Wer meint es ernst mit mir? Interessiert sich überhaupt jemand für das, was ich denke? Es gibt so viele Gedanken, nur mit wem soll ich sie teilen? Oder will ich manchmal nur Blödsinn sagen, einfach das, wonach mir ist? Über zweideutige Witze oder Kindereien sprechen? Mit wem kann ich das? Wer nimmt mich danach trotzdem noch ernst?

Meine Augen schweifen durch den menschengefüllten Raum, sanfte Klavierklänge umschmeicheln meine Ohren, ich hole tief Luft, atme. Die Menschen sehen so ernst aus. Sie diskutieren. Bestimmt über die ernstzunehmenden Ereignisse, die hier auf unserer Welt geschehen. Oder über Geistes- und Naturwissenschaften. Muss ich mich anpassen? Muss ich ernst sein? Dabei will ich doch nur lachen. Lachen über sinnlose Sätze, Witze, Spielereien. Mit jemanden, den ich auch ernste Dinge anvertrauen kann, denn ebenso kann ich auch so sein. Ich schweige, wenn es nicht viel zu sagen gibt. Es gibt Momente auf dieser Welt, in denen sollte man auch nicht viel sagen. Egal, wie sehr die Sätze innerlich wehtun, wie laut sie danach schreien, gesprochen zu werden. Manchmal gibt es nicht die richtigen Sätze. Manchmal sagt man nichts. Aber was bringt sich das? Ist es schön, wenn die Worte, die Sätze, die Gedanken an einem nagen? Wenn sie schmerzen?

Nicht nur ich soll sprechen. Ich will auch, dass du zu mir sprichst. Hör nicht auf! Bitte sei nicht still. Ich will deine Stimme hören. Für immer. Pausenlos. Ich höre dir so gerne zu, wenn du sprichst. WIE du sprichst, der Klang deiner Stimme. Die Mimik und Gestik, wenn ich dich dabei anschaue. Auch wenn du so viele Gedanken in dir hast, die du nicht aussprechen kannst oder willst, dann sag zumindest irgendwas. Es ist mir egal, ob du mich wahrnimmst, aber ich will dich wahrnehmen. Ich halte Stille nicht aus, selbst wenn ICH still bin. Ich halte deine Stille nicht aus. Egal, wie gerne ich dich ansehe. Schweigend. Deine Stimme zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. 

Worte. Sie sind dazu da, um gesprochen zu werden. Und sie sind genauso dazu da, um geschwiegen zu werden. Sie leben durch uns. Durch unsere Gedanken. Durch unsere Seele. Durch das, was wir sind. Wir leben sie, wir lieben sie, ja, manchmal sogar hassen wir sie. Worte können so viel anrichten. Sie können uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern und gleichzeitig so viel zerstören. Manchmal schwärmt man davon, wie schön momentan alles ist, aber kaum ist das letzte Wort gesprochen, kann sich so viel verändern. Alles kann in die entgegengesetzte Richtung laufen. Es muss dann nicht mehr schön sein. Es kann sich so viel verändern. Vielleicht schweige ich deswegen. Weil ich mit Worten nichts kaputt machen möchte. Nichts hochloben will, sondern einfach nur innerlich hoffe, dass es so bleibt. Nicht für immer, aber momentan! Für das Hier und Jetzt. 

Anekdoten aus dem Leben einer Studentin

Wehmütig starre ich nun schon seit einer gefühlten halben Stunde auf ein Foto, welches nun bereits fünf Jahre alt ist. Nahezu taxierend kleben meine Augen auf einem einzigen Bauwerk. Das blonde Mädchen davor? Unwichtig! Es macht mich traurig, dass es schon so lange her ist und alleine der bloße Gedanke, dass das mein letzter richtiger Städtetrip war, lässt mich zittern. Wo ist nur die Zeit geblieben? Das Bild zeigt mich, wie ich überglücklich vor der Tower Bridge in London stehe. Ich weiß noch ganz genau, wie schön dieses Gefühl war, als ich mir einen langjährigen Traum erfüllt habe. Einmal in meinem Leben London sehen. Der tränenreiche Flug war sofort vergessen, die Flugangst einfach hinter ein Placebo geschoben, bei welchem mir meine Mutter weis machen wollte, dass es gegen Flugangst hilft. Tat es eigentlich nicht. Ich glaubte daran, also erfüllte es seinen Zweck. Meine Flugangst nehme ich in Kauf. Einfach weil ich in meinem Herzen eine Geographin bin, die viele Ecken und Kanten auf der Welt entdecken möchte. Fünf Jahre sind seit London vergangen. Ich habe es schon erwähnt. Nur – warum habe ich so viel Zeit verstreichen lassen? Fünf Jahre? Warum? Warum bin ich seit London in keiner Stadt außerhalb von Österreich mehr gewesen?

Fakt ist -und das habe ich ziemlich zum Anfang meines Blogs gesagt- ich will einmal alle Hauptstädte in Europa sehen. Seit über einem Jahr ist das allerdings nicht mehr genug. Ich will mehr. Ich will etwas Außergewöhnliches erleben. Ein Abenteuer. Amerika klingt verlockend. Aber nach Amerika will jeder. Das ist nichts Besonderes mehr. Natürlich träume ich weiterhin von einem Trip in die Staaten, aber es besitzt nicht mehr eine solche Relevanz, wie damals, als ich 14 Jahre alt war. Neben den ganzen europäischen Hauptstädten steht Tokio ganz oben auf meiner Liste. Dass es als Studentin noch unerfüllbar bleiben wird, ist klar – jedenfalls für mich. Aber irgendwann, ja, irgendwann stehe auch ich vor dem Tokyo Tower, lächle in die Kamera, voller Glück und Freude und ich bin mir sicher, ich werde noch glücklicher aussehen, als auf dem Foto vor der Tower Bridge. Irgendwann shoppe ich in Shibuya, esse Sushi in einem echten japanischen Sushirestaurant, stehe am Fuße des atemberaubenden Fuji und versuche mich mit schlechtem Japanisch in der Metropole zurechtzufinden. Irgendwann werde ich vor Ort Hanami erleben und Sake trinken. Und vorher werde ich noch brav Japanisch pauken, damit ich das schlechte Japanisch in Japan auch anwenden kann. Noch vor kurzem hätte ich alles dafür getan, ein Auslandssemester dort zu machen. Diesen Wunsch habe ich aber gar nicht mehr. Viel lieber möchte ich nach meinem Studium dort hinreisen, sozusagen als Belohnung, dass ich es wirklich durchgezogen habe, obwohl anfangs keiner wirklich daran glaubte.

Was jedoch bleibt ist die Reiselust, die sich immer mehr in mir ausbreitet. Die Sehnsucht nach der Ferne tut weh, richtig weh. Ständig sehe ich Urlaubsfotos auf Instagram und Facebook und dann muss ich mich selbst fragen: „Hey Lisa, warum fährst du nicht einfach auch irgendwohin?“ Die letzten Jahre ließen kaum Raum, eine Reise zu planen, obwohl mein Traum schon so lange feststeht. Ich möchte über die Ponte 25 de Abril fahren, egal wie mulmig mir dabei zumute sein wird, in dem Wissen, dass sich unter mir das tosende Meer befindet, ich möchte in einer heißen Quelle in Island baden und vor dem Eiffelturm ein Outfit shooten. Und fernab von Europa – ich will die Zhongyuan Buddha Statue, die höchste der Welt, live sehen.

Irgendwie muss ich mir selbst an den Kopf greifen. Wie blöd bin ich eigentlich? Neulich hat mir ein guter Freund meines Vaters das gesagt, was ich endlich hören musste, um aufzuwachen. „Jetzt hast du noch die Chance, die Welt zu sehen. Tu es einfach!“ Er hat Recht. Er hat so etwas von Recht. Die letzten Jahre habe ich mit Ausreden verschwendet, gemeint, ich hätte keine Zeit und dass es finanziell nicht drin ist. Bullshit! An dieser Stelle verzeiht mir die Ausdrucksweise. Zeit kann man sich nehmen. Man muss nicht immer der pflichtbewusste Mensch sein. Was bringt mir das auch, wenn ich dadurch vergesse, mein Leben einfach mal zu genießen? Und Reisen können sich auch Studenten leisten. Es gibt so viele, die von den Eltern keine Finanzspritze bekommen und trotzdem viel herumkommen. Dann muss ich halt sparen und viel neben der Uni arbeiten. Dann geht das schon. Irgendwie. Ich schaffe es auch, wenn es andere schaffen.

Vielleicht nehme ich mir auch zu viel vor. Ich neige immer dazu, mir viele Pläne zu machen, mir unzählige Dinge aufzubrummen und im Endeffekt kann ich dann gar nichts von meiner To-Do-Liste erfüllen. Warum sage ich mir immer: „Du willst alle Hauptstädte Europas zumindest einmal sehen!“ anstatt: „Fangen wir doch klein an. Budapest ist zum Beispiel sehr schön.“ oder „Egal was, wir nehmen das, was Hoferreisen hergibt.“ Abgesehen davon ist nicht nur das relevant. Einfach mal spontan sein. Spontanität? Habe ich anscheinend verlernt. Ich weiß noch, wie spontan ich mit 18 war. Kann man Spontanität überhaupt verlernen? Vielleicht ist es wie Fahrradfahren. Man muss nur wieder damit anfangen, dann wird man bestimmt sofort wieder die richtige Balance finden.

Daran glaube ich jetzt. Immer, wenn ich realistisch, aber positiv angehaucht denke, funktionieren die Dinge, so wie ich will. Darum – nicht mehr Ausreden finden, einmal etwas für mich tun und dann kann ich auch das Fernweh heilen! Ganz bestimmt. Wenn es diesmal keine europäische Hauptstadt ist, auch nicht schlimm. Hauptsache ich sehe einmal etwas anderes, als Balkonien 🙂