Tag : Vertrauen

Vertrauensängste Vertrauen

Die Kunst, Vertrauen zu können

Die Kunst, Vertrauen zu können

Normalerweise schließe ich mit einem Blogpost auch ein Thema ab. Aber das Thema Trust Issues hat mich nicht mehr ganz losgelassen. Für mich ist es auch nicht ganz abgeschlossen. Darum habe ich beschlossen, mich weiter mit dem Thema Vertrauen zu beschäftigen.

 

Trust Issues

Nachdem ich meinen Blogpost zum Thema "Trust Issues" online gestellt habe, konnte ich meine Gedankenspirale nicht ganz schließen. Das Thema hat mich weiter beschäftigt. Vielleicht auch deswegen, weil ich mich in meinem ersten Blogpost nicht mit dem Thema per se beschäftigt habe, sondern vielmehr das (in einer verkürzten Form) ausgesprochen habe, was ich zu sagen gehabt hätte. Diese Worte mussten raus, aber es war keine konkrete Auseinandersetzung mit dem Problem.

Vielmehr bin ich gewillt, mich weiterhin intensiver mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Und mit all den Ängsten, die daraus entstanden sind.

Sidenote: ich bin keine Psychologin. Ich habe Psychologie lediglich auf Lehramt studiert. Ich gebe keine Gewähr auf die Richtig- und Vollständigkeit dieser Inhalte.

Trust takes years to build

Seconds to break

And Forever to repair

Bevor ich mich dieser Thematik nun voll und ganz widme, möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass ich mich in keine Opferrolle drängen möchte. Genauso wenig möchte ich Vorwürfe hervorrufen, á la „Wie konnten diese Menschen nur…“.

Ich selbst bin bestimmt nicht als Mutter Theresa geboren worden. Fehler habe ich zu genüge gemacht. Auch ich bin mit dem Vertrauen anderen Menschen nicht immer sorgsam umgegangen. Wir alle machen unsere Fehler. Das heißt aber nicht, dass mich meine eigenen Erfahrungen nicht belasten. Trotzdem – es hat mich erkennen lassen, dass vielleicht nicht immer böse Absichten dahinterstecken, wenn ein Mensch mich seelisch verletzt. Die Erlebnisse, von denen ich euch erzählt habe, sind sehr selektiert. Im Laufe meines Lebens gab es immer wieder Konfrontationen und Dinge, die mich sehr verletzt haben. Aber das sind auch die Erlebnisse, die ausgesprochen wurden und unter denen ich einen Cut setzen konnte.

 

Thantophobia

the fear of losing someone you love

Pistanthrophobia

the fear of trusting people due to past experiences with relationships gone bad

Philophobia

the fear of emotional attachment; the fear of being in, or falling in love

Die Angst vor dem Vertrauen?

Wie Vertrauensängste entstehen und warum Vertrauen essentiell ist.

Angst im Allgemeinen entsteht durch eine Kombination vielerlei Faktoren. Sie kann entweder genetisch bedingt sein (Vulnerabilität), durch schwierige Lebensereignisse oder Lernerfahrungen entstehen. Darum gibt es viele verschiedene Arten der Angst. Vertrauens- und Bindungsängste entstehen durch Enttäuschungen, Traumata oder schmerzhaften Erfahrungen wie Fremdgehen. Auch unsere Eltern können Vertrauens- und Bindungsängste bei uns schüren, unabhängig davon, ob wir aktiv, passiv oder gar nicht beteiligt sind: Scheidungen, viel Streit zwischen den Eltern, aber auch Missbrauch, Alkohlabhängigkeit bei Eltern, Gewalt usw. – schwierige Kindheiten enden oft in Pistanthrophobie. Die Kindheit spielt eine entscheidende Rolle. In dieser Entwicklungsphase bilden wir unser Urvertrauen. Doch genauso können schwierige Beziehungen im Jugend- und Erwachsenenalter ein wesentlicher Faktor für Pistanthrophobie sein.

Pistanthrophobie – das ist das Fachwort für die Angst zu Vertrauen. Eine Angst, die wie alle anderen Phobien, ein Hindernis in unserem Leben darstellt. Vertrauen ist ein essentieller Bestandteil unseres Lebens. Zum einen münden Vertrauensängste ganz oft auch in andere Ängste. Dadurch entstehen:

  • Versagensängste
  • Ängste, Nähe zuzulassen
  • Bindungsängste
  • soziale Phobie

Schauen wir uns diese Ängste genauer an. Versagensängste können hinderlich in unserer beruflichen Karriere sein. Bindungsängste und die Angst, Nähe zuzulassen führen dazu, dass wir uns Steine in den Weg legen, jemanden zu finden, den wir lieben. Es führt dazu, dass Partnerschaften nicht eingegangen werden oder wir es überhaupt nicht einmal zulassen, neue Menschen in unser Leben zu lassen.

Meine Bindungsangst wurde schon im letzten Blogpost mehr als deutlich:

"Wie ich es irgendwie vor jedem Date tue, plante ich, nach einer Stunde zu gehen."
Black and white Photography Trust Issues
"Trust Issues"
20. Oktober 2019

Dieser Satz bringt deutlich zum Ausdruck, wie schwer es mir fällt, wirkliche Nähe zuzulassen. Klar, lockere erste Dates haben noch nicht viel mit Nähe und Bindung zu tun. Dennoch bedeutet es eines: man lässt einen Menschen in sein Leben. Für wie lange und ob es nur bei einem Date bleibt ist dabei nicht relevant. Außerdem gibt es da noch das Ungewisse. Wie wird sich das ganze entwickeln? Werden daraus Gefühle entstehen? Auf beiden Seiten? Nichts tut mehr weh, als einseitige Liebe. Genau das schürt Ängste. Natürlich muss man in seinem Leben immer wieder gewisse Risiken eingehen. Das Kennenlernen einer neuen Person ist kein Garant dafür, dass man letzten Endes gleiche oder ähnliche Ziele, Wünsche und Vorstellungen hat. Wir alle kennen den Satz: „Jetzt hatte ich so viel Pech. Darum muss es jetzt einfach einmal klappen.“ Der Satz hat zwar eine positive Message, denn er weist auf Hoffnung hin. Doch negative Erfahrungen in der Vergangenheit garantieren nicht, dass man fortan verschont wird, erneut einen toxischen Menschen kennenzulernen.

Blumen Vertrauensängste Blogpost

Missbrauchtes Vertrauen hat viele Gesichter

Pistanthrophobie ist eine spezifische Angststörung, die eng an unsere Emotionen gekoppelt ist. Daraus können sich weitere spezifischere Ängste ergeben. Wie beispielsweise die Philophobie – die Angst, emotionale Gefühle wie Liebe überhaupt zuzulassen. Solche Unsicherheiten kommen bei mir oft in der Zeit zwischen dem Kennenlernen und der „ich lasse mich emotional auf dich ein“-Entscheidung vor. Zum Glück ist das bei mir keine Phobie, sondern nur eine Unsicherheit. Ich kenne jedoch Menschen, die eine stark ausgeprägte Angst davor haben, sich zu verlieben und alles tun, was in ihrer Macht steht, um emotionale Gefühle vehement von sich fernzuhalten.

Womit ich jedoch öfter hadere ist die Thantophobie. Thantophobie ist die Angst, jemanden zu verlieren, den man liebt und bezieht sich eigentlich auf die Angst vor dem Tod (eigener oder der Tod einer geliebten Person). Ich kam mit dem Thema „Tod“ schon sehr früh in Berührung, darum war ich bereits in jungen Jahren mit Verlustängsten konfrontiert. Aber auch in Beziehungen zeigte sich dieses Muster nach und nach. Früher war es rein auf das Thema „Tod“ bezogen, was sich heute definitiv verändert hat, nachdem ich meine erste Trennung erlebt habe. Inzwischen haben sich Verlustängste bei mir ebenso auf zwischenmenschlicher Ebene manifestiert:

"Ich ertappte mich oft dabei, wie ich zu meinen Freunden sagte: „Ich will nicht, dass es endet.“ Ich hatte Angst, dass es endet."

Mit Veränderungen tue ich mir oft schwer. Inzwischen arbeite ich daran, Veränderungen als neue Chancen zu sehen. Doch wenn ich jemanden wirklich gern mag, werde ich mit einer ganz bestimmten Veränderung wohl nie klar kommen: wenn es endet bzw. nicht von meiner Seite aus vollster Überzeugung beendet wurde. Lasse ich mich auf jemanden ein, dann habe ich es eigentlich bereits geschafft, die Pistanthrophobie abzubauen. Nur wenn es einmal nicht so gut läuft, entstehen bei mir Verlustängste. Es tut weh, Menschen zu verlieren, die man gerne hat und davor habe ich auch Angst.

Atelophobia

the fear of not being good enough

Athazagoraphobia

the fear of forgetting, being forgotten or ignored, or being replaced

Dystychiphobia

the fear of hurting someone

Bin ich gut genug?

Das Vertrauen in sich selbst

Liegt es an mir, wenn es endet? Bin ich schuld, weil ich nicht gut genug bin? Ich muss so oder so sein, dann bekomme ich schon das, was ich will (Beziehung, Liebe, Freundschaft). Ich habe mich oft selbst gequält, um bestimmten Idealen zu entsprechen, die ich nie im Leben erreichen kann. Oft auch nur deswegen, weil ich mir eingebildet habe, irgendwann zu genügen, wenn ich nur „so“ wäre, wie ich geglaubt habe, sein zu müssen. Das soll nicht heißen, dass meine Magersucht oder meine Essstörung per se darauf fundieren. Es stecken immer noch tiefgreifendere Trigger dahinter, aber es ist kein Geheimnis, dass Liebeskummer und zerbrochene Freundschaften meine Trigger-Faktoren Nummer 1 waren und sind.

Ist die Beziehung oder die Freundschaft zerbrochen, bereitet es mir oft Sorgen, nun plötzlich ersetzt zu werden. Besonders dann, wenn noch Gefühle im Spiel sind und ich noch nicht abgeschlossen habe.

"Denn du warst gut darin, mich zu ersetzen. Mich links liegen zu lassen, wenn ein anderes Mädchen cooler war als ich. Das hast du oft gemacht. Ziemlich oft sogar."

Ist diese Angst ausgeprägt, nennt man sie Athazagoraphobie. Es ist Weißgott nicht schön, wenn man im Leben des anderen nur noch eine unbedeutende bzw. gar keine Rolle mehr spielt. Insbesondere dann, wenn man noch Hoffnung auf ein Happy End hat. Besonders weh tut es auch, wenn man das Gefühl hat, ersetzt zu werden, z.B. mit einer neuen besten Freundin oder einem/einer neuen Partner/in. Als mein Ex-Freund plötzlich eine neue Freundin hatte, war das für mich besonders schlimm, weil ich einfach noch keinen Cut unter diese Beziehung setzen konnte bzw. weil er mich auch wegen ihr verlassen hat. 

Blumen Vertrauensängste Blogpost

Wie kann ich meine Ängste abbauen?

Und wieder vertrauen?

Ich bin gerade selbst dabei, Strategien zu entwickeln, meine Vertrauensängste zu bewältigen. Ein gesundes Misstrauen ist meiner Meinung nach wichtig. Man sollte nicht immer sofort blind vertrauen, sondern auch kritisch sein. Warum ich nun endlich an diesem Probelm arbeiten möchte, fundiert darauf, dass ich mein Leben davon nicht mehr beeinflussen lassen möchte. Es hemmt mich in zwischenmenschlichen Beziehungen. Zwar gibt es genügend Menschen, denen ich vertraue (sogar blind), aber gerade beim Thema Liebe und Partnerschaft steht mir die Pistanthrophobie im Weg. Dabei ist es das gar nicht wert, dass die toxischen Menschen aus meiner Vergangenheit mein Leben derart beeinflussen. Ich bin diejenige, die mein Leben beeinflussen soll, nicht andere.

Im Übrigen möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass ich nicht alle der aufgezählten Phobien habe. Sie sind lediglich in einer abgeschwächteren Form in meinem Leben präsent, aber nicht phobisch. Ich denke, all das sind Ängste, die wir alle kennen – und das ist auch kein Wunder. Denn mit negativen Ereignissen, falschen Freunden und Liebeskummer werden wir alle im Laufe unseres Lebens konfrontiert. Genau deswegen ist es so wichtig, jede Chance zu ergreifen, um mit solchen Geschichten abzuschließen. Der Face-to-Face Kontakt ist dafür immer noch die nachhaltigste Lösung von allen. Verpasst diese Chance nicht, denn es führt nur dazu, dass ihr eure Trust Issues füttert und es letztendlich in eine Pisanthrophobie mündet. Als studierte Psychologielehrerin weiß ich jedoch, dass Ängste dazu da sind, um sie zu überwinden. Genau das möchte ich jetzt angehen. Ich beschäftige mich schon länger mit Strategien zur Bewältigung von Pistanthrophobie. Das heißt, das Thema ist auf diesem Blog noch nicht durchgekaut und wird fortgesetzt. Stay tuned!

Ich muss dann mal alleine sein…

Ich muss dann mal alleine sein.

03.01.2019 – an diesem Tag schrieb ich auf Instagram:

Mehr als drei Monate sind seit meinem Umzug vergangen. Ich habe mir ein vollkommen eigenes Leben aufgebaut und jetzt ist es auch an der Zeit, mehr darüber zu sagen. Irgendwie ist mir vor meinem Umzug alles zu viel geworden. Ich habe Dinge erlebt, die mich völlig aus der Bahn geworfen haben und sie doch hinter einem Lächeln versteckt. Wenn du wieder lernen musst, neu zu vertrauen, musst du einen Weg finden, wie du das irgendwann wieder schaffen kannst. Ich wusste, was mir dabei helfen würde: alleine zu sein.

Alleine zu sein bedeutet nicht, einsam zu sein. Alleine sein zu können bedeutet, dass du irgendwann mit dir selbst zurechtkommst. Dass du von niemanden abhängig bist, dass du auch mit dem Verlassen und Verlassenwerden zurechtkommst, dass du dich abgrenzen und eine Weile alleine sein kannst. Ich musste in erster Linie mit mir selbst zurechtkommen. Wieder die Liebe zu mir selbst entdecken und mir meinen Wert für mich selbst zurück erkämpfen. Dazu musste ich weg. In eine andere Stadt. In eine eigene Wohnung. Alleine. Alleine einen Neuanfang wagen, aber immer mit dem Wissen, dass ich auf viel Unterstützung zählen kann. Und es hat sich gelohnt. Es hat mir gut getan. Ich habe in Graz ein wunderbares Umfeld, schon etliche neue Leute kennengelernt und ich blühe gerade auf. Ich bin ständig unterwegs, viel in der Stadt und ich lerne mein neues Zuhause kennen. Gemeinsam und alleine. Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung mit dem „alleine leben“ mache, denn genau das hat mir geholfen, mich nicht mehr einsam und verloren zu fühlen.

(c) Instagram: mycafeaulait

Einsam sein

Es sind Worte mit Bedeutung. Worte, die ich mit Bedacht gewählt habe. Worte, über die ich lange nachgedacht habe. Ich wollte damit etwas sagen. Mit Bedacht gewählt sind die Worte deswegen, weil ich nicht wusste, wie ich mich ausdrücken sollte. Persönliche Worte auf Instagram sind oftmals schwierig. Sie werden vielleicht nicht von jedem gelesen, aber diese Worte hier sind nun da, weil ich eine Message hatte. Und diese Message wollte ich nach Außen tragen. Wenn sie auch nur einen Menschen erreichen, einen Menschen, der sie wirklich liest und den ich damit berühren kann, dann habe ich mein Ziel erreicht. Auch in einer oberflächlichen Welt wie Instagram, von der ich ebenso -und das streite ich nicht ab- ein Teil bin.

Manchmal habe ich eben mehr zu sagen, als „hey guys, what’s up bla bla bla.“ Und manchmal reize ich den begrenzten Platz meiner Caption auch aus, um diese Worte in die Welt hinaus zu tragen. Diesmal ging es um das Alleinsein. Um das Alleinsein, das mich von meinem einsam sein befreit hat.

Wenn ich so zurückblicke – vor nicht allzu langer Zeit – da habe ich mich einsam gefühlt. Einsam, obwohl ich tagtäglich mit einer Vielzahl von Menschen in einen sozialen Kontakt stand. Ich saß in der Uni, neben mir meine netten Studienkollegen und ich fühlte mich einsam. Ich spielte mit meinem Neffen, der mir jedes Mal ein Lächeln auf die Lippen zaubert, doch ich fühlte mich einsam. Meine Freunde und ich saßen in der Bar bei schummrigen Licht und Cocktails, doch ich fühlte mich einsam.

Ja, es ist noch gar nicht so lange her, da lernte ich wirklich, was einsam sein bedeutet. Ich lernte die Einsamkeit mit all ihren Facetten kennen, obwohl ich nicht alleine war. Du kannst in den Armen der Person liegen, für die du mehr empfindest und es fühlt sich plötzlich so leer an. Du begegnest im Bus unzähligen neuen Gesichtern, manche verwickeln dich vielleicht in Gespräche, doch es fühlt sich so leer an. Du beginnst damit, wieder mehr zu daten, doch es füllt nicht deine Leere und du verlierst auch kein Wort darüber, weil es dir peinlich ist, dass du nichts mehr fühlen kannst. Du lernst im Coffeeshop einen netten Jus-Studenten kennen, der dir einen Kaffee spendiert, weil er sich „vorgedrängelt“ hat, kommst mit ihm ins Gespräch, aber es fühlt sich trotzdem so leer an. Einsam eben. Da begriff ich. Einsam kann man sich auch fühlen, wenn man nicht alleine ist.

Ein Cut und ein Fehler

Alleine sein und einsam sein, das sind zwei Komponente, die immer wieder als eins gesehen werden, die aber so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht. Alleine sein ist nicht gleich einsam sein. Es hat eine andere Bedeutung. Und ich wusste: ich musste von den Gefühlen der Einsamkeit loskommen. Das war mir schon lange bewusst, doch ich wusste nicht, wie ich es schaffen sollte. Wie sollte ich diese Gefühle überhaupt loswerden, wenn ich ständig unter Menschen war und mich trotzdem so verloren fühlte? Es war ein Cut notwendig.

Eigentlich brauchte ich diesen Cut zum ersten Mal nach meiner Diplomprüfung. Zu dieser Zeit war mir alles zu viel. Ich wollte verreisen. Alleine. Ich wusste, dass ich nach all den Monaten der Lernerei für mich sein musste. Dass ich mich abkapseln musste, nachdem ich für meine Diplomarbeit mit unzähligen Menschen zu tun hatte. Dass ich mich abkapseln musste, nachdem ich im Laufe meiner Studienzeit mit einer noch viel größeren Anzahl an Menschen zu tun hatte. Doch dann kam alles anders.

Wie es so ist, wurden meine Pläne durchkreuzt. Ich lernte neue Leute kennen, stürzte mich von einem Abenteuer in das andere, ging auf Events, datete mich, fuhr mit der Familie in den Urlaub – alles Erlebnisse, die sehr schön waren, nur ich selbst blieb auf der Strecke. Es führte dazu, dass ich mich wieder in die Essstörung hievte, dass ich mich erneut Stück für Stück in das Gefühl der Leere hineinmanövrierte. Und das, was mir wahrscheinlich geholfen hätte, meine Leere zu durchbrechen, das Alleinsein, das habe ich nicht mehr beachtet. Ein Fehler.

Alleine sein

Der Cut kam. Ein Jahr später als geplant, aber er kam. Zwar bin ich immer noch nicht alleine verreist oder war für mich alleine in der Natur auf irgendeiner einsamen Berghütte (was ich nach meiner Diplomprüfung eigentlich tun wollte), aber ich habe den Cut gewagt. Der Cut ist derjenige, dass ich nun mit niemanden eine Beziehung führe, außer mit mir selbst. Ich bin in eine eigene Wohnung gezogen. Alleine. Weil ich das brauchte. Und Gott sei Dank habe ich das getan. Stück für Stück finde ich nun wieder zu mir selbst. Ich lerne, alleine mit meinen Ängsten umzugehen. So bin ich nicht mehr von irgendjemanden abhängig. Ich lerne, das Erwachsenenleben alleine zu managen. Ohne toxische Menschen in meiner Umgebung, von denen ich mich viel zu lange abhängig gemacht habe. Und dieses Alleinsein fühlt sich alles andere als einsam an.

Ich bin nicht zu einem Eigenbrötler mutiert, treffe mich nach wie vor mit meinen wichtigsten Freunden und habe auch nach wie vor mit vielen Menschen zu tun, doch es fühlt sich nicht mehr leer an. Es fühlt sich befreiend an. Ob es daran liegt, dass ich mich im Laufe der letzten Monate von toxischen Menschen entfernt habe? Kann gut sein, doch erst der Umzug in eine neue Stadt war sozusagen die Befreiung, auch wenn sie noch nicht ganz vollzogen ist. Aber das kommt noch. Und es wird auch noch kommen, dass ich wieder lerne, anderen Menschen zu vertrauen. Dass ich andere Menschen wieder in mein Leben lasse. Bis ich soweit bin, führe ich die Beziehung mit mir selbst gerne weiter. Alleine. Und das fühlt sich großartig an.