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Kinderwunsch

Kinderwunsch?! Keine Ahnung!

Kinderwunsch?!

Keine Ahnung!

Bei einem Q&A auf Instagram wurde ich oft gefragt, ob ich einen Kinderwunsch habe. Warum diese Frage für Frauen generell problematisch & schwierig ist und warum auch ich mir damit schwertue, verrate ich in diesem Blogbeitrag. 

Es gehört zum Bild des klassischen wie auch traditionellen Lebens dazu. Der Kinderwunsch bzw. die Familienplanung. Doch heutzutage haben sich unsere Blickwinkel verändert. Wir bestreiten nicht mehr den traditionellen Weg von Hochzeit, Haus bauen und Kinder kriegen. Inzwischen haben wir einen Wandel durchlebt, der von einem „klassischen Lebensweg“ abweicht. Frauen werden beim ersten Kind, wenn sie überhaupt eines möchten, immer älter. Unsere Wege sind anders. Unter anderem dauert es inzwischen auch länger, bis viele Frauen ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Ein Studium beispielsweise kostet Zeit. Dass man danach oder dazwischen noch ein bisschen unabhängig und frei sein möchte oder die ganze Energie in die berufliche Karriere steckt, ist völlig legitim. Aber nicht nur eine längere Ausbildungsdauer oder verschiedene berufliche Ziele sind Faktoren, die viele Frauen davon abhalten, früh Kinder zu bekommen. Manchmal fühlen sich Frauen in ihren 20ern schlicht und ergreifend noch nicht bereit dazu. Und wie es auch kommen mag oder welche Ursachen für die Entscheidung einer Frau im Bezug ihres Kinderwunsches zugrunde liegen, jede Frau hat das Recht, selbst zu entscheiden, wie sie mit dieser Geschichte umgeht. 

Und doch ist es insbesondere DIE EINE FRAGE, die oftmals Neugierde hervorruft. Vor allem wenn man sich, wie ich, in Richtung 30 bewegt und in einer Beziehung lebt. Aber auch Single Frauen müssen sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Das kann ich aus meinen persönlichen Erfahrungen durchaus behaupten, denn im Grunde genommen war die Frage immer präsent. Während meines Single-Daseins eben in einem anderen Kontext. Die Frage nach Kindern. 

Kinderwunsch?

Warum die Fragen nach Kindern, Kinderwunsch und einer vermuteten Schwangerschaft tabu sein sollten...

Es ist nicht nur die Frage nach dem Kinderwunsch schwierig, sondern auch die Frage: „Bist du schwanger?“ – Egal aus welchen Anlässen sie auch hervorgehen möchten. Denn das Thema Kinder hat für jede Frau eine andere Bedeutung – für viele ist sie höchst emotional. Die Gründe fußen auf Tatsachen, die quasi jede Frau betreffen könnte. Dabei muss es sich noch nicht einmal um Fremde handeln oder Frauen, die uns weniger nahestehen. Auch auf die engste Freundin könnte zumindest eines der Dinge, die ich gleich aufzählen werde, zutreffen. 

Die Fragen nach dem Kinderwunsch oder einer vermuteten, aber nicht bestätigten Schwangerschaft, sind deswegen so schwierig und emotional, weil es nicht selbstverständlich ist, Kinder zu bekommen oder sie gesund auf die Welt zu bringen. Viele Paare versuchen jahrelang vergeblich, ein Baby zu zeugen. Andere Paare hingegen erlitten ein- oder mehrmals eine Fehlgeburt – eine schmerzliche Erfahrung. Andere Frauen hingegen möchten Kinder, aber haben noch keinen geeigneten Partner oder eine geeignete Partnerin gefunden. Wiederrum andere haben ihr Baby zur Adoption freigegeben. Und dann gibt es noch Frauen, welche sich einst in ihrem Leben für eine Abtreibung entschieden. Aus welchen Gründen auch immer: Vergewaltigung, Alter, das Kind ist nicht gesund usw. Solche Entscheidungen gehen uns nichts an und auch wenn es Abtreibungsgegner gibt, die solche Beweggründe so oder so ablehnen, wir brauchen nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, dass es eine quälende Erfahrung für eine Frau ist. 

Und dann gibt es Frauen, wie mich. Ob es für mich problematisch sein wird, Kinder zu bekommen, weiß ich nicht. Ich habe es noch nie versucht und auch den Drang danach verspüre ich aktuell nicht. Doch mein „Problem“ liegt in erster Linie auf dem Fakt, dass ich mit meinen 28 Jahren immer noch nicht weiß, ob ich Kinder bekommen möchte oder nicht. Weder steht dieser Entschluss für mich fest, noch fühle ich mich bereit dazu und doch werde ich unter Druck gesetzt, mich endlich zu entscheiden, ob ich kinderlos bleiben möchte oder nicht. 

Ende 20 und noch nicht bereit für ein Kind...

Auf Instagram habe ich ehrlich geteilt, wie meine Meinung dazu aussieht. Nämlich genauso, wie ich es eben beschrieben habe. Ich bin 28 und weiß nicht, ob ich Kinder haben möchte. Unerwartet kamen unzählige Reaktionen auf meine Story. Ich hatte noch nie so viele Antworten auf eine Story, wie auf diese. Viele Frauen reagierten verständnisvoll, erzählten mir, dass es ihnen gleich geht. Dass sie sich selbst oft unter Druck gesetzt fühlen, was das Thema „Kinderwunsch“ anbelangt. Wiederrum andere erzählten mir von ihren Erfahrungen, sehr jung Mutter geworden zu sein und dass sie oft gefragt wurden, ob das Kind denn „überhaupt gewollt sei.“ Auch das sind Fragen, die wir nicht zu stellen haben. Und dann gab es noch eine dritte Gruppe, die in mir erneut das Gefühl des Druckes erzeugten. Die mir erklärten, dass das reine Biologie ist und ab 35 die Risiken für Behinderungen beim Kind sowie Problemschwangerschaften steigen. 

Ich denke, jede Frau, die sich dazu entschließt, später ein Kind zu bekommen, ist sich der Risiken bewusst. Ich zumindest bin es. Auch wenn Biologie nicht mein stärkstes Fach war, es ist etwas hängen geblieben und ich weiß, dass es in diesem Alter schwieriger ist, ein Kind zu bekommen. Nicht nur mit dem Versuch, schwanger zu werden, sondern eben auch mit den damit verbundenen Risiken. Ob das nun verantwortungslos ist oder nicht, sei dahingestellt. Schwangerschaften habe ich noch nie als eine Leichtigkeit betrachtet. Für mich ist dieses Risiko eigentlich immer präsent, auch wenn man beim ersten Kind noch unter 30 ist. 

Und weil ich mir des Risikos bewusst bin, möchte ich nicht ständig daran erinnert werden. Ich persönlich betrachte mich als eine sehr gebildete und gut informierte Frau. Ich versuche stets, mein Wissen über den weiblichen Körper und vor allem meinen Körper zu erweitern und setze mich damit auch auseinander. Es ist nicht notwendig, von außen noch eine Klatsche zu bekommen, denn ja, es schürt Ängste, die ich vorher nicht hatte, als ich mich selbst mit dieser Thematik befasste. 

Ich bin nun fast am Ende meiner 20er angelangt. Und es ist nun einmal so, dass ich nicht weiß, ob ich irgendwann Kinder möchte, oder nicht. Dabei widerspreche ich den gesellschaftlichen Normen, aber ich weiß nun mittlerweile auch, dass es vielen so geht. Dass es vollkommen normal ist, wenn man mit Ende 20 noch nicht weiß, ob man Kinder möchte oder nicht. Ich fühle mich noch nicht bereit dazu, doch nur aus Angst, ich wäre irgendwann, wenn ich es möchte, zu alt dafür, will ich jetzt nicht um jeden Preis ein Kind haben. Denn DAS wäre verantwortungslos. 

Kinderwunsch

Wenn die anderen es besser wissen...

Ist es nun wirklich notwendig, ungefragt sein medizinisches Halbwissen weiterzugeben, nur weil man es wieder einmal besser weiß oder den Drang verspürt, seinen Senf abgeben zu müssen? Ich denke nicht. Viel wichtiger ist es, sensibel mit der Situation umzugehen. Zu lernen, dass uns die Familienplanung von anderen Menschen nichts angeht. Dass wir leben und einander leben lassen sollten. Es ist wichtig, dass wir die Wünsche von anderen Menschen akzeptieren sowie respektieren, denn wir sind es nicht, die das Kind letztendlich großziehen. Wir dürfen niemanden verurteilen, der noch keine konkreten Familienpläne hat – egal in welchem Alter. Denn wenn wir eines vermeiden sollten, dann ist es doch das, dass wir jemanden verletzen, vor den Kopf stoßen oder schlecht fühlen lassen. 

Kolumne: Die Sache mit dem Älterwerden

Die Sache mit dem Älterwerden

Gedanken

Die Sache mit dem Älterwerden

Älterwerden gehört im Leben dazu. Doch in der Gesellschaft ist das - vor allem als Frau - nicht immer ganz so einfach. 

Wir haben Oktober. Somit ist es bis zu meinem Geburtstag nicht mehr weit. Es wird mein letzter 20er sein. Nächstes Jahr werde ich dreißig. Eine Zahl, vor der ich mich schon vor meinem 20. Geburtstag gefürchtet habe. Ich erinnere mich noch genau an meine Kindheit. Als ich klein war, war dreißig in meinen Augen steinalt. Als Jugendliche sah ich das genauso. Wahrscheinlich war eure kindliche/jugendliche Perspektive ähnlich. Die Angst davor ging lange nicht weg und blieb bis Mitte 20. 

Nur – je näher diese Zahl jetzt kommt, umso weniger stört sie mich. Ich lebe inzwischen ein Leben, mit dem ich vollkommen zufrieden bin. Auch wenn sich mein Leben Grund auf von dem Leben unterscheidet, welches ich mir in meinen Early 20s ausgemalt habe. Ich denke, wir alle haben bestimmte Zukunftsvorstellungen – insbesondere von dem, was wir bis zu unserem 30. Geburtstag erreicht haben möchten. 

Bei mir war es, wie bei so vielen anderen auch, die klassische Zukunftsvorstellung: mit 30 bin ich verheiratet, habe zwei Kinder und bereits eine steile berufliche Karriere. Und natürlich bringe ich meinen Top-Job mit Ehemann und Kind super unter den Hut. Ich würde in meinem Traumhaus mit Garten leben und würde ein teures Auto fahren. 

Tja, was ist von dem eingetreten? Gar nichts. Weder bin ich Mutter, noch bin ich beruflich dort, wo ich bereits sein möchte, noch fahre ich ein eigenes Auto (wobei, das soll bald kommen) und mein Traumhaus wurde auch noch nicht gebaut. Ich trage keinen Ehering am Finger und bin somit unverheiratet. Doch heute stört mich das viel weniger, denn wie bereits gesagt: ich lebe das Leben, mit dem ich voll und ganz zufrieden bin. 

Ich habe trotzdem einen tollen Job, fantastische Freunde, lebe in einer glücklichen Beziehung und mit meinem Freund sogar in einem kleinen Haus mitten in der Stadt, aber dennoch mit viel Grünflächen. Doch eine Sache gibt es trotzdem, die mich gewaltig stört: wenn ich ständig an meinen bevorstehenden 30. Geburtstag erinnert werde oder ich nicht mehr in meinen Zwanzigern sein darf, sondern schon in meinen „Fast Dreißigern“ bin.  

Kolumne: Die Sache mit dem Älterwerden

Wie wir "Alters-Ängste" schüren

Wir sollten uns gegenseitig unterstützen, anstatt Zweifel hervorzurufen

Mir kommt vor: seit meinem 28. Geburtstag bin ich nicht mehr in meinen 20ern, sondern „fast 30“. Und das stört mein Vorhaben, im Hier und Jetzt zu leben. Versteht mich nicht falsch: ich finde es unfassbar wichtig, sich Gedanken um die Zukunft zu machen. Bei mir persönlich ist es natürlich meine berufliche Karriere und das Haus, das ich gerne einmal bauen und in dem ich leben möchte. Mir ist klar, dass ich in der Hinsicht vorausschauend denken muss. Ich muss mich jetzt im Job beweisen, um mich hochzuarbeiten. Und ich muss jetzt Geld zur Seite legen, damit ich mir das Traumhaus erfüllen kann. Logisch. Das macht auch Sinn und ist wichtig. Doch was ich nicht mag: wenn man Witze über mein Alter macht oder mich damit aufzieht, dass mein 30. Geburtstag bei mir nicht mehr in allzu weiter Ferne ist. Denn Alter ist nur eine Zahl und nichts, was mich als Menschen oder als Frau ausmacht.  

Für viele Frauen (aber natürlich auch Männer) ist die 30 ein Graus. Kein Wunder. Unser gesellschaftliches Bild suggeriert uns, dass wir in unseren 20ern in den besten Jahren sind und es danach vorbei ist. Quasi als wären alle Chancen verspielt, sich selbst zu verwirklichen. 

Insbesondere uns Frauen wird ein hoher Druck auferlegt. Wenn wir mit 30 noch kinderlos sind, werden wir wohl keine mehr bekommen und unser Uterus vertrocknen (um es etwas überspitzt auszudrücken). Wenn wir mit 30 noch keinen Mann haben, werden wir als alte Jungfer (oder Catlady) enden (puh, was hatte ich für ein Glück, dass ich mit 28 noch einen abbekommen habe *sarkasmusover*). Und wenn wir mit 30 noch keine Top-Position im Job erreicht haben – oder bereits eine Boss Woman sind, werden wir beruflich wohl auch nichts mehr erreichen. Gerade das ist KEIN Female Empowerment – denn solche Aussagen kommen gemäß meiner Erfahrung leider meistens von Frauen selbst. Jedoch – sollten wir uns nicht eher unterstützen und beflügeln, anstatt bei der anderen mit solchen Aussagen Zweifel hervorzurufen? 

Kolumne: Die Sache mit dem Älterwerden
Kolumne: Die Sache mit dem Älterwerden

Ich habe keine Angst, älter zu werden

...aber ich habe Angst davor, nicht genug erreicht zu haben

Gerade wenn mein Alter zum Thema wird, kommen plötzlich Ängste in mir auf. Zukunftsängste. Und nicht zu vergessen: Zweifel. Zweifel, ob ich alles in meinem Leben richtig gemacht habe. Oder auch Reue und Wehmut. Ich habe viel Zeit in meinen 20ern verloren. Einerseits durch die Magersucht, durch Therapien und Klinikaufenthalte. Durch die Tatsache, dass ich mich von meinen Freunden sozial isoliert habe. Eine Zeit, in der ich zu meinen liebsten Menschen oft gemein war, oder sie nicht an mich herangelassen habe. Zeit, die ich durch instabile Beziehungen verloren habe oder durch die langwierige Trauerzeit, nachdem mein Vater gestorben ist. 

Weder will ich jammern noch Mitleid, denn ich bin mir immer noch über die Privilegien bewusst, die mir zur Verfügung stehen. Doch meine Early 20s waren keine einfache Zeit für mich. Die meisten meiner Freunde jedoch konnten diese Zeit unbeschwerter genießen. Zugegeben: darum beneide ich sie. Ich wünschte mir, dass ich dieses Glück auch gehabt hätte. Natürlich weiß ich, dass ich selbst auch einiges dafür tun hätte können. Zum Beispiel, indem ich meine Recovery schon damals ernstgenommen hätte. Doch ich bin meinen Weg nunmal so gegangen, wie ich ihn gegangen bin. 

Aber jetzt geht es mir gut. Jetzt bin ich glücklich. Ich habe endlich die richtige berufliche Richtung gefunden. Eine Richtung, die ich weiterhin eifrig verfolgen möchte. Ich bin glücklich in meiner Beziehung und auch mit meiner Familie verstehe ich mich gut. Eigentlich lebe ich jetzt das unbeschwerte(re) Leben, das ich mir immer gewünscht habe. Plus: ich fange jetzt erst so richtig an, meinen Weg zu gehen, um meine Ziele zu erreichen. Denn es hat lange gedauert, um überhaupt die richtigen Ziele für mich herauszufinden. Um zu wissen, was ich auch tatsächlich aus meinem Leben machen und was ich erreichen möchte. Und gerade darum halte ich so stark daran fest, dass ich weiterhin in meinen 20ern und noch nicht in meinen 30ern bin. 

Ich will die letzten Jahre meiner 20er genießen dürfen, als eine Frau, die in ihren 20ern ist. Und ich will nicht das Gefühl haben, dass es jetzt schon zu spät ist, noch etwas zu erreichen. Jetzt, wo ich meine Weg erst so richtig aufgenommen habe. Ich will nicht an mir zweifeln. Schon gar nicht an dem Punkt, an dem ich gerade stehe. Ich verstehe weder, warum 30 gesellschaftlich auf einmal so verpönt ist, noch warum man sich so extrem viel darauf einbildet, wenn man von der 30 noch weit entfernt ist. Lasst uns doch lieber das Leben feiern und das Privileg, wenn wir Älterwerden dürfen. Denn das ist auch keine Selbstverständlichkeit.

Kolumne: Die Sache mit dem Älterwerden
Kolumne: Die Sache mit dem Älterwerden
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